Warum Motivation für die Erledigung von Aufgaben überbewertet wird

Ein Einblick in meinen inneren Dialog und meine Strategie, mein anstehendes Webinar trotz fehlender Motivation fertig vorzubereiten.

Sie kennen bestimmt auch viele Situationen, in denen Sie wissen, dass Sie eigentlich etwas machen müssen, Sie haben aber keine Motivation. D.h. Sie fühlen sich nicht motiviert. Sie haben "keine Lust". Der innere Drive für die Aufgabe fehlt.

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​Und ich meine in diesem Artikel wirklich das GEFÜHL. Ich meine nicht Motivation im Sinne von "wissen, WARUM man etwas machen will/soll". Viele Menschen warten auf dieses innere Gefühl von motiviert sein, sich motiviert fühlen, inneren Antrieb und Lust auf etwas haben.

​Und auch viele meiner Klienten warten auf diese Form von Motivation oder „hoffen“ und denken, ohne dieses ​GEFÜHL von Motivation könnten Sie ja nichts machen. Denken Sie das auch (oft ist es uns nicht bewusst, wir glauben das aber unbewusst - lauschen Sie mal in sich hinein)?

Warum es gefährlich ist, zu glauben, man könnte nur dann etwas tun, wenn man „motiviert“ ist

Das ist ein Irrglaube und stimmt nicht. Und ausserdem führt diese Einstellung in Teufels Küche. Denn Motivation ist „nur“ ein Gefühl. Es kommt und geht - wie Wellen am Strand.

Und es ist längst nicht immer genau dann zur Stelle, wenn wir es gerne hätten.

Manchmal sitzen wir motivationsmäßig "auf dem Trockenen". Dann haben wir keine Motivation, keine Lust, keinen inneren Drive.

Ohne Motivation sitzen wir auf dem Trockenen

Manchmal sitzen wir motivationsmäßig auf dem Trockenen

Einen Bericht fertig stellen, die Hemden bügeln, einen lange fälligen Termin beim Zahnarzt vereinbaren, sich mit den Schwiegereltern zu Weihnachten treffen, mit den Kindern Vokabeln lernen, usw.

Das sind Dinge, für die wir oft keine Motivation haben. Wir wissen, wir müssen sie machen. Oder wir wollen sie machen, weil wir das dahinter liegende Ziel erreichen wollen. Aber es stellt sich nicht immer das Gefühl von "Motivation" ein.

Und Motivation lässt sich  - entgegen dem, was wir oft so hören oder lesen oder suggeriert bekommen – längst nicht immer herstellen.

Und wenn wir glauben, dass wir nur mit dem GEFÜHL der Motivation etwas tun könnten, dann sind wir ganz schön aufgeschmissen.

Ich zeige Ihnen an einem aktuellen Beispiel aus meinem Alltag, wie ich selbst damit umgehe – und wie ich mich heute daran bekommen habe, etwas zu erledigen, wozu ich überhaupt keine Lust und „Motivation“ hatte.

Kommen Sie mit mir auf diese Reise und schauen Sie sich gern etwas davon ab ;-)

Wie ich es geschafft habe, trotz Unlust und fehlender Motivation das anstehende Webinar vorzubereiten

Ich sitze hier vor meiner TO-DO-Liste und weiß, ich muss mein nächstes Webinar noch fertig vorbereiten. Heute ist Sonntag (ich weiß, schlechtes Vorbild, aber ich bin selbstständig und eben auch nur ein Mensch…). Das Webinar ist am Donnerstag.

Ich zeige Ihnen hier, meine „innere Reise“, meine Gedanken, meinen inneren Dialog und was ich letztlich getan habe:


Meine ersten Gedanken sind:
„Kann ich später ja noch machen“. „Sind ja noch ein paar Tage Zeit“. (typische „Aufschiebegedanken“)

Nach einem Blick in den Kalender (jawohl, sich nicht selbst immer sofort alles zu glauben und die eigenen Gedanken zu prüfen ist manchmal schon ganz hilfreich ;-) ) stelle ich fest, dass ich eben am Montag, Dienstag und Mittwoch KEINE Zeit haben werde, das Webinar fertig vorzubereiten. Zu viele Termine.

Und dann am Donnerstag?

Naja, ich weiß ja, wie es ist (auch hier ist es gut, sich nicht selbst zu veräppeln, sondern realistisch zu sein): wenn ich erst am Donnerstag wieder so richtig dazu komme, mich an den Schreibtisch zu setzen, dann werden dort Emails und Anrufe warten, Support-Anliegen, andere kleinere Aufgaben, die auch erledigt werden müssen – und wer weiß, was sonst noch alles bis Donnerstag passiert?

WIE WIR DENKEN, ENTSCHEIDET DARÜBER, WAS WIR TUN.

Woher sollte ich heute verlässlich wissen, dass am Donnerstag wirklich Zeit ist?

Was ist, wenn mal wieder mein Laptop abschmiert und ich mich darum kümmern muss? Wenn die Zahnbehandlung am Dienstag doch nicht so komplikationslos verläuft wie ich hoffe und ich nochmal hin muss? Wenn sich in der Zwischenzeit so viele Emails und Anrufe aufgehäuft haben, dass ich gar keine Zeit habe für die Webinarvorbereitung? Oder ich schlafe mal wieder schlecht und habe dafür weder Energie noch Konzentration?

Nein, das ist mir alles zu heikel.

Es haben sich 100 Teilnehmer für das Webinar angemeldet – die will ich nicht enttäuschen.

Also, was tue ich letztlich?

  1. Ich schaue auf meinen Kalender und plane voraus. Ich überlege, wann ich realistischerweise das Webinar vorbereiten kann.
  2. Ich akzeptiere, was ich sehe: dass mein Wochenplan bis Donnerstag voll ist und es unrealistisch ist, die Vorbereitung auf später zu verschieben.
  3. Ich mache mir klar, dass ich kein „Nachtarbeiter“ bin und abends nach meinem normalen Arbeitstag auch keine Energie mehr habe für die Webinarvorbereitung.
  4. Ich schließe daraus, dass ich es heute machen MUSS.
  5. Ich akzeptiere, dass es so ist.
  6. Ich weiß, dass mein Gefühl nicht immer der beste Ratgeber für meine Entscheidungen ist. Ich weiß also, dass ich manche Dinge GEGEN mein Gefühl machen muss. Oder anders gesagt OHNE das passende Gefühl.
  7. Ich akzeptiere, dass ich die Vorbereitung heute machen muss, auch wenn ich mich nicht motiviert fühle und keine Lust habe.
  8. Ich überlege, dass es unter diesen Umständen für mich das Beste ist, wenn ich es jetzt gleich mache, damit ich es hinter mir habe.
  9. Ich gehe an den Schreibtisch und öffne mein Programm, in dem ich die Notizen für das Projekt habe. Ich mache das ohne Motivation, ohne Lust, ohne Gefühl. Rein mechanisch.
  10. Ich schaue mir an, wo ich zuletzt aufgehört habe, um den Anschluss an das Projekt zu finden und setze dann an dieser Stelle fort.
  11. Ich entscheide mich aktiv, das jetzt auch ohne super Motivation fertig zu machen.
  12. Ich nehme in Kauf, dass ich es besser machen könnte, wenn ich mehr Motivation hätte. Aber ich akzeptiere, dass das jetzt eben nicht der Fall ist.

>> Merken Sie, was abläuft? 

Das Wichtigste passiert in meinen Gedanken und in meiner Einstellung. Unsere Gedanken beeinflussen unser Verhalten. Unsere Einstellung beeinflusst unser Verhalten ebenfalls. Hier liegt der Schlüssel in dieser Situation.

Wie ist es weiter gegangen?

Ich habe die Vorbereitung des Webinars fertig gemacht. Ist die Motivation und die Lust darauf dabei doch noch aufgetaucht? Nein. Aber ich weiß, dass ich darauf nicht warten kann.

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Ich hätte Motivations- und Aktivierungsstrategien anwenden können, wenn ich es auf dem oben beschriebenen Weg des inneren Dialogs nicht geschafft hätte:

Dann hätte ich...

... mir zur Aktivierung meine Lieblings-Gute-Laune-Musik angemacht
​... danach hätte ich meine Konzentrations-Hintergrund-Musik angestellt
... an meinem Steharbeitsplatz gearbeitet anstatt im Sitzen


Was haben Sie jetzt aus meiner Geschichte gelernt? Was unterscheidet meine Vorgehensweise von Ihrer? Was denken Sie darüber?

​Schreiben Sie mir Ihre Gedanken dazu in einem Kommentar.

Herzliche Grüße
Birgit Boekhoff

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