Die 3 größten Fehler, warum Menschen mit ADHS mit ihren Projekten nicht vorankommen

​Sie haben etwas vor. Sagen wir mal, Sie sind selbstständig und Sie wollen einen neuen Blogbeitrag schreiben und diesen an Ihre Interessenten und Kunden verschicken. Oder Sie sind zuhause und wollen Ihren Schreibtisch sortieren. Oder Sie wollen lernen, pünktlicher zu kommen.

Was haben diese drei Dinge gemeinsam?

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Es sind „Projekte“.

Wer beruflich mit Projektarbeit zu tun hat, der ist mit dem Begriff „Projekt“ schon vertraut. Aber meistens denken wir in privaten Angelegenheiten oder in „nicht-typischen Projektangelegenheiten“ gar nicht daran, dass das, was wir vorhaben, in Wirklichkeit ein PROJEKT ist - und KEINE AUFGABE.

Das Problem ist, wenn wir Projekte nicht als Projekte behandeln, dann werden wir sie ewig und drei Tage nicht fertig bekommen. Denn Projekte brauchen eine bestimmte Herangehensweise, damit sie letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können.

Was kennzeichnet ein Projekt?

Um ein Projekt als solches erkennen und behandeln zu können, müssen wir wissen, wann denn etwas ein Projekt ist.


Folgende Kriterien helfen Ihnen bei der Identifikation:

  • Wenn etwas nicht in einer einzelnen Arbeits-Etappe zu erledigen ist, sondern mehrere Arbeits-Etappen braucht, dann ist es ein Projekt.
  • Wenn etwas länger als 2 Stunden dauert, dann ist es ein Projekt.
  • Wenn etwas mehrere Teilschritte beinhaltet, dann ist es ein Projekt.

Wie läuft ein Projekt ab?

Projekte laufen IMMER in bestimmten Phasen ab:

  1. Vage Idee
    Ja, das ist schonmal wichtig: eine IDEE ist eine IDEE. Das ist noch kein Projekt. Eine Idee wird erst zu einem Projekt, wenn man sich entschließt, das Thema wirklich und in echt anzugehen.

  2. Entschluss
    Kennen Sie die Werbung von Hornbach? „Mach es zu deinem Projekt“. Wenn wir uns nicht aktiv dafür entschließen, das Thema anzugehen, dann wird das nichts mit dem Projekt.

  3. Zieldefinition
    Was will ich damit eigentlich? Was ist das Ziel des Ganzen? Was soll dabei herauskommen?

  4. Brainstorming
    Sich Zeit nehmen (ja, richtig gelesen: sich Zeit nehmen!), um das Gehirn mit dem Thema zu befassen und sich dann Notizen machen. Erstmal unzensiert. Wenn man beim Brainstorming schon zensiert („naja, das kann ich so nicht machen, das brauche ich gar nicht aufschreiben..:“), dann blockiert man sein Gehirn.

  5. Sortieren der Ideen
    Jetzt wird sortiert, welche Ideen und Gedanken sind wichtig, welche sind gut, welche sind umsetzbar – und welche werden verworfen.

  6. Planung
    Dann werden die Ideen in eine Reihenfolge gebracht. Der „next step“ muss klar sein. Man muss nicht alle 100 Schritte vorausplanen. Aber den nächsten.

  7. Umsetzung
    Erst jetzt kann man anfangen. Jetzt ist das Gehirn  so weit, dass es Klarheit hat über das Ziel, über den Weg und über den nächsten Schritt. Jetzt ist es bereit, zu tun.
Planungsphasen Projekt

Die 3 größten Fehler bei der Projektarbeit

So weit zur Theorie. Wer gutes Projektmanagement hat, der weiß das obige und der durchläuft diese Projektphasen automatisch.

Im Laufe meiner Coachingarbeit mit ADHS-Erwachsenen habe ich drei Fehler sehr häufig festgestellt, die ich hier beschreibe:

  1. Ein Projekt wird nicht als Projekt erkannt.
    Hier fängt es schon an. Die meisten meiner Klienten denken gar nicht in „Projekten“, sie denken in „Aufgaben“. Und damit unterschätzen sie immer wieder den zeitlichen und energetischen Aufwand. Sie erkennen das Projekt nicht und schreiben sich Projekte als Aufgaben auf To-Do-Listen. Dort stehen sie dann jahrelang und meine Klienten werden immer frustrierter, weil die „Aufgaben“ nicht fertig werden.

  2. Man will sofort von der Idee zur Umsetzung.
    Was ich ebenso häufig feststelle, ist, dass die Phasen 2 bis 6 einfach ausgelassen werden. Es wird nicht bewusst entschieden, aus der Idee jetzt ein Projekt zu machen. Es wird nicht überlegt „was genau will ich eigentlich“. Es wird kein Brainstorming gemacht, die Ideen werden nicht sortiert, es wird nicht vorausgeplant.
    Es soll dann direkt von der (vagen) Idee zur Umsetzung gehen. Und das kann nicht klappen. Das Gehirn kann das nicht. Vor dem Machen braucht es immer das Durchdenken. Jedenfalls, wenn man möchte, dass man sein Ziel auch erreicht.
    Man kann natürlich auch einfach losstolpern und auf dem Weg die Dinge entstehen lassen, aber meistens berichten meine Klienten dann eher davon, dass sie „irgendwas“ machen, aber nicht das, was sie eigentlich wollten, dass sie sich verzetteln und verlieren auf dem Weg.

  3. Man handelt alles in seinem Kopf ab.
    Und ein dritter sehr, sehr häufiger Fehler ist, das Ganze Projekt irgendwie mit sich alleine und auch nur im Kopf auszumachen. Da wird dann gegrübelt und gegrübelt, aber man kommt zu keinem Ergebnis, es entsteht keine Klarheit, kein Plan. Man kommt nicht ins Tun.
    Und auch dafür ist unser Gehirn nicht gemacht. Komplexe Themen – und die meisten größeren Projekte sind komplexe Themen – können wir nicht im Kopf lösen. Das Projekt muss raus aus dem Kopf. Es gehört auf Papier, in eine Mindmap, auf einen Skizzenblock, ins Trello Board – und ins Gespräch mit anderen.
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Wenn Sie auch immer wieder feststellen, dass „Aufgaben“ nicht vorangehen, dass Sie feststecken, dass Sie vielleicht auch gar nicht anfangen…

… dann tun Sie folgendes:

     --> Denken Sie in Projekten.
     --> Brainstormen und planen Sie voraus.
     --> Holen Sie das Projekt raus aus dem Kopf.

Und jetzt wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihrem aktuellen Projekt!

Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Und wie geht es Ihnen mit Ihren Projekten? Schreiben Sie unter dem Beitrag einen Kommentar, ich freue mich, von Ihnen zu lesen!

​Herzliche Grüße
Birgit Boekhoff

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