wie ein Stern im Weltall - ADHS-Menschen fühlen sich anders

Wie Menschen mit ADHS sich wirklich fühlen – und was keiner weiß

​Wenn man "anders" ist, als die Mehrheit, dann bekommt man das sehr schnell mit. Man merkt es selbst und man bekommt es ausreichend von aussen gespiegelt. Schon als Kind. Und später als Erwachsener.

Je nachdem, in welchen Aspekten man anders ist, gibt es verschiedene typische Standard-Kritiken, Vorwürfe, Empfehlungen, Tipps und Ratschläge.

Es gibt Standard-Kritiken für Zu-Sensible, für Zu-Unsensible, Zu-Langsame, für Zu-Schnelle, für Zu-Schlaue, für Zu-Begriffstutzige, für Zu-Laute, für Zu-Leise, etc.

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Menschen mit ADHS hören z.B. sehr oft, sie sollten nicht so sein, wie sie sind. Konkret gesagt, sie sollten anders denken, fühlen und handeln.

Wie oft bekommen ADHS-Menschen von Kindesbeinen an zu hören, sie sollten besser aufpassen, sie sollten sich "benehmen", sich konzentrieren, sich nicht so aufregen sondern ruhig bleiben, etc.

Das alles tut ziemlich weh, wenn man sich aus seiner Sicht doch schon bemüht. Wenn man sein Bestes gibt und gar nicht weiß, wie man es noch anders machen sollte.

Welche Schäden das am Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen von ADHS-Kindern und -Erwachsenen anrichten kann, das lesen Sie hier.


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​Das, was ich im Folgenden schreibe, trifft sicherlich nicht auf alle ADHS-Menschen zu. Es gibt natürlich auch andere Lebenserfahrungen. Aber meiner Erfahrung nach trifft das doch auf sehr viele zu. 

​Die häufigste und schlimmste Kritik, ​unter der viele ADHS-Menschen leiden

Als ADHS-Coach habe ich nun seit über 10 Jahren Erwachsenen ADHS-Klienten zugehört und es gibt ein Thema, das immer wieder auftaucht und unter dem sehr, sehr viele ADHS-Menschen ganz still und heimlich leiden.

Über das sie nicht sprechen, weil auch nie jemand danach fragt.

Es gibt einen Vorwurf, eine Aufforderung, die Kinder und Erwachsene mit ADHS immer und immer wieder zu hören bekommen:

STRENG DICH MEHR AN.


"Streng dich mehr an. Wenn du dich mehr anstrengen würdest, dann könntest du es."

In dieser Formulierung oder irgendeiner Abwandlung davon.

Menschen mit ADHS sollten sich mehr anstrengen. Sie bräuchten mehr Selbstdisziplin. Sie bräuchten mehr Biss.

Und wissen Sie was?

An ganz, ganz vielen Stellen ist das sowohl ein unglaublich schmerzhafter Dolchstoß mitten ins Herz als auch eine riesige Farce.

Ein Dolchstoß deshalb, weil ADHS-Menschen sich meistens sehr wohl anstrengen.
Und eine Farce deshalb, weil es eben nicht einfach auf Knopfdruck geht.

​Wie es in Wirklichkeit ist

Die Wahrheit ist:

Menschen mit ADHS strengen sich wahnsinnig an. Von morgens bis abends. Immer und immer wieder.

​Es sieht für andere von aussen nur leider nicht so aus.

​Als Kinder bei den Hausaufgaben, im Unterricht beim Zuhören, auf der Arbeit beim Erledigen von Aufgaben und Einhalten von Terminen, in der Partnerschaft bei der Organisation des Alltags, usw.

Das ist jetzt natürlich etwas generalisiert. Aber ich mache es ​bewusst so plakativ.

Und wie mag es einem Menschen gehen, wie mag sich ein Mensch fühlen, der aus seiner Sicht sein Bestes gibt, sich nach seinen Möglichkeiten anstrengt - und dann erkennt man ihm diese Anstrengung einfach ab? Man sieht sie nicht? Man fordert immer noch mehr? Es reicht noch nicht?

Die Wahrheit ist:

Menschen mit ADHS strengen sich wahnsinnig an. Von morgens bis abends. Immer und immer wieder.

​Es sieht für andere von aussen nur leider nicht so aus.

​Wie sich viele Menschen mit ADHS heimlich fühlen - ohne das jemals zu sagen

​Weil ich ​im Coaching immer wieder genau das gehört habe, dass meine Klienten verinnerlicht haben, sie sollten sich mehr anstrengen und weil sie darunter leiden, dass sie sich so sehr anstrengen und es aber immer noch nicht reicht - deshalb möchte an dieser Stelle ​diesem stillen Leiden einmal öffentlich Ausdruck verleihen und das oft Ungehörte zu Gehör bringen.

​Eine Blogleserin hat neulich unter einem anderen Beitrag genau das sehr anschaulich zum Ausdruck gebracht, was ich in meinen Coachings schon unzählige Male von meinen Klienten gehört habe.

Stellvertretend für all diese ADHS-Menschen, die sich von diesem Thema angesprochen fühlen, zitiere ich hier den Kommentar dieser Blogleserin:

"​Mein ganzes Leben hindurch muss/te ich Disziplin aufbringen.

Disziplin, nicht negativ aufzufallen, von allen gemocht zu werden.
Disziplin, ordentlich zu sitzen und zu essen.
Disziplin, nicht wütend zu werden.
Disziplin, aufzupassen, nicht zu träumen, Dinge auswendig zu lernen obwohl ich den Sinn dahinter nicht verstehe (ein nahezu unmögliches Unterfangen, sehr schmerzhaft und energieraubend – wie alles eigentlich in meinem Leben).
Disziplin andere Mitmenschen mit meiner Denkweise nicht zu überfordern.
Disziplin micht deutlich auszudrücken und dabei nicht beleidigend zu wirken (obwohl ich das nie so meine).
Disziplin alles ordentlich zu halten, mich zu verwalten, meine Familie, für jeden da zu sein.
Disziplin gedanklich nicht immer abzuschweifen und meinen wirklich ernsthaften Gedanken nachzuhängen. Zusammenhänge zu ergründen, wo andere gar nichts sehen/erfassen können.
Disziplin nichts zu vergessen oder mich nur auf ganz Banales zu konzentrieren.
Disziplin keine Fehler zu machen (dazu muss man besonders gut organisiert sein).

Disziplin, Disziplin, Disziplin, Motivation, Selbstreflexion usw. usw. usw.

Das ist soooo anstrengend. Es raubt mir die letzten Kräfte. Tätigkeiten und Eigenschaften, die Menschen ohne AD(H)S eben ohne große Anstrengungen, ohne große disziplinarische Maßnahmen bewältigen können und ich nur staunen kann, wenn diese dann noch anstrengenden Hobbys in Ihrer Freizeit nachhängen können.

Als Kind sagte man mir, ich soll nicht so viel träumen und mich nicht so viel ablenken lassen. Ich habe überhaupt nicht verstanden was da falsch war an mir.

Aus meiner Sicht war ich stets hochkonzentriert, ich habe nicht geträumt. Im Gegenteil mir kommen nur immer so viele Gedanken zusätzlich in den Sinn, die ich auf Anhieb nicht sortieren kann. Das dauert eben seine Zeit. Aus meiner Sicht war ich stets freundlich – obwohl ich in die Welt hinausschreien wollte „wie unhöflich ihr doch in EUREM Verahlten und EURER Ausdrucksweise seid“. 

Ja, ich brauche länger um etwas zu lernen. Ich bin deswegen nicht dumm, denn ich habe viele Interessen. Ich bin auf alles neugierig, möchte alles wissen und erfahren. Warum wollen denn die „Anderen“ das nicht?

Aber, wenn ich mal etwas kann – so richtig kann – dann kann ich es besser als jeder andere (der vielleicht in einer Prüfung mit einer „1“ abgeschnitten hat). Weil ich alles hinterfrage – ich gelernt habe nicht locker zu lassen – ich gelernt habe etwas durchzuziehen, etwas zu Ende zu bringen.

Wenn die wüssten, wie viel Kraft man dazu benötigt – die hätten doch alles schon aufgegeben. Denn das was man von uns verlangt, das würde man von Normalos erst gar nicht fordern.

Ich bin nur so wütend. Ein Leben lang trichterte man mir ein, dass ich dumm bin, dass ich nicht liebenswert bin. Das eh nix aus mir wird. Wer will bzw. kann denn da noch wachsen? Verlorene Kinder-/Menschenseelen. In einer Gesellschaft in der alles und jeder normiert wird (ist ja soooo einfach und soooo langweilig, gähn).

Ich bin stark und weigere und weigerte mich stets unter größten Anstrengungen die Bewertungen unwissender (wirklich dummer) Menschen, die nicht fühlen, die nicht sehen, die nicht denken und phantasieren können wie ich, zu akzeptieren.

Ich bin jetzt 44 Jahre alt. Ich weiß erst seit ca. 6 Wochen dass ich diese „Begabung“ habe. Für mich war es eine riesen Erleichterung zu wissen, dass ich so wie ich bin sein darf. Und jetzt erst recht."

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Herzliche Grüße
Birgit Boekhoff

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  1. Hallo, ich habe eine Grupoe von Teilnehmern, die ich als Ausbilderin unterichte. Es sind Jugendliche von ca. 16 bis 24 Jahren. Es ist auch immer wieder jemand mit ADHS/ADS dabei. Ich würde sie gerne besser verstehen, da es nun mal schwer ist ein Käsebrötchen mit ca. einen Euro abzurechnen wie mit einem genauen Betrag. Es ist eine Berufsvorbereitung und ich unterrichte Gesundheit und Soziales. Wir kochen 1x die Woche und da müssen Sie Gerichte planen, kalkulieren und einkaufen gehen. Ich brauche Bons oder Quittungen und keine ca. Angaben. Und wenn diese Menschen in den Verkauf wollen, können die an der Kasse doch auch nicht sagen: Geben Sie mir 100Euro, das kommt schon hin. Dies ist nur ein Beispiel. Unter anderem wir der Müll nicht getrennt, Gewürze, die immer im gleichen Schrank stehen, nicht gefunden und vieles mehr. Für mich ist es schwer, diese Menschen zu beurteilen. Ausserdem muss ich immer hinterherarbeiten und jedesmal alkes aufs neue erklären. Für mich ist das auch total anstrengend. Auf der anderen Seite wir dann ein Nachtisch echt super gemacht und dekoriert. Natürlich verteile ich Lob, viel lieber wie immer etwas zu sagen, was gerade zum xten mal falsch gelaufen ist. Alle müssen für diese Person mitarbeiten und ich frage mich eben, wie man dann eine Ausbildung schaffen soll. Diese Person ist echt lieb und eine ganz süsse aber es ist sehr anstrengend mit ihr zu arbeiten. Es ist eben nicht leicht für mich, solche Menschen zu beurteilen, zumal ich aufgrund von "Krankheitsbildern" nicht rücksichtsvoller beurteilen kann. Das wäre anderen gegenüber wieder ungerecht.
    Liebe Grüsse
    Petra Meyer

  2. Das ist genau meine Rede. ADS wurde bei mir schon als Kind festgestellt, und mir wurden genau dieselben Dinge eingebaut wie der Blogleserin, die diesen Kommentar verfasst hat. Mir wurde auch ständig gesagt, ich sei nichts, ich kann nichts, aus mir wird nie was. Irgendwann begann ich selbst daran zu glauben, dass es so ist. Sogar mein jetziger Partner sagt es zu mir. Und ich frage mich immer: Warum kann bzw. darf ich nicht so sein wie ich bin? Mag sein, dass Außenstehende, so auch mein Partner Probleme damit haben, dass wir anders sind. Aber sind wir deswegen schlechtere Menschen? Warum können sie andere, die sind wie sie sind, nicht einfach akzeptieren wie sie sind?

  3. Hallo, ich werde jetzt 56 und weiß erst seit circa drei Monaten, dass ich ADHS habe. Ich habe mein Leben lang gekämpft und gelernt und versucht Ordnung zu halten. Manchmal, wenn ich Ordnung halten wollte, hab ich im ganzen Haus in jedem Raum eine Baustelle aufgemacht und am Ende des Tages hab ich den ganzen Tag gearbeitet und nur Chaos verbreitet. Richtig dabei. Rausgekommen ist es eigentlich erst, weil ich nach Italien gezogen bin und mit einmal meine Struktur verloren habe. Ich hatte mit einmal zu viel Zeit und da klappte gar nichts mehr. Deshalb hab ich die ganzen Tests gemacht. Mein Leben lang habe ich vorwürfe gekriegt ich sei zu unordentlich, ich höre nicht zu. Dabei habe ich immer alles mitbekommen aber es ist eine Flut von Informationen, die von überall auf mich ein prasselt, die ich erst mal sortieren muss. Ich habe mich immer gefragt, warum andere es nicht sehen, was ich alles sehe? Solange meine Arbeit da war und mein Studio war ich gezwungen, meine Disziplin aufzubringen, um alles zu Händeln und zu managen und für alle da zu sein. Jetzt merke ich, wie müde ich bin und es fordert mich umso mehr heraus, jetzt noch mehr Disziplin aufzubringen, weil kein Zwang mehr dahinter ist. Aber ohne Disziplin habe ich nur Chaos.. Wie oft höre ich, du musst Sport machen während du Sport machst, kannst du nicht denken, weil du deinen Körper forderst und die Musik im Hintergrund spielt, aber irgendwie funktioniert die Methode bei mir nicht. Ich schwitze, ich kann kaum noch atmen. Ich höre die Musik und schaffe es trotzdem zu denken. Ist das normal?

  4. Ein ADHS-freundliches Umfeld muss man erst einmal kreieren, dann klappts auch mit der Umsetzung.

    Ich habe Sie immer als eine deutsche ADHS-Experten empfohlen.

    Erst kürzlich sah ich mir Ihr Impressum an, fälschlicherweise nahm ich an, dass Sie in Deutschland ansässig wären.

    Ich werde Sie trotzdem allen, die nach Unterstützung fragen, weiter empfehlen. Da Sie zu den sehr wenigen gehören, die sich zu ihrer Andersartigkeit bekennen und sie nicht als psychiatrische Störung abtun.

    VG

    1. Hallo J.S., vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar. Ich war bis Dezember 2022 in Deutschland ansässig, bin dann aber nach Österreich umgezogen. Sie lagen also schon richtig.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  5. Mega! Ich habe gerade rein zufällig diese Seite gefunden, als ich nach Entspannungsmöglichkeiten für Menschen mit ADHS gesucht habe. Ich bin 24 und weiß auch erst seit ca. 2 Jahren, dass ich ADHS habe. Mir ging es sehr ähnlich, wie der Blogleserin die den Kommentar verfasst hat. Endlich hat mein "Anders sein" bzw. sich anders fühlen Sinn ergeben, dass war sehr erleichternd endlich für all meine Schwierigkeiten eine logische und nachvollziehbare Erklärung zu haben. Seitdem ich meine Diagnose erhalten habe, bilde ich mich immer weiter und versuche mir ganz viel Wissen zum Thema ADHS/Neurodiversität anzueignen. Ich hab schon einiges gelesen, mache viel Therapie und habe ganz viele wunderbare Menschen in Kliniken kennengelernt, die auch ADHS haben. Der Kommentar der zitiert wird beschreibt das Leiden und Leben mit einer oft unerkannten oder leider erst sehr spät diagnostizierten ADHS total gut! Hat mich richtig berührt das gerade zu lesen und mal wieder zu merken, dass es eben nicht einfach an mir liegt und es andere Menschen gibt, die ähnliches erlebt haben, teils immer noch erleben müssen. Ich finde es mega traurig zu sehen, wie wir in einer Gesellschaft leben, die leider immer noch nur auf Leistung schaut und versucht alle Menschen in eine Norm pressen zu wollen, damit wir alle gleich "funktionieren" und abliefern. Das Thema mit der Disziplin kann ich auch absolut nachempfinden, mir wurde gerade in der Pubertät immer wieder gesagt, ich sei zwar sehr intelligent und hätte sehr viel Potential, wäre aber total faul und undiszipliniert… Das zu hören hat jedes Mal so sehr weh getan und war wie ein Schlag ins Gesicht, da ich das Gefühl hatte, dass ich mich immer enorm anstrenge, aber es irgendwie nie reicht und gut genug ist, ich nie gut genug/liebenswert bin, so wie ich bin. Ich finde es total tröstend und irgendwie auch "traurig-schön" zu sehen, dass ich damit nicht alleine bin und es den meisten ADHS Betroffenen so ergeht. Viele Bereiche die sich damit beschäftigen, fokussieren sich meinem Empfinden nach immer so super dolle auf die ganzen Auffälligkeiten/Probleme oder angeblichen Schwächen, die wir Menschen mit ADHS aufweisen. Das finde ich auch voll schade und es triggert mich oft dann Literatur/Beiträge zu lesen, bei denen es sich zu 97% nur auf alles "Negative" bezogen wird. Deshalb freue ich mich gerade sehr diese Seite hier entdeckt zu haben, denn was ich gerade gelesen habe wirkt total einfühlsam und absolut verständnisvoll, was es eben wirklich heißt ADHS zu haben, ohne immer nur irgendwelche Vorwürfe oder Erwartungen an uns zu formulieren. Also von daher vielen Dank für diesen schönen und so treffenden Beitrag! ☺️👍

  6. Hallo zusammen,
    seit mein Sohn die Diagnose Adhs erhalten hat weiss ich, dass ich auch betroffen bin.
    Mein Sohn ist für niemanden wertvoll, außer für uns in seiner Kernfamilie. Er ist schon als Kleinkind angeeckt und fliegt regelmäßig wegen schlechtem Verhalten irgendwo raus: aus der AG, aus der Sportgruppe, aus der Therapiegruppe. Die Therapeutin in der Psychiatrischen Praxis wollte ihn nach 3 Terminen nicht mehr sehen, weil er zu störrisch ist. Eigentlich ist er ja negatives Feedback gewöhnt. Mit 10 Jahren schon keine Perspektive mehr. Kein Therapeut in Sicht. Es ist einfach nur deprimierend. Keiner kann/will ihm helfen. Die einzige Therapie sind die Medikamente. Am Sonntag geht es los. Wenn die Medikamente nicht anschlagen weiss ich nicht mehr weiter.
    Warum gibt es so wenig Mitgefühl bei dieser Störung. Zu mir haben meine Eltern immer gesagt ich verhalte mich wie ein „Schwein“ und mache nur was ich in meinem dummen Kopf drin habe… Ich war als Kind schon depressiv und bin es heute immernoch.
    Es ist einfach so schwer. Man wird innerhalb von Minuten von neurotypischen Mitmenschen „aussortiert“. Wertvoll fühlt man sich da nicht, eher wie Sondermüll.
    Sorry für diesen düsteren Beitrag. Wir sind gerade so in einem tiefen Loch.
    Hoffe Euch geht es besser und ihr habt Unterstützung.
    Liebe Grüße
    Anna

  7. Mein älterer Sohn sowie mein Partner haben ADS /bzw ADHS. Diagnostiziert wurde es zuerst bei unserem Sohn. Erst danach sind wir nach und nach darauf gekommen, das mein Partner es auch haben könnte. Unser Alltag hat sich durch die Diagnose zwar etwas ent-dramatisiert aber es ist dennoch so so schwer, mit beiden umzugehen. Beide sind schnell wütend, da fliegen auch schon mal Stühle durch den Raum. Haben Probleme mit der Impulskontrolle, lassen sich ungerne „kritisieren“ bei meinem Sohn muss ich für jede Selbstverständlichkeit wie Zähne putzen, anziehen etc. Kämpfe ausfechten, das macht mich so müde und traurig.
    Ich zeige und sage Ihnen beiden, das ich vieles verstehe und sie liebe. Aber manchmal fällt mir das richtig schwer. Das tut mir so leid. Aber ich kann manchmal nicht mehr….
    Ich habe ganz oft Angst, das ich meinem Sohn schaden könnte und wir irgendwann keinen Zugang mehr zueinander finden. Dabei liebe ich ihn unendlich und möchte ihm so gerne helfen.

    1. Hallo, wir haben genau die gleiche Situation. Bei mir war es erst mein Mann, bei dem wir mit vielen Umwegen und vielen Katastrophen darauf gekommen sind. Es war ein schwieriger Kampf, aber die Diagnose stand und es erklärte vielen. Auch bei uns flogen Gegenstände und die Situationen explodierten regelmäßig. Ich war kurz davor meine Ehe zu beenden, denn es war nicht mehr auszuhalten. Nachdem ich dann so viel über ADHS erfahren hatte kamen mir immer wieder die Gedanken, die die Schule bei meinem heute 17 jährigen Sohn sagte. Schon ganz früh stand immer ADHS im Raum, Man hat das Thema nur immer weggeschoben, man hat gedacht, ach, er ist ein Junge, das wird schon. Nachdem wir dann in Klasse 7 auch die Schule wechseln mussten und es dann endlich klappte war das Thema auch erstmal weg. Nun, nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema haben wir uns entschlossen, auch meinen Sohn testen zu lassen .. und er hat ADS.
      Besonders schlimm waren und sind die Kämpfe zwischen meinem Mann und meinem Sohn, da knallt es regelmäßig und keiner kann und will den anderen und seine Reaktionen verstehen, dabei haben Sie doch fast das selbe Problem. Es ist hart und auch ich denke leider oft darüber nach, wie lange ich das noch aushalten kann. ich habe nicht 2 Kinder und einen Mann, sondern 3 Kinder. Das zerrt ordentlich an mir. Trotzdem liebe ich sie … so chaotisch und anstrengend sie auch sind. Sie sind was besonderes und haben ja auch so viele positive Eigenschaften. Mein Sohn ist sooo sozial, Er hat sich so oft mit den Lehrern angelegt für andere, sie sind kreativ, spontan und besonders.
      Und so oft gerate ich auch mit meinem Sohn aneinander. Es bricht mir so sehr das Herz, wenn das passiert, aber manchmal muss er eben zu seinem Glück gezwungen werden. Auch wenn er es nicht verstehen will und kann. Fluch uns Segen.

  8. Hey alle,
    bei mir (35) besteht ein Verdacht ADS, bzw wurde eine Aufmerksamkeitsstörung bereits in der Kindheit diagnostiziert und einfach nicht weiter verfolgt.
    Einen Termin zur Diagnostik in meiner Großstadt zu bekommen ist unmöglich, dank social media „Trend“.

    Ich habe diese typischen Sätze („Reiß dich mehr zusammen!“ „Konzentrier dich mal!“) alle gesagt bekommen, inklusive vieler Bestrafungen seitens meiner Eltern, aber auch der Lehrer.

    Trotzdem habe ich angefangen mir selber kleine Strategien zu erarbeiten, wie ich es schaffe lernen und „funktionieren“ zu können [z.B. alles mitzuschreiben, weil ich wirklich fast jedes gesprochene Wort direkt wieder vergesse.] Und so konnte ich, trotz fehlender Förderung oder Unterstützung, eine Lehre machen, Abitur nachholen und studieren.

    Nun hänge ich in meinem eigentlichen Traumjob, fühle mich aber massiv in meiner Freiheit durch starre Arbeitszeiten und Großraumbüro beschränkt. Viel mehr noch, durch den Gedanken der Disziplin verbringe ich auch in meiner Freizeit oft nur mit dem Abarbeiten irgendwelcher to-dos, ich mache kaum etwas aus wirklicher Freude.

    Daraus resultiert sich eine Abfolge von sinnlosen Tagen und endloser Erschöpfung. Lebensqualität = nicht vorhanden. Ich weiß nicht, wie andere Personen es schaffen dabei noch eine Beziehung zu führen…oder ein soziales Umfeld zu pflegen.

  9. Hallo zusammen,
    ich leide schon mein gesamtes Leben unter verschiedensten „psychischen Problemen“. Seit einigen Wochen wird mir nun täglich immer mehr klar, dass alle diese Depressionen, Unsicherheiten, Ängste, Überforderungen usw usf einen einzigen Ursprung haben. ADHS! Auf der einen Seite bin ich sauer, enttäuscht, wütend und verzweifelt, dass es bis jetzt in 35 Jahren ständiger Therapien, Klinikaufenthalten, Psychologen und Psychiaterterminen mit dem Höhepunkt der verrentung mit 41 Jahren! niemandem aufgefallen ist, was der naheliegendste Grund für mein lebenslanges Leiden ist. (ich denke, dass da schon ein gewisses Versagen auf ärztlicher Seite vorliegt). Auf der anderen Seite hoffe ich doch, dass sich zumindest mein letztes Lebensdrittel noch zum Guten wenden könnte.
    Obwohl ich jetzt gerne stundenlang weiter alle Infos im Internet über ADHS in mich aufsaugen würde, zwinge ich mich jetzt zur körperlichen betätigung im Wald :-)
    Sorry für diesen „wirren Beitrag“, wollte ich nur schnell loswerden. :-)
    Vielleicht kommt ja irgendeine Reaktion, würde mich freuen.
    lg
    Erwin

  10. Hallo in die Runde,

    lasst Euch nicht unterkriegen. Anders zu sein ist Fluch und Segen. Aber gebt nicht auf, und ich bin mir ganz sicher, dass Ihr Euren(!) Weg finden werdet.
    Oft habe ich Menschen beobachtet, die aus meiner Sicht extrem langweilige Tätigkeiten ausführten und dies ihr Leben lang. Vielleicht gibt es diesen Menschen die Illusion von Sicherheit, das eigene Leben durch monotone Abläufe kontrollieren zu können. Ganz sicher bin ich mir bis heute nicht.

    Ich konnte das nicht, selbst bei vollster Anstrengung, machte die dämlichsten Fehler. Insbesondere bei einfachsten Tätigkeiten welche mir aufgetragen wurden. Als Jugendlicher fragte ich mich schon bald, wie ich jemals eine „normale“ Existenz aufbauen könne, wenn mich schon einfachste Arbeiten offensichtlich kognitiv überforderten. Perfiderweise bekam ich als Reaktion auf mein Scheitern noch einfachere (und langweiligere) Tätigkeiten, die ich erst Recht verbockte.

    Irgendwann gingen meine Eltern mit mir zum Intelligenztest. Sie waren ratlos und meinten es sicher gut, für mich markierte es aber einen Tiefpunkt.

    So schlug ich mich durch die Jahre, zu beschäftigt, um über die Dinge nachzudenken, welche mich rastlos vor sich hertrieben. Wahrscheinlich wollte ich es allen zeigen. Was zeigen? Und wen? Mir ganz sicher am Allerletzten.
    Partnerinnen wechselten, ich häufte Abschluss um Abschluss an, bereiste die Welt, gründete eine Familie mit einer Tochter, dann noch eine mit drei Töchtern. Immer rastlos. Und irgendwann war es zu Ende. Die Sackgasse kam gleich mehrfach: Die zweite Ehe hing am seidenen Faden, beruflich eine Vorgesetzte, welche mich wieder „downsizte“ und mich an den Tätigkeiten maß, in denen ich notorisch versagte. Versagen musste. Älter war ich geworden, aber immer noch rastlos. Das kann nicht gut gehen.

    Ganz langsam lernte ich, dass ich in dieser Situation kein Lob, keine Bestätigung erwarten konnte. Das erste Mal hielt ich an, besser: ich war gezwungen anzuhalten. Fühlte mich alt, unendlich alt. Unendlich schwer fiel mir der Gedanke (und erst recht das entsprechende Verhalten) das ich mein Leben selbst in Hand habe- es selbst bestimmen kann.

    Ganz langsam habe ich mich regelrecht zwingen müssen, die vielen guten kleinen Dinge im Leben wahrzunehmen. Sie waren mir immer zu klein, zu unbedeutend erschienen. Eine nette Bemerkung, die Freude der Kinder über eine Kleinigkeit, ein schöner Sonnenuntergang, ein witziger Abend mit Freunden, ein schönes Abendessen mit der Partnerin. Eigentlich ist das Leben voll davon, hatte aber absolut verlernt dies so wahrzunehmen. Genauer, ich hatte es mir abtrainiert.

    Ich schreibe dies in einem Restrukturierungprojekt in Vietnam. Ich konnte nie gut in Strukturen funktionieren, aber ich bin sehr gut im Erkennen und Verbessern von Strukturen. Weil ich sie hinterfrage.

    Ich freue mich auf meine Familie Zuhause. Meine Kinder brauchen mich, und es ist Ihnen am Wichtigsten dass ich da bin. Nicht was ich verdiene, oder wie viele Abschlüsse ich habe.

    Wenn ich von meinen StudentInnen bewertet werde, treffen mich von 100 Evaluationen immer noch die 3-4, die mies sind. Zwingen muss ich mich, den Rest wahrzunehmen, der sehr gut abschneidet. Da muss ich dranbleiben.

    Auch wenn wir alle hier wahrscheinlich eine eher schlechte Startposition haben oder hatten, so haben wir doch Narben von unseren Kämpfen. Ein glattes Leben? Sicher theoretisch schön, aber auch unglaublich langweilig.

    Machts gut.

  11. Bei mir hat es sage und schreibe 44 Jahre gedauert, bis ein Psychiater während meiner Depressionstherapie mit mir gemeinsam so ganz langsam auf den Trichter gekommen ist, dass ich ADHS habe. Ich kenne das oben Beschriebene nur zu gut. Der Druck von außen, das ständige Erinnert werden, was man doch für ein komischer Mensch ist mit seinen Ansichten und Denkweisen. „Warum hast du so eine schlechte Note, obwohl du mit deinem Kumpel zusammen gelernt hast?“ Er hatte ne Eins. Ich ne Vier. Mehr war halt nicht drin. Als ich dann irgendwann die Schule wechseln musste, kam mein Vater von einem Gespräch mit dem zukünftigen Direktor zurück und sagte, so einen wie dich wollen die nicht. Bääm! Das saß. Der ständige Vergleich zwischen mir und anderen ist so enorm anstrengend und deprimierend. Das kann man nicht in Worte fassen. Auch ich habe durch harte Arbeit vieles erreicht, was „normalen“ Menschen sicher leichter von der Hand gegangen wäre. Besonders stolz bin ich allerdings auf die Tatsache, mit welcher Hartnäckigkeit ich mich in Themen und Aktivitäten verbeißen kann, wenn mich etwas so richtig interessiert. In den letzten Jahren habe ich ohne fremde Hilfe das Klavierspielen gelernt. Momentan zeichne und male ich sehr gerne. Vor acht Wochen habe ich damit begonnen. Menschen, die meine Arbeiten sehen glauben, ich würde sie belügen und das Hobby schon mein ganzes Leben lang machen, weil die Bilder wohl sehr gut sind. Da ich mich nach wie vor ständig mit anderen vergleiche, bin ich da natürlich wie immer anderer Meinung. Aber es ist auch schön, mal für etwas gelobt zu werden, dass man selbst geschaffen hat. Gegenüber dieser Hartnäckigkeit steht aber die oftmalige Hilflosigkeit, wenn ich mal wieder in einer Schulung sitze (was zum Glück nicht sehr oft passiert) und nichts raffe, weil mir gerade wieder eine Million anderer Gedanken die Konzentration rauben. In unserem 16-Leute-Büro ist es auch nicht gerade immer angenehm für mich und meine Hyperablenkbarkeit. Seit Langem schon höre ich von acht Arbeitsstunden etwa Sieben Stunden lang Musik. Auch wenn so gut wie alle anderen meine Musik (ich schwärme für Black Metal) für Lärm halten. Mir hilft sie aber mich zu konzentrieren und die Umgebung auszublenden. Der ultra aggressive Charakter der Musik macht so zu sagen aus meinem Kammerflimmern im Kopf wieder einen normalen Sinus Rhythmus.

    Die Gewissheit eine Krankheit, oder wie andere sagen „eine Störung“ zu haben, die mich den Rest meines Lebens begleiten wird ist nicht gerade motivierend. Jeder Tag ist in vielen Belangen ein erneuter Kampf und der Alltag eine Herausforderung. Was ich allerdings gelernt habe ist, diesen Umstand zu akzeptieren. Mein Leben ist nicht komplizierter, wie das von anderen Menschen. Ich kann es nur nicht so gut bzw. locker flockig bewältigen. Das ist eine Tatsache, die ich gerne ändern würde, aber eben nicht kann. Und diese Einsicht hat mir sehr geholfen. Ich bin wie ich bin. Basta. Und wenn andere ein Problem damit haben, sind sie kein Umgang für mich.

    Ich möchte allen Betroffenen Mut machen. Lasst euch nicht unterkriegen von der verständnislosen Gesellschaft. Jeder Mensch ist gut und wichtig. Auch wenn er zappelt, oft ausfällig wird und nicht immer alles auf Anhieb versteht.

  12. Meine 16 Jahre alte Tochter hat vor kurzem die Diagnose ADHS bekommen und dieser Artikel hat mir gezeigt, wie falsch ich mein Kind eingeschätzt habe und verurteilt habe für Ihre vermeintliche „Dummheit“…. Ich schäme mich so sehr!!! Jetzt kann ich beginnen zu verstehen und endlich eine Begleitung und Unterstützung für meine Tochter zu sein, statt sie AUCH anzuklagen – wie Ihre Umwelt – für Dinge die sie nicht tut wie die „Normalos „. Es braucht noch viel mehr Aufklärung, damit unsere Kinder mit dieser anderen Verschaltung im Gehirn ein erfülltes , gutes und schuldfreies Leben leben können!!
    Danje für Ihre Arbeit!

    1. Liebe Uschi,
      Ihr Kommentar berührt mich sehr! Genau dafür mache ich meine Arbeit, um aufzuklären und für Menschen mit ADHS einzutreten, da diese so oft missverstanden werden. Ihr Tochter hat großes Glück, Sie zu haben und ich wünsche Ihnen beiden alles erdenklich Gute!
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  13. Bei meinem Sohn besteht der Verdacht auf ADS, er wird noch getestet. Der Kommentar der Leserin hat mich sehr berührt. Das lässt tief in eine Welt blicken, die man sonst nicht betreten kann, aus der man nichts erfährt. Ich hoffe und wünsche mir die Kraft, für meinen Sohn stark sein zu können, ihn nicht unfair zu behandeln, nicht zu viel von ihm zu erwarten und ihn da zu unterstützen und zu stärken, wo er mich braucht. Danke für diesen Einblick

  14. mit knapp 50 wurde bei mir adhs diagnostiziert. jetzt mit 60 bin ich physisch und psychisch geschrottet. zu viele normale ärzte und Psychologen haben mich nicht verstanden. jetzt wo alles schief gelaufen ist, bekomme ich gute hilfe. muss das ganze Leben umstellen. fühl mich schuldig,weil ich ja nicht „hören“ kann.

  15. Hallo zusammen,
    leider ist es notwendig das ich diesen Beitrag alle paar Monate erneut lese..
    Mich kränkt ehrlich gesagt am meisten, das Narzissmus, Egoismus oder einfach ein schlechter Charakter(nett ausgedrückt) von der Gesellschaft absolut toleriert, akzeptiert, gefördert und teilweise sogar belohnt wird.Personen die narzisstisch, egoistisch, manipulativ, verlogen etc. sind werden nicht ausgegrenzt, im Gegenteil denen dackelt jeder hinterher🤦‍♀️ Daher frage ich mich oft, ob ich die bin die eine Störung hat oder einfach die Welt gestört ist in der wir leben???? Die wissen was wir haben können Internet sei dank sich über die Symptome, Verhaltensweisen informieren und stellen sich dann als Opfer unserer KRANKHEITSBEDINGTEN Verhaltensweisen dar(wie in einigen Kommentaren erwähnt)…. Zu einem Epilektiker würde auch keiner sagen: hör auf mit deinen Anfällen

    Manche sagen : ADHS gibts ja gar nicht, dies könnte meiner Meinung nach ggf. in einer Welt in der Narzissten, Egoisten und grauenhafte Charaktere auch dementsprechend gemieden/ausgegrenzt werden würden und nicht verehrt werden so sein ja, wenn die Menscheit nicht alles berichtigen/anpassen wollen würde was außerhalb der Norm ist, würden viele gar keine Medikamente benötigen und könnten super leben ohne Sozialendruck..
    Ich sag es jetzt mal gaaaanz ehrlich, ich brauche eigentlich meine Medikamente DAMIT DIE ANDEREN mit mir klar kommen weil ich dann halt nicht so auffällig bin , denn ich habe wie die meisten von klein auf gelernt damit zu leben und die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen (nicht unterbrechen, nicht viel reden, nicht zappeln etc), nicht das man eine andere Wahl gehabt hätte…. Ich habe es ausprobiert nehme ich keine werde ich oft gefragt ob ich Drogen nehme, oder es wird halt hinter meinem Rücken gemunkelt auch das kränkt mich sehr…. Ich muss gestehen ich habe es so satt das unsere Krankheit immer belächelt ,diskutiert und sehr selten akzeptiert wird…Ich finde es auch sehr bedenklich bzw. erniedrigend das manche Ärzte/Krankenkassen bevor Sie überhaupt an eine mögliche ADHS bei Erwachsenen denken, erst mal jede Menge Rezepte für Antidepressiva und Süchtigmachende Schlaftabletten ausstellen/bewilligen….

    Ich 37 sitze mittlerweile lieber alleine Zuhause, als unter Menschen zu sein die mich nicht so akzeptieren wie ich bin bzw. nur dann wenn ich so bin wie Sie es wollen.

    Die Pandemie hat es noch verschlimmert, ich habe aufgegeben, ich geh alleine Fort, fahr allein auf Urlaub und zu 80% ist es voll ok für mich, die andern 20% find ich es eigl erbärmlich das ich keine Freunde/Partner habe u auch niemand dem ich erzählen kann was ich erlebt habe. Aber schlussendlich, einfach weil es mich weniger Kraft kostet und es mir so besser geht, und ich nicht ständig Dinge vorgehalten bekomme für die ich nichts kann und mich nicht dafür rechtfertigen muss das ich bin wie ich bin oder mich Schuldig fühle weil ich vl mal wieder etwas falsch gemacht habe…

    Sorry ist vl bisschen am Thema vorbei, aber darüber denke ich momentan nach…

    Abschließend möchte ich mich für die etwaigen Rechtschreibfehler, merkwürdige Satzstellung und falsche Beistriche entschuldigen!

    Und da mein Arzt nach solchen Aussagen normalerweise fragen würde: ich habe keine Selbstmordgedanken und will auch niemand anderem was antun 😉

  16. Hallo zusammen,

    Interessant wie viele damit Leben und auch wieder nicht – im Einleitungstext habe ich mich leider sofort wiedergefunden.
    Bei mir wurde als Kind eine nicht so ausgeprägtes ADS diagnostiziert. Meine Eltern vor allem meinen Vater hat es immer genervt wenn ich gezappelt habe. Das Zappeln hat sich leider bis ins Erwachsenenalter durchgezogen und nervt immer noch meine Mitmenschen, oft auch meine sehr liebevolle Frau. Die Schule war für mich der pure Horror weil es so extrem langweilig war. Die Fächer welche mich wirklich interessiert haben kamen gefühlt viel zu kurz. Das Abitur habe ich mit ach und Krach bestanden. Danach habe ich ein Ingenieurstudium hinter mich gebracht. Der Bachelor fiel mir sehr schwer. Beim Anfertigen meiner Bachelorarbeit hatte ich mich dann in Sachen Selbstdisziplin so weil konditioniert dass meine Abschlussarbeit überragend war. Das Masterstudium fiel mir dann schon viel einfacher und auch die Masterarbeit war sehr gut. Ich habe stets unter schwerer Prüfungsangst gelitten und auch in einigen Klausuren Blackouts gehabt obwohl ich monatelang gelernt habe. Vorteilhaft für mich ist jedoch, dass ich mir vieles selbst jetzt noch merken kann weil es ins Langzeitgedächtnis gelangt ist. Zum Glück habe ich es hinter mich gebracht. Im Job leide ich oft darunter dass ich langweilige Arbeiten erledigen muss, die mit meiner eigentlichen Spezialisierung nichts zu tun haben. Diese Arbeiten schiebe ich gerne aud die lange Bank. Während der Pandemie haben mich die unzähligen Videokonferenzen zermürbt und mir viel Zeit für meine eigentliche technische Arbeit geraubt. Ich liebe schwierige intellektuelle Herausforderungen und mag es kreative Problemlösungen zu finden. Dennoch fühle ich mich oft unverstanden. Meine Kollegen schätzen mein Fachwissen was oft wie Balsam für die Seele ist. Insbesondere trifft mich Kritik an meiner Arbeit und meiner Person aber extrem hart und ich kann damit nur sehr schwer umgehen. Auch Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz gegenüber Kollegen machen mich oft wütend. Besonders hart trifft mich Ignoranz und kollektive Ignoranz von Führungskräften. Wenn auf Dinge die ich als Problem identifiziert und gemeldet habe keine Reaktion folgt – schieße ich oft noch in meinen Augen angebrachte aber in fremden Augen unangebrachte E-Mails mit Kritik hinterher. Meine ungedultshemmschwelle liegt bei 2-4 Tagen. Reaktionen sind mir oft egal und zudem ist es auch oft ein Nervenkitzel wie das Gegenüber reagieren wird. oft denke ich mir – shit warum hast du nur wieder auf Senden geklickt. Mir geht es da oft wie Christoph Walz im Film Django unchained wo es einfach ums Prinzip geht – Hintergrund ist wahrscheinlich Ungeduld. Die ungeduldige Eigenheit Leute zu unterbrechen habe ich mir abgweöhnt auch wenn ich oft das Gefühl habe in unendlich langen Dialogen festzuhängen. Ich muss auch oft nachfragen ob was wichtiges besprochen wurde. Oft fühle ich mich gering geschätzt obwol ich auch gleichzeitig weiß, dass ich super gut bin in dem was ich tue. Mein schlimmstes Arbeitsverhältnis war ein narzisstischer Chef dem gut nie gut genug war und der über seine eigene Inkompetenz hinweg täuschen wollte. Der Tiefpunk für mich war dann dass ich trotz der hardcore Arbeit die ich geleistet habe bei der Präsentation gänzlich unerwähnt blieb. Von dieser Kränkung und Geringschätzung – vorallem weil die getane Arbeit bis dato meine größte berufliche Leistung war habe ich mich seelisch erst ein Jahr später erholt und ich war froh, dass ich in einem neuen Team herzlich aufgenommen wurde. Eine leichtes Verbitterungssyndrom habe ich trotzdem über die Jahre hinweg aufgebaut, auch weil es viele Enttäuschungen gab.
    Ich arbeite je nach Workload zwischen 48-60h pro Woche – das einzige Mittel gegen ADS für mich ist meines Erachtens stets an der eigenen Arbeitsorganisation zu arbeiten, sich Termine und ToDos immer gleich zu notieren und eine Taskmanagementsoftware zu verwenden. Dort sieht man auch immer was man geleistet und erledigt hat.Faire und Gut organisierte Chefs sind ebenso wichtig. Das führt auch dazu, das man weniger denkt, dass man nicht gut genug ist und nicht so viel grübeln muss. Medikamente habe ich noch nie probiert. Mein Privatleben ist jedoch leider immer noch geprägt von moderatem Chaos. Oft fehlt dann auch die Energie und Motivtion die Dinge anzugehen. Wenn der Fernseher läuft kann ich nicht den Worten meiner Frau kaum folgen auch sonst kann ich mich oft nicht erinnern was Sie mit mir besprochen hat. Das führt oft zu Konflikten. Wir machen jetzt den Fernseher aus und schauen uns direkt an wenn es etwas wichtiges zu bereden gibt.

  17. Hallo,
    der eingefasste Beitrag der Bloggleserin hat mich sehr gerührt. Nahe den Tränen las und las ich so viele Beiträge und konnte kaum aufhören. So viel Schmerz, den ich auch erlebte und zur Zeit sehr intensiv erlebe. Ich bin jetzt 55 und bin nach 4 schwierigen schmerzlichen Jahren mit Mobbing aus meiner Firma geflogen.
    Mein Sohn hat ADHS, bekam in der Kindheit Medikinet (ähnlich wie Ritalin), die er kurzzeitig genommen hat und dann verweigerte. Es tat mir unheimlich leid, dass er große Mühe im Unterricht hatte und immer wieder seine Freunde verlor, weil er kein adäquater Gesprächspartner war, obwohl durchaus intelligent. –
    Er hat es geschafft, weil er immer wusste, was er wollte und sich interessenbezogen sehr intensiv beschäftigt und nachgefragt hat. Und ich bin auch den Eltern seines Schulfreundes sehr dankbar, dass sie sich seiner annahmen und ihn inspiriert haben das Fachabi zu machen und sogar zu studieren. Heute ist er selbständig und (ich denke sehr) erfolgreich.

    Ich selbst habe ADS. Ich war immer sehr ruhig und ganz unauffällig. Bis zur 5. Klasse war ich nicht in der Lage eine Freundin zu gewinnen. Brauchte immer ewig bis ich die Hausaufgaben fertig hatte. Als ich mal hörte, dass andere für die gleichen Aufgaben nur 15 Minuten benötigen und ich Stunden… fand ich das ungerecht und konnte es nicht verstehen.
    Die Langsamkeit ist wohl leider bezeichnend für mich. Dabei beeile ich mich, aber ich bin eben auch unkonzentriert und muss mich wieder und wieder kontrollieren. In der Schule und im Studium werden Fehler toleriert, die Noten sind dann eben nur schlechter (Schule mit „Gut“ beendet und den Master mit 2,1) aber auf der Arbeit gibt es da weniger Toleranz, bis keine, so meine letzte Erfahrung. Und ich weiß nicht, ob ich wirklich so viel weniger schaffe, jedenfalls bin ich durchgehend dabei meinen Job ordentlich zu machen. Aber es reicht eben nicht.
    Ich war beeindruckt über die Formulierung einer Bloggerin, die da schrieb, dass sie so gern gewesen wäre wie die anderen Studenten, die nach der Vorlesung einfach rausgingen und noch wussten worüber gesprochen wurde. Obwohl sie aufgepasst hatte, wusste sie es nicht mehr, sie hatte noch keine Zeit es abzuspeichern. Ja, genau so ging es mir auch und leider immer noch. Es macht so viel mehr Aufwand und ist ohne Ende peinlich bei wichtigen Gesprächen… Ja, ja aufschreiben… , manchmal nehme ich es auch unerlaubter weise mit meinem Handy auf…

    Überhaupt hatte ich zumindest für die Zeit im Bachelor noch ein paar Medikinet von meinem Sohn übrig :-) ich nahm je eine viertel Tablette für die Prüfungsvorbereitung. Was war das für ein Unterschied!!! Ich konnte mich aufs Lernen konzentrieren und bin in vergleichsweise kurzer Zeit zum Ziel gekommen. (Mein (armer, damals kleiner) Sohn sollte bis zu 2,5 Stück am Tag nehmen – Kein Wunder, dass er es verweigert hat!) Also, falls die zeitliche Reihenfolge hier seltsam erscheint, ich hatte die Kinder lange vor dem Studium bekommen.
    Mein Beitrag klingt gerade vielleicht nicht so, als hätte ich die Stärken von ADS für mich entdeckt. Eigentlich hatte ich mich über viele Jahre ganz gut mit mir arrangiert und mich ganz gut angenommen. Ich muss da auch von meinen Stärken gewusst haben, aber derzeit sehe nur, dass alle meine Mühe nicht reicht. Impulsivität? nein, ich glaub das ist nicht mein Problem. Resigantion ist es eher. Seit Anfang November war ich krank geschrieben und seit März nun arbeitslos. Manchmal, wenn ich draußen bin und die Sonne scheint, hoffe ich, dass es auch wieder ein Arbeitsleben für mich geben könnte. Aber das ist nicht anhaltend. Ich bin nicht mehr bereit mich derart anzustrengen wie bisher.
    Habe kürzlich einen Psychiater aufgesucht. Er hat ADS diagnostiziert und Atomoxetin verschrieben. Das hatte bei mir einen Haufen Nebenwirkungen und hilft wenig. Das konnte ich nicht ertragen und habe sie wieder abgesetzt.

    Ich hoffe, wenn ich mehr davon verstehe, wie ich mein ADS-Gehirn managen kann, wird es wieder besser.
    Viele Grüße

  18. Ein toller Artikel der mir als Betroffenem ebenso unter die Haut geht, wie die sehr unglaublich offenen Kommentare darunter. Obwohl es erstmals im Kindesalter diagnostiziert wurde, holt mich ADS nun mit 29 mit einer schwierigen Job-Erfahrung und einer psychatrischen Diagnose wieder ein. In der Schule habe ich gut funktioniert. Ich glaube das meine Veranlagung mich schon früh zu einer sehr hohen Disziplin gebracht hat. Leider aber habe ich bis zum Studium nie wirkliche Freundschaften finden können. Ich war immer sehr aktiv und als ein Art „bunter Hund“ überall bekannt und akzeptiert. Aber freundschaftliche Bindungen: Fehlanzeige. Durch diese fehlenden Kontakte glaube ich, dass sich die Selbstfindung (wer ich bin und was ich mal machen will) bei mir erst deutlich später und mühsamer geklärt hat. Im Studium habe ich endlich Leute kennen lernen dürfen, bei denen ich das Gefühl hatte, Sie würden wie ich ticken. Im Moment versuche ich herauszufinden wie ich meine Neigungen und Persönlichkeit doch noch mit meiner im Nachhinein eher falsche Studienwahl verbinden könnte. Ich bin dankbar diese Seite gefunden zu haben und werde sie weiter verfolgen.

    1. Hallo Einfachnurhier (ein sehr schöner „Name“),
      es freut mich, dass Sie sich auf meiner Seite gut aufgehoben fühlen und vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich hoffe, Sie entdecken Hilfreiches für sich hier auf meiner Seite.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  19. Ich musste weinen bei dem Artikel oben und den Kommentaren darunter, da ich mich/uns so wiedererkenne. Bei mir wurde AD(H)S nie diagnostiziert, aber ich habe die starke Vermutung, da alle Symptome der ADS auf mich zutreffen und meine Tochter verhaltensauffällig ist. Da ich im Leben von außen betrachtet halbwegs klar gekommen bin, wurde ich dahingehend nie untersucht bzw. diagnostiziert. Bei mir äußerte es sich nach außen „nur“ in depressiven Episoden und sozialen Ängsten bis hin zu einer vorübergehenden Angst-/Panikstörung. Heute geht es mir echt gut, aber hab‘ schwierige Zeiten hinter mir, musste viel reflektieren usw. Gefühlt musste ich immer doppelt so viel geben wie andere, benötige viiiieeel Ruhe und Rückzugsraum, bin extrem emotional und sensibel, habe ständig Chaos im Kopf, tausend Ideen/Gedanken die mir regelrecht einschießen…permanent und den ganzen Tag, hasse Routine wie die Pest (wahrscheinlich bräuchte ich sie), zerdenke alles, vergesse gleichzeitig alles, kann mir Dinge schlecht merken, mache vieles gleichzeitig, lese mehrere Bücher parallel, bringe Vieles aber nicht zu Ende, schiebe auf usw.
    Meine Strategie ist das Aufschreiben, ich wäre ansonsten längst untergegangen. In meiner Wohnung liegen überall Zettel (Oft vergesse ich, wo ich sie hingelegt habe)… usw.
    In der Schule war ich zu 95 % geistesabwesend. Den Lehrern zuzuhören, war i.d.R. UNMÖGLICH und ging, wenn überhaupt, nur in Fächern/Themen, die mich interessierten (v.a. Ethik, teils Deutsch, Bio, Geo). Meine Zensuren waren nicht gut (3er Abi), mir fiel es schwerer als den anderen. Ich war langsam und verträumt. Ich dachte immer, dass ich einfach dümmer bin als der Rest. Erst später im Studium bzw. v.a. jetzt im Beruf merke ich, dass das nicht ganz stimmen kann, da ich beruflich Höchstleistungen erbringen kann und zwar Defizite habe, aber wenn es darauf ankommt, besser bin als andere. Ich erstelle komplexe/komplizierte Gutachten und bin darin sehr gut. Ich konnte mir das alles nicht erklären (da ich ja in der Schule schlecht war und mein Gedächtnis so schlecht ist). Denke heute es liegt an dem zitierten „Hyperfokus“ bei AD(H)S – dann arbeite ich ununterbrochen stundenlang, vergesse das Essen/Trinken usw. und gehe förmlich auf in dem was ich tue. V.a. unter Hochdruck und schwierigen Fragestellungen/Problemen kann ich das besonders gut. Leichte Aufgaben schiebe ich auf oder/und vergesse ich, so dass es problematisch wird. Im Homeoffice ist die Selbstdisziplin eine wirkliche Herausforderung für mich.
    Meine Tochter heute ist ebenso unaufmerksam wie ich, hat ähnliche Probleme wie ich früher (emotional, sensibel usw.) und ist sehr impulsiv, zappelig, chaotisch, hat „Tics“, geringe Ausdauer und Frustrationstoleranz, jetzt als Jugendliche psychische Probleme (wird gerade diagnostiziert). Mir wird das erst jetzt so richtig bewusst, dass wir ADS haben könnten und da meine Tochter diese Probleme hat, ist mir wichtig, dass sie heute diagnostiziert wird. Ich möchte ihr Leiden ersparen. Denn wenn man weiß, dass man es hat, bewertet man sich anders und kann sich verhaltenstechnisch besser darauf einstellen und hat nicht einen so langen, kräftezehrenden Leidensweg wie ich mit Selbstwertproblemen usw. (hoffe ich).

  20. Guten Abend. an alle ADHSler/innen!
    Ich habe viele Kommentare von Euch aufmerksam gelesen.Vieles spiegelt sich in meinem Lebenslauf wieder.Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich anfangen soll.
    Es begann schon in der Kindheit.Ich war immer sehr aufgeweckt und dynamisch unterwegs.Der“Hans Dampf in allen Gassen“Junge. Ich bin jetzt 51 Jahre und habe beruflich so ziemlich alle Bereich abgedeckt.Manche sogar mehrmals.
    Als Kind habe ich es nie verstanden,was die Erwachsenen von mir wollten.Ich war immer in Bewegung.Ich merkte intuitiv,daß ich „anders“ war.Mein Verhalten,meine Aufgewecktheit.Ich konnte mich daher nicht auf einen Punkt konzentrieren.Ich war oft der „Clown“ in der Klasse.Ich hab es mitgespielt,obwohl ich wußte, daß mehr in mir steckt.
    Nach meiner Schulzeit begann ich eine Lehre in einem Handwerkbetrieb.Innerhalb dieser Ausbildung wechselte ich 3 Mal den Betrieb.Mein Vater hat die Augen verdreht und jegliche Hoffung an mir verloren. Ja.Ich mußte immer mehr geben,wie Andere. Zumindestens hat man mich das spüren lassen. Nach dem dritten Anlauf hab ich dann meine Prüfung als Geselle abgelegt und noch einige Jahre als Handwerker gearbeitet.Irgendwann hab ich mich dann entschieden, noch weiterhin zur Schule zu gehen und hab mein Fachabitur nachgeholt.Mein Vater sagt nur „Wie lange willst Du denn noch zur Schule gehen?“Zu dieser Zeit merkte ich, daß mir das Zeichnen unheimlich Spaß gemacht hat und hin und wieder ein paar Portraitzeichnungen verkaufen konnte. Ich habe spät gemerkt,welche Talente in ADHS-Betroffenen schlummern und es nie an die „Große Glocke“ gehangen habe.Ich war mit meinen Gedanken und Fantasien immer weit entfernt.
    Wissen ist begrenzt.Fantasie ist unendlich.Mittlerweile spiele ich auch Gitarre und habe es zu meinem Hobby gemacht.Ja.Es stimmt.Wir ADHSler haben sooo viele gute Ideen und sind soooo kreativ.Wir sollten es nach „Außen“tragen und zeigen,daß WIR genauso gut sind,wie die NICHT-Betroffenen. Es dauert halt alles etwas länger bei uns,aber wenn man uns die Muse und die Zeit gibt,können Wir tolle Dinge auf die Beine stellen,von denen die Anderen überwältigt sind.Wie oft habe ich gehört, Du schaffst es nicht,Du kannst es nicht,Oder auch,“Gehe mal zur Seite…Es ist und war erdrückend. Ich habe seit ungefähr 5 Jahren die Diagnose,daß ich ADHS habe.
    Es tut gut,zu wissen,daß man nicht alleine ist.

  21. Danke für diesen Beitrag! Viele nicht Betroffene haben keine Vorstellung was sie mit ihren Forderungen verlangen, aber auch wie tiefe Spuren durch ihr Unverständnis hinterlassen werden. Immer und immer wieder bekommt man das Gefühl vermittelt einfach micht zu genügen oder faul zu sein, nicht in diese Welt zu passen. Keiner sieht was man trotz bzw. mit dem ADHS leistet und auch erreicht. vielleicht nicht immer auf dem direkten, „normalen“ Weg. Aber irgendwann bleibt die Energie auf der Strecke gegen diese Fehlannahme von faul, blöd, undiszipliniert, komplizier zu wenig Leistungsfähig anzukämpfen… Immer wieder ist es ein erklären und hoffen einen Umfeld mit Verständnis zu finden, welches die Begabungen sieht, auch im Arbeitsleben….
    Schade ist dieser Artikel keine Pflichtlektüre für Arbeitgeber, Eltern, Lehrpersonen….

  22. Guten Morgen.
    Ich bin männlich 46 Jahre alt.
    Ich befinde mich gerade tatsächlich noch einmal in einer Ausbildung zum Fachinformatiker. Im Zuge dieser Ausbildung gab es einige dinge, die mich mal wieder an mir selber haben zweifeln lassen.
    Ich war vorher jahrelang als Kranfahrer bei einem großen deutschen Unternehmen tätig. Als ich dort als Kranfahrer anfing, konnte ich das noch nicht so gut. Man muss dazu sagen, dass der Hallenkran(15Tonnen) mit einer Fernbedienung vom Boden aus gesteuert wurde je nachdem wie man stand musste man also umdenken, was die Bedienung anging, sonst ging es in die falsche Richtung.
    Jedenfalls war es so das ich während alle anderen lernten wie sie denn Kran bedienten in Laufrichtung. Ich mich schon gleichzeitig damit beschäftigte zu schauen wie ich effektiver denn Kran bedienen kann bzw. wie ich effektivere Wege und Reihenfolgen für mich entwickeln kann.
    Weil meine Denkweise warum auch immer so war, dass ich das so effektiv wie möglich gestalten muss um so viel wie möglich leisten zu können.
    In den ersten Wochen war ich immer der, der länger gebraucht, hat während alle anderen schon lange draußen beim rauche, waren.
    Nach, ich glaube ca. 2 Monaten änderte sich das aber, und zwar so stark, dass ich oft z. B. bei meinem Kollegen mitgeholfen habe damit die schneller fertig werden, um dann mit denen zusammen draußen zu rauchen (damals tat ich das noch).
    Na ja, irgendwann nach einigen Jahren war das dann irgendwie auch nicht mehr das Gelbe vom Ei, weil ich nicht mehr vorwärtskam, ich saß also fest dort und das (so kenne ich es aus meinem beruflichen Werdegang) in einem Alter stark auf die 40 zugehend… (wie es früher war, erzähle ich gleich noch etwas dazu). Da fing ich, glaube ich, das erste Mal intensiv an darüber nachzudenken, was ICH den machen könnte, also was macht mir wirklich Spaß also suchte ich irgendeinen roten faden und fand ihn tatsächlich auch in der „Programmierung“ weil mich das irgendwie seit 20 Jahren begleitet jedoch immer nur phasenweise. Also mal angefangen mir z. B. eine Webseite zu basteln(was ich auch tat) vor 20 Jahren… Nach ein paar Wochen war ich aber gefühlt ausgebrannt und das Thema war wieder erledigt. Nichtsdestotrotz war das etwas was mich seit 20 Jahren begleitet und das auch teilweise intensiv, weil das etwas ist, womit ich tage und Nächte gefüllt habe bis ich das geschafft habe, was ich wollte, aber an diesen Punkt, wo jeder andere sich sagen würde „ja super läuft und jetzt weiter im Text…“ war ich an dem Punkt, wo ich mir sagte „ok geschafft jetzt brauche ich erst mal eine pause…“ Und das, obwohl ich eigentlich weitermachen wollte, aber es ging nicht, ich wusste nicht warum.
    (Was wollte ich jetzt sagen?)…. Na ja, jedenfalls das zum Thema warum ich mich jetzt dazu entschlossen habe Programmierer zu werden.
    Mittlerweile bin ich im letzten Jahr und der Punkt warum ich hier bin ist, weil ich mich gefragt habe, ob vielleicht etwas nicht mit mir stimmt… Ich saß mal wieder vor dem Rechner und lernte und programmierte vor mich hin als meine Frau von der Arbeit kam und wir uns wie immer erzählten wie der Tag, den so war.
    Als ich ihr dann mal wieder erzählte, dass es bei mir wie fast immer sei was dann heißt, Ich lese etwas und habe nach kurze Zeit den Anfang schon wieder vergessen oder ich höre eine Erklärung(z. B. YouTube) und fange gleich an zu hinterfragen… warum ist das so und nicht so, oder was passiert, wenn man es so machen würde und nicht so aber egal wie es ist am Ende scheint es immer so als ob die Lösung direkt vor meinem Auge rumkreist, aber ich kann sie nicht greifen und zusammenstecken, oder wie viele helle punkte die nur miteinander verbunden werden müssen damit mir ein Licht aufgeht.
    Und da sagte meine Frau zu mir, vielleicht stimmt etwas nicht mit dir.
    Das sagt sie zwar jeden Tag (fast :) ) aber diesmal war es anders gemeint, und zwar aus folgendem Grund:
    Ich hatte in meiner Kindheit in den 80er eine bakterielle Hirnhautentzündung, und zwar so schwer das meiner Mutter damals nahegelegt wurde, sich von mir zu verabschieden. Was, wenn sie heute noch davon erzählt ihr Tränen in die Augen schießen lässt. Na, es kam wie so oft in meinem Leben, da wurde mein Wille wohl unterschätzt. Jedenfalls kann ich mich dann später als Kind dran erinnern, das ich immer zu Psychologen geschleppt wurde, weil meine schulischen Leistungen wohl schlechter wurden und wer weiß was noch alles, um ehrlich zu sein, kann ich mich auch gar nicht so recht daran erinnern. Bei den Psychologen Tests kam aber wohl irgendwie immer so was raus wie „komisch eigentlich müsste er zwischen 1 und 2 stehen schulisch, ich weiß leider nicht weiter“ also zum nächsten usw… das ende vom Lied war dann, das ich mit ich glaube 11 oder 12 Jahren in ein heim gekommen bin auf Anraten irgendjemanden. Ich glaube, es waren 6 Monate oder 1 Jahr (ich weiß es wirklich nicht) im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich immer der Klassenclown war und der Zappelphilipp. Ich saß, wann immer es ging hinten angelegt mit dem Stuhl an der Wand. Oder lief einfach mal so durch die klasse.
    Was zu einigen Klassen und Schulkonferenzen führte bis hin zum mehrwöchigen ausschloss vom Unterricht.
    Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte, war das als ich ihren Artikel gelesen habe, und zwar im Speziellen den Leserkommentar, der dort eingebettet ist. War es so das mir die Tränen gekommen sind beim Lesen des Leserkommentars der Frau, weil mit jedem Satz des Kommentars ich ein Bild aus meiner Kindheit vor Augen geführt bekommen habe, fast so als ob alles einen Sinn ergibt jetzt.
    Zu erwähnen sei jetzt noch das ich jetzt gerade(in diesem Augenblick) dabei bin mich auf Anraten meiner Frau zu informieren. Und ich denke ich habe das Rätsel gelöst, was ich mir meinen ganzes leben, lang gestellt habe(was stimmt nicht mit mir?)
    Ich habe mich noch nicht testen lassen auf AD(H)S, werde dieses jetzt aber schnellstmöglich tun und kann nur hoffen, das mir die Behandlung in welcher Form auch immer weiterhilft.

  23. Dieser Artikel ist unglaublich akkurat. Ich bin jetzt 22 Jahre alt und weiß schon seit über 10 Jahren das ich ADHS habe. In dieser Zeit habe ich viele Mechanismen entwickelt um damit klar zu kommen, mich zu organisieren, mit anderen Menschen klar zu kommen und auch mit mir selbst klar zu kommen. Trotzdem ist dieses grundlegende Gefühl nie 100% verstanden zu werden stetiger Begleiter. Mein Gehirn funktioniert nunmehr anders aber daran kann ich nichts ändern. Besonders von der Familie bekomme ich von Zeit zu Zeit zu hören dass sie sich sooo zurücknehmen und um dutzende Eierschalen balancieren und ich doch auch mal was dazu beitragen soll meine stimmung/ impulsivität in den Griff zubekommen. Was sie nicht wissen/ verstehen wollen: Jeden Tag 24h 7 Tage die Woche besteht mein komplettes Leben nur aus Eierschalen jeder Schritt jeder Satz jede Konversation braucht unmengen Energie um mich so zu verhalten das andere damit klar kommen. Wenn nun eine Prüfungsphase läuft und ich diese Energie fürs Lernen Nutze fange ich an auf die Eierschalen zu treten und dann knallte. Daher ziehe ich mich lieber zurück denn mir anzuhören dass ich mich ständig verkrieche ist einfacher zu verkraften als vorgeworfen zu bekommen das ich mich nicht wie ein „normales“ Familienmitglied verhalten kann.

  24. Liebe Leserin, lieber Leser!
    Ich bin 47 Jahre alt, seit einigen Monaten hab ich nach ausführlicher Diagnostik (Gespräch über den bisherigen Verlauf meines Lebens, umfangreichem „Kreuzchen Test“ und Leistungsdiagnostik) traurige Gewissheit.
    Was sich anfühlt wie ein Fluch, der am Ende ja doch immer, alles zerstört, was man sich erarbeiten will (egal ob privat oder beruflich) ist mit den Buchstaben ADS beschrieben, und gekommen um zu bleiben.
    Wenn ich mir drüber Gedanken mache, was mir dieses verfluchte ADS wohl alles verunmöglicht hat, kann es leicht sein, daß ich nicht anders kann als zu weinen. Trotzdem glaub ich, es ist gut zu wissen, was Sache ist. Ich glaube nur so kann es gelingen, (für andere nicht existente) Wellen zu surfen zu lernen, die einen sonst absaufen lassen würden. Obwohl diese spezielle Art des Seins, wohl immer anstrengend ist und bleibt, macht sich ein leiser Verdacht in meinem „Scheißhirn“ breit. (möglicherweise vielleicht auch, wunderbarem „ Scheißhirn“)
    Nämlich: Aus Trauer kann Freude entstehen. Wem es gelungen ist eine Welle zu nehmen, der hat keine Zeit sich mit seinen Schürfwunden zu beschäftigen.
    Auch oder grade wenn es nicht nich leicht war das Blatt zu wenden.
    Leider habe ich die Erfahrung gemacht, daß Spezialisten wie Neurologen, Psychiater oder Psychologen oft recht wenig Ahnung vom Wesen einer ADS/ADHS haben, oder zu haben scheinen. Insbesondere Erwachse holen sich wohl eher Frust als professionelle Hilfe. Trotzdem gibt es sie. Auf dieser Seite zum Beispiel.
    Als es trotz aller Bemühungen meinerseits, und von Seiten des gesamten Teams nicht mehr möglich war als Dipl. Pfleger einer Chirurgie zu arbeiten, mußte ich nach 18 Jahren meinen Job an den Nagel hängen. Als ich dann zu meinem Bruder, der Neurologe ist (ADS damals noch Verdacht)
    gesagt hab. Ich mach mir Sorgen, weil ich vermutlich ADS hab und es in der Arbeit nicht mehr geht, hat dieser geantwortet:“So ein Blödsinn, du hast nicht ADHS.
    Dein Problem ist, dein Egoismus. Warum sollst du nicht als Pfleger arbeiten können. Als nächstes bildest du dir vermutlich ein Fibromyalgie zu haben. Später sprach ich mit einer Psychotherateutin die selbst „ADHSlerin“ ist und in einem Rehazentrum für seelische Gesundheit arbeitet. Ich hab ihr erzählt was mein Bruder sagte und, daß ich mir schwer tue, die Meinung eines ansich sehr netten Menschen und vor allem zweifellos kompetentem Facharztes einfach als Blödsinn abzutun. Darauf antwortete sie „ja aber was ihr Bruder sagt IST Blödsinn“
    Sie hatte recht!
    Jedenfalls sehr geehrte Frau Boekhoff, ich habe den starken Verdacht, diese Ihre Seite ist überhaupt kein Blödsinn!

  25. Hallo zusammen,

    es ist immer wieder Balsam für die Seele Berichte von Menschen zu lesen, die ähnliches erlebt haben. Die Welt wäre wirklich besser mit mehr Empathie.

    Ich bin jetzt 29 und weiß erst seit ca. 2 Jahren, dass ich ADHS habe.
    Mein Leben lang habe ich hauptsächlich den Satz gehört: „Du musst dich besser konzentrieren!“
    Dabei wusste ich gar nicht, wie ich das anstellen soll.
    Ständig habe ich Dinge vergessen oder verloren. Den Turnbeutel an der Bushaltestelle, den Regenschirm im Bus, das Handy, das Portemonnaie, den Schlüssel und vieles mehr. Oft konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wir mir manches abhandenkommen ist.
    Ich litt am meisten unter diesen Umständen, mir wurde jedoch unterstellt, dass ich den Dingen nicht genug Bedeutung beimessen würde.
    Auf dem Gymnasium kam ich in der 5. und 6. Klasse nicht gut klar. Ich hatte zwei fünfen, wurde gemobbt und meine Eltern waren dabei sich zu trennen.
    Als ich im Unterricht unbewusst mal wieder meinen Tagträumereien nachhing und in Mathe aufgerufen wurde, wurde mir von sehr vielen Schülern die Antwort „das blaue Gas!“ zugezischt, was auch dem Lehrer nicht entging. Da ich nicht einmal die Frage wusste, wiederholte diese Aussage und wurde von der ganzen Klasse verlacht. Ein anderes Mal malte ich verträumt an der Ecke meines Mäppchens rum und wurde vom Direktor aufgerufen und musste mich bloßgestellt auf unbestimmte Zeit an die Wand stellen, ohne mich anzulehnen, versteht sich. Das einzige Vergehen, dessen ich mir bewusst war, war nicht aufmerksam gewesen zu sein und fühlte mich ungerecht behandelt. Mir wurde nicht einmal erklärt, warum ich die Strafe zu erdulden hatte.
    Als die Schule geschlossen wurde, wollte auf die Realschule zu einer Freundin von mir. Dort kam ich viel besser zurecht, was ich auch manchen Lehrern zuschreibe. In Deutsch war ich sogar die Beste, obwohl ich zuvor eine 5 hatte. Unsere Deutsch- und Klassenlehrerin war ein Engel. Sie schaffte es meine Schwächen sogar noch als Stärke zu präsentieren. Bei einer Klassenarbeit gab es 3 Aufgaben. Da ich wieder einmal etwas nicht mitbekommen hatte, wusste ich nicht, dass wir uns eine aussuchen sollten und schrieb 3 Klassenarbeiten. Bei der Abgabe fiel dies auf und ich strich zwei durch. Am Ende bekam ich dennoch eine 1 und sie erzählte es der ganzen Klasse, was mich echt Schlau und nicht Schusselig/ Dumm aussehen ließ.
    Aber unter meinen Freunden hatte ich dennoch das Image des Tollpatsches inne. Ich schaffte es eine Sache nicht nur 1x auch nicht 3x sondern ganze 5x hintereinander umzustoßen, was echt alle verärgerte. Oder ich stolperte über ein Kabel und rannte anschließend gegen den Schrank. Wenn ich das Salz aus der Küche holen wollte lief ich schon in Luftlinie darauf zu, ohne meine Umgebung zu beachten und lief gegen die Tischecke. In Gesprächen reichte mein Wahrnehmungsradius nur bis zu meinem Gesprächspartnern, auf die ich mich konzentrierte, nicht jedoch auf das Drumherum. Ich bemerke also bspw. nicht, wenn mich jemand aus der Ferne ansah. Immer vergas ich etwas bei einer Freundin, wenn ich mich auf den Nachhauseweg machte. Auch wenn es meine Freunde waren lachten sie immer wieder verständnislos darüber.
    Mein Vater, so liebevoll er auch ist, so wenig konnte er mich als höchst konzentrierter und organisierter Mann auch verstehen. Als ich mit Anfang 20 meinen Schlüssel verloren hatte, an dem auch sein Ersatzschlüssel hing schrie er mich erbost am Telefon an: „Manchmal denke ich, dass meine Tochter schlau ist und manchmal denke ich, sie ist behindert!“
    Ich hab so sehr geweint und ihm gesagt, dass ich mich selber hasse. Da wurde er etwas milder. Dennoch hatte mein Selbstwertgefühl in den letzten Jahren erheblichen Schaden genommen.

    Mein Abi habe ich trotz widriger Umstände mit 2,9 gemeistert. Dennoch musste ich 3 Jahre warten, bis ich den Lehramtstudiengang antreten konnte.
    In der Uni war es der Horror. Ich sollte mich mit einem Mal komplett selbst organisieren und strukturieren. Ich vergaß fertige Portfolios fristgerecht abzugeben oder versäumte es die passenden Seminare zu wählen. Ständig musste man zu einem anderen Unigebäude und den Raum finden, den ich teilweise zu Beginn gar nicht fand und dann meinen Fixplatz verlor. Als ich die unzähligen Unigebäude besser kannte, wurde die Orientierung besser, aber die Schusseligkeit blieb.
    Da erzählte eine Freundin, die mit ähnlichen aber anderen Problemen kämpft von einem Buch über ADHS, dass sie geschenkt bekommen hat, was aber nicht ganz auf sie zutrifft. Ich habe mich jedoch sehr gut wiedererkannt und wollte mich testen lassen.
    Nach dem Test war es dann eindeutig. Ich habe ADHS! Es war so eine Erleichterung. Endlich wusste ich, was das Problem war und konnte lernen damit umzugehen und wusste auch wie. Ich habe eine Psychotherapie angefangen. Ich hatte ohnehin mitlerweile komorbide Störungen, wie Depressionen, beginnender Alkoholismus und eine Angststörung entwickelt. Medikamente wollte ich nicht nehmen. Im Bachelor habe ich mal ohne Diagnose eine Tablette mit unbekannter Dosierung genommen. Ich habe mich echt anders gefühlt und konnte konzentriert für die Klausur lernen. Nur lag ich dann ewig wach und hab die Klausur übermüdet angetreten, was kontraproduktiv war.

    Mittlerweile komme ich bestens zurecht. Ich bin bald im 3. Mastersemester, habe deutlich bessere Noten als im Bachelor und werde den Master wohl auch in Regelstudienzeit meistern können. Mein Umfeld ist jetzt viel verständnisvoller und ich habe ein gesundes Selbstwertgefühl.
    Mit meinen Erfahrungen glaube ich auch als zukünftige Förderschullehrerin sensibler auf die individuellen Befindlichkeiten meiner künftigen SchülerInnen eingehen zu können.

    Danke für eure Erfahrungsberichte und die Möglichkeit meine Erfahrungen mitzuteilen.

  26. Es ist extrem erstaunlich, wie 1:1, wie die Faust aufs Auge, der in diesem Artikel zitierte Kommentar einer Blogleserin auf mein Leben und meine Probleme und Arbeitsweisen zutrifft. Glücklicherweise habe ich einen zumindest laut Test überdurchschnittlichen IQ und eine extreme Selbstaufopferungsgabe, weswegen ich momentan lediglich 1 Semester hinter der Regelstudienzeit meinen Master in Physik mache, obwohl ich keine Medikamente nehme. Blogartikel wie diese tun immer sehr gut.

  27. Hallo,
    es ist wieder einmal eine schlaflose Nacht und wieder einmal durchsuche ich das Internet nach adhs Kindern & adhs und Freundschaften.
    Diese Woche war wieder besonders schlimm, dabei solltr ich natürlich der starke Part sein und sollte definitiv nicht Jammern denn ich bin nicht betroffen.
    Mein Kind, bald 11 Jahre alt hat die Diagnose adhs schon sehr früh gestellt bekommen. Sie war gerade mal 3 Jahre alt und im Kindergarten, dort wurde sie schon ausgegrenzt. Auch von den Kindergärtnerinnen! Sie sei anstrengend und impulsiv, könne sich nicht benehmen und hätte auch keine Erziehung genossen.
    Dies hat uns als Familie auch sehr belastet also sind wir irgendwann los gegangen haben uns Hilfe gesucht. Aufgrund von Angst vor total banalen Dingen wie fahrende Autos und Fliegen, ja die insekten, sind wir zu einem Psychologen gegangen und ich muss sagen das ist das beste gewesen was wir hätten machen können.
    Letztendlich gab es endlich eine Diagnose. Wir haben sämtliche Dinge unternommen, motopädie, Ergotherapie, Gespräche mit Heilpraktikerin etc aber alles nur in dem Rahmen wie unsere Tochter das wollte.
    Wir haben sie zu nichts gezwungen und sie hat heute noch viel Spaß daran.
    Den Kindergarten hat sie hinter sich gelassen aber in der Schule war es auch nicht besser.
    Mobbing ohne Ende, jeden Tag was neues, immer ein weinendes Kind zuhause aber am nächsten Morgen ist sie wieder fröhlich in die Schule gegangen.
    In der Mitte des ersten Schuljahres haben wir dann mit Medikamenten begonnen, alles andere hat nichts geholfen. Sie war plötzlich ganz anders in der Schule und konnte endlich lernen!
    Trotzdem eckte sie immer an und wurde ausgeschlossen.
    Irgendwann gab es einen lehrerwechsel und das war das beste was passieren konnte. Er hat sich schlau gemacht und an Schulungen für adhs Kinder teilgenommen. Sie hatte in den letzten 2 Jahren in der Grundschule keine Probleme, besser noch, sie schrieb gute Noten und erlangte viel Selbstvertrauen dazu.
    Wir konnten durchatmen, sie wurde „nur noch“ an der Bushaltestelle gemobbt. Damit konnte sie aber umgehen. Sie ist so stark in der Hinsicht, ich könnte das nicht aushalten!
    Nun hatten wir große Angst was eine neue große Schule angeht. Uns wurde geraten sich ans Jugendamt zu wenden und eine I Kraft zu beantragen. Damit sie einen festen Ansprechpartner hat und das wollte sie selbst auch haben. Aus Angst das sonst alles wieder von vorn los geht.
    So stellte ich den aussichtslosen Antrag, mit meinen ganzen Ängste und Sorgen!
    Nun waren die Sommerferien vorüber und der erste Schultag begann. Sie ist voller Freude zur Schule gegangen und wie immer sehr offen auf die neuen Schüler zugegangen. Tja was soll ich sagen. Ihre einzige Freundin die sie hatte, wurde ihr genommen. Von einer Mitschülerin die sie nicht leiden kann und deswegen alle Kinder gegen sie aufhetzt. Schlimmer noch ist das sie jetzt nicht mehr in die Schule will. So habe ich sie noch nie erlebt. Kein stehaufmännchen mehr, kein Lachen mehr.. Nur noch Angst, schlaflose Nächte und Albträume.
    Was aber in meinen Augen noch viel schlimmer ist, ist das zwischenzeitlich der Termin für die I Kraft stattgefunden hat und es abgelehnt wurde. Das es abgelehnt wurde war gar nicht so schlimm, ich war eh skeptisch aber der Grund hatte es in sich. Es hieß das unser Kind zu keiner Zeit gefährdet sei und in der Klasse mit allen zurecht kommt und viele Freunde hat! Sie würde ordentlich arbeiten und sei ein total liebes Mädchen. Letzteres Stimme ich zu.
    Die Lehrer scheinen weg zu sehen.
    Heute erst wieder und das ist vermutlich auch der Grund warum ich hier schreibe, kam sie wieder weinend nach Hause und will nie wieder zur Schule gehen.
    Ich weiß einfach nicht mehr weiter.
    Wir machen schon soviele Therapien, schauen das zuhause alles gut für sie ist und achten auf einen regulierten strengen Ablauf.
    Mein Kind leiden zu sehen bricht mir das Herz. Ich versuche so gut es geht sie zu bestärken und mit ihr zu reden.
    Nur langsam mache ich mir wirklich große Sorgen.
    Nächste Woche haben wir wieder einen Termin bei ihrer Heilpraktikerin ich hoffe das es ihr dann vielleicht wieder ein bisschen besser geht.
    Ich verstehe nicht warum Kinder so sind. Ihr reicht es ja schon wenn man sie einfach in Ruhe lassen würde.

    Ich hoffe ihr verzeiht mir meine Rechtschreibung und evtl chaotische satzstellung. Es ist sehr spät und ich bin einfach nur ratlos und musste es einmal niederschreiben.

    Ich weiß es geht alles weiter und es gibt auch wieder bessere Tage.. Hoffentlich..

  28. Hallo liebe Leser
    Ich bin in den 90er Jahen aufgewachsen, eine Zeit in der ADHS noch ein Tabuthema war, Ritalin nur gebraucht wurde um Kinder ruhig zu stellen und ADHS sowieso nur als Entschuldigung genutzt wurde. Ich bin nur 30 jährig und ADHS ist sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag sehr präsent. Ich bin heute Lehrerin, liebe meinen Job über alles und habe immer wieder ADHS Kinder im Unterricht.
    Wann ich genau auf ADHS abgeklärt wurde weiss ich nicht mehr. Jedoch kann ich mich erinnern, dass ich später so Tabletten nehmen sollte. Die fand ich aber sehr doof, denn mit Tabletten war mein Leben viel weniger lustig als ohne. Weil ich mich so sehr dagegen sträubte, entschieden meine Eltern es ohne zu versuchen. Ich war lebhaft, wild, redete übermässig viel, machte einen Haufen Blödsinn und hatte es immer lustig. Als ich in der Oberstufe war, suchte meine Mutter irgendwann mal das Gespräch mit mir. Eine Schulkollegin, welche ADHS hatte, erzählte ihrer Mutter, dass ich bei den anderen Kindern anecken würde, ich nervig sei und sie nicht mehr mit mir befreundet sein wollten. Glücklicherweise erzählte diese Mutter meiner Mutter davon und sie redete dann mit mir. Von diesem Moment an begriff ich, dass ich etwas ändern muss. Es ging nicht darum, meine quirlige Art auszuschalten, sondern sie zu kontrollieren. Ich willigte ein, es nochmals mit Medikamenten zu versuchen. Mein Leben war nun zwar keine ständige Party mehr, jedoch konnte ich meine Freundinnen behalten und konnte mich im Unterricht nun auch konzentrieren.
    Plötzlich erreichte ich gute Noten und konnte an ein Gymnasium, machte Matura und ging an eine Uni und machte einen Masterabschluss. Ohne Medikamente (früher Ritalin, heute Concerta) wäre dies unmöglich gewesen.
    Denn die Konzentration auf etwas fällt mir auch heute sehr schwer. Sich hinzusetzen und für Prüfungen zu üben war ohne Concerta unmöglich. Ich konnte es noch so sehr wollen und noch so sehr versuchen. Der Vogel vor dem Fenster, das Auto auf der Strasse, das Staubteilchen dass einen komischen Schatten warf oder die weisse Wand, alles war spannender und interessanter als das was ich lernen sollte. Mit dem Concerta jedoch konnte ich mich viel besser konzentrieren. Aber auch mit brauchte ich viel Energie um bei dem eigentlichen Auftrag zu bleiben. Ich habe gelernt, wie ich mit dem Concerta und meinen Strategien das aus mir herausholen kann, was in mir steckt. Ohne Concerta hätte ich wahrscheinlich knapp einen anständigen Schulabschluss gemacht.
    Was aber noch viel wichtiger ist, ich habe gelernt, welche Stärken ich eben durch mein ADHS habe. Ich bin so kreativ, dass einige meiner Arbeitskollegen oftmals nicht mitkommen bei all den Ideen die ich habe. In meinen Unterrichtsstunden kommen mir die abgefahrensten Beispiele in den Sinn wie ich gewisse Dinge bildhaft erklären kann. Und man glaubt es kaum, aber durch mein Aufmerksamkeitsdefizit, resp meiner Fähigkeit dass alle Sinneseindrücke nicht gefiltert werden, nehme ich kleinste Bewegungen im Schulzimmer wahr ohne wirklich hinzusehen. Schüler mit ADHS kann ich viel besser unterstützen als andere Lehrpersonen, einfach weil ich sie verstehe und weiss, wie ich ihnen ein bisschen Struktur geben kann.

    An meinen Schwächen arbeite ich aber noch heute und werde es wohl auch noch seehr lange machen müssen. Jedoch habe ich gelernt, dass jede Schwäche auch eine Stärke sein kann.
    Ich bin (extrem) chaotisch, kreativ, impulsiv, sehr emotional/sensibel und schnell begeisterungsfähig und meine Arbeitskollegen schätzen mich eben genau für das was ich bin. (Beim Chaos sind sie vielleicht auch einfach froh, dass es noch einen grösseren Chaoten als sie gibt).

    Früher habe ich mir oft gewünscht, dass ich genau so schnell lernen könnte wie die anderen, dass ich nach der Vorlesung aus dem Zimmer gehen kann und noch weiss, was gerade Thema war (und das obwohl ich eigentlich zugehört hatte, aber halt noch nicht speichern konnte) und dass ich einfach so sein könnte wie die anderen. Ich muss gestehen, heute bin ich froh, dass ich dies alles durchmachen musste. Alles was ich erreicht habe, ist hart erarbeitet und heute sehe ich die ganzen Vorteile im Vordergrund die mich heute auch ausmachen. Ich bin mir aber bewusst, dass dies in meinem Fall so ist und viele andere viel mehr Mühe haben, ihr Leben im Griff zu haben. Meinen grössten Respekt an alle die jeden Tag aufs Neue kämpfen müssen, gegen sich selbst und gegen sie Vorurteile der Mitmenschen.

    Ich wünsche mir für uns alle, dass uns unsere Mitmenschen nicht direkt verurteilen weil wir AD(H)S haben und einige von uns Medikamente nehmen müssen/wollen. Ich wünsche mir Akzeptanz für unser Anderssein und dass sie nicht nur unsere Schwächen sehen sonder auch unsere Stärken.

    Danke fürs Lesen :)

  29. Ich wurde im alter von 5 mit ADHS diagnostiziert und bin jetzt bald 18. Es gibt da noch eine sache die mir mit den Jahren die Kraft raubt und zwar sind das Medikamente (Von denen kann ich echt nen Lied singen) .

    Seid dem ich 7 bin und somit seit ich die Grundschule besuche nehme ich gefährliche Tabletten (wenn sie nicht gefährlich wären, wären sie nicht als BTM eingestuft) und mittlerweile merke ich sie folgen die solche Medikamente mit sich bringen. Ich bin komplett gesund auf die welt gekommen (bis aufs ADHS) und seid dem haben sich bei mir drastische veränderungen gezeigt denn 10 jahre auf einem solchen Zeug ist definitiv nicht gut.

    Vor 2 jahren habe erfahren, dass wenn ich meine medikamente nehme, mein Herz unregelmäßig schlägt und auch, dass mein Herz viel zu schnell schlägt.

    Jetzt würden die normalos sagen “ Dann nimm sie doch einfach nicht mehr “ und ich muss denen da schon zustimmen aber auf der anderen seite bekomme ich mein leben dann nicht mehr hin und muss mir immer wieder anhören wie undiszipliniert ich doch bin also habe ich mich dazu entschieden (Es ist schlimm das ich so etwas entscheiden muss) dass ich lieber an einem Herzinfarkt sterbe als mir tag für tag anhören zu müssen wie schlecht ich doch sei.

    P.s : Entschuldigt bitte meine Rechtschreibfehler aber Grammatik war noch nie mein Ding.

    P.p.s. Danke fürs lesen :)

  30. Hallo jetzt möchte ich das erste mal überhaupt erzählen wie es mir ging. (Außer meiner Psychologin)
    Ich entschuldige mich jetzt schon für meine ausführliche Geschichte:

    Ich bin w, 22 und hab die Diagnose ADS seit ca 1 1/2 Jahren.

    Ich hab mich als Kind schon anders gefühlt. Ich war voller Lebensfreude, war immer brav, war immer nett und konnte mich stundenlang mit mir alleine beschäftigen. Es war immer toll für mich nach wie vor alleine zu sein und die Stille zu genießen.

    Als ich in die Schule kam, habe ich schon gemerkt, dass es mir verdammt schwer fallen wird die Stille nicht mehr um mich zu haben.
    Seit der ersten Klasse habe ich mich selbst erwischt, wie ich aus dem Fenster starre und plötzlich nicht mehr weiß, wie lange ich nicht zugehört habe. Das hat mich unheimlich frustriert. Vor allem wenn die Lehrer bemerkt haben, dass ich in einer ganz anderen Welt bin und mich deshalb aufgerufen haben, um an die Tafel zu kommen und die nächste Mathe Aufgabe zu lösen vor der Klasse. Ich habe mich geschämt weil ich es nicht wusste und die Kinder haben gelacht und haben mich dumm genannt. Darüber habe ich ziemlich viel nachgedacht und setzte mir jeden Tag mit neuem Willen das Ziel, 110% zu geben.
    Ich habe mehr als 110% gegeben, aber keiner hat mich verstanden.
    Ich fragte mich, wie das die anderen Kinder wohl machen. Ich beobachtete meine Schulkameraden und musste feststellen, dass sie alle von Anfang bis zum Ende der Stunde bei der Sache waren.

    Die einzige mit der ich darüber geredet habe, war meine Mama. Sie hat alles nachvollziehen können. (Was ich heute erst weiß, ist dass meine Mama auch ADS hat. Sie dachte bisher dass das normal ist wie ich ihr das erzähle, denn sie hat es in der Schule genauso erlebt, wie ich ihr es geschildert habe.)

    Auf der Realschule, bekam ich dann wirklich zu spüren, dass ich anders bin. Den Grund weiß ich aber bis heute nicht wirklich. Mindestens die Hälfte der Klasse, hatte etwas gegen mich, obwohl ich immer Respektvoll war und nie ein böses Wort gesagt habe.
    Vielleicht haben sie mich gleich abgestempelt als unzurechnungsfähig und komisch, weil ich nie beim Thema war, das besprochen wurde. Meistens habe ich auch Fragen gestellt, die gerade im Unterricht beantwortet worden sind. Ein „Blackout“.
    Alle lachen. Ich verstehe Die Welt nicht mehr, weil ich nicht mitbekommen habe, dass das grade schon besprochen wurde. Ich habe mich aus dem Unterricht immer weiter zurück gezogen und aufgehört mehr als 110% zu geben. Fast jede Hausaufgabe vergessen, oft Krank und nichts mehr in Frage gestellt.
    Die 8. Klasse musste ich auch fast wiederholen. Dann hab ich Angst bekommen es nie im Leben zu schaffen, wenn ich jetzt nicht Gas gebe.
    Ich habs geschafft genug Kraft zu sammeln bis s zur 10. Abschlussklasse, das komischerweise das mit Abstand beste Zeugnis in meiner gesamten Schulzeit war. Ich war wirklich stolz auf mich was ich geleistet habe. Aber trotzdem war ich immer nur der Durchschnitt.

    Nach dem Abschluss habe ich eine 3 Jährige Berufsausbildung abgeschlossen zur medizinischen Fachangestellten in einer Radiologischen Praxis. Die Ausbildung war geplagt von Niederlagen in meinen Augen. Es hat zwar Spaß gemacht, aber die Kollegen haben mir zu früh, zu viel Verantwortung übergeben und ich hatte das Gefühl, das Arbeitsleben noch nicht richtig verstanden zu haben. Ich habe richtig zu spüren bekommen, dass während meiner Arbeit mir ständig Fehler unterlaufen sind, ohne dass ich es gemerkt habe.
    Mein Chef hat mir aufgetragen Spritzen, Desinfektionsmittel und Kanülen zu holen. Als er mir das aufgetragen hatte, ging ich sofort los um die Sachen zu holen. Kaum schloss ich seine Tür, hatte ich alles vergessen was ich holen sollte. Da fragt man sich was man überhaupt kann und die Panik macht sich breit.
    Ich habe nicht lange überlegt was ich mache. Ich habe wieder seine Tür geöffnet um ihm zu beichten, dass ich die drei Dinge vergessen habe, die er mir aufgetragen hat. Dann entschuldigte mich anschließend noch bei ihm. Meine einzige Erklärung dafür war, dass ich einfach nur zur dummen Sorte Mensch gehören muss. Auch nichts kann und mich auch keiner mag.
    Obwohl ich mir doch so viel Mühe gegeben habe, meine ganze Kraft die ich noch hatte investiert habe.
    Meine Arbeitskollegen merkten das natürlich auch und waren zurecht genervt davon.
    Sie haben mir allmählich alle Aufgaben gegeben, die keiner machen will. Das wurde echt verdammt viel, aber ich hab alles ohne was zu sagen gemacht.
    Es war so viel Arbeit da und niemand wollte mir helfen.
    Sie haben zusammen Tee getrunken und ich bin gerannt und wusste nicht was ich zu erst machen sollte. Dabei war ich trotz allem immer höflich, habe nie nein gesagt, war sehr ehrlich und habe meine Fehler eingesehen.
    Trotzdem habe ich sehr viel von meinem Chef gelernt in dieser Zeit. Dankbar bin ich trotzdem für diese harte, aber lehrreiche Zeit.

    Ein Jahr nach meiner Lehre, entschloss ich mich zu kündigen.

    Ich saß mit meinem zukünftigen Arbeitgeber am Tisch und habe meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben.
    Es wurde mir erklärt wie alles funktioniert, meine Tätigkeiten in verschiedenen Bereichen, Datenschutz etc… es war so interessant was mir erzählt wurde und insgesamt war ich ungefähr 3 Stunden drin um alle mir offenen Fragen noch zu klären.
    Dann passierte es wieder. Ich wusste auf einmal gar nichts mehr, außer dass ich wieder nicht zugehört habe. Ich wusste nicht wie lang ich nichts gesagt habe und um welches Thema es sich handelt. Das kann doch nicht wahr sein. Solche Blackouts hatte ich jeden Tag. Aber das war besonders schlimm für mich. Das darf nicht mehr passieren, unter gar keinen Umständen…
    Der Termin bein Arzt war vereinbart.

    Die Diagnose war eindeutig: „ADS“

    Und ich war so erleichtert. !!!
    Pünktlich zum Arbeitgeberwechsel war ich auch schon mit den Medikamenten gut eingestellt, dass sich in der neuen Praxis jeder gewundert hat, wie ich mir so viel merken kann. Ich habe mich selbst überrascht was ich alles leisten kann ohne überfordert zu sein.
    Die Grauen, dichten Wolken in meinem Kopf wurden einfach weg geschoben.
    Ich hab geweint vor Freude.
    Die ganze Qual hat ein Ende.
    Ich wusste endlich was mir fehlte.

    Ich wünsche niemanden so etwas durchstehen zu müssen.
    Vor allem mit der Annahme aufzuwachsen, man wäre leider eine der Menschen mit einem niedrigen IQ.
    Zu wissen, man ist anders, man gibt sein bestes, jeden Tag, versucht zu verstehen und trotzdem ist es nicht genug. Die Reaktionen der anderen lassen dich spüren wie anders du bist.
    Vor allem immer wieder zu hören: „konzentriere dich, du kannst das doch besser, jetzt denk doch mal nach“ tut jedes mal aufs neue weh.
    Zu spüren wie die ganze Lebensfreude schwindet ist nicht einfach.

    1. Hallo N.,
      vielen Dank für Ihre Offenheit und Ihren Einblick in Ihren persönlichen Weg. Dieser war sicherlich nicht leicht. Es freut mich, dass es sich für Sie zum Guten gewendet hat und ich wünsche Ihnen weiterhin viele positive Lebenserfahrungen und die Bestätigung, dass Sie in Ordnung sind.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  31. Ich musste weinen, als ich die Beschreibung der Klientin las….genau das macht meine inzwischen fast 18 Jährige Tochter seit ihrer Geburt durch. Welch höchste Anstregung das für Betroffene bedeutet, mit wie viel Unverständinis man immer wieder konfrontiert wird…es tut mir so weh nur bedingt helfen zu können…das Einzige was ich bedingungslos machen kann, ist, sie so zu lieben und genau deswegen.
    Und eins noch…die in Ausdicht gestellte Diagnise, wir sollten mit einem Hauptschulabschluss zufrieden sein, hat sich nicht bewahrheitet. Meine Tochter ist gerade dabei aus freien Stücken ihr Fachabi zu machen, sie ist eine Kämpferin sondergleichen.

    1. Hallo Karen,
      vielen Dank für Ihr ermutigendes Feedback! Viele ADHS-menschen schaffen mehr, als man denkt, aber sie brauchen oft länger und mehr Umwege…
      Alles Gute für Sie und Ihre Tochter!
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  32. Hallo an alle,
    ich bin 60, habe ADS, einen erwachsenen Sohn mit ADS und vermutlich hat meine Mutter es auch, sie wurde nur nie diagnostiziert (da damals unbekannt). Das, was ich aus den vielen Jahren des anders Lebens gezogen habe, was mir geholfen hat:

    – Ohne eine „kleine Grundstruktur“, die ich mir für meinen Alltag unglaublich mühsam angewöhnt habe, hätte ich vermutlich seelisch nicht überlebt. Dazu gehören Schlafregelmäßigkeiten, wenn ich langfristig (und nicht nur in den leuchtenden Schüben) etwas leisten soll, und nur das Nötigste an „üblichen“ Alltagsritualen – die müssen aber sicher sitzen.
    – Ohne einen Beruf, der meinen Fähigkeiten, Talenten und meiner natürlichen Anlage zur Hyperfokussierung bei Interesse entspricht, wahrscheinlich auch nicht.
    – Ohne Selbstkritik, die aber niemals die vielen Schubladen einfach weiter überfüllt, in die meine Defizite so gesteckt wurden von anderen in den Jahren, wäre ich einfach nur depressiv.
    – Ohne Fokus auf das, was wir ADSler nun mal viel, viel besser können als andere (nämlich Welt kreativ anders vernetzen), wäre ich aufgeschmissen gewesen.
    – Ohne den Slogan HALT (entscheide nie, wenn du hungrig wütend, einsam oder müde bist = hungry, angry, tired, lonely) wäre ich vielleicht irgendwann an meinen spontanen Aktionen erstickt :-)

    Mein Sohn kämpft heute (trotz völlig anderer Startbedingungen und viel Verständnis) genauso wie ich damals mit dem Alltag. Es liegt einfach in der Natur des ADS, sich an den bestimmenden Ecken und Kanten der Welt zu stoßen. Für mich ist das oft ganz, ganz schwer anzuschauen. Und ich habe gelernt, dass er dasselbe Recht hat, seinen sehr spezifischen Weg zu finden wie ich. Ich konnte ihm wenig helfen. Er ist eigen – wie ich.

    Ich bewundere jeden, der in einem ähnlichen Kosmos lebt wie wir ADSler, wenn er die Welt dann doch irgendwie stemmt. Das ist schon sehr viel. Neurotypisch angelegte Menschen können sich einfach nicht vorstellen, wie das ist. Manchmal haben sie ganz gute Tipps – man kann sich daraus ziehen, was einem sinnvoll scheint und sollte das unbedingt ausprobieren.

    Aber man muss irgendwann aufhören, sich über die Sicht der anderen auf sich selbst zu definieren. Wir alle sind unsere besten Beschützer, Kritiker und Helfer. Keiner sonst weiß, wie bemüht wir sind und wo wir uns immer wieder in den eigenen Fallen fangen. Das tun wir leicht – aber es ist kein nicht rückholbarer Fehler. Je mehr ich das begreife, umso leichter fällt mir vieles, auch wenn es Jahrzehnte gebraucht hat.

    Alles Liebe allen,
    Susanne

  33. Als „Normalo“ lebe ich mit meiner neuen Partnerin zusammen, welche einen inzwischen 20 jährigen Sohn hat, bei dem ADHS diagnostiziert ist.
    Sein charakterlicher Entwicklungsstand wird nicht nur von mir ! mit dem eines trotzigen Kindergarten Kindes gleichgesetzt.
    Medikinet nehme ich nicht, weil….u.s.w
    Die Persönlichkeitsstörung ADHS bringt
    leider oft boshaften Narzissmus mit sich, da ADHSler ein sehr gestörtes und minderwertiges Selbstwertgefühl haben.
    Wenn permanentes, eiskaltes Lügen, Blenden, Diebstahl und exzessives Anspruchsdenken mit dekadenter Arroganz und Empathielosigkeit zum Handwerkszeug dieser Menschen werden, dürfen sie sich nicht wundern, wenn sie überall anecken und gemieden werden…
    Ich erlebe das leider täglich.
    Sich nur da Mühe zu geben, wo es ADSlern passt und gefällt, dazu andere für ihre eigenen Schwächen bluten zu lassen, reicht nun mal nicht fürs Leben, denn
    das Leben stellt Ansprüche und ist auch für uns Normalos kein Ponnyhof.
    Da viele ADHSLer/ ADHSlerinnen anderen Menschen das Leben durch ihre gestörte Art (Persönlichkeitsstörung !) massiv erschweren, bleibt uns Normalos leider nur, uns mit ihnen auf Dauer nicht abzugeben, da wir sonst ständig umsonst Kraft und Energie an ADHSler verpulvern und am Ende ändert sich doch nichts.
    Und wer schüttet schon gern Wasser in ein Fass ohne Boden….

    1. Lieber Fred Feuerstein,
      ich verstehe Ihren Ärger, akzeptiere Ihre Schlussfolgerung aber nicht auf diesem Blog: Sie sagen, weil der Sohn Ihrer Partnerin ADHS hat und „narzistisch“ ist und sich daneben benimmt, sollte man sich mit ADHS’lern nicht abgeben. Es ist falsch, dasss ADHS „oft boshaften Narzismus mit sich bringt“. Es ist ausserdem falsch, dass ADHS eine Persönlichkeitsstörung ist, das ist nicht er Fall. Es gibt allerdings durchaus eine narzistische Persönlichkeitsstörung. Das ist Ihre Wahrnehmung aus Ihrer persönlichen Situation heraus.
      Ich habe es an verschiedenen Stellen schon geschreiben, nur weil ein mensch mit einer ADHS-Konstitution auch noch andere Probleme hat, kann man diese nicht alle dem ADHS in die Schuhe schieben. Narzismus und ADHS sind zwei völlig getrennte Dinge.
      Ihre Erfahrung mit DIESEM EINEN ADHS-Menschen auf „die ADHS’ler“ zu übertragen, ist falsch. Gensuso falsch, wie wenn Sie sagen würden, Ihre Partnerin hätte Sie betrogen, und man könne „den Frauen“ eben nicht trauen, die wären ja alle gleich.
      Sie können lediglich über den Sohn Ihrer Partner schreiben. Oder kennen Sie tatsächlich sehr viele ADHS-Menschen und diese sind auch alle so „daneben“ wie der Sohn Ihrer Partnerin?
      ADHS-Menschen bringen ihre Schwächen mit sich. Aber es ist bei weitem nicht so, dass die Mehrheit narzistisch oder sogar boshaft wäre.
      Übertragen Sie Ihre Wut und Hilflosigkeit nicht auf die Leser dieses Blogs und nicht auf „die ADHS-Menschen“, das ist ungerecht und unfair.
      Viele Grüße
      Birgit Boekhoff

    2. Hallo Herr Feuerstein
      Schade, dass sie solche Erfahrungen mit einem ADHSler gemacht haben. Sie wirken auf mich sehr frustriert und das böse, böse ADHS ist nun an allem schuld.
      Ich selbst habe ADHS und ihr Text macht mich wirklich wütend. Ich habe keine Persönlichkeitsstörung, im Gegenteil, ich weiss sehr wohl wer ich bin und was ich kann. Meine persönlichen Grenzen kenne ich wahrscheinlich besser als viele andere.
      Woher Sie all diese „typischen“ Eigenschaften (lügen, blenden, Anspruchsdenken, Arroganz oder Empathielosigkeit) herhaben, würde mich interessieren. Wenn ich ehrlich sein soll und das bin ich wegen dem bösen, bösen ADHS nun mal, habe ich den Eindruck, dass Sie damit eher sich selbst beschreiben.
      Menschen wie Sie sind der Grund, warum viele von uns in der Öffentlichkeit nicht darüber reden, warum wir uns nicht getrauen offen zuzugeben, dass wir ADHS haben.

      So wie es scheint, haben Sie sich ihre Meinung bereits gebildet und diskutieren scheint sinnlos, denn wer schüttet schon gern Wasser in ein Fass ohne Boden… Tja, ich schon.
      Wenn Sie einen Teddybär auf Gehweg liegen sehen, sind sie traurig, weil ein Kind sein Kuscheltier nicht mehr hat? Ich schon.
      Werden Sie wütend, wenn sie von Ungerechtigkeiten erfahren und bringt es sie zur Verzweiflung wenn Sie nichts dagegen tun können? Mich schon.
      Mussten Sie sich eine dicke Haut zulegen, weil man Ihnen Ihr Leben lang das Gefühl gegeben hat Sie seien weniger wert? Ich schon.
      Kennen Sie das Gefühl, wenn man sich auf etwas konzentrieren will, etwas erledigen will und es EINACH NICHT GEHT. Weil das Gehirn die ganzen Sinneseindrücke ungefiltert abbekommt? Ich schon.
      Bringt es Sie aus dem Rhythmus wenn Sie nach dem Aufstehen zuerst Zähne putzen und sich dann erst anziehen obwohl sie es sonst immer umgekehrt machen und sind Sie dann zu spät dran? Ich schon.
      Haben Sie je versucht, sich in eine mit ADHS betroffene Person zu versetzen, die gerade Ihren Text gelesen hat? Ich schon.

      Wäre ich an der Stelle dieses Jugendlichen, ich würde ähnlich reagieren wie er. Nicht weil ich so bin, sondern um mich selbst vor Ihnen und Ihrer abschätzigen Haltung zu schützen.
      Bei allem Respekt, ich habe lieber ADHS als ein Normalo wie Sie zu sein.

  34. Salü :)
    Das ist sooo schön geschrieben! Mir wird auch immer gesagt, dass ich doch mal mehr Disziplin haben sollte…und des schon immer, selbst als Kind und dann wurde ich von den anderen Kindern getrennt und musste meine Pausen bei den Lehrern verbringen (damit ich nicht so viel Rauche, damit ich mich nicht prügele, damit ich nicht….)
    Mein Lebenslauf ist 3 Seiten lang…suche immer wieder einen neuen Job und spätestens nach 6 Monaten habe ich die Schnute voll und will weg…es wird überall (selbst auf der Intensiv) langweilig (bin Pflegefachfrau).
    Der vorletzte Arbeitgeber schickte mich zum Psychologen… dieser stellte wohl ein ADHS fest, weil ich aber eine so fröhliche, aufgeweckte und lebenslustige Frohnatur bin bräuchte ich Nichts zu machen….
    Seit ein paar Monaten sind Angst-und Panikattacken und Zukuftsängste da…. ich arbeite mal wieder an mir und habe auch das schon richtig gut in Griff bekommen :D…
    Aber mit dieser dämlichen Disziplin komme ich noch immer nicht klar…die passt nicht…und jeden Tag Yoga und Meditieren is super, nur ist der Tag viel zu kurz, ich schaffe gar nicht Alles :(
    Es ist ganz schön toll einen Partner zu haben, der weiss wie ich bin und ihm war mein ADHS längst vor mir bewusst (auch Pflegefachmann, aber Psychiatrie)… so mache ich des, einfach mit meinem Partner und bald unseren Kindern (Bin 33 Jahr).
    Euch auch alles Liebe und im Grunde sind wir doch einfach nur viel interessierte Menschen, oder?

  35. Hej Ihr,
    ich bin gerade frische 38 geworden und ich habe schon viiieel erlebt.
    Aber von vorne, ich erinnere mich leider nie so gut an ach, so vieles…
    Im Jahr 2014 ging ´s erstmal Bergab. Ich bin (Gott sei dank) in einen unbefristeten Arbeitsverhältnis bei einem Konzern angestellt.
    Das nur durch meine Hartnäckigkeit und nicht durch meine besonderen Schulischen Leistungen. (Schule puh..anderes Thema)
    Bei meinem Arbeitgeber hat es mich nie länger als max 4 Jahre auf einer Stelle gehalten. ich musste ständig weiter, neue Kollegen, neue Aufgaben, neues Umfeld. Ich hab es soweit getrieben, das ich vom Vertieb innen, wie Außendienst in die Hauptverwaltung aufgestiegen bin.
    Das war ein FEHLER!! zack saß ich in einem Open space mit was weiß ich wie vielen Kollegen…
    Klar, dann kam erstmal der Burn Out. Jut jut, ich war für fast 1 Jahr Arbeitsunfähig. Nebenbei bekam ich endlich mal eine richtige Diagnose.
    Der Arzt sagte:“ Wir haben es“!!! Hashimoto. Mir ging es nach der Einstellung wirklich besser, aber nicht lange. Im Jahr 2015 kam die Diagnose ADHS, diese wurde dann durch Reha Aufenthalte und Arzt Besuche gesichert.
    Das erste Medikament wurde mir verschrieben: Medikenet= nicht vertragen, das zweite kam: Ritalin= Keine Verbesserung, außer schwitzen. Es kam das Dritte: Elvanse Adult=joah, mit 2 Dosen Red Bull täglich habe ich das Gefühl es hilft.
    Bei einem geforderten Medikamentenspiegel meiner seits kam heraus, das sich in meinem Körper nur 0,2 (Einheit hab ich vergessen) von dem Ritalin befinden und das dass ja viel zu gering wäre. Das war´s dann auch an Aufklärung.

    Ich Arbeite jetzt als „Sekretärin“ in dieser Hauptverwaltung…und ich kenne kaum etwas langweiligeres, als diesen Job! Aber. Da muss ich wohl durch, da ich keine Bewerbungen schreiben kann, bzw. ich kann mich nicht verkaufen..Teamfähig, ehrgeizig jaja, bla, bla
    Ich bin jeden Tag Todesmüde, alleine das Aufstehen verlangt mir alles ab, bis ich dann mal „Funktioniere“ ist es mittag, oder halt überhaupt nicht.
    Ich MUSS mich jeden TAG anstrengen für den ganz normalen „Alltagstrott“
    Trotz hundert Hilfsmitteln, ecke ich ständig bei Kollegen an, schotte mich daher von den normalos ab, was die Mehrheit auf der Arbeit ist.

    Warum ich das hier schreibe, also ich bin mal wieder mit ner Kollegin angeeckt und meine Chefin verlangt, meine Diagnose ADHS mit all Ihren Begleiterscheinungen für andere Aufzuschreiben, damit man mich besser versteht, vielleicht. eventuell.

  36. Dem kann ich mich voll und ganz anschliessen.
    Habe zwei erfolglose Bewerbungen bei DB hinter mir. Bin seit 25 Jahren Krankenpfleger, seit 2008 mit Diagnose ADHS.
    Habe mich mit 50 Jahren nochmal für einen anderen Job beworben. Wollte mir endlich meinen Traumjob als Lokführer erfüllen.
    Ums kurz zu machen. Alle medizin. und psychologischen Tests bestanden und doch gescheitert. Beim ersten Mal, hätte ich nach 1,5 Jahren zum ärztlichen Gespräch gemusst, die Bahn hielt aber an dem 3 Jahresrhythmus fest und hat mich nicht eingestellt. Trotz der vielen offenen Stellen.
    Beim 2. Versuch das gleiche wieder (diesmal Privatbahn). Alle Tests wieder bestanden und dann im Gespräch an der Ärztin gescheitert. Wegen ADHS und einer mittelgradigen Depression, mit den Worten: Denken Sie an den Piloten der German Wings. Ich fand das eine Unverfrorenheit. Und noch ein paar unsachgemäßen Äusserungen.
    Die Absage erfolgte auf dem Fuß.
    Wer da keine depressive Episode bekommt….
    Ich habe daran immer noch zu knabbern, selbst nach einem Jahr.
    Die Gesellschaft ist überhaupt nicht bereit dafür, trotz aller Bekundungen.

  37. Hallo,

    habe mir eure Nachrichten durchgelesen (überflogen aber trotzdem alles registriert) und möchte euch nun ein wenig über mich schreiben, vielleicht findet der eine oder andere ja parallelen.
    Mein Name ist Mario, ich bin 44 Jahre alt, bin Programmierer für PHP, JavaScript, Java, etc… und habe vor 7 Jahren die Diagnose ADHS bekommen. Meine Medikation ist 2x50mg/tägl. Medikinet.

    Ich hatte in meiner Schuldzeit nicht unbedingt die besten Noten. Nach dem Realschul-Abschluss hatte ich eine Lehre als Stuckateur absolviert. Ich habe schnell gemerkt, dass es nicht mein Ding ist. Nach einem Jahr Facharbeiter und 10 Monaten Grundverdienst hatte ich mich dazu entschlossen ein Unternehmen im IT-Bereich zu gründen. Mit dem Unternehmen war ich auch lange Zeit sehr erfolgreich. Wenn ich so darüber nachdenke, ich hatte eigentlich den perfekten Alltag für jemanden mit meinen (Macken), denn es gab jemand der meine Post öffnet, mich ständig an Termine erinnert und meine Finanzen regelt, wodurch ich von früh bis abends dafür Zeit hatte mich meinen vielen Gedanken/Ideen zu widmen mit dem Fokus, diese gewinnbringend umzusetzen. Es war eine so rastlose Zeit, voller Energie, früh morgens aus dem Bett gesprungen, schnell ins Büro gefahren, meine Mitarbeiter begrüßt und mit meinem Enthusiasmus regelrecht angesteckt.

    Irgendwann kam dann die Zeit, in der mein Tatendrang zunehmend nachließ. Irgendwie fing ich an mein tuen zu hinterfragen, in etwa, dein heute wird wie gestern und mein morgen kann ich dir schon heute sagen. Ich empfand es, als würde ich mit Gummistiefeln im sumpfigen Acker rum waten. Ich habe natürlich versucht dem entgegenzuwirken und so das Nachtleben für mich entdeckt. Hey, ich hatte wieder was entdeckt für was ich brennen könnte, meine leuchtenden Augen wieder und dieses „ich kann es kaum erwarten“ Gefühl. Mir war bewusst, dass die Richtung nach unten zeigt aber ich hatte nicht viel Mühe, jene Gedanken in die Tonne zu stecken.

    Man kann gut erkennen, dass mein Handeln ein absolutes Extrem ist, egal in welche Richtung.

    Im August 2017 lief mir dann eine Frau beim Weinfest in Ludwigsburg über den Weg. Ich habe mich Hals über Kopf verliebt und war im nächstem Extrem. Ich hätte sie auf Rosen betten können, sie hat es genossen so verehrt zu werden und so authentisch … ja, das können wir gut, man könnte meinen, wir haben das kindliche nicht verloren, denn sie sind wissbegierig und tragen ihr Herz auf der Zunge.
    Sie und ich sind dann ein Paar geworden und wir waren voller Liebesglück, Dopamin war nun im Überschuss und es gab einem roten Pfaden für mich. Meine Partnerin hatte schnell erkannt, dass es mit meinem Unternehmen nicht so optimal steht und da es die Option auf Nachwuchs gab und ich der Meinung bin, dass es stabile Finanzielle Verhältnisse voraussetzt hatte ich mich entschieden das Unternehmen abzuwickeln und mir eine Festanstellung zu suchen.

    Es war wohl eine Entscheidung, welche ein Handeln gegen meine charakterliche Natur erfordert und dies kann nicht von Erfolg gekrönt sein. Ich, nach diesen Zeilen, beflügelt von Liebe, beschließe für mich einen Weg zu gehen, den ich immer vermeiden wollte, nämlich zum Zahnrad zu werden… also es ging nach hinten los. Ich hatte solch mühe diesen Bewerbungsprozess anzugehen. Meine Partnerin hat sich das nicht lange angeschaut und sich von mir getrennt. Nun bin ich seit 1,5 Jahren Harz4. Sitze die ganze Nacht am Rechner und programmiere nebenbei. Ich hatte in der Zeit 3 Vorstellungsgespräche und 2 x 3 Monate keine Leistungen bekommen, weil ich auf diese unzähligen Vermittlungsvorschläge nicht reagiere. Mein letztes Vorstellungsgespräch hatte ich am 18.11 bei DB Systel. Ich hatte vor dem Gespräch extra kein Medikinet genommen, weil ich mich dann fühle wie gedeckelt im Geiste. Es hatte dann zu folge, dass ich auf gestellte Fragen, geredet habe, bis dem gegenüber fast der Kopf platzt ist. Einen Tag später kam die Absage, mit der Begründung, das ich mit agilem Projekt-Management nicht so kompatibel wäre. Was hat ADHS nicht was Agilität hat?

    Kurz zu meinem Charakter…
    – Minderwertigkeitskomplexe in den Dingen, welche ich gut beherrsche
    – Für die Not anderer, stelle ich eigene Bedürfnisse zurück (nicht im Flow)
    – Unheimlich geräuschempfindlich
    – Exzessiver Lebenswandel
    – Liebe zu Tieren
    – Kein Bezug zu Materiellen Dingen
    – …

    Ich bin trotz meiner jetzigen Situation in guter Verfassung, denn es gibt Menschen den es schlimmer geht. Ich bin zwar erst 44 Jahre und es gibt einige mit mehr Lebenserfahrung aber der Kontext meiner Worte: wir sollten auf keinen Fall versuchen so zu werden wie wir nicht sind. Es ist wie einem Linkshänder mit rechts schreiben zu lassen. Wir sind unschlagbar in Dingen die uns interessieren und deswegen sollten wir da ansetzen. Es gibt viele Beispiele von Menschen mit ADHS, welche Namen jeder kennt.

    …und Medikinet ist für mich keine Hilfe!!! Mein damaliger Psychologe meinte mal, nachdem ich mich beklagt habe, das ich damit das Gefühl habe ich stehe auf der Leitung „Willkommen in der Normalität“ ;-)

    Ich habe auch versucht nicht individuell zu sein und damit ist nun Schluss… Montag Gewerbeamt…

  38. Brüder und Schwestern, liebe Angie, liebe „Normalos“,
    über Leidensweg, Auswirkungen, Ablehnung, Unverständnis und vor Allem Diagnosen von Fachexperten“größtenteils Luftgitarrenspieler-trotz anerkennenswerterter, oftmals aufopfernder Mühen-„,ist genug geschrieben worden. Danke dafür, ehrlich!
    So und ab jetzt kickt ADHS!!!
    Als Betroffener, mit leider erheblicher Adhsauffäligkeit in munteren 58 Jahren, gehe ich in vielen Dingen nicht conform mit der Sicht auf ADHS.
    Die Erfahrung zeigt mir, das die Hilfen die uns zukommen, gepaart mit die Erwartung die hinter einer Hilfe stehen, selten das waren was ich brauchte. Man hatte nicht wirklich gefragt und sich nachher darauf eingestellt, auf meine Erwartungen, diese waren nämlich schon ganz klar gesellschaftlich definiert. Zu funktionieren in DIESER Epoche.
    Dies bitte ich nicht als Bewertung zu sehen. Ich sehe die Bemühungender Gesellschaft (zu der ich mich auch zähle), ich sehe auch vor Allem die Einzelpersonen, die mit Hingabe forschen und behandeln, auch dafür sehr herzlichen Dank.
    Diese Problematik ADHS wird nicht in dem Sinne gelöst werden wie eine infektiöse Krankheit. Die Betroffenen für sich und untereinander halten sich meist für so normal, wie die Normalos sich für normal halten. Was, wenn sich das Verhältnis der beiden Gruppen ändert, wenn 25% der Bevölkerung oder sogar über 50% ADHS haben? Warum die momentane Einstufung, dass ADHS beeinträchtigt? Wer macht die Normen? Wir waren es nicht!
    Dafür, dass heute diese Symptomatik erkannt worden ist und zumindest ansatzweise anerkannt wird sind wir zuständig durch unsere Ausdauer, Pein und Schmerzen seelisch als auch körperlich zu ertragen – nicht zerbrochen sind, nicht als Selbstmörder oder asozial Geächtete enden , geendet sind.
    Ein Hoch auf UNS!
    Was ich mir wünsche: eine Akzeptanz dafür , dass ich anders normal bin, so wie ich euch für eure andere Normalität akzeptiere. Der Rest spielt sich ein.
    An die normale Gesellschaft appelliere ich, auf unser Potential nicht zu verzichten, sondern uns integrativ einzubinden und die Normen aufzuweichen, die der sich neugestalteten Welt Hemmnisse in den Weg stellt.

    Bliebe der Mensch da stehen in seiner Evolution, wo er sich jetzt befindet, verliert er den Anschluß, stirbt aus!
    Neues, Verändertes, sich Entwickelndes und sich Neuerfindendes, das kann sich den veränderten Umständen der Zukunft anpassen. Auslaufmodelle bleiben auf der Strecke.

    Auf das der Homo sapiens ewig lebe!
    P. S. Sonst wird Berlin Airport auch nicht fertig!

  39. Liebe Verfasserin,

    diese Worte hätten von mir sein können. Danke! Ich habe auch mit 44 erfahren, warum ich so bin wie ich bin – und jetzt geht es mir besser. Weil ich endlich schwarz auf weiß habe, dass ich nicht unfähig, undiszipliniert, uninteressiert, arrogant, …. bin.
    Meine persönliche Sprüchesammlung:
    „Sie ist sehr intelligent, sie kann, wenn sie will. Aber sie will nicht.“ Stimmt. Wenn mich etwas packt – oder auch wenn ich einfach muss, weil ich mal wieder Aufgaben ewig vor mir hergeschoben habe und langsam Panik aufsteigt – kann ich. Und zwar erstaunlich viel in sehr kurzer Zeit. Ansonsten kann von „nicht wollen“ keine Rede sein. Glauben die das im Ernst, dass ich das will? Immer anecken, ausgegrenzt werden, unzulänglich sein, kritisiert werden…??
    „Mein Gott, jetzt reiss Dich doch einfach mal zusammen. Das kann doch nicht so schwer sein, einfach mal Ordnung zu halten, einfach mal an Deinen Hausaufgaben zu bleiben, Dich nur einfach mal ne halbe Stunde zu konzentrieren, ….“. Doch, ist es verdammt noch mal!! Und es ist eben nicht einfach. Für mich scheint es unmöglich, egal wie viel Mühe ich mir gebe, es passiert einfach immer und immer wieder.
    Ich kann mich anstrengen wie ich will, es sieht niemand. Es ist nie gut, nie richtig, nie genug. Ein Fettnapf jagt den nächsten. Ich bin komisch, unfähig und wertlos. Warum ist bei den anderen nur immer alles so einfach? Warum kann ich nicht genau so sein?
    Das war mein Lebensgefühl in der Kindheit. Meinen Gedankensprüngen konnte niemand folgen. Meine Verträumtheit und Lahmarschigkeit hat jedem den letzten Nerv geraubt. Meine enorme Phantasie und meine Interessen waren den meisten auch suspekt.
    Ich hatte das große Glück, in meinen jungen Jahren auf Menschen zu treffen, die nicht nur sahen, was ich nicht kann, sondern auch, was ich kann und welche Potentiale ich habe. Die mich mit meiner Verpeiltheit und meinen Macken annahmen und liebten. Diesen Menschen verdanke ich wohl, dass mein Leben trotzdem noch recht gut verlaufen ist. Von dem Puffer an Selbstbewußtsein, den sie mir mitgaben, profitierte ich noch lange – und er war danach überlebenswichtig. In der Ausbildung, in den ersten Schritten im Berufsleben, bis ich zum einem nach einigen Fehlschlägen den Job gefunden habe, in dem ich mit meiner Persönlichkeit und meinen Potentialen genau richtig bin. Und bis ich nach vielen Rückschlägen, Tränen und Selbstreflektion allmählich lernte, ein Minimum an Struktur einzuhalten und mich im Umgang mit anderen Menschen so kompartibel zu verhalten, dass ich nicht mehr ständig Irritiationen auslöste (mit viel Disziplin, die ich ja angeblich nicht habe…).
    Was mir heute einigermaßen gelingt – aber zugegeben, auch nicht immer. Es gibt Grenzen. Ich bin halt auch nur ein Mensch. Ein Mensch, der zur Hochform aufläuft, wenn ihn etwas packt und interessiert, und wenn er sich ohne zu viele äußere Vorgaben frei entfalten kann. Der immer wieder neue Herausforderungen braucht und sucht (was mir im Job mittlerweile ein beachtliches Fachwissen eingebracht hat). Der für sein Einfühlungsvermögen geschätzt wird und schnell Menschen für sich gewinnen kann. Aber auch ein Mensch, der oft schneller redet als er denkt (nicht immer zum Vorteil….), der um 5 Ecken denkt, wenn es eigentlich nur 2 Ecken gibt, dessen Schreibtisch stets einem Trümmerfeld ähnelt, der viel Energie darauf verwenden muss, Strukturen und Termine einzuhalten, der kaum Zeit einachätzen kann und oft zu spät kommt, der hinterfragt, alles genau wissen will, und sich nicht damit abfinden kann und will sein Hirn an der Pforte abzugeben (nicht immer zur Begeisterung der Vorgesetzen, die es lieber bequem hätten), der alles begeistert aufsaugt, es aber dann oft nicht sortiert bekommt.
    Das alles bin ich. Nein, ich bin nicht perfekt. Weit davon entfernt. Die Sprüche fallen heute noch, nur die Ausdrucksweise hat sich verändert. „Frau S., Sie haben sehr viel Potential, aber Sie müssen unbedingt lernen, sich besser zu strukturieren.“ „Frau S., das können Sie doch dem Kunden nicht einfach so sagen!“ „Frau S., Sie müssen besser zuhören.“ „Frau S., Ihnen unterlaufen leider sehr viele Flüchtigkeitsfehler. Ich bitte Sie zukünftig dringend um mehr Konzentration!“
    Es hört nicht auf, und es wird wohl nie aufhören. Aber ICH weiß, was ich geleistet habe, bis ich dort war, wo ich heute bin. Und in Zukunft leisten werde, jeden Tag aufs Neue, als meine ganz persönliche Lebensaufgabe. Andere haben davon keine Vorstellung. Deshalb bin ich froh, dass es solche Seiten wie diese gibt, und das Thema endlich in den Focus der Öffentlichkeit rückt. Damit zukünftig endlich kein betroffenes Kind – und auch kein Erwachsener – mehr diese Hölle durchleben und sich die gleichen Sprüche anhören muss.

  40. Was mich auf beim THema ADHS verblüfft, ist das ich schon so oft versucht hatte an Hand von Coachings oder Bücher mein Gehirn neu zu justieren – das heißt die Affirmationen oder Mindsettings die alten aufzulösen und neue in den Kopf zu pflanzen. Aber immer wieder stelle ich fest mit ADHS funktionieren Affirmationen nicht oder hat da jemand von euch andere Erfahrungen oder Tipps?

  41. Hallo Ihr Lieben,

    Ich bin 37 und habe auch erst vor kurzem die Diagnose ADS bekommen. Ich bin 2016 mit Burnout aus meinem Job als Software Entwicklerin rausgefallen und hab Therapien und co hinter mir, ich habe auch schon einige Erfolge und Fortschritte erzielt und bin nun in einer beruflichen Reha um wieder zurückzufinden und mich neu zu orientieren. Ständig wird mir gesagt wie super intelligent und fleißig und und und ich sei und dennoch bricht gerade alles über mir zusammen. Ich habe in dieser Reha das erstemal ein so tolles wohlwollendes Umfeld gespürt und nun gerät plötzlich alles wieder ins wanken und ich bin wieder überfordert, mittlerweile weiß ich warum, aber helfen tut es mir gerade nicht, besser klar zu kommen und zu allem Überfluss herrscht gerade eisige Stille bei meinem Freund und mir weil es ihm vermutlich zu viel ist. Auslöser war eigentlich nur eine Banalität aber scheinbar ist meine negative Stimmungslage bereits solch ein wunder Punkt. Ich bin gerade hin und her gerissen, traurig, wütend, ängstlich warum muss das alles auf einmal kommen, ich habe jetzt lange Zeit gekämpft und 6 Monate lang war ich gut drauf, habe Fortschritte gemacht und ihn nicht behelligt und jetzt wo ich kurz davor stehe einen immensen Wandel erleben zu müssen und überall mein Halt wegbricht(Teilnehmer die gehen, Anleiter und Vertrauenspersonen, Therapeutin im Urlaub…) brauch ich sein Verständnis und ein bisschen Gefühl von Stabilität. Bin ich auf ewig verdammt dazu, dass alle um mich herum irgendwann aufgeben und das Weite suchen? Ich habe momentan niemanden, der mir Halt und Mut gibt. Ich verlier gerade total meine Kraft und ich brauch gerade jede Willenskraft die ich habe um den Mut zu fassen die Suche nach dem Praktikum anzugehen und positiv in die Zukunft zu gehen. Ich würde mich am liebsten in eine einsame kleine Hütte in den Wäldern zurückziehen und mich verkriechen. Aber ich muss jeden Tag raus in die laute Stadt, mit all den Ängsten die gerade wieder hochkommen und all den tausend Gedanken die mich gerade nicht zur Ruhe kommen lassen. Warum kommt alles immer gleich auf einmal. Wenn’s kommt dann überrollt es einen gleich.

    1. Hallo Susi,

      du bist nicht allein, auch wenn sich das in deiner Lage so anfühlt.
      Ich verstehe dich gut und habe ganz ähnliches erlebt und schreibe dir deshalb, in der Hoffnung du liest das, dass es weiter gehen wird und auch wieder leichter für dich wird.
      Die Kurse hier können dir sicherlich auch ein wenig Stabilität geben.
      Du wirst bei dir ankommen, gib dir Zeit und Mitgefühl.
      Alles Liebe für dich!

  42. Guten Abend,
    Erst einmal bitte nicht auf Rechtschreibung achten. War noch nie meine Stärke.
    Nun zu mir ich bin 40 Jahre alt männlich und habe meine Diagnose adhs erst vor 5 Monaten bekommen.
    Hatte mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht ob ich es habe oder nicht.
    Den Stein ins Rollen gebracht hat in der Hinsicht aktuell die Situation mit meinem Sohn (14 Jahre) hervorgebracht.
    Mein Sohn war als Kind schon sehr auffällig Kindergarten hat er nur gebissen so das er in einem heilpadagogischen kam. Dort funktionierte es soweit.
    Dann kam die Grundschule die er 2 mal gewechselt hat. Diagnose war immer verhaltensstörrung mit Grenze an adhs.
    Meine Frau und ich haben immer gesagt wir versuchen alles ohne Medikamente. Nun ist er an einer Schule speziell für solche Kinder. Dort funktioniert es zur Zeit gut. Vor knapp einem Jahr wurde es sehr schwierig. Das Jugendamt hatte sich eingeschaltet da wir schon lange Probleme hatten mit ihm und den Schulen.
    Meine Frau und ich hatten ebenfalls viel Streß. Welche ich gleich mal aufzählen werde sobald der Grund genannt wurde warum ich überhaupt zum Arzt gegangen bin.
    Wie schon gesagt hatten meine Frau und ich große beziehungsprobleme
    Die sich auf unseren Sohn ableiteten. Wir standen kurz vor der Trennung. Das Jugendamt stellte meine Frau vor die Wahl. Entweder ich ändere mich oder sie muss sich scheiden lassen bzw unser Sohn wäre uns genommen worden.
    Dies war der Grund warum ich zum Arzt gegangen bin.
    Ich erzählte ihm ein wenig aus der Kindheit. Bin aus erster Ehe meine Mutter hatte 3.meinen Vater hab ich erst mit 23 kennengelernt.
    Schule hab ich mich immer durgemogelt. War nie der beste immer ruhig. Zu Hause mein erster Stiefvater hat mich jeden Tag verdroschen. Sport war mein Leben war jeden Tag auf dem Bolzplatz stundenlang.
    Als ich 11 Jahre alt war ist meine Schwester ertrunken. Man gab mir unbewusst die Schuld dafür. Zwischendurch kammen halt immer so Sätze wie du wirst nichts du kannst nichts und bist nichts.
    Hab mir bis heute nie etwas bei diesen Dingen gedacht.
    Meine Ausbildung habe ich mit ach und krach geschafft. Das arbeiten war nie so das Problem. Ich arbeite gern da es für mich wie Urlaub ist. Ich kann dort Tempo machen wie ich will.
    Aber theoretisch war nicht meine Stärke. Alkohol war dann mein bester Freund. Ich trank viel und oft. Hielt es aber für normal weil andere in meinen Alter das auch Taten.
    Aber ich bekam immer heul Attacken und Selbstmord Gedanken.
    Mit 18 bin ich zu Hause abgehauen. Hatte meinen Führerschein gerade erst 1 Jahr und durch Alkohol verloren. Habe eine Weile auf der Straße gelebt.
    Hab alle Kontakte zu meiner Familie abgebrochen.
    Ich bin nun 15 Jahre mit meiner Frau zusammen. Wir hatten oft Probleme wo sie am liebsten gegangen wäre gab mir aber immer Chancen mich zu bessern. Funktionierte aber immer nur eine kurze Zeit. Dann war wieder irgendetwas.
    Ich hätte noch so viel zu schreiben aber es strengt mich sehr an.
    Nunja März 2019 kam dann die Diagnose adhs. Ich bekam medikenet. Es ging wieder aufwärts bis vor kurzem. Wir waren im Urlaub und die Medikamente wirkten nicht mehr richtig. Ich viel ins alte Muster zurück. Meine Frau ist sehr dominant und ist vom Ton her sehr hart.
    Ich versuchte dann immer ihr alles recht zu machen und machte noch mehr Fehler. Ich hatte sie fast verloren.
    In diesem Urlaub wir waren bei einer Freundin von ihr, sagte diese das eine andere Person auch ein guter fang gewesen wäre für sie. Ich hatte mir da nix bei gedacht. Dann zu Hause bei einer Feier mit dem Nachbarn sagte sie sobald sie einen anderen kennengelernt hätte würde sie gehen. Ich habe es nur erzählt bekommen da ich schon im Bett war. Darf kein Alkohol mehr trinken sonst verlässt sie mich.
    Da habe ich angefangen ihr Handy zu kontrollieren und eindeutige Mails gelesen.
    Sie gab mir für alles die Schuld und so fühle ich mich im Moment unterdrückt mich dauernd.
    Egal wo wir sind sie wirft mir immer wieder vor was ich mal gemacht hab.
    Ich hatte 20 Jahre kein Sport gemacht. Hab nach der Diagnose wieder angefangen es tat mir sehr gut. Wir haben gebaut und im Garten fallen Arbeiten an. Vor kurzem meine Frau und ich gehen zur Eheberatung eine Auflage vom Jugendamt hat sie sich beschwert ich würde nur noch Fußball im Kopf haben. Training Mittwochs und spiel Sonntag.
    Ich hab nun wieder aufgehört mit Fußball.
    Dann kam die Beschwerde ich würde zu viel in den Garten gehen. Der Garten ist somit auch erstmal tabu.
    Also egal was ich mache ich mache alles falsch.
    Seit 2 Wochen lese ich hier viel erkundige mich viel über adhs.
    Ich hatte meine Frau ein wenig gezeigt. Doch sie wirft mir nur vor das sie sich nur ändern muss.
    Aber so ist es ja nicht.
    All die Berichte Kommentare hatten mir aus der Seele gesprochen.
    Doch jetzt hat sie es geschafft das ich mich für nix mehr interessiere das ich mich zu nix mehr zu gebrauchen fühle. Ich Zweifel immer mehr an mir selbst das ich alles Schuld bin.
    Ich habe viele Dinge vergessen zu schreiben aber dies reicht glaube ich schon.
    Ich will mich bessern vor allem weil ich nicht will das mein Sohn später es genau so schwer hat wie ich.
    Ich versuche meine Frau es zu erklären doch wie schon gesagt sie wirft mir vor das nur sie sich ändern soll und da hat sie keine Lust zu.
    Vielen Dank das es sie gibt.
    Aber trotzdem bin ich sehr verzweifelt.

  43. Hallo Zusammen,

    erstmal danke an Frau Boekhoff für diese tolle Seite,
    meistens hört man immer irgendwelche Vorurteile usw.

    Anfang des Jahres wurde Festgestellt das es bei mir ADS ist,
    nachden untersuchungen in der Fachabteilung wurde mir gesagt,
    dass ich es eindeutig seit Kindheit habe bin jetzt 34.

    Zur Zeit bin ich an einem Punkt wo ich von besser wissern überrant werde.
    Habe einfach mal versucht diesen unwissenden schriftlich das zu verdeutlichen,
    was das ganze so mit sich bringt.
    Habe es in Punkte auf geteilt, vielleicht findet der eine oder andere sich darin wieder.

    1. Mein Anliegen ist NICHT Mitleid oder so zu bekommen,
    sondern darzustellen wie es sich anfühlt damit Leben zu müssen.
    Vielleicht kann ich damit ein bisschen Klarheit schaffen,
    anscheinend ist es nicht so leicht dafür Verständnis aufzubringen.

    2. Ich möchte versuchen zu verdeutlichen was für alltägliche Probleme
    mich jeden Tag begleiten und Kraft kosten. Was bei anderen automatisch geht.

    3. Es ist total egal welchen Namen es hat und wie es bezeichnet wird.
    Entscheidend ist, dass es mich schon fast mein ganzes Leben begleitet und
    ich Tag für Tag über meine Grenzen gehen muss ohne das es einer bemerkt.

    4. Nach dem ich ungefähr weis was es ist und woher einige Dingen kommen,
    ist es nicht leichter geworden aber anders!
    Zumindest weis ich nach vielen vielen Jahren mit Qual,Selbstzweifel, Rechtfertigung,
    Vorurteilen ……,dass ich mir das alles nicht nur eingebildet und eingeredet habe!!!!

    5. Es gab und gibt zu viele die das über die ganzen Jahre noch negativ
    verstärkt haben, mit Anschuldigungen, Unverständnis, Vorwürfen sowie
    Forderungen die Sie selbst nicht leisten können aber sich dann gut fühlen
    weil Sie andere verbal unterdrückt haben, mit Ihrer äußerlichen Dominanz.
    Man könnte auch sagen mit Ihrer UNFÄHIGKEIT GEPRAHLT!!!!

    6. Alltägliche Anstrengung die andere nicht mal wahrnehmen
    Es sind nur ein paar Beispiele, sonst wird es zuviel
    – Krafteinteilung das der Tag nicht ab 15 Uhr zur Qual wird.
    – Ständige ,- Unruhe, Innerlicher Druck, Nervosität, Ängste, getrieben sein….. usw.
    im Griff zu behalten und nicht nach außen zu zeigen um Angriffsfläche zu bieten.

    7. Man hört immer und immer wieder:
    Du musst du musst du musst….
    – nicht immer gleich Aufgeben/ mehr Anstrengen
    – nicht immer als Ausrede nehmen / nicht dahinter verstecken
    – dich mehr konzentrieren / zusammenreißen
    – besser zuhören andere können das auch
    – Sport machen, mehr Obst Essen, raus gehen…..

    8. Wenn man so etwas hat, sind die Kapazitäten sehr eingeschränkt.
    Da muss man sich von morgens bis abends Anstrengen ohne wirkliche
    Erholungsphase da das Gehirn nachts wie am Tag arbeitet um die mangel
    Erscheinungen auszugleichen.

    9. Man ist/wird vom eigenen Körper immer wieder gezwungen abzuwägen
    da auch z.B. Freizeit Aktivitäten zur Qual werden und Eigendruck entsteht.

    10. Es ist sehr schwierig Sachen zu Filtern und abzugrenzen,
    da ich alles sehr intensiv wahrnehme egal ob es mich betrifft oder nicht.
    Daher lösen Sachen z.B. beim Fernseher gucken
    Druck, Unruhe, Stress, Herzklopfen, zittern aus.
    Sich das nicht anmerken zulassen ist sehr anstrengend.

    11. Wenn man es nur so kennt, ist man sehr selbstkritisch und unsicher
    oft reagiert man mit Rückzug und vermeidet kritische Situationen.
    Genauso ist es immer wieder sehr frustrierend zusehen wie Leistungsfähig und mutig
    andere sind und welche Kraft Sie haben auch außerhalb der Arbeit.

  44. Adhs oder Ads als gabe zu betrachten oder dies zu fühlen ist fast so schön wie ein Disney Film mit Happy End.

    Ich bin 36 Papa von 2 wundervollen Kinder.
    Die Diagnose Adhs mit schweren Depressionen) hatte ich erst letztes Jahr bekommen.
    Als Erwachsener höre ich regelmäßige das selbe wie vormals als Kind von meinem Eltern.
    Egal in welchen Part meines Lebens musste ich „erklären“ wieso ich so agiere.

    Ich habe Adhs und somit eine Erklärung dafür dass ich mit meinen zweifeln doch richtig lag dass etwas mit mir nicht stimmt.

    War es jetzt eine Erleichterung für mich?

    Nei deffinitv nicht!

    Im Gegenteil, es war eine große Enttäuschung darüber dass von den Erzieherinnen in den Kindergarten bis zu meinem grundschullehrer die immer wieder erzählten dass ich ein Schüler bin der wenn er will sehr viel kann aber der Wille halt fehlt und ich vor mich hin träume. Für meine Eltern war ich ein last. Medikation gab es von meinen Eltern in den ich entweder von meinem Mutter eingeschüchtert worden bin dass wenn ich….. Mache oder nicht mache oder dass wenn es nicht besser wird ich Schläge von meinem Vater kassiere. Was letztlich dann auch bis ich 13 war regelmäßig brutals durchgeführt worden ist.
    Mein Vater ist bereits seit 13 Jahren tot und mein Mutter will nicht wirklich über das Thema Adhs und Fehlverhalten ihrerseits sprechen.

    Meine Kinder lieben mich und sagen oft zu mir “ Papa du bist immer schlecht gelaunt.

    Meine Frau hat durch mich Depressionen bekommen.

    Ich gehe regelmäßig zur verhaltenstherapie was mir insofern geholfen hat dass ich zum einen klarer sehen kann und auch mal“ Nein“ sagen kann. Mehr nicht.

    Mediation (Medikinet aduld) ist so wie das Wetter, manchmal wirkt es so dass ich den Tag meistern kann und manchmal habe ich nur alle Nebenwirkungen aber keine Besserung.

    Mein Fazit : Früher wollten oder konnten es meine Eltern Familie oder Lehrer nicht sehen oder erkennen und heute will die Gesellschaft oder selbst meine vormals geduldige Ehefrau will davon nicht viel wissen. Es wird von mir verlangt dass wenn ein Wille da ist ich alles ändern kann.

    Im Prinzip bin ich mit dieser Mist namens Adhs und mein ab und zu eintreffende Selbstmord Gedanken nach wie vor alleine.

    Es kommt mir manchmal vor als ob ich aufhören soll mit meinen Lungen zu atmen und dafür anfangen soll mit meinen Füssen zu atmen…. Denn bis jetzt war das falsch wie ich es gelernt habe.

    Ich wünsche dass es mehr Berichte über die Schattenseiten geben würde als über den lustigen chaotischen Hans oder Zappelphillip.
    Das Adhs mit Depression zum einen die Lust Hoffnung und Perspektive (Depression) einen nimmt und zum anderen die innere Unruhe, Anspannung und Ängste vor Fehlern (Adhs) eine Krankheit ist was wahrscheinlich früher oder später den tot zur folge hat (Selbstmord)

    1. Hallo Maase1,
      nein, Sie sind nicht alleine. Es gibt sehr viele Menschen, die genauso gestrickt sind wie Sie – und die die gleichen Herausforderungen haben. Und die Trauer über die verpassten Chancen und das Unverständnis des Umfeldes ist eine häufige Reaktion nach der Diagnose. Suchen Sie sich irgendwo Anschluss, in einer Selbsthilfegruppe oder z.B. hier im Schmetterling-Club. Sie müssen nicht weiterhin alleine bleiben mit diesem Thema, Sie haben die Möglichkeit, sich mit anderen ADHS-Erwachsenen auszutauschen, vielleicht tut es Ihnen gut.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

      1. Lieber Nick, liebe Leser,
        ich möchte hier auf meinem Blog keine „Werbung“ für Cannabis haben, daher habe ich Ihren Beitrag, Nick, bearbeitet. Es gab hier schon mehrfach Beiträge von Lesern, die Cannabis empfohlen haben. Ja, Cannabis ist für die Behandlung bei ADHS zugelassen….

        A B E R:

        1. nur medizinisches Cannabis!!!!! Das ist etwas völlig anderes, als das Cannabis, das man sich auf der Straße organisiert und dann kifft. Solche Empfehlungen dulde ich hier auf meinem Blog auf gar keinen Fall.
        2. nur nach ärztlicher Verordnung und in ärztlich verordneter Dosierung!
        3. nur im Ausnahmefall, wenn andere Maßnahmen (Therapie, Coaching) und andere Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden.

        Das sind, vereinfacht beschrieben, die Richtlinien dafür.

        Ich persönlich stehe jedoch gar nicht hinter eine Cannabis-Behandlung und sehe es so, wie es auch der ADHS-Deutschland e.V. in seiner Stellungnahme geschrieben hat: Cannabis – auch ärztlich verordnet – hat ein Suchpotenzial und die Nebenwirkungen sind nicht tolerierbar. Ich rate daher von Cannabis (auch medizinisch verordnetem) ab und dulde hier auf meinem Blog auch keine derartigen Empfehlungen.

        Hier die Stellungnahme vom ADHS-Deutschland e.V.: Stellungnahme des ADHS-Deutschland e.V. zu Cannabis bei ADHS

        Alle weiteren Beiträge, auch unter anderen Artikeln, zum Thema Cannabis werden zukünftig, ebenso wie schon in der Vergangenheit, konsequent gelöscht.

        Herzliche Grüße
        Birgit Boekhoff

  45. Ich kann es kaum in Wort fassen.

    Ich bin Vater (51) eines phantastischen 10 jährigen Jungen. Und ich liebe ihn über alles, genauso wie seinen Bruder, der ein bisschen jünger ist. ich bin oft so stolz auf meine Jungs. Und ich sage ihnen das auch, wenn sie etwas gut hinbekommen haben.
    Als die Aufmerksamkeit und die Hibbeligkeit in der vierten Klasse rapide abnahm und meine Frau für 4 Sätze im Fach Deutsch für die HG’s manchmal 2 oder mehr Stunden saß, haben wir ärztliche Hilfe gesucht und die Diagnose ADS mit einem „kleinen H“ bekommen. Was mich so hilflos macht sind Momente, in denen er )nicht anders kann als ) sehr egoistisch gegenüber seinem Bruder u sein, sehr unsensibel, manchmal etwas schnell aggressiv. Am meisten macht mich dann aber wütend, wie hilflos und unsensibel ich darauf regagiere und ihm Dinge an den Kopf werfe, die ich wenige Minuten später aufs tiefste bereue. „Ihr macht mir meine Welt kaputt!“, Wie oft hat er das schon geschrien und ist wütend die Treppe in sein Zimmer hochgerannt und selten, aber manchmal platzt dann noch irgendwas Dummes aus mir heraus und ich hoffe, er hört es schon nicht mehr. Und es ist egal, wieviel ich darüber lese, oder wieviel ich immer über ADHS zu verstehen scheine, ich tappe immer wieder in die gleiche Falle. Ich bin wütend auf ihn. Und ich muss immer kämpfen nicht mehr von diesen schlimmen, verletzenden Dingen zu sagen, von denen ich hier schon so viele gelesen habe.
    Doch, je mehr ich von dieses Sätzen lese „Du musst Dich mehr anstrengen, aus Dir wird nie etwas…Gib Dir mehr Mühe…usw.“ – Desto deutlicher wird die Erinnerung an das, was ich in meine eigenen Kindheit zu hören bekam.
    Ich war Legasteniker. Bin zweimal auf dem Gymnasium sitzen geblieben, hab mehr gemalt als aufgepasst, konnte den Stoff immer erst nach den Klassenarbeiten. Habe aber dann trotzdem das Abitur gemacht, nach 15 Jahren. Hab alle möglichen Sportarten angefangen und war in einigen auch recht erfolgreich. Ich habe 3 Ausbildungen ( eine nicht fertig gemacht und auch das Studium abgebrochen.) Bin heute Selbständig in einem Job, der oft nur eine Kurzzeitkonzentration benötigt. Dadurch bin ich recht erfolgreich in dem was ich tue, aber ich bin sicher längst Workaholic, da ich mich jahrelang über Fleiß definiert habe. Es ist doch toll vor anderen „Stress“ zu haben, dann ist man „was wert.“ jemand sagte mal zu mir „Du bist ein liebenswerter Chaot“. Ich liebe Struktur, kann aber keine aufrecht erhalten. Ich kann mich nicht lange konzentrieren habe aber eine fokussierte Konzentration. ich kann keine Zusammenhänge erklären und bin komplett unlogisch. Ich kann von vielem etwas , kann bei vielem Mitreden, aber es geht nicht tiefer.
    Ich bin oft total hibbelig und zwinge mich ruhig zu sein.
    Ich denke … ich habe selbst ADHS – es passt alles irgendwie zusammen – und jetzt versaue ich dadurch auch noch meinem Sohn seine Zukunft.
    Das … ist ein echtes Scheißgefühl.
    ich war früher nie aufbrausend, konnte mich gut bremsen, war lustig, quirlig, lebensfroh. Aber jetzt – da mir mein Sohn einen Spiegel vorhält kommt in diesem Augenblick – da ich diese Zeilen schreibe – alles wieder in mir hoch und fügt sich wie ein Puzzle zusammen. Ich hatte alles ganz gut verdrängt. Bis gerade eben.
    Jetzt brauche ich Hilfe. Sonst gebe ich den Stachel weiter, der mich als Kind gestochen hat. Das darf nicht sein.
    Oh man!

    1. … Nachtrag:

      die Hibbeligkeit meines Sohnes nahm in der vierten Klasse natürlich nicht ab, sondern zu! ( hätte mir meinen Beitrag nochmal durchlesen sollen, sorry )

    2. Hallo „Papa“ :-)
      die Erkenntnis und die bewusste Wahrnehmung ist nicht nur sprichwörtlich, sondern auch tatsächlich der erste Schritt zur Veränderung. Wenn Sie wahrnehmen, wie Ihr Kind gestrickt ist, dass er sich nicht absichtlich anstrengend verhält und wenn sie wahrnehmen, wie Sie sich fühlen, dann können Sie auch anfangen, sich anders zu verhalten.
      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei! (und wenn Sie Unterstüztung dabei haben möchten, dann kommen Sie gern ins Eltern-Coaching, dort sind noch mehr Eltern, denen es so geht, wie Ihnen).
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  46. 3 Jahre habe ich nicht mehr weinen müssen .. bis ich diesen Text gelesen habe …
    Jetzt habe ich einen Bericht der 100%ig auf mich zutrifft und den ich teilen kann.

    Danke dafür
    Lg René (27)

  47. Also ich habe da mehr als Ahnung von diesen Gefühlen 😅
    Mir wurde mit ca.7 Jahren ADHS diagnostiziert, jetzt bin ich 14 und ich nehme immer noch Medikamente (4Stück). Ich war eigentlich immer ein Kind das viel genervt hat/nervt, das eher mehr kacke baut als andere.
    Es hatte erst damit angefangen das ich aus dem Kindergarten geflogen bin und dann ging es weiter mit Wutausbrüchen so wie ich mich erinnere. Mir wurde genauso immer gesagt das ich nerve, das ich mich ändern soll oder ein hoffnungsloser Fall bin usw..
    Heute sagt man das immer noch.
    Z.b. hatte ich heute einen Mathetest, 3 Seiten glaube ich und ich habe es nur bis Anfang 2 Seiten geschafft
    (Ich bin auf einer emotionalen Erziehungshilfsschule)
    Ich mache gerade eine Traumatherapie seit einem Jahr und das kostet mir vield Nerven
    Meine Lehrerin sagt mir oft das ich einfach nur nerve und es kann aber bloß nicht möchte und z.b. saßen meine mitbewohnerinnen und ich in der Küche, dann meinte meine Betreuerin : ,,Boa Leute wer möchte denn bitte (mich) ohne Tabletten erleben ? Das wäre unerträglich“

    Also ich kenne das Gefühl schon und es ist nicht gerade geil sowas zu hören, vorallem gibt man wirklich alles dafür aber irgendwann kann man einfach nicht mehr und das sieht so gut wie keiner wie viel Mühe man sich eigentlich gibt, aber naja was solls

    1. Teil vergessen : 😂
      Ich liebe die Natur und wenn ich in der Natur bin fühle ich mich wohl, ich zeichne auch gerne und beschäftige mich mit Spiritualität/Universum .
      Außerdem glaube ich nicht wirklich an die ADHS, mich nervt es nur wenn man Tabletten nehmen muss und dann in eine benächlässigte Schublade mit drin stecken muss weil 4 Buchstaben auf einem Blatt stehen, dumm🙄

  48. Hey Leute ich weiß jetzt nicht wie lange dieser Bericht schon her ist aber ich lebe jetzt seit fast 19 Jahren damit und ich kann euch nur sagen das es für mich keine einfachen Zeiten sind erst neulich als ich meinen Vater gesagt habe das ich lernen will unabhängig von anderen leben möhchte hatte er zu mir gesagt das es nicht so einfach ist ich bin auf Hilfe angewiesen und das wahrscheinlich für den Rest meines Lebens außerdem ist er der Meinung das obwohl ich vielleicht 19 Jahre alt mag sein im Kopf mich aber wie eine 14 jährigeht benehmen die wenn die Eltern was sagen das versucht mit ihren eigenen und vorallem durch- und überaus kindlichen Gedanken bei zu tragen wisst ihr es tut weh wenn man das von eigenem Vater gesagt bekommt und wisst ihr was schlimme an der ganzen Sache es ist stimmt und ich weiß nicht weiß nicht was ich dagegen tun soll es ist mir unangenehm zu sagen aber ich wahr auf einer förderSchule und während ich die 8te oder 9te klasse gemacht habe und ich die Aufgaben nicht verstanden musste ich meinem Bruder zu Hilfe holen der 1 jahr jünger ist als ich und er musste mir helfen wirklich gern hatte er es nicht getan das weiß ich aber er hatte es getan manchmal denk ich mir warum ich gar unter leiden muss warum ich nicht einfach so wie alle in meinem alter sein kann aber da ich weiß das es nicht möglich ist m6ss ich lernen damit klar zu kommen und ihr wisst nicht wie schwer das ist

    1. Heyyy :))
      Kopf hoch du bist perfekt so wie du bist. Ich hab auch ADS und bin 25. Bin in deinem Alter ausgezogen. Es ist total falsch was dein Vater sagt. Ich lebe allein und studiere. Ich hab auch die 2te klasse wieder holt und mich mit viel schwer getan. Sei stolz auf dich was du geschaft hast und denk nicht an alles was vlt nicht so toll lief.

      Nimmst du medis? Mir halfen die total in der Schule und Uni. Du schaffst was du willst daran musst du glauben. Wir mit ADS sind einfach anders aber wir müssen lernrn uns so zu nehmen wie wir sind. Da läuft es halt nicht immer so wie bei anderen. Aber du bist trotzdem ein toller Mensch und soltest stolz sein.

  49. Hallo ihr lieben.
    Seit 35 jahren lebe ich mit adhs, und toerett, als kind auch medikamenten bekommen sowie ritalin. Durch die jahren wieder abgezetst und nach meiner meinung normal weiter gelebt. Doch was ich denn alles so erlebt habe hat mehrmals mein herz gelitten. Ich dachte ich wäre immer gut zu meine mit menschen, steh immer hilfs bereit.
    Aber sobalt die freundschaft enger wurde wurde ich immer verletst durch auf einmal wolten die nix mehr mit mir zu tun haben.
    Und ich habe es nie verstanden wieso.

    Bis eine weile her hätte ich viel stress bei der arbeit in der fam und in die beziehung die auch om andacht fragte aber wenn ich dann zuhause war war ich am grubbeln. Was aus endlich zum streit wurde. Wärents der streit wolte ich ein paar mal weg laufen aber da meinte mein freundin laufst du weg bin ich durch mit der beziehung. Und ich bin dann dabei geblieben. Was aber ein riesen fehler war dadurch ich innerlich so am kochen geraten war und mir nicht mehr im griff hätte bin ich ausgerastet und habe ihr beschimfpt. Was ich schön jahren nicht mehr erlebt habe das ich so aus gerastet bin muss so 30 min gedauert haben. Obwohl sie alle recht hätte mit ihr beschwerden.
    Diese frau ist mir so am herzen gewachsen, sie hat echt alles fur mich gemacht. Die tage dannach habe ich liebe und böse nachrichten geschickt und welche waren sehr peinlich. Und nach hin ein verstehe ich von mir selber nicht und auch kein grund wozu ich das gemacht habe. Dannach habe ich ein tag der ganse seit deran gedacht mir selber om zu bringen. Da ich kein bock mehr hätte. Dann habe ich gesucht und habe auf eine seite uber hdhs gelesen und ich war erstaund das fast ganse ginge uber mich uber mein verhalten ich bin mir zu tode erscheocken. Da ich wuste das ich hdhs habe aber nur dachte das ich nur actief dadurch bin aber die ganse neben beschwerde. Wie mein lebens unterhalt schule arbeit freunde mir selber alles vernaläsigt habe. Und es mir noch niemals gesagt
    Zu haben. Ich weis nicht sicher ob ich da mit weiter leben möchte. Da ich mein freundin die immer vor mich da war mir zu sseite gezetzt hat und echt garnichts mehr von mir wissen möchte
    Meine gansen freundschaften die ich dadurch die jahren verloren habe und immer gedacht hab was sind da fur leute. Aber im grunde genomen lag das ganse problem bei mir. Und ich möchte garnicht so sein. Es ist mir echt sehr schwer gefallen das so zu erfahren.
    Ich weis auch nicht gut wie ich jetst handeln soll.
    :(

  50. Hallo alle zusammen,

    Ich bin 30, habe seit einem Jahr die ADS Diagnose, natürlich vom Spezialisten.

    Meine größten Hürden bisher:

    – FILTER
    ich kann über alles bißchen mitreden aber über nichts weiß ich detailliert bescheid, ich bekomme etwas NEBENBEI mit, registriere teile der Infos ungewollt und kann davon auch nur ein Teil auf Abruf wiedergeben.

    – Lernen / Gedächtnis

    ich befinde mich in der Ausbildung zum Programmierer, beim lernen oder bzw üben der neu gewonnen Kenntnisse in zb einer Programmiersprache, weiß ich plötzlich nicht mehr wie der Zusammenhang des Code ist, also warum es funktioniert! Und obwohl ich grad damit ‚unbewusst‘ arbeite, muss nebenbei nochmal kurz googlen was ich da grad genau mache bzw wie der Code funktioniert.

    Paar Tage später stoße ich auf den selben Code wieder und das Spiel geht von vorne los: kann ich es mir einfach nicht merken wie es funktioniert, oder kann ich einfach ’nur‘ das erlernte in meiner Gehirnbibliothek nicht finden bzw. nicht abrufen?

    – Hyperfokussierung

    Durch das ritalin bin ich leistungsfähiger geworden, kann mich mehrere Stunden auf etwas konzentrieren (mit kleinen Pausen, wie bei normalen Menschen) aber bin nach so einem 0815 „erfolgreichem“ Tag zu nichts zu gebrauchen. Fühle mich dann extrem ausgepowert, psychisch belastet und brauche am abend dringend etwas „sedierend“ wirkendes, um den psychischen Dauerstrom zu besänftigen. Es passiert manchmal, dass mein Hirn noch Stunden nach der Arbeit, immer noch Infos zum Thema verbreitet und „lernt“, dies kann ich weder verhindern noch steuern.

    – Kommunikation

    Ich kann mit niemandem kommunizieren, ohne dabei Fragezeichen zu hinterlassen, auf Fragen antworte ich unpräzise bzw ohne Struktur, auf meine Fragen möchte ich aber nur das nötigste an Infos, was meist auch für die weitere Interpretation meiner seits ausreicht. Dass ich es später wieder nicht mehr weiß, dass steht ja weiter oben unter dem Punkt Lernen/Gedächtnis.

    – Selbstwertgefühl / Selbstvertrauen

    Ich stelle keine Fragen, zumindest keine an meine Mitmenschen, den in meinem Kopf, da hinterfrage ich in dem Moment wahrscheinlich Gott und die Welt. Aber ich schaffe es nicht um Hilfe zu beten, ständig habe ich das Gefühl der Last, wenn ich fragen stelle habe ich Angst vor Kritik oder dass ich die Antwort nicht verstehe, oder eben dass mir geholfen wird aber ich mich dabei als belastend für meine Mitmenschen fühle.
    Erfolge schreibe ich fast immer dem Glück zu, positive Ereignisse motivieren mich nur begrenzt, da es ja Glück war.. Aber negative Ereignisse nehme ich lange und intensiv war, diese überschatten dann auch die paar positive Ereignisse/Gefühle die ich habe.
    Ich weiß nicht wie es sich anfühlt auf sich stolz zu sein, ich weiß dass ich es ein paar Mal in meinem Leben war, aber so selten, dass ich das Gefühl nicht erklären könnte.
    Ich kriege mein Mund nicht auf, esse meist die kalte oder verbrannte Pizza, gebe wahrscheinlich noch Trinkgeld, weil sonst wirkt man ja unhöflich.. Verlange bei Falschlieferungen ausm Internet nicht mein Geld zurück, sondern versuche diese anderweitig weiter zu verkaufen. Mehrmals am Tag hinterfrage ich meine Fähigkeiten, Intelligenz, aussehen, meine Position in der Gesellschaft, tauche von einmal in ein Gefühlschaos und nach 10 min ist alles so als wäre nichts, ich gehe eine rauchen, trinke kaffe und tue neben Familie, Freunde, freundin/frau, Arbeitskollegen so, als wäre mit mir alles gut, nein sogar als wäre ich überglücklich. Weil wenn man sich unglücklich zeigt, werden fragen gestellt, man steht plötzlich im Mittelpunkt und ja, man ist eine Last für die Mitmenschen etc etc etc immer das gleiche von vorne.

    Ich wunder mich dass ich bis jetzt keine ernsthaften Suizidgedanken hatte.

    In meiner Kindheit waren die oben angesprochenen Probleme um einiges heftiger.

    Bin aus München, über Rat bin ich sehr froh. Über Tipps zu Selbsthilfegruppen, Therapien, adhs meetings etc freue ich mich auch sehr 😋

    Na dann, servus ihr chaoten

    1. Achja, noch etwas, ich habe mit 30 eine Umschulung zum Fachinformatiker Schwerpunkt Anwendungsentwicklung, begonnen. Dafür musste ich gewissen Eignungstests absolvieren und Punktzahl erreichen.

      An dem Tag, als ich aus der Agentur für Arbeit heraus kam, mit bestandenem Eignungstest und Zusage in der Tasche, dass war einer der schönsten Tage in meinem Leben! Das war das Gefühl von Stolz! LG an alle

      1. Hallo, Adsler.
        Bin 46 und Mutter eines Sohnes mit Ads. Liege im Bett und schmolle , weil er immer so genervt und beleidigemd ist. Obwohl ich immer zu ihm stehe, habe ich das Gefühl, das er dies nicht schätz. Weiss gar nicht mehr, wie ich reagieren soll. Schmollen oder …

    2. Hi, ich habe sehr ähnliche „Symptome“.

      Du bist wahrscheinlich auch hochsensibel!? Buchtipp dazu: „Auf viele Arten Anders“ von Anne Heintze.

      Da bei uns ADS’lern die Filter für Informationsverarbeitung nicht richtig funktionieren musst Du lernen, Gedanken und Reize bewusst auszublenden! Lerne, Dich auf das wesentliche zu fokusieren, auch und gerade im Umgang mit anderen Menschen! Habe keine Angst wichtige Details zu übesehen, denn Du verpasst viel mehr wenn Deine Gedanken chaotisch sind!

      Schreibe Dir wichtige Fragen oder Infos sofort auf, damit sie Dich nicht weiter belasten!

      Ich hoffe, meine Ratschläge helfen Dir :-)

  51. Guten Abend,

    ich möchte mich erstmal für meine rechtschreibung entschuldigen, im internet lege ich keinen großen wert darauf. Mein name ist Jonas und ich bin 17 Jahre alt und ich bin voll ADHS´ler :) ich beschäftige mich sehr damit, vorallem, wie ich meine… wie sage ich das am besten… „nachteile“ (wie z.b. die filterschwäche) so für mich nutzen kann das ich einen vorteil daraus machen kann… ich finde dazu nicht sonderlich viel und wollte fragen ob sie (oder jemand anders) diesbezüglich helfen kann.

    lg Jonas

  52. Liebe Leute, die ihr hier geschrieben habt, liebe Birgit,

    es war sehr spannend und teilweise sehr berührend, eure Texte zu lesen.

    Ich bin 45 Jahre alt und seit etwa 4 Wochen mit dem Thema AD(H)S intensiv befasst, seit Mittwoch im Kontakt mit einem (mit ADS bei Erwachsenen vertrauten) Psychiater, der nach einigen Fragen meinte: Sie haben’s, oder?, seit Dienstag „kenne“ ich Birgit und bin im Schmetterling-CLub, seit gestern probiere ich Medikinet – alles sehr viel auf einmal in kurzer Zeit. Meine Gefühle fahren Achterbahn und ich weiß gar nicht genau, wie ich mich am besten verhalte… Bin froh, hier gelandet zu sein.

    Nun aber zu meinem eigentlichen Grund, hier zu schreiben:
    Ich ringe sehr mit der Diagnose – und das scheint etwas zu sein, das nicht soo häufig vorkommt? – weil viele Betroffene so erleichtert sind, einen Namen zu haben –

    Zwei liebe Freund*innen von mir freuen sich gerade, dass es eine Erklärung gibt für die vielen Probleme, mit denen ich mich seit Jahren herumschlage (im Beruf, in Partnerschaft und Alltag) – und können es nicht so gut nachvollziehen, dass ich eher trauere.

    Das Gleiche gilt für einen Freund und Ex-Partner von mir, der durch mich jetzt selbst gerade begreift, dass er ADHS hat und sich einfach nur freut und erleichtert und dankbar ist…

    Und ich? – bin eher traurig, vor allem grüblerisch –
    Einige der wiederkehrenden, belastenden Gedanken schreibe ich hier mal auf:

    Eine Disposition mit Krankheitswert?
    Jetzt, mit Mitte Vierzig?

    Und niemand hat das je bemerkt?
    (ich habe drei Therapien gemacht, niemand erwähnte das je, und auch ich habe einen Heilpraktiker in Psychotherapie!)

    Wirklich? und wenn ich mich (und die anderen) täusche? (die Sicherung der Diagnose ist durch das Fehlen von Zeugnissen aus der Grundschulzeit, das Fehlen von Kontakt zu damals präsenten Erwachsenen und keiner*m Lebenspartner*in erschwert)

    Und dann kommen andere Bedenken dazu:
    Ist es möglich, dass meine Eltern – oder wenigstens ein Elternteil – das auch hatte/n?
    (Was für mich total Sinn macht, sogar auf beide könnte es zutreffen – aber ich habe wenig Möglichkeiten, das herauszufinden: mein Vater hat jetzt mit 84 stark vorangeschrittenes Alzheimer und der Kontakt zwischen meiner Mutter und mir ist vor Jahren abgebrochen) –

    Und daran knüpft sich:
    Was hätte das Wissen um diese Disposition vielleicht alles erleichtert, vor allem, wie wir als Familie miteinander umgegangen sind?
    (das war nämlich ziemlich furchtbar, in verschiedenste Richtungen…)

    Ich ringe auch damit, dass ich denke:
    Wenn ich jetzt für mich in Anspruch nehme, dass ich die ADS-Problematik habe, will ich mir dann nicht einfach nur Aufmerksamkeit, Nachsicht und Vorteile erschleichen?
    (Das ist krass, das sind internalisierte Kritiker*innen. Meist lese ich (und auch hier), dass sich Betroffene darüber ärgern und sich schließlich davon abgrenzen, dass ANDERE ihnen so begegnen – ich mache mir das selbst, frei Haus sozusagen. Keine Freude.)

    Wahrscheinlich, wenn ich das hier selber noch mal lese, ist da eine depressive Linie mit drin… Habe auch gerade eine berufliche und eine partnerschaftliche Krise, wäre jetzt nicht so verwunderlich…

    Jedenfalls stellt sich mir die Frage: Kennt diese Gefühle und Gedanken jemand hier?

    Ich möchte mich gerne freuen, auch weil ich eigentlich spüre, wie sehr es mir zum Beispiel gerade schon hilft, ADS-spezifische Organisations-Tipps anzunehmen und so weiter… Es hängt halt „nur“ ein ganzes bisheriges Leben, eine ganze bisherige Identität, eine Sicht auf mein Leben und besonders meine (Herkunfts-) Familie daran.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand auf diesen Post antworten würde.
    Und wünsche erst einmal allen hier einen schönen Tag und alles Gute für Euch!

    Katja

    1. Hallo Katja,
      ich will einmal aus meiner Erfahrung als ADHS-Coach berichten:
      Ich habe genau solche Fragen, Gedanken und Gefühle schon mit sehr vielen Erwachsenen nach Ihrer Diagnose besprochen. Es ist nicht selten, nach der Diagnose in eine Art Trauerphase zu kommen. Trauer über die verpassten Chancen, Trauer und Wut darüber, dass man das nicht früher erkannt hatte…
      Es ist nicht selten, wahrscheinlich spricht man darüber aber weniger gern als darüber, dass die Diagose eine Erleichterung war.

      Vielleicht tröstet Sie das ein wenig, dass Sie damit nicht allein sind. Das macht es natürlich nicht wett – und es ist nicht gut, dass man erst spät im Leben etwas so Entscheidendes über sich selbst erfährt. Aber es ist wie es ist.

      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

    2. Hallo Katja,
      Ich bin erst vor ganz kurzem auf diese Website gestoßen.
      Ich bin 25 und habe ADS oder ADHS für Blödsinn der Pharmaindustrie gehalten, einfach weil ich geurteilt habe ohne WIssen oder Informationen.
      Ich habe begonnen mich damit auseinander zu setzen, als mein Vater mir erzählt hat, dass die Ärztin die es bei Ihm diagnostiziert hat, sich vor „irgendwelchen“ Tests, nicht vorstellen konnte, dass er ADHS habe. Jetzt habe Ich hier einige Beiträge gelesen und auch deinen und kann mich mit so vielen davon identifizieren. Vorallem mit deinem.
      Bei uns sind die fetzen geflogen Zuhause und ich war immer der „böse“ obwohl ich es nie so gemeint habe. Daher rühren große Selbstzweifel, ob ich „schlecht“ bin, ein böser Mensch oder so. Und jetzt wo Ich das Gefühl habe etwas auf der Spur zu sein, und frage ich mich auch: Ist das nur eine gelegene Rechtfertigung für mein „schlechtes“ Verhalten… und auch, wenn es stimmte. Was hätte alles anders laufen können. Wäre ich vielleicht „verstanden“ worden… Ich möchte es kurz fassen. Deine Worte haben mich berührt weil ich sie auch fühle.
      Liebe Grüße und alles Gute,
      Aaron

    3. Hallo Katja,

      bei mir ist es eher so, dass ich ADS (bei mir diagnostiziert) oft als ungewollten Entschuldigungsbonus spüre. Nur weil ich nun weiß was ich habe, finde ich es kein bisschen weniger schlimm, dass mir ADS immer wieder ein Bein stellt und ich vieles dadurch falsch mache.
      Ich bin 42 und habe die Diagnose seit ca 9 Monaten.
      Anfangs war ich erleichtert zu wissen um was es sich handelt, aber im Grunde tue ich mich oft schwer die Diagnose ehrlich für mich zu akzeptieren.
      Und ADS hin oder her, die Verantwortung für mein Handeln habe ich nun mal selbst, da möchte ich einfach keinen Bonus.
      So fühlt es sich zumindest für mich an.

      Michael

  53. Gibt es auch Leute die wegen ADHS (unbehandelt) extreme soziale Probleme haben, also zb. keinen Partner finden?
    Das Thema wird leider nie besprochen.

    1. Ich glaube, das es sehr schwierig ist. Ein ADS’ler braucht einen Partner/Partnerin die/der weiß womit er/sie es zu tun hat und weiss wie er/sie damit umgehen muss. Ich hab einen Verdacht das mein Mann ADS hat. Da ich beruflich mit ADS betroffenen Kindern zu tun habe. Es war mir nie bewusst, daß Erwachsene so eine starke Ausprägung haben könnten. Er ist ein liebenswerter Mensch allerdings sagt er oft Sachen die verletzen sind was er im Nachhinein nicht so meinte oder sehr schnell reizbar, oft verstehe ich nicht einmal warum. Er ist sehr schnell ablenkbar, sehr verträumt, wirkt undiszipliniert weil er sich keine Prioritäten setzen kann oder einfach es nicht unterscheiden kann. Wirkt unorganisiert verstreut. Sein Berufsleben ist total unklar hat viel angefangen und oft aufgehört. Fängt vieles an bringt nichts zu Ende. Purer Chaos.akzeptiert keine Vorschläge macht trotzdem impulsiv etwas. Und ich bin das Gegenteil. Wenn so Menschen zusammen kommen ist es eben für beide eine Belastung. Ich weiss nicht mehr weiter. Wartezeiten für eine Diagnostik bis zu 2 Jahren. Ob unsere Beziehung das aushält mag ich zu bezweifeln.

    2. Hallo , oh ja das gibt es ich bin 33 jahre alt,schon im Kindergarten alter erkannte man bei mir ADHS,In der Gundschule wurde es dann noch einmal richtig Diagnostiziert.
      ich habe die ganze Palette von LRS bis Extremen Schlafstörungen,und vor allem mathematik machte mir schon immer probleme,und heute im Erwachsenen alter sogar Angst.Nun aber mal zu Deiner Frage .
      Ich haben eine grosse angst vor fremden Menschen,habe seid 6 jahren eine Verlobte die mal mehr oder weniger mit meinem ADHS zurecht kommt,ich bin Ihr sehr dankbar für ihre Geduld mit mir.
      Ich kann mir nicht vorstellen zb. an einem Seminar mit mehreren mir Fremden menschen teil zu nehmen,mein ganzer körper fängt so zu sagen an zu Streiken
      alles in mir ist auf 360 von Puls bis Herzschlag gefolgt von trockem Mund und Extremer übelkeit,ich könnte auch alle 2min aufs klo rennen,Ich würde mich nie in so eine situation begeben Freiwillig und meide Menschen so gut es geht,Selbst zur Fahrschule traue ich mich nicht,ganz zu schweigen den Erstehilfe kurs zu machen Ist für mich unmöglich zu erreichen,Wenn jemand mit ADHS einen Partner möchte kann das Prima klappen ,Wichtig ist ehrlich zum Partner zu sein den er ist dein halt. LG

  54. Hallo Leute,

    endlich mal eine Seite auf der man etwas mehr über seine Verhaltensweisen und Lösungsansätze erfährt. Ich finde das Thema wird unzureichend behandelt und nicht ernst genommen, eher noch als Spinnerei abgetan.
    Ich möchte kurz etwas los werden um meine Gedanken etwas zu ordnen (ihr kennt das „Problem“). Ich bin 29 Jahre alt und hänge noch in meinem Vollzeit-Ingenieursstudium (Bachelor) rum. Ich habe mein Studium bereits einmal nach 4 Semestern gewechselt und da ich einen sehr hohen Anspruch an mich habe, habe ich mir nicht erlaubt einen einfacheren Bildungsweg zu gehen. Bisher bin ich so durchgerutscht und es tatsächlich zur Abschlussarbeit geschafft mit enormer Anstrengung. Das Lernen fiel mir immer sehr schwer, generell interessieren mich die Themen, allerdings bin ich sehr unstrukturiert und lerne auf den letzten Drücker. Fatal für Klausuren, auf die man 3-4 Wochen lernt. Also bin ich zig mal durchgefallen und mein Bachelorstudium hat sich auf 11 Semester ausgedehnt. Als ich meinen Betreuer der Abschlussarbeit fragte wie es bei ihm so lief, stellte sich folgendes heraus: er ist 2 Jahre jünger, hat einen Masterabschluss, 2 Jahre Berufserfahrung und meldet demnächst seine Doktorarbeit an. Sehr deprimierend wenn man das hört. Natürlich freue ich mich für ihn, aber gleichzeitig denke ich mir wie langsam und schwer von Begriff ich doch scheinbar bin. Ich überlege tatsächlich ob ich meinen Abschluss mache und dann in einen anderen Beruf oder in die Selbstständigkeit gehe, in der ich nach meinem Tempo arbeiten kann. Ich merke dass die Menschen, gerade in den Ingenieursberufen, sehr viel Wert auf Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Struktur, Organisation etc. legen. Zudem ist es wichtig sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Alles Dinge die mir unglaublich schwer fallen. Ich kann oft nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Tätigkeiten unterscheiden. So sind oft auch mal 3 Tage Arbeit für die Katz. Oft habe ich zu hören bekommen, ich solle doch zuverlässiger, schneller, konzentrierter etc. sein. Aber für wen halten sich diese Leute, die mir so etwas an den Kopf werfen? Oft merke ich dass es sehr oberflächliche Menschen sind, die sich stark vergleichen und anpassen, mit einem geringen Reflexionsgrad und stark ausgeprägtem Glauben an gesellschaftliche Konventionen. Das komplette Gegenteil von mir. Wieso sollte ich also auf solche Leute hören? Doch nur wenn ich so werden will wie sie. Ich glaube der einzige Weg um als Adhs’ler dauerhaft glücklich zu werden ist, sich und seine Umstände zu akzeptieren und den Mut zu entwickeln seinen eigenen Weg zu gehen. Man muss mich wohl oder übel von anderen Menschen distanzieren, da der ständige Widerstand der Gesellschaft und die sinnlosen Diskussionen mit Menschen die es sowieso nicht verstehen einem nur die Energie rauben. Akzeptiert euch und versucht nicht wie die anderen zu sein, denn das ist nicht unsere Stärke. Ich weiß selbst wie schwer das ist und wünsche jedem viel Mut und Energie sein Leben auf seine Art zu leben.

    1. Das unterschreibe ich sofort.
      Toll zusammengefasst, erkenne mich selbst umfassend wieder (M.51J.)
      Das Leben ist auch mit ADS schön, wenn man sich aktzeptiert und eingerichtet hat, mit Blick nach vorne – offenen Umgang mit allen Stärken wie Hemmnissen, die Offenheit hiermit siegt immer – sortiert auch aus (Wir möchten allen gefallen, gelingt halt nicht immer).
      Das Leben ist toll wenn man sich lässt :)) – Nicht leicht !!!

  55. Durch Zufall bin ich auf diese Seite mit den vielen Äußerungen von Betroffenen gestoßen. Bei allem Verständnis für die Krankheit ist es mir wichtig, auch mal für die Angehörigen zu sprechen. Hier ist viel von Sehnsucht nach dem Verstandenwerden die Rede. Nichtbetroffene sollen Rücksicht nehmen und sich in die Person versetzen. Alles schön und gut. Aber ich muss hier die Frage stellen, ob Betroffene im Wissen ihrer Krankheit nicht auch mal Rücksicht auf ihre Angehörigen und ihr Umfeld nehmen sollten? Das können ADHS-Betroffene leider nicht. Im Gegenteil: Sie fordern immer lieb und freundlich behandelt zu werden, aber im Gegenzug sind es die Menschen, die am meisten austeilen. Und aus so einer Einseitigkeit können keine tragfähigen Beziehungen entstehen. Wisst ihr wie es ist eine Mutter mit ADHS zu haben? Wo man in einer Wohnung aufwächst, die aussieht wie Dreckloch? Wo ich als kleines Kind schon aufgeräumt habe und am nächsten Tag wieder alles durcheinander war? Wo der Kühlschrank lebt? Die ständig bestellt und die Rechnungen verlegt? Bis der Gerichtsvollzieher kommt (obwohl Geld vorhanden ist)? Die eine Tätigkeit anfängt und in der nächsten Minute schon woanders ist? Die am Abend plötzlich aufspringt und noch wohin will, obwohl mein Vater ganz früh arbeiten muss? Mein Vater dieses in einer Minute so, in der anderen Minute so, den Jähzorn, die Impulsivität und die verdreckte Wohnung nicht mehr ausgehalten hat? Zum Glück seinen Selbstmordversuch überlebt und sich danach getrennt hat? Er wollte sich für mich nicht trennen und hat keinen anderen Ausweg gesehen. Er hat diesen dauerhaften Unfrieden, den ständig auf 100% laufenden Motor nicht mehr ausgehalten. Es ist furchtbar, ich kann ihn verstehen. Wisst ihr wie es ist, wenn man als Kind zu Geburtstagsfeiern zwei Tage lang die Wohnung aufgeräumt hat um Gäste empfangen zu können? Ich noch gekocht habe und von meiner Mutter vor allen Gästen angeschrien wurde weil sie dachte, es würde sie wieder Jemand kritisieren? „Die Gedanken sind frei“ – nicht bei ADHS-Betroffenen. Die meinen dir anzusehen, dass du irgendetwas Negatives über sie denkst und brüllen los – egal ob Leute in der Nähe sind. Man wird zum Sündenbock gemacht, obwohl man absolut nix Böses im Sinn hatte. Und bei all dem ganzen meinen die ADHSler, die anderen Menschen sind falsch. Sie liegen richtig. Sind selbst Geisterfahrer auf der Autobahn denken aber, alle anderen Autofahrer fahren falsch… Ich bin über die Jahre depressiv geworden und mir fehlt der Lebensmut. Keine Nestwärme, kein sicherer Hafen, aus dem man gestärkt ins Leben gehen kann… Darauf wollte ich nur mal hinweisen. Gegenseitige Rücksicht. Vielleicht kann es mir ein Betroffener beantworten. Warum fordert ihr Rücksicht, nehmt aber keinerlei Rücksicht auf eure Lieben, die teilweise auch unheimlich unter dem Verhalten leiden? Warum? Hm, aber eigentlich habe ich resigniert… Erwarte gar keine Antwort mehr auf die Frage…
    Liebe Grüße,
    Oliver

    1. Lieber Oliver,
      das was Sie schreiben und erlebt haben ist schrecklich und auch nicht mit ADHS „zu entschuldigen“. Und darum geht es hier auch gar nicht. Das Verhalten Ihrer Eltern ist sicherlich nicht hinzunehmen – nur konnten Sie als Kind nichts dagegen tun und vielleicht hatten Sie auch keine Unterstützung durch andere Mitmenschen, das ist schlimm.
      Dennoch ist es nicht richtig, hier zu pauschalisieren. Nicht alle ADHS-Menschen sind wie Ihre Eltern. Daher kann Ihre Kritik auch nicht pauschal auf alle ADHS-Menschen übertragen werden.
      Es gibt durchaus auch sehr viele andere ADHS-Menschen, die sich sehr darum bemühen, dem Leben, ihrem Alltag und auch ihren Mitmenschen gerecht zu werden. Und sie schaffen es nicht. Wie sehr sich Ihre Eltern bemüht haben, weiß ich nicht.
      Dieser Beitrag ruft nicht dazu auf, intolerables Verhalten zu tolerieren, weil jemand ADHS hat. Dieser Artikel ruft dazu auf, sich die Mühe zu machen, die ADHS-Menschen zu verstehen, die sich sehr bemühen, das Leben zu schaffen und ihren Mitmenschen gute Zeitgenossen zu sein.
      Vielleicht hilft Ihnen meine Antwort etwas dabei, sich wertgeschätzt zu fühlen in dem, was Sie erlebt haben.

      Ich wünsche Ihnen, dass Sie einen Weg finden, das Erlebte für sich selbst zu verarbeiten.

      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

    2. Lieber Oliver . Eine Antwort kommt vielleicht schneller als Gedacht. Die Kombination deiner Geschichte ,Schreibstil und die angesprochenen psychischen Symptome ,klingen dezent nach einer narzistischen Entwicklung ,ausgelöst durch deine(fehlende) Mutter. Das klingt heftig . In meiner Erziehung war es Grad andersrum . Bzw eben genau wie oben beschrieben . Nur jetzt wird mir das klar. Bin seit 6 Jahren in psychiatrischer Behandlung mit mäßigem Erfolg : Diagnose Borderline. Meine Medikamente lindern zwar meine depressiven Schübe ,aber meine Problematiken nicht . Und die decken sich teilweise erschreckend mit der deiner Mutter. :o tut mir echt leid übrigens :/
      Nun zu deiner Frage: Persönlichkeitsstörungen sind bei jedem in der Ausprägung der Symptome unterschiedlich, da spielen die individuellen Lebensbedingungen eine maßgebliche Rolle.
      Ich verstehe zb jetzt nach vielen Jahren erst ,das mein Vater eine narzisstische PSS hat unter der ich bis heute leider und auch sehr gelitten hab. Meine Mutter ist genau das Gegenteil meines Vaters und da sie auch unter meinem Vater sehr gelitten hat , habe ich mich aus Mitleid meiner Mutter angepasst . Dadurch geh ich grad heute sehr sehr rücksichtsvoll mit meinen Lieben um.
      Kann aber auch in anderen Bereichen wiederum sehr rücksichtslos werden .
      Ich hoffe ich konnte dir einwenig helfen
      Zumindest würde ich in deiner Situation echt erwägen dass fachliche Gespräch zu suchen .
      LG
      Rob

      1. Hey Oliver,

        ich als Betroffener habe meine Verantwortung erkannt und trage diese für meine Handlungen und somit den Konsequenzen, die daraus erwachsen. Durch penible Organisation funktioniere ich in den meisten Lebensbereichen. Aber leider kostet das unheimlich viel Kraft. Mehr als ein StiNo benötigen würde. Ich verlange nicht mal, dass jemand das außerordentlich würdigt. Meine Bitte ist nur, dass mir Fehltritte einfach nicht so sehr angekreidet werden. Vielleicht hat deine Mutter einfach nur größere Schwierigkeiten gehabt, sich ihren Problemen zu stellen. Es hat ihr einfach die Unterstützung an den entscheidenden Stellen gefehlt, auch wenn du alles in deiner Macht stehende getan hast.

    3. Servus,

      Ich denke als betroffener kann ich dir villeicht keine Antwort geben, aber ich kann dir die Sichtweise deiner Mutter eventuell ein wenig spiegeln. Komischerweise ist es allerdings bei mir genau umekehrt: obwohl ich der ADHSler bin, habe ich einen riesen Ordnungszwang und meine mutter ist tatsächlich die „unordentliche“. Als Adhs-betroffener ist es so:
      Sobald Ich einen Fehler mache, mache ich mich schon in diesem Moment selber fertig. Ich mache momentan eine Ausbildung zum kfz mechatroniker und bin dort auch schon sehr oft aufgefallen aufgrund meiner eigenen schusseligkeit. Und jedes mal sage ich mir es passiert nie wieder und jedes mal schlägt es wieder fehl und die kollegen und gesellen weisen mich daraufhin. Allein die Blicke von ihnen reichen aus um mich wirklich sehr zu „kränken“. Ich habe einen super Abschluss und habe wirklich sehr gute noten in der berufsschule, aber jedes mal wenn ich versuche zu beweisen, dass ich doch noch etwas kann schlägt es fehl und die kollegen weisen einen wieder darauf hin. Glaub mir es gibt nichts schlimmeres als wenn man sich bei einer arbeit mühe gibt und frustriert feststellen muss, dass es wieder fehlgeschlagen ist. VOR ALLEM wenn man diese aufgaben für menschen die einem am herzen liegen erledigt. Man hinterfragt sich selbst und wird immer unsicherer und macht immer mehr fehler. In so einem Moment der frustration reicht es aus, wenn ein kollege oder (in diesem fall schlimmer) du deine mutter auf einen Fehler hinweist, um diesen Teufelskreis immer wieder anzukurbeln. Ich bin zum beispiel auch ein krankhafter ja sager. Ich will jedem um mich herum helfen, nehme viele aufgaben an um zu zeigen, dass ich es wirklich immer gut meine und immer alles gebe. Und am ende vergisst man ein oder zwei kleine sachen und alles was du bis dahin getan hast ist als wäre es nie geschehen und alles was du dafür bekommst ist wieder nur verachtung. Auch ich (obwohl ich es immer versuche zu unterbinden) lasse diesen frust bei menschen aus die mir sehr am herzen liegen, aber ich sage immer, dass das nur einen grund hat:
      Die Menschen bei denen man sich auslässt, sind immer die nahestehenden, weil diese dieses verhalten zumindest nicht bestrafen. Auch wenn sie es nicht tolerieren und sich villeicht sogar dadurch gekränkt fühlen, bestrafen sie einen nicht. Ich glaube genauso, wie ich meinen frust bei meinen Eltern auslasse, so hat deine mutter ihren frust bei dir und deinem vater ausgelassen. Ich für meinen teil fühle mich grauenvoll wenn das mal wieder passiert, weil ich weiss, dass sie absolut nichts für meine situation können. Ich denke bei deiner mutter wird es bestimmt nicht anders gewesen sein. Ich will deine Mutter nicht verteidigen, aber ich hoffe zumindest, dass ich wenigstens im ansatz dir die Denkweise von solchen Menschen aufzeigen konnte.

      L.G.

      1. Hallo Frany,

        so ungefähr wie Du es beschreibst, stelle ich mir es auch vor. Das Problem ist, dass man quasi vor einer Patt-Situation. Aktuelles Beispiel: Meine Mutter bat mich, für sie die Batterie ihrer Armbanduhr zu wechseln. Ich bat sie daraufhin, die Batterie zumindest in der Stadt zu kaufen und habe ihr die Werte auf einen Zettel geschrieben. Sie hat sich dann angezogen und als sie losfahren wollte, war der Zettel natürlich weg. Natürlich habe ich aus Reflex die Augen verdreht. Wie du schreibst, reichte dieses „Augenverdrehen“ aus, um bei ihr einen Wutanfall übelster Sorte auszulösen. Draußen und vor Nachbarn, die gerade im Garten waren. Und das, obwohl man ihr wieder mal nur einen Gefallen tun wollte. Banalste Alltagssituationen und normale menschliche Reaktionen lösen so ein Theater aus. Verstehst Du? Irgendwann hat das Verständnis doch mal ein Ende. Ich bringe doch schon genug Verständnis auf. Bringt meine Mutter im Gegenzug auch mal Verständnis auf? Dass das Augenverdrehten vielleicht berechtigt ist und außerdem nicht kontrollierbar? Ich halte mich mit Äußerungen doch schon zurück und schlucke, schlucke und schlucke. Ergebnis der Aktion war, dass sie in der Stadt war und sich ein Kleid gekauft hat. Die Uhr liegt ohne Batterie im Bad und ich weiß schon jetzt, sie wird sich eine neue Uhr im Internet bestellen, diese erst nach dem Brief eines Inkasso-Büros mit ordentlich Gebühren bezahlen und am Ende lamentieren, wo nur immer das Geld hin ist. Und das ist eine harmlose Situation, wie sie in der Woche mehrfach vorkommt. Und die Wut an seinen Lieben auszulassen, weil diese nicht strafen… Naja, ich behalte es für mich, was ich darüber denke.

        1. Hi Oliver,
          ich habe jetzt circa fünfmal einen Kommentar angefangen und wieder gelöscht, weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich dazu überhaupt ein Recht habe. Gerne wollte ich dir jetzt jedoch dennoch sagen, dass es noch eine andere Seite von ADHS gibt: (Viele) Menschen mit ADHS haben die fantastische Gabe und Fähigkeit sich völlig in andere Menschen einzufühlen. Ich kümmere mich um meine schwerkranken Eltern, arbeite als Sozialpädagogin und wenn es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis Probleme, Sorgen, Krisen etc. gibt, bin ich diejenige die angerufen wird. Ich bin keine Heilige (Wer ist das schon:-)), denn ich habe keine Wahl mich abzugrenzen, ich FÜHLE die Menschen um mich herum einfach – ob ich will oder nicht. Aber ich versuche das Beste daraus zu machen.
          Und jetzt zu deiner Mutter (jetzt kommt der anmaßende Teil – ich entschuldige mich jetzt schon dafür, falls du es so empfinden solltest und bin supergerne für deine Gedanken/Kritik etc offen). Vielleicht bräuchte sie andere/mehr Medikamente? Besucht sie entsprechende Selbsthilfegruppen? Hat sie geeignete Therapeuten? – meiner Ansicht nach ist dieser „Gabe“/Störung auch inne, dass die Betroffenen sich sehr engagiert und interessiert mit der Thematik (vor allem wen sie davon wissen!) auseinandersetzen, oftmals fast schon perfektionistisch – an sich selbst arbeiten und vor allem sehr emphatisch mit ihrem Umfeld dahingehend agieren (sich entschuldigen, sich zurückziehen, sagen wie man dann und dann bestenfalls mit ihnen umgehen soll, damit nichts eskaliert). Habt ihr schon mal überlegt, ob bei deiner Mutter vielleicht eine andere Problematik vorliegt? Die Diagnose weist ja oftmals viele Komorbiditäten auf bzw. viele Merkmale die in ihren Basismerkmalen auch auf Bipolarität, Borderline, PTBS etc.pp zutreffen können?
          Ich schicke dir liebe Grüße Oliver,
          Sarah

    4. hallo oliver,
      es ist bestimmt nicht leicht mit mir/uns zu leben!!! und ich stelle mir tatsächlich derzeit die frage ob ich überhaupt lebenswert bin. gerne würde ich ein „ja“ hören, mir fällst es aber sehr schwer irgendeine antwort zuzulassen. erst vor wenigen tagen konnte ich es zulassen mich testen zu lassen, ich bin 47jahre und das ergebnis ist für mich erklärung und niederlage zugleich. ich hoffe einfach nur auf verständnis von den mir liebsten, der gesellschaft und darauf das ich auch meinen teil dazu beitrage. hoffentlich können wir alle miteinander unser leben leben. gruss thomas

    5. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich sehe die Änderung an meiner Psyche nach 1.5 Jahren Ehe mit so einem Menschen. Ich sehe das ich am Ende meiner Kräfte bin. Bin nicht mehr ich. Bin zu einem ganz anderen Menschen geworden. Ich kann nachvollziehen was sie durch gemacht haben und finde mich sogar darin wieder, Oliver.

      1. Hallo Aypi,

        schon die paar Zeilen sind Balsam auf meine Seele. Sie geben mir mal wieder das Gefühl, dass ich an meinem ausgelaugt sein wahrscheinlich keine Schuld habe. Ich kann nämlich nicht mehr. Das Problem ist, dass ich es von Kind auf gewöhnt bin. Wenn ich in die Familien von Freunden komme, ist da Ausgeglichenheit, Ruhe und ein unaufgeregtes, strukturiertes Leben. Ein unaufgeregtes, strukturiertes Leben! Das merkt man den Leuten an und man sieht es an ihren Wohnungen. Sie glauben gar nicht, wie sehr ich mir das wünsche. Also das, was in anderen Familien selbstverständlich zu sein scheint. Wenn man alles dafür tut und es dann wieder zerstört wird. Man kommt selbst von dem Aufgedrehtheits-Level nicht mehr runter. Und ich merke, wie in mir seit einiger Zeit etwas innerlich kippt. Man könnte es vielleicht Resignation nennen. Ich kann die vielen Baustellen meiner Mutter nicht mehr glattbügeln. Finanzen, häusliche Ordnung, Spontankäufe rückgängig machen, Werbekataloge abfangen und entsorgen, sie von ihren Gefühlsausbrüchen runter holen. Dazu noch, dass sie auf alles reagiert und ständig redet, redet und redet. Sie fragt nämlich nie nach mir…

        Gruß, Oliver

    6. Lieber Oliver,
      ich bin sonst nicht so der Typ für irgendwelche Forumsbeiträge und Kommentare aber dein Beitrag schreit nach einer ausführlichen Antwort:
      Was du da in deiner Kindheit erlebt hast, tut mir sehr leid und ich kann deine Wut gegenüber deiner Mutter gut verstehen. Insbesondere, wenn man jeden Tag mit Menschen zusammenlebt, die einen nicht mit der eigentlich selbstverständlichen Menschenwürde behandeln und einen damit regelmäßig sehr stark verletzen, kann das einen Menschen schon in ausweglosen Wahnsinn, um nicht zu sagen Ohnmacht, treiben. Das geht ADS-Betroffenen genauso wie ADS-Angehörigen und an der Stelle ist es natürlich wichtig, gegenseitig respektvoll miteinander umzugehen.
      Deine Worte, die scheinbar gegen alle ADS-Betroffenen gerichtet sind, haben mich als einen solchen jedoch sehr verletzt, da du hier postuliert hast, dass ADS-Betroffene immer nur einfordern und die ganze Außenwelt beschuldigen und mehr Toleranz fordern, wo ihre Eigene versagt. Das mag auf deine Mutter zutreffen, aber noch lange nicht auf alle. Das ADS ist eine kognitive Besonderheit, die ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringt. Wie jeder einzelne Betroffene damit umgeht, ist in gewissem Rahmen eine persönliche Entscheidung. Man muss ständig abwägen, wie weit man sich der Gesellschaft unterordnet und anpasst oder nicht.
      Ich finde es gut, mal die Geschichte von der anderen Seite zu hören, aber bitte halte dich mit Generalisierungen und Gehässigkeiten gegenüber allen Betroffenen zurück, die hier Rat und Beistand ersuchen. Wir sind nicht die Krankheit. Deine Mutter ist nicht die Krankheit. Und wir sind nicht deine Mutter.
      Ja, ich glaube, dass viele ADS-Betroffene mehr Respekt verdient haben als es ihnen zugesprochen wird. Ich sehe aber auch ein, dass das für Außenstehende sehr schwierig sein muss, wie mit jeder psychischen und kognitiven Besonderheit. In keinster Weise würde ich ADS als Entschuldigung oder gar Rechtfertigung für die Missetaten deiner Mutter ansehen, höchstens als Teil einer Erklärung.
      Ich sehe auch gerade, dass meine Meinung schon viel präziser durch Birgit daselbst wiedergegeben wurde, deswegen will ich nicht weiter um den heißen Brei reden. Deine Meinung ist recht impulsiv und ich nehme dir das nicht persönlich, da ich selbst manchmal einfach mal was vom Herzen reden oder schreiben möchte. Ich wünsche dir noch einen angenehmeren weiteren Lebensweg und entschuldige mich, dass ich Sie die ganze Zeit geduzt habe. ^^
      Liebe Grüße,
      Anna

      1. Liebe Anna,

        ich entschuldige mich für meine Verallgemeinerung bei Dir und bei Allen, die ich damit persönlich angegriffen habe. Ja, es war impulsiv. Aber weißt du, ich lebe seit einiger Zeit auch in einer Art Daueranspannung mit ständigem Schlafmangel. Ich bin gereizt. Bei mir ist das innere Fass übergelaufen und ich hätte selbst nicht gedacht, dass man plötzlich völlig energielos sein kann. Ich habe es meiner Mutter in den letzten Wochen oft erklärt, dass ich nicht mehr kann. Am nächsten Tag geht´s genauso weiter. Unten schreibt einer „Kirmes im Kopf“. Aber eine überdrehte Kirmes. Jeden Tag Kirmes mit allerlei Absurditäten die im Sekundentakt wechseln, die Aufmerksamkeit ständig woanders und hau drauf. Es ist die fehlende Menschenwürde und das Überschreiten meiner Grenzen. Dabei versuche ich alles, diese abzustecken. Aber das geht nicht, da sie alles als persönlichen Angriff sieht und völlig ausrastet. Selbst Dinge die keine Kritik sind werden als vernichtende Kritik mit Weltuntergangsdrohung aufgefasst. Dabei sehe ich es bei meinen Freunden, wie schön eine Beziehung aus gegenseitiger Wertschätzung, Respekt für die Interessen des Anderen und ehrliche Kritik ist. Das bringt einen ja auch als Person enorm weiter. Zum Glück habe ich meine Freunde. Und bei der eigenen Mutter ist das nicht vermittelbar. Mir könnten sie eine Villa, einen Porsche und eine Jacht schenken. Ich würde es gegen eine einzige Äußerung der ehrlichen Wertschätzung von meiner Mutter eintauschen…

        Liebe Grüße,
        Oliver

        1. Lieber Oliver,

          Ich kann sehr gut verstehen, wie es Dir geht. Ich bin ADSlerin und weis es selber erst seit 3 Jahre.
          In den letzten Wochen habe ich gelernt, es zu wissen heißt nicht, es auch aus der Sicht der Angehöriegn zu sehen. Meine Freundin ist aus Überforderung mit den auf und abs der ADS in eine Affäre geflohen.
          Sie konnte diese Schusseligkeit, diese schnelle Angst von mir wieder etwas Falsch gemacht zu haben, so nicht mehr kompensieren.

          Ich habe auch immer um Verständnis gebeten, weil ich selber merkte, ich reagierte falsch. Doch nach dem x. Mal hilft auch keine Entschuldigung oder die Bitte des Verständnis. Sie ist ein Kopf Mensch. Was es für sie noch schwieriger macht. Warum muss sie mir zum x. Mal das selbe sagen.
          Wir hatten eine Zeitlang zumindest, mein Misstrauen im griff, wenn sie ernst oder nachdenklich schaute. Ich habe es gleich auf mich bezogen und wenn ich dann eine genervte Antwort oder gar keine Antwort auf die Frage, ist alles gut bei dir? Erhalten hab, stieg dieses Gefühl der Unsicherheit auf. Wenn dann kein Stop kommt baut es sich immer mehr auf und wird unkontrollierbar..

          Ich versteh dich sehr, denn wenn man als ADS ler, alles mal aus der Beobachter Seite anschaut, ist es für Menschen, die kein ADS haben, die eine Satz nur einmal brauchen um ihn zu verstehen und zu behalten, alles andere als leicht

          Für sie ist vieles selbstverständlich. Deswegen fällt nicht selten der Satz Das ist doch Logisch, Klar.

          Ich habe meine Freundin, die sich wirklich bemüht hat verloren. Warum? Weil wir das Thema ADS nicht so ernst genommen haben. Weil wir nicht an Strategien und Techniken gearbeitet haben. Weil ich nicht so weit war und wusste, dass sie genauso lernen muss wie ich. Dass auch der Betroffenen einbezogen werden muss. Das auch der Betroffenen verstehen sollte, wie Strategien, Rituale und reden helfen kann.

          Als ADS ler kann ich sagen, es ist ein wirklich schlimmes Gefühl, alles geben zu wollen und doch alles Falsch zu machen. Wie oft stellt man sich Schusselig an und das Gegenüber verdreht die Augen. (Was isch verstehen kann). Das Problem bei ADS ist, es ist zu oft. Es passiert am Tag so oft das man Menschen mit seiner besonderen Art enttäuscht. Das tut man von klein auf. um so öfter man also jemanden enttäuscht, um so mehr versucht man mit den Antennen rechtzeitig die Stimmungen abzufangen. Doch das geht dann auch nach hinten los. Denn es nervt das Umfeld. Dann ist man unsicher und reagiert mit Wut, weil man eigentlich nicht weiß wie man selber aus dieser Situation kommt.

          Das erlernen, sich mit Regeln, Strategien, Struktur und Akzeptanz besser im Alltag zurecht zu finden ist ein langer Prozess. Es bedeutet das man ständig mit viel Kraft und Mut an sich arbeitet. Was wie bei jedem Menschen, ohne Sinn Ohne Ziel schwer fallen kann.

          Wie weit hat deine Mama das ADS verinnerlicht, wie weit weis sie dass sie durch Ihre Art einen verletzt. Das merkt man nämlich leider auch nicht immer. zu mindest geht es mir so.

          Das du nicht mehr kanns, verstehe ich sehr gut. Denn auch Deine Kraft hat Grenzen. Wie weit hast du dich mit ADS auseinander gesetzt?

          LG Claudia

        2. Danke, liebe Claudia, danke. Das tut wirklich gut.
          Meine Mutter hat die Diagnose schon lang. Ich vermute, dass auch Borderline noch eine Rolle spielt. Aber es ist nicht meine Aufgabe, dies herauszufinden. Jedenfalls schiebt sie die Diagnose ganz weit weg und begründet ihr Verhalten mit der Schuld der Anderen. Immer. Sie hat schon zwei Fahrerfluchten, die sie rechtfertigt. Selbst vorm Richter war sie nicht einsichtig. Schuld sind die, die an dem Tag nicht Autofahren mussten. Denn die sitzen daheim und haben nix auszustehen. In dem Fall ihre Freundin, die von daheim aus arbeitet. Sie, die ja zur Arbeit fährt, muss das nicht verantworten. Da passiert das halt. Komische Logik, aber absolut real bei ihr.
          Sie geht auch lang schon nicht mehr zum Psychologen. Der ist ja blöd und will sie abwerten. Das Muster ist nicht aufzulösen. Mein Opa hat eine Firma und sie dort angestellt. Die meiste Zeit bleibt sie fern, was die anderen Mitarbeiter freut. Bezahlt wird sie aber relativ gut, da mein Opa auch alles verdrängt. „In unserer Familie gibt es keine Verrückten.“ Opa hat sie und Oma früher geschlagen und als dumm und unfähig hingestellt, sagt sie. Schweigen und Ausbügeln ist oberstes Gebot für ihre „Lebensmanager“ wie uns. Deshalb wollte mein Vater auch aussteigen. Reden durfte er nicht und einen anderen Ausweg hat er nicht gesehen.
          Tja, die hochgezogene Augenbraue. Die kann Wutanfälle schlimmster Art auslösen. Ich mach auch mal was falsch und einer meiner Freunde zieht die Augenbraue hoch. Mein Gott, da lacht man eben mit. Über sich selbst lachen ist doch die stress-abbauenste Reaktion überhaupt. Ich weiß alles…
          Sag mal Claudia – du als Betroffene: Reflektierst du impulsive Ausbrüche im Nachhinein und kommt wenigstens ein kleines Gefühl nach dem Motto „Das war nicht in Ordnung“ in dir auf? Und das Gefühl, ich sollte es dem Anderen mitteilen und mich vielleicht sogar entschuldigen? Das wäre für mich ganz wichtig zu wissen. Für die eigene Würde. Verstehst du? Denn das ist ganz schwer für mich, die zu behalten. Deshalb sind mir meine Freund heilig. Sie geben sie mir wieder.

          Gruß,
          Oliver

    7. Hallo Oliver, bin erst heute auf deinen Kommentar auf dieser Seite gestoßen. Hat mich alles sehr an meine Kindheit erinnert. Meine Mutter ist auch so gewesen. Gewesen ja sie lebt noch aber wir haben nicht viel Kontakt. Bei mir zu Hause gab es auch keine Nestwärme und Geborgenheit – nur Gekreische und Schläge. Ich habe sehr schnell gelernt, keine Ansprüche zu stellen und meine Klappe zu halten wenn sie schlechte Laune hatte. Und das hatte sie sehr oft. Schon als 5jährige habe ich davon geträumt, auszuziehen. Es gab keine Sicherheit – jederzeit konnte ihre Laune sich drehen und wehe dem der grade im Weg stand… Ich glaube auch nicht, dass es sich um ADHS hier handelt sondern um eine Borderline Thematik. Auch ich habe zu Hause oft aufgeräumt und Dreck weggemacht aber ihrem Choaos , materieller Gier und Sammelwahn war nicht beizukommen. Niemand durfte ihre wertvollen Sachen wegwerfen. Das Haus, in dem mein armer Vater mit ihr wohnt, sieht aus wie eine Müllhalde. Je nach Laune schreit sie ihn an und beschuldigt ihn Dinge, die oft völlig erfunden sind. Sie glaubt immer, im Recht zu sein und anderen überlegen zu sein und jederzeit den vollen Durchblick zu haben. Ständig muss mein Vater sie auf Flohmärkte fahren und da kauft sie dann wieder Sachen ein. In den Supermärkten kauft sie Süßigkeiten ohne Ende. Ständig werden Lebensmittel schlecht und der Kühlschrank „lebt“ wie du so schön sagtest. Einmal hat sie mir eine total runzlige Paprika angeboten mit den Worten „ganz frisch“ – als wäre ich blind. Als ich geheiratet habe, hat sich mich fallen lassen wie eine heiße Kartoffel – weil ich den falschen geheiratet habe wie sie meinte – und mein Bruder ist der Liebling von ihr. Ich habe es abgehakt, von ihr etwas zu erwarten. Ich habe meine eigene Familie und mein eigenes Nest und lasse mich von ihr nicht mehr manipulieren oder mein Leben beeinflussen. jeder ist seines Lebens Schmied – und wenn man es schafft, sich aus dieser Zeit, die nun hinter einem liegt, zu lösen, hat man eine gute Chance, glücklich zu werden.
      VG
      Amelia

  56. Hallo in die Runde…
    bin neu hier 51 Jahre alt, und beschäftige mich seit 2 Tagen mit dem Thema ADHS bei Erwachsenen, Nachdem mich eine Arbeitskollegin beiseite genommen hat. (Ich bin Arbeitspädagoge/Gruppenleiter in einer Werkstat für psychisch kranke Menschen)

    Ich googelte ein wenig darüber, und dann kam die Erkenntnis wie ein Vorhammerschlag.
    Mein gesamtes Leben steht von einem auf den anderen Moment in einem ganz anderen Licht da……Erklärungen für so viele Dinge die ich erlebt habe……Hoffnung……Trauer…..Erleichterung…..all das wühlt mich momentan sehr auf……Tränen der Erleichterung, endlich zu wissen warum man so ist wie man ist, werden abgelöst von Tränen der Trauer über verpasste Möglichkeiten……erleichtert zu sein ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.
    Eine Achterbahn der Gefühle und Gedanken die nur schwer zu ertragen ist

    Ich bin aktuell mal wieder in einer Lebenskrise (Trennung/Scheidung) und beruflich läuft es auch aus dem Ruder.
    Letztes Jahr im Mai hatte ich einen Herzinfarkt und dieses Jahr im Januar ein chronisch subdurales Hämatom

    Momentan kostet es mich meine gesammte Energie meine Arbeit aufrecht zu erhalten, was eher schlecht als recht funktioniert.
    Deswegen nahm meine Kollegin mich zur Seite und riet mir mich mal über ADHS zu informieren.

    Das ich über kurz oder lang Hilfe brauchen werde war mir schon etwas länger klar aber ich fragte mich immer…. wofür denn genau?
    DIE Frage dürfte beantwortet sein oder zumindest habe ich einen konkreten Ansatz…..soweit so gut.

    Aber dann suche ich mir einen Wolf nach Anlaufstellen und muss feststellen…..Arschkarte….Du wohnst auf dem platten Land und hast da schlechte Karten.

    Ich bin völlig überfordert mit der Flut an Infos und Gedanken/Gefühlen einen klaren Gedanken zu fassen was ich tun kann oder muss um mir die nötige Hilfe recht zügig zu holen…….

    1. Lieber Kirmes im Kopf,
      wenn Sie mögen, dann kommen Sie doch als nächsten Schritt auf Ihrer Informationssuche in mein kostenfreies Webinar „ADHS im Erwachsenenalter – wie sieht es aus? was kann man tun?“, dort bekommen Sie einen komprimierten Überblick über das Thema ADHS. Alles Informationen zum Webinar finden Sie hier: http://www.adhs-trainerin.de/webinar
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  57. Hallo Zusammen,
    Ich bin eben über diese Seite gestolpert. Also ich bin kein guter Schreiber, habt ein wenig Nachsicht. Ich bin jetzt 33 Jahre alt und habe seit ca 4 Monaten die Diagnose ADHS aber wie bei allen hier zieht sich dieser rote Faden durch mein ganzes Leben, In allen möglichen Situationen, sei es Beruflich oder in der Partnerschaft usw. Ich konnte nicht einmal eine Ausbildung abschließen, entweder war ich zu „schlecht“ oder so „gut“ das Kollegen Angst um ihre Stelle hatten.
    Ein Beispiel:
    Ich begann eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Baumarkt, es machte mir wirklich Spass ich brannte regelrecht für diese Ausbildung. Ich konnte mich in der Berufsschule konzentrieren und siehe da, meinen Hauptschulabschluss machte ich mit einem Schnitt von 4,6 und in dieser Ausbildung gingen meine Noten durch die Decke, auf einmal hatte ich einen Notenschnitt von 1,2. Ich bekam die Chance die 3 jährige Ausbildung auf 2 Jahre zu verkürzen und kam in die Klasse für den zusätzlichen Handelsassistenten. Ich war stolz ohne Ende, endlich konnte ich etwas, ich war gut in etwas. Aber mein spezielles Talent hat mich bald wieder aus meiner Euphorie gerissen, ich kam zum Beginn der Grillsaison und die Gartenabteilung. Der Abteilungsleiter ging eine Woche nach dem ich in die Abteilung kam für 3 Wochen in Urlaub, also war ich alleine verantwortlich. Ich baute jede Woche die Werbeflächen auf, brachte mir selbst das Bestellsystem bei und bat meinen Chef um einen eigenen Programmzugang um nicht ständig die Kunden zu anderen Mitarbeitern zu schicken, ich hatte Spass und wollte natürlich glänzen. Letztendlich konnte ich in den 3 Wochen viel Umsatz in dieser Abteilung machen und habe nebenher mitbekommen, das der Abteilungsleiter seit 3 Monaten das Kaltlager ordnen und aufräumen sollte aber nicht dazu kam weil er immer alleine war und der aktuelle Verkauf vorang hatte. Ich dachte nicht weiter darüber nach und wollte ihm eine Freude machen, wenn er aus dem Urlaub zurück kommt, also blieb ich 1 Woche täglich 1-2 Std länger und brachte das Lager auf Vordermann. Wie gesagt ich hab mir nichts weiter dabei gedacht. Wie den so ist kommt der Abteilungsleiter aus dem Urlaub wieder. Ich kam zur Arbeit und war noch keine 2 Schritte im Markt würde ich schon auf das übelste Beschimpft. Was ich für A….loch sei usw usw. Als er fertig war, sagte er “ Ich will dich nicht mehr in meiner Abteilung, ich hab dafür gesorgt das Du an die Kasse kommst“ ja da war ich nun, absolut entsetzt und meine Welt brach zusammen, aber das war nich nicht das Ende. Ich war 2 Tage an der Kasse und aufeinmal fehlten angeblich über 200 Euro bei meiner Abrechnung, ohne die Sache zu überprüfen oder nachverfolgen wie das sein kann. Warf mich der erwähnte Abteilungsleiter mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht aus dem Markt und ganz zufällig hatte er auch direkt meine Kündigung und ein schriftliches Hausverbot in der Hand.

    Von diesem Tag ab kam zu dem schon sehr ausgeprägtem ADHS ( war zu der Zeit nicht Diagnostiziert ) noch eine schwere Depression hinzu, die sich bis heute mit durch mein Leben schleppt. Immer wieder in meinen weiteren Leben traf ich auf mehr oder weniger Probleme. Aber die Krönung allen Übels gedankt sei dem ADHS, meine Expartnerin bekam Wind von der Diagnose und möchte nicht das, meine 4 jährige Tochter weiter Kontakt mit mir hat, leider schafft sie es auch Einfluss auf meine Maus zu nehmen, sie spricht nicht mehr mit mir, sie kommt nicht mehr mit wenn ich sie abholen möchte. Naja ich möchte euch nicht weiter damit langweilen zudem schweife ich ab, entschuldigt.
    Wie schon in anderen Beiträgen erwähnt, hat das Umfeld oft Probleme im Umgang mit Menschen die ADHS haben. Das habe ich mit meiner letzten Partnerin schmerzlich lernen müssen, diese war wohl völlig überfordert mit meiner „speziellen Eigenschaft“ und das obwohl ich offen über meine, ich nenne es jetzt mal Eigenschaften gesprochen habe und irgendwie versuchte meine Macken in vielen Situationen zu erklären. Zudem waren wir 3 Jahre lang gut befreundet bevor wir zueinander fanden. Naja diese Beziehung endete so, das sie allem Anschein nach komplett überfordert mit mir war und anfing mich zu verprügeln, nicht mit der flachen Hand, nein mit der Faust und es war nicht nur ein so genannter Ausrutscher, es passierte auch nicht nur einmal.
    Naja wie dem so sei verzweifelte ich jetzt an mir selbst. Immer wieder stellte ich die Frage was stimmt den nicht mit MIR, ich suchte eine Psychotherapeutin, was ich nicht wusste das sie auf ADHS Patienten spezialisiert ist. So kam ich zu meiner Diagnose. Nun bin nach Monaten immer noch in der Findungsphase meines Ritalins (momentan 3×30mg ) am Tag. Aber die richtige Dosis ist wohl noch nicht erreicht.
    Aber es scheint auch Lichtblicke zu geben in diesem Leben aus dunkel und selbstzweifel. Ich habe seit kurzem einen neuen Job und dort gibt es Menschen die selbst Menschen mit ADHS in ihrem Umfeld haben, als ich das mitbekommen habe, nahm ich meinen Mut zusammen und machte von vorne herein reinen Tisch, die besagten Kollegen hatten aber schon einen Verdacht. Aber siehe da, sie wissen was bei mir Phase ist und wissen damit umzugehen und haben Verständnis. Nun geht es langsam bergauf und ich kann langsam wieder glänzen und werde in den Bereichen die mir gut liegen gezielt unterstützt von meinen Kollegen. Ich fühle mich endlich mal wieder nützlich und zugehörig zu einem Team.
    Eine Sache nur die mich verstört, ich bin den ganzen Tag im Büro voll fokussiert auf meine Arbeit und das Gedankenkarussel hält tatsächlich zu 90% still und die Arbeit macht mir richtig Spass. Wenn ich das Büro verlasse bin ich richtig erschöpft aber im durchaus positiven Sinne. Nur bin ich dann zuhause nach einem langen Tag, bricht die Depression wieder über mir ein. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen, das Karussell dreht sich wieder. Motivation gleich Null, egal wozu, das unruhige zappeln kommt wieder die innere Unruhe hält mich auf Trab. Was kann ich dagegen tun ?

    An dieser Stelle möchte ich gerne Danke sagen, einmal dafür das ich hier einfach mal, einen großen Brocken, meiner Last vom Stapel lassen konnte.
    Das nächste Danke geht an all die, die sich die Mühe gemacht haben, den von mir verfassten Schwall meines Lebens zu Ende gelesen haben. Nur nebenbei hab ich für diesen Text ca. 3 Std gebraucht, die meisten kennen das sicher, die wiederkehrende Ablenkung durch zig verschiedene Gedanken usw.

  58. Es geht leider auch Menschen mit anderen „Diagnosen“ so. Ich habe seit langer Zeit eine Depression aufgrund von vielen Belastungen und bin , wenn sie gerade aktiv ist, im Denken Denkenverlangsamt, kann nicht so schnell reagieren und bin ängstlicher und sensibler anderen gegenüber. Auch deshalb, weil ich in diesen Situationen erfahren habe, belächelt und ungeduldig darauf aufmerksam gemacht zu werden. Dass ich damit u.a. 2 Ausbildungen und 1 Studium ohne Unterstützung erreicht und trotzdem anderen Menschen geholfen habe, ist weniger interessant. Ich war schon immer sensibel und nehme auch schnell Stimmungen auf – eine Art Hochsensibilität. Solange man nützlich ist, ist es o.k., aber nicht, wenn man kämpfen und sich schützen muss. Inzwischen distanziert sich die sog. Fam. und eine Nichte, die ich trotz allem immer auch bei sehr schwierigen Dingen und in belastenden Situationen unterstützt habe, möchte nun ihr Kind vor mir „schützen“, und meldet es gleichzeitig in einem integrativen Kindergarten an.
    Ich wünsche allen, mit irgendwelchen „Diagnosen“, Selbstwert und sich nicht zu vergleichen. Als Kind ist das noch schwerer, das weiss ich, aber später kann man daraus seine Erkenntnis ziehen. Allen ohne Diagnose wünsche ich Glück, dass sie keine bekommen mögen ;)

  59. Hallo Zusammen,

    ich muss mich eingangs einem meiner „Vorschreiber“ anschließen. Es tut einfach gut gleiche oder ähnliche Geschichten zu lesen! Ich bin 41 und führe seit ich mich erinnern kann einen inneren Kampf. Den Kampf trotz größter Anstrengung unfähig zu sein, die Kontrolle über mich selber zu haben. Gerade jetzt während des Schreibens schwirren wieder 1000 Gedanken in meinem Kopf, die für mich eigentlich ein klares Bild ergeben, allein ich bin unfähig diese Gedanken zu ordnen und aufs „Papier“ zu bringen. Wenn ich das versuche, habe ich das Gefühl, dass mein Gehirn verkrampft. Kennt Ihr das? Es war und ist für mich sehr schwierig darüber nicht zu resignieren, einzubrechen und damit zu konstatieren, dass ich vielleicht am Ende doch einfach nur faul, charakterschwach, unaufgeräumt und dumm bin. Dieses stetige Hin und Her ist sehr aufreibend. Eure Beiträge zu lesen bestärkt mich darin nicht aufzugeben. Ich weiß erst seit 2 Wochen von meiner Diagnose und bin unendlich froh und dankbar mein ganzes persönliches Dilemma nun einordnen zu können. Es hat sich zwar noch nichts verbessert, aber auf einmal macht alles Sinn. Ich habe es stets einigermaßen verstanden eine gesellschaftstaugliche Fassade aufrecht zu erhalten, aber im Inneren war ich zerfressen von Selbstzweifeln, Wut etc. – Mit 17 Jahren habe ich begonnen Drogen zu konsumieren ( Speed, Extasy & Kokain) Hört sich vielleicht komisch an, aber das war für mich, ohne mir dessen bewusst zu sein, eine Art der Therapie. Denn die Drogen haben mich -im Gegensatz zu den meisten anderen Konsumenten – „ruhig“ gemacht. Ein geordneter Kopf, fokussiert, klare Gedanken. Auf einmal ist alles strukturiert, die wirren im Kopf fügen sich zusammen und nehmen Gestalt an. Tja, leider sind Drogen, wie wir alle wissen nicht frei von Nebenwirkungen. Die Ironie des Schicksals ist, dass sie einerseits therapeutische Wirkung hatten, andererseits mein Leben in anderen Bereichen fast zerstört hätten. Ich habe jetzt die große Hoffnung, dass therapeutische Maßnahmen in Verbindung mit Medikamenten mir helfen können, den Zirkus in meinem Kopf zu bändigen und somit eine neue Form von Lebensqualität entsteht.
    Bleibt stark!

      1. Hallo ihr Lieben,
        Ich hab die Diagnose mit 23 bekommen und bin nun 26 Jahre alt. Aber ich hab noch ein paar andere Diagnosen. Ich habe ein paar Fragen an Adhs’ler hab ihr das auch das ihr von jetzt auf gleich wegdriftet das euch lichtreflexion ins Auge stechen sodass es weh tut. Z.b geht ihr über die Straße und von jetzt auf gleich seit ihr völlig weg die Außenwelt Wahrnehmung ist verschwommener noch greifbar ich hab die Medikamente abgestellt und es ist seit dem nicht händelbar ich kann es nicht umlenken aber mir ist bewusst das ich gerade wieder ins lala Land drifte das Problem ist ich bin dem ausgeliefert, kann dagegen nichts machen. Ich mag denn rechten Winkel gerne deswegen mache ich es seit kurzem immer wieder quasi ein L. Ich höre immer von anderen das die dass nicht haben und es macht mir mittlerweile Angst. Oder man sagt was liebes und auf einmal wird man angeschrien oder aufs Zimmer geschickt weil man dachte es wäre nett gewesen war es wohl nicht, nicht so schön, Mist. Es ist mittlerweile eine sehr starke Ausprägung sodass ich ein behinderten Ausweis mit 60% habe ich würde mich erleichtert fühlen wenn es hier Menschen gibt die auch eine so krass andere Wahrnehmung der Umgebung haben. Ich hoffe das ich doch nicht so ein Alien bin und es jemand gibt dem es genauso geht der auch weis wie die wahrnehmung war als die Erkrankung noch nicht einschränkend war. Beste Grüße Simone

  60. Toller Text! Ich stehe wieder mal vor einer Kündigung, weil ich zu Beginn zu langsam oder zu vergesslich bin. ADHS und neuer Job ist gruslig. Denn nach mehreren negativen Erfahrungen (auch mit Mobbing, denn langsame Kollegen mag fast niemand) wächst natürlich die Angst vor dem erneuten Versagen. Und dann zweifelt man, weil man schon merkt: Au weh, jetzt ist mein Kopf grade übervoll! Und dann kommt noch eine neue Aufgabe und es kommt früher oder später der Punkt, wo man patzt. Und es heißt: „Beim nächsten Mal bitte ein bisschen besser konzentrieren!“ Das ist wie: „Schalte in den 6. Gang.“ Aber ich habe nur 5. Das schmerzt jedesmal wie ein Dolchstoß. Ich musste mich irgendwann wegen selbstverletzendem Verhalten und Suizidgedanken behandeln lassen, weil die Kritik so weh tat und ich mich sehr anstrengen musste, keine allzu dummen Fehler zu machen. Warum kriege ich mit Uniabschluss keinen Job auf die Reihe? Warum muss ich mir von anderen Tipps geben lassen, wie ich mich besser konzentrieren kann und wie ein Schulkind dann dabei nicken und „Danke, das mache ich.“ sagen? Studiert, schlau, liebenswert, aber chronisch erfolglos im Job. W, 34, kämpferisch.

    1. Hey Leni,
      ich fühle mit dir ! Darf ich fragen wie du es durchs Studium geschafft hast?
      Habe damals mit BWL angefangen und bin durchgedreht. Stundenlanges Lernen und trockener Stoff sind nichts womit ich etwas anfangen kann, bzw etwas was ich für sinnvoll halte im Leben.
      Aber ich habe trotzdem versucht mich durchzubeissen, ohne Erfolg.
      Wie hast du das auf die Reihe bekommen?
      lg Consti

    2. Liebe Leni, hier noch eine späte Antwort zu deinem Text. Ich kenne das, was du beschreibst, nur zu gut. Ich nehme jetzt seit einigen Monaten Strattera und kriege mein Leben seitdem zum Glück sehr viel besser auf die Reihe. Auch meine emotionale Stabilität wurde sehr viel besser. Ich weiß, viele lehnen Medikamente von vornherein ab, was ich aber nicht so ganz verstehe. Schließlich geht es bei AD(H)S um einen kranken oder – wer sich daran stört – nicht neurotypischen Hirnstoffwechsel. Viele wollen sich ja nicht „verändert“ fühlen, wie unter Drogen oder so. Dabei leidet man doch bereits an einem Ungleichgewicht in der Hirnchemie, das eine erheblich beeinträchtigt und verändert, einem die Kontrolle über die eigenen Gefühle oft genug nimmt, und das nimmt man dann einfach so hin, obwohl es einem absolut das Leben versaut. Kann ich echt nicht verstehen. So, ich musste mich mal kurz darüber aufregen, sorry, Leni ;-) Aber im Ernst, ich hätte es ohne Medis (natürlich in Kombination mit einem sehr anstrengenden psychischen Entwicklungsprozess, der sicher niemals aufhören wird) nie zu diesem glücklicheren, erfolgreicheren Leben geschafft. Und nein, ich bin keine Vertreterin eines Pharmaunternehmens und möchte hier auch keine Werbung machen ;-) Ist nur meine persönliche Erfahrung mit dem Thema. Alles Gute dir, Leni, und allen anderen geplagten ADHS-Seelen hier! Anne

  61. Hallo liebe Leute,

    kenne das gut, das Anderssein. Habe mir auch oft gewünscht tot zu sein. Als Kind und Schülerin konnte ich mir noch Auszeiten gönnen und fand es auch nicht schlimm, wenn die Noten nicht toll waren. Hauptsache ich hatte meine Ruhe. Irgendwie will man aber doch Freunde haben. Der Rückzug war also nicht ganz freiwillig.
    Die Probleme begannen erst im Berufsleben. Da musst Du halt Leistung bringen und Dich benehmen.
    Was mich am meisten nervt ist die Tatsache, dass unsere Macken nerven, aber wir die Macken der ‚Normalos‘ akzeptieren müssen. Ich kann eher mit Chaos und Unperfektion leben als mit Lieblosigkeit. Das macht mich fertig. Wenn es Leute nicht interessiert wie es einem wirklich geht. Da habe ich so eine Wut im Bauch. Man gibt sein Bestes und bekommt so wenig zurück.
    Das alles hat mich immer wieder in ein tiefes Loch gestürzt.
    Da kam Jesus ins Spiel. Er hatte schon immer eine besondere Liebe für Schwache und Randgruppen. Jesus liebt uns genauso wie wir sind. Wir sind ja so geschaffen worden. Bei ihm dürfen wir einfach nur Sein. Wir müssen nix leisten oder Masken tragen. Wir dürfen und sollen uns beim ihm auskotzen. Unsere Seele kommt zur Ruhe. Er gibt mir auch die nötige Kraft mein Leben zu meistern, mein Potential auszuschöpfen, mich selbst zu lieben und andere Menschen zu lieben und Ihnen zu verzeihen. Es ist immer noch herausfordernd, aber es zerrt alles nicht mehr so sehr an mir. Ich schöpfe immer wieder neue Kraft. Ich sehe uns ADHS ler als besonders helle Lichter in dieser Welt, die mitfühlen, die Wahrheit lieben, Dinge hinterfragen und Revolutzer sind. Unsere Schwachstelle ist das Ausbrennen, weil wir auch so leidenschaftlich sein können. Jesus war so ein Revolutzer, der nicht ausbrannte.
    Zu den Groben, Hartherzigen dieser Welt, der damaligen religiösen Elite war er direkt und konfrontierte sie mit ihren Fehlern. Er warf ihnen vor, dass sie nur nach Regeln leben, ohne Erbarmen und Menschlichkeit. Erinnert mich an den Großteil der Menschen heute. Das wünsche ich uns allen. Aufstehen für die Menschlichkeit, gegen Ungerechtigkeit und Kälte!
    Seid gesegnet!

  62. 2011 erhielt ich meine Diagnose, danach voller Eifer Medikation und Therapie. Zuerst Methylphenidat in nicht retardierter Form, dadurch heftige Rebounds mit fürchterlichen Wutausbrüchen, kannte mich selbst nicht mehr, alle litten mehr als vorher. Bin eher der ADS-Typ und eher verträumt und schusselig. Danach erst mal Finger weg von dem Zeug. Dann Ritalin retardiert, gehäufte Migräne als Nebenwirkung. Danach Strattera, auch große Probleme mit Nebenwirkungen. Ich strenge mich wahnsinnig an, „normal“ zu sein, weil ich niemandem unnötig Arbeit machen will, weil ich gute Leistungen bringen will, weil ich niemanden verletzen will. ADHS wird als Ausrede gesehen. Mein Selbstwertgefühl ist im Keller, ich bin extrem verletzlich und habe keine Kraft mehr diese „Kollateralschäden“ des ADHS auszugleichen. Ich wünschte ich wäre tot.

    1. Hallo Claudi!
      Ich erhielt mit ca. 22Jahren (2008) meine Diagnose. Habe damals Medikenet bekommen, aber fühlte mich damals nicht anders damit. Habe bis zum letzten Jahr viele Tiefs erlebt. Auch heute ist nicht alles supi, aber man kommt zurecht. Ich habe größtenteils alle Menschen, die mich nicht so akzeptieren und die Diagnose nur als Ausrede und Vorwand bezeichnen, aus meinem Leben ausgeschlossen, denn diese tun mir einfach nicht gut. Dieses Gefühl zu haben, man muss doch mehr schaffen, mehr leisten, mehr können. Immer mehr und besser und dabei noch entspannt und fröhlich sein. Diese Denkweise kann mich wirklich mal. Seit dem Kindergartenalter wollte ich lieber tot sein, damit dass alles endlich ein Ende hat. Damit ich frei bin von dieser Schwere. Doch irgendwie hab ich es bis hier her geschafft. Ich bin heute immernoch an manchen Tagen mehr, an anderen weniger, mit der Welt überfordert, aber ich liebe es zu leben, ich liebe meine Kinder, meinen Mann (meistens ;) ) und meine wenigen Freunde. Besonders, weil wir alle nicht „normal“ sind. Hast du mal geschaut, ob es bei dir in der Nähe eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit ADS gibt? Mir hat diese geholfen, mich so anzunehmen, wie ich bin.
      Auch wenn es noch so schwer ist im Moment, gib dich nicht auf. Du bist ein wunderbarer Mensch und anstatt, dass du auf andere Rücksicht nimmst, solltest du mehr Rücksicht auf dich nehmen. Es ist nicht leicht, sich in einer Gesellschaft zu akzeptieren die fordernd ist und ADS als Modeerscheinung abtut. Das wissen so gut wie alle Menschen mit dieser Veranlagung! Du bist nicht allein! <3

    2. Liebe Claudi,
      es scheint, als ob Sie bisher einfach nicht an die richtigen Stellen geraten sind, wo Sie praktische Hilfe finden konnten. Geben Sie nicht auf. Suchen Sie weiter nach Selbsthilfegruppen, Therapeuten oder schauen Sie sich meine Coaching-Angebote an. Es gibt Hilfe und es gibt Menschen, die Sie verstehen werden.
      (Und falls Sie wirklich konkrete Selbstmordgedanken haben, dann suchen Sie bitte Ihren Arzt oder eine nahegelegene Klinik auf.)
      Alles Gute,
      Birgit Boekhoff

    3. Liebe Claudi,

      ich kann mich selbst etwas in deinem Beitrag sehen. Meine Diagnose ist zwar noch Recht frisch, aber dennoch komme ich mir bereits wie ein Versuchskanninchen vor. Dosis hoch, Dosis runter, dieses Mittelchen, ach nein, lieber das mal versuchen. Zudem bin ich derzeit in einer Gruppentherapie, in der man mir wieder mal ein Korsett verpassen will. Die Therapeutinnen scheinen so fokussiert auf ihr Konzept zu sein, dass sie mich nicht hören. Auch ich würde in letzter Zeit lieber häufiger tot sein. Allerdings habe ich inzwischen herausgefunden, warum das so ist: ich will nicht, dass andere mir ständig sagen „du musst das tun oder so sein“. Wenn eine Therapeutin mir sagt, ich soll in mich spüren und meine Gefühle wahrnehmen und diese zulassen, dann würde ich ihr am liebsten eine zimmern. So als Ausdruck meiner so eben erspürten Gefühle, dass sie sich nicht die Mühe, mir zumindest zuzuhören und mich zu verstehen, da mir die Anleitungen ihres Skripts so gar nichts sagen. Und wenn ich an dem Punkt bin, an dem ich über Selbstmord nachdenke, fühle ich mich noch schlechter. Darüber reden geht so gar nicht, das will keiner hören. Nicht mal einem Arzt kann man sich anvertrauen, da man zu 99% prompt in eine Klinik verfrachtet wird, gegen den eigenen Willen.
      Unterm Strich scheint Menschen wie uns jemand zu fehlen, bei dem man sich alles von der Seele reden kann. Der nicht direkt ungefragt mit Ratschlägen ankommt, uns in ein Therapiekonzeptkorsett quetscht oder in eine Klinik verfrachtet. Wie schön wäre es jemanden zu haben, bei dem man einfach nur „sein“ kann. Jemand der da ist und einen doch in Ruhe lässt. Das wäre wie ein kleiner Erholungsurlaub vom Alltagswahnsinn.
      Vielleicht hilft es dir bereits etwas, dass Siegdörte und ich deine Lage nachvollziehen können.

    4. Du solltest Dich anstrengen, dass es Dir gut geht, nicht, dass Du anderen keine Arbeit machst! Du Bist nicht falsch, Du bist anders. Das bringt genauso Stärken wie Schwächen mit!

  63. Hallo alle zusammen
    Ich weis es auch erst so einige Wochen, das ich ads habe. Und ja als Kind war ich zu langsam, verträumt, konnte weder gut lesen noch schreiben. Hatte nach der Schule Kopfschmerzen und war immer müde. Man weiss man ist anders gestrickt, andere verstehen es nicht. Ich kam dann durch meine Söhne darauf, beide sind hyperaktiven wie ich.
    Ich ziehe mich immer wieder von alleine am Schopf hoch…mein Mann hilft mir wo er kann, er ist toll . Ich denke mir hinfallen und ausruhen ist okay, aber aufgeben nie mals. Ich bin wie ich bin und das ist gut so. Das wollte ich nur mal sagen. Last euch nicht hängen es gibt Hilfe und immer ein Weg. Nämlich euren Weg. So nun tschüß und schönen Sonntag noch

  64. Ja, so habe ich meine Kindheit und jungen erwachsenen Jahre ebenfalls erlebt. Zu langsam, zu dumm, zu tranig, zu viel Tagträume, zu unkonzentriert, zu verträumt. Inzwischen bin ich in Rente (64) und lebe sehr zurück gezogen. Meine Ehe ist schwierig, weil mein Mann zum Funktionieren erzogen wurde und mir all diese Sätze ebenfalls an den Kopf und somit mitten ins Herz gesetzt hat.
    Meine Nerven Standardsichtweisen (hatte ich nur selten) zu erfüllen, sind verbraucht. Außerdem habe ich mein persönliches So-Sein niemals als Krankheit empfunden, sondern oft viele meiner Mitmenschen für „flach“ bzw. unreflektiert. Ich hatte meistens einen kreativen Beruf und das war gut so. Ach ja, ich müßte dringend einmal meinen Schreibtisch aufgeräumt kriegen…. :-)

  65. Hallo Birgit,

    vermutlich jeder ADHS’ler, auch ich, kennen die oben von dir beschriebenen Szenarien. „Du machst mich wahnsinnig mit deinem ständigen hin und herlaufen.“ „Du kannst ja wenn du willst.“ Das waren vor meiner Diagnose und sind auch nach meiner Diagnose häufige Sätze höre.

    Natürlich treffen mich diese, aber ich kann sie auch verstehen. Ich denke es ist nicht immer einfach zu erkennen, ob dies nun auf ADHS zurückzuführen ist oder nicht.

    Wie häufig tut es mir Leid,….
    dass ich ständig in Bewegung bin und es andere in ihrer Ruhe stört.
    dass ich mich mal wieder völlig verschätzt habe und ein Freund/in wieder 5 Minuten auf mich warten muss.
    dass ich mal wieder wegen einer Kleinigkeit (weil die falsche Zahnpasta gekauft wurde) aus der Haut fahre und deshalb laut werde.

    Und wie häufig tut es mir Leid, dass ich jede Kleinigkeit ausdiskutiere und zwar bis zu dem Punkt, an dem der/die andere/n nachgeben.

    Es wird mir selbst i.d.R. direkt nach der Situation selbst klar, was falsch lief. Die Bewegung hole ich mir mittlerweile heimlich. Einen Vorwand aufzustehen gibt es schließlich immer. Wer beklagt sich schon über einen Weg ins Bad, in die Küche oder in den Wäschekeller ;-)

    Was ich eigentlich sagen möchte, wenn ich die kurze, spontane Auflistung sehe – meine Familie, Freunde und Partnerin – machen einiges mit und akzeptieren (vielleicht sogar „ertragen“) all diese Dinge, auch wenn Sie im ersten Moment verärgert sind. Und Sie akzeptieren Sie völlig unabhängig davon, ob ich ADHS habe oder nicht. Denn vermutlich kennen auch viele genau diese Wertung. Viele ADHS’ler sind glücklich über die Diagnose, nicht weil es toll ist ADHS zu haben, sondern einen Ansatz zu haben. Einen Ansatz an dem gearbeitet werden kann. Einige Wenige bewerten mich als Teil des Trends. Nach dem Motto „Jetzt wurde deinem Unvermögen, nur ein Name/Entschuldigung gegeben.“ Aber auch hier sagt wahrscheinlich keiner in böser Absicht etwas. Und Verständnis lässt sich halt nicht einfordern.

  66. ich könnte einfach nur heulen – ja eigentlich nicht normal für en mann, aber was solls. Meine Diagnose hab eich erst seit zwei jahren offiziell und auch erst, weil es mir keine Ruhe lies, dass ich mir nicht corstellen konnte, dass ich etwa so schlimm wäre, wie ich mich inzwischen fühle. Mein Selbstwert ist tiefer als im Keller. Die ganzen Sätze kenn ich nur zu gut. Allerdings habe ich vieles so verinericht, dass ich nicht mehr weiss, ob ich hase oder hund bin, ob ich faul oder bemüht bin, ob ich mich gehen lasse oder wirklich nicht anders kann kurzum ich bin neben ads mit einer persönlichkeitsstörung diagnostiziert, bei der man in einr therapie eine ganze menge mist wergräumen muss, um an irgendeinen kern zu gelangen.

    (nach über 50 jahren einfach nur schwer!

    Lasst es bei Euch aber vor allem bei euren kindern erst gar nicht so weit kommen!
    Man kann so viel kaputt machen!

  67. Mir haben sowohl dieser Text, der den Schneeball ins Rollen gebracht hat, als auch allesamt alle Kommentare zu dem Thema, das ich für mich „unsichtbare Mühen“ betitelt habe, sehr gut getan, weil sie bei den Gefühlen ansetzen und teilhaben lassen. Danke!

    Mein Beitrag ist in Reaktion und Antwort auf die ersten Kommentare von vor ein paar Wochen, die ich jetzt nicht mehr wiederfinde, entstanden.

    Ich empfinde das ADS als Gratwanderung zwischen der Hinwendung zu intensiven Erfahrungen, Neugier, Begeisterung für das Leben einerseits und dem Bedürfnis nach Schutz und Ruhe andererseits.

    Mein persönliches Rezept wirkt äußerlich sehr langweilig:
    Ich muss die festen Aktivitäten, die Programmpunkte, das Pensum heruntergefahren
    Mein Tag ist kürzer, weil ich mehr Schlaf brauche
    Ich arbeite „weniger“ als andere, 20 h verteilt auf 4 Tage, so habe ich einen Jokertag, Auffangtag, der einfach durch Nichtstun verschwendet werden kann, an dem ich Erledigungen machen kann, an dem ich inneren Gedanken nach Herzenslust nachhängen kann, an dem ich Zeit habe, jemandem eine Freude zu machen, usw.
    Ich verabrede mich regelmäßig, aber viel weniger als andere. Ich mache und schaffe quantitativ weniger als andere.

    Insgesamt habe ich oft das Gefühl, dass ich in einer anderen Zeitzone lebe, weil ich viel viel weniger mache und schaffe als andere ( im Ergebnis stimmt es aber auch irgendwie) und weil ich ein ganz anderes Empfinden von Zeit habe, das wiederum sehr wandelbar ist, ich kenne das Gefühl von Zeitlosigkeit, von nur Jetzt, das Gefühl, wie sich Zeit für mich weitet, das Gefühl der Zeit hinterherzulaufen, sogar das Gefühl, dass Zeit rückwärts laufen kann, etc.

    Erst wenn mein Leben „reduziert“ und langweilig ist, wird es gleichzeitig spannend, ich kann immer wieder Dinge geschehen lassen, die authentisch sind, also an denen ich mich freue, die von Herzen kommen, die mir entsprechen und die toll und aufregend sein können, auch wenn es zum Bsp. nur Gedanken, Pläne usw. sind, die ich vielleicht gar nicht verwirkliche.

    Das Rezept ist eigentlich kein Rezept, weil es ein solches gar nicht gibt, es gibt immer nur den eigenen Weg.

    Ich bin vor etwas mehr als ein und halb Jahren auf meine Konstitutionen gestoßen, die da sind ADS, Hochsensibilität, Autismus und (Hoch)begabung, nicht zu jeweils ein Viertel, sondern jeweils ganz, sozusagen vier Konstitutionen, die übereinanderliegen, die eine relativiert die andere nicht, im Verhältnis zueinander wirken sie sich sowohl die Schwierigkeiten potenzierend als auch lösungsweisend aus. Die Vereinnahmung von 4 Konstitutionen klingt zunächst inflationär, für mich ist es das deshalb nicht, weil ich überzeugt davon bin, dass diese Konstitutionen in der gleichen neurologischen Grundkonstitution wurzeln.

    Vielleicht tröstend:
    Von allen Konstitutionen erfüllt mich mittlerweile das ADS am meisten mit Stolz, obwohl es zugegebenermaßen immer wieder Situationen generiert, die mich mit Scham erfüllen.

    Vielleicht ermutigend
    Leben mit ADS dürfte in den allermeisten Fällen automatisch zumindest lebensabschnittsweise einen traumatischen Charakter haben, was sich wiederum auf das gesamte Denken und Verhalten auch in guten Zeiten auswirkt. Und wie soll das jetzt ermutigen? Ganz einfach, indem man sich darüber bewusst wird. Indem man sich nicht schlecht darüber fühlt, dass man sich vielleicht schlecht fühlt. Indem man die Lebensenergie, die darein geht, das Trauma zu lösen, nicht als Verschwendung sieht, sondern als Mut. Wir sind dazu gezwungen Versager und Helden zu sein. Und nicht zu Unrecht darf man auch mal schreien und protestieren, weil man nicht darum gebeten hat, ein Held zu sein und man sich überfordert fühlt und auch anderen viel zumuten muss.

    Seit einundhalb Jahren wohne ich mit meiner 5-jährigen Tochter und mit meinen 78-jährigen Eltern in familiärer Lebensgemeinschaft, ich selbst bin 44 Jahre alt, ich habe meine Selbständigkeit aufgegeben und arbeite jetzt im Angestelltenverhältnis, bin im Schmetterlingsclub (ADS-Coaching) von Frau Boekhoff, teile meine Erkenntnisse, Ängste, Verzweiflungen, Verwirrungen, Ideen, Fragen mit meinem Therapeuten, und nehme morgens und mittags Ritalin und morgens seit einem Jahr Escitalopram ( Antidepressivum). Das Thema meiner Therapie ist Unsichtbarkeit, Kommunikation und Beziehungsangst.

    Seit einem knappen Jahr habe ich erstmalig in meinem Leben sehr viel neuartiges Glück empfunden, und zwar ein seltsam anhaltendes Glück, das völlig anders ist als das Glück in Ewigkeits- oder euphorischen Momenten, und ich habe mich zeitweise gewundert, ob es eine Illusion ist, weil es so lange anhält und die Menschen langfristig eher zufrieden als glücklich sind, und bin zu dem interessanten Ergebnis gekommen, dass sich so die Abwesenheit von Unsicherheit und Angst anfühlt. Ich muss dazu sagen, dass ich mich eigentlich nie für einen ängstlichen oder unsicheren Menschen gehalten habe, deshalb bin ich nicht gleich darauf gekommen. So ähnlich wie Raucher, die sich beim Abgewöhnen des Rauchens hilfsweise vor Augen halten, dass die Nichtraucher sich immer so gut fühlen wie sie selbst sich nur noch mit Zigarette fühlen können. Es ist natürlich viel leichter sich etwas abzugewöhnen, was konkret ist, als nach etwas zu suchen, von dem man nicht genau weißt, was es ist.

    Aber unter dem Strich heißt es, dass der Kampf auf Lebenskonzepte und Lebensräume gerichtet sein muss, in denen sich die immer unsichtbare Angst und Unsicherheit nicht auflösen kann. Suche nach einer individuellen Mischung aus festen Ritualen und Freiheit, aus machbaren Aufgaben und Freiraum.

    Zu dem Vorgesagten gehören für mich unbedingt ein paar Beiträge, die ich im Folgenden dazustellen möchte. Es handelt sich um eigene Texte von Ende 2016, die zu dem Thema auf dieser Seite passen, welches ich mit „unsichtbare Mühen“ betiteln möchte.

    Der erste ist ein Kommentar zu einem Buch mit dem Thema ADS bei Frauen, den ich nie gepostet habe, der zweite heißt „Game Out“, der dritte „ADS und Therapie“ der vierte „Angst“, der fünfte „Lachen“, der sechste „Wunder“, zuletzt eine Collage von 4 Postkarten, die in der Zusammenstellung ein neues Bild ergeben. Die Texte sind, außer dem ersten, allesamt als Briefe an meinen Therapeuten entstanden, und stammen aus einer emotional schweren Zeit.

    Ich hoffe, ich darf den Rahmen eines „normalen“ Posting sprengen. Ich bin sehr langsam und brauche lange, um überhaupt etwas sagen zu können und wenn ich es tue, dann zeigt sich, dass es (zu) viel ist, aber ich kann es unmöglich komprimieren, weil es sonst viel zu unvollständig ist. Dies ist das allererste Mal, dass ich einen Kommentar ins Netz stelle.

    Falls es mengenmäßig nicht hineinpassen sollte, werde ich die Texte an Frau Boekhoff, mailen und Frau Boekhoff, Sie dürfen diese auf Anfrage gerne weitergeben.

    1
    Kommentar ( verfasst im Frühjahr 2017 ) zu dem Buch „ADS bei Frauen“ von Autorin Ryffel-Rawag

    Der Anfang des Textes fehlt, ich habe vergessen, wo ich ihn hingeschrieben, abgelegt oder gespeichert habe

    Bevor ich erkläre warum, möchte ich folgendes vorwegschicken:
    Ich möchte die Problematik des ADS und das Dunkel, das es in das Leben der Betroffenen bringt, nicht kleinreden.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass alle ADS-ler wissen, wie sich eine Depression anfühlt oder zumindest immer wieder einmal „depressive Löcher“ haben.
    Ich möchte auch niemanden klein reden, der sich durch das Wiedererkennen von Leiden getröstet fühlt.

    Auch hat die Autorin mit Sicherheit durch Ihr gesamtes therapeutisches Wirken vielen Menschen helfen können. Ihr und allen Menschen sei Dank, die dabei mitwirken, die Existenz des ADS überhaupt ans Licht zu bringen und uns Betroffenen und der Öffentlichkeit näher zu bringen.

    Ich stimme aber mit der Verfasserin der Äußerung – das Buch sei nichts für „Freigeister“ -überein. ICh möchte noch einen Schritt weiter gehen und behaupte, dass alle ADS-ler aufgrund ihrer Konstitution ihrer Natur gemäß Freigeister sind oder es werden müssen, um ein erfülltes, zufriedenes Leben führen zu können. Einfaches Coaching, Anpassung daran, wie nicht ADS-er sind, ist nicht die ganze Lösung. Wir brauchen etwas Neues, etwas anderes für echte Integration. Und dieses Neue steckt in uns. Uns muss dabei geholfen werden, Vorreiter, Bewegende und Erfinder sein zu können!

    ADS ist keine Krankheit, sondern eine neurologische Konstitution, die eine Reizüberflutung bewirkt. Aus den Unmengen von Informationen, die in jedem Augenblick auf unser GEhirn treffen, werden nicht wie bei ADS-losen Menschen sofort die wichtigen ( = die gerade praktisch brauchbarsten) herausgefiltert und die restlichen aussortiert. Wir nehmen anders als andere Menschen ALLES gleichzeitig wahr. Deshalb ist der Begriff ADS (Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom) schon völlig falsch: eine ADS-lerin muss über eine viel bessere Konzentrationsfähigkeit verfügen und sich diese mühsam antrainieren, um die gerade praktisch wichtigen Informationen herauszufiltern und zu verarbeiten. Dies führt zu dem paradoxen Ergebnis, dass ADS-ler alltäglich an einfachen Aufgaben scheitern und im Gegensatz zu anderen Menschen große Schwierigkeiten haben, einfache Sachverhalte zu formulieren, sich andererseits wieder im Vergleich zu anderen Menschen, wunderbar auf eine Sache konzentrieren können, die sie sehr interessiert und auch für andere zu komplexe Aufgaben sehr differenziert lösen und komplexe Sachverhalte gut sprachlich ausdrücken können. Man spricht von Überfokussierung und Laserstrahl usw… Das ist aber der bei ADS-lern ganz normale alltägliche Fokus. Wir müssen immer das Unmögliche möglich machen, und oft gelingt es, und oft auch nicht. Wenn wir dabei Dinge bewältigen, die für nicht ADS-ler leicht sind, fällt es nicht weiter auf; wenn es etwas für nicht ADS-ler sichtbar Schwieriges ist, fällt es eben auf.

    Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass das ADS bei den Betroffenen mit einer großen inneren Unruhe einhergeht. Die Hyperaktiven schaffen durch den Ausdruck nach außen ein Ventil, bei den Hypoaktiven staut sich die Unruhe stärker und längerfristiger auf. In beiden Fällen fühlen wir uns – nicht zu Unrecht -unverstanden.

    2
    GAME OUT

    A. Gedankenfolge vom 03.12.2016

    Die Gedankenführung, die ich noch nicht aufgeschrieben habe, wurde angestoßen (gibt es ) seit ich Sylvestergespräche eines Sechsecks las, das für mich eine Offenbarung war, in der ich Mut und andeutungsweise eine Erklärung gefunden habe, die ich erst heute formulieren kann (Nach 30 Jahren! Apropos „verzögerte Abrufbarkeit von Wissen“ und „sein Anliegen nicht erklären können“. )

    Bestimmt ist dieses Buch in meinen Texten schon aufgetaucht, und in meinem Empfinden liegt in der Mitteilung einer Assoziation, eines Bildes, einer Musik gleichzeitig ihre/seine Erklärung, aber ich muss immer wieder feststellen, dass das in der Kommunikation nicht ausreicht. Es sind eben meine Assoziationen, die nur in meinem System einen Sinn ergeben. Das ist einleuchtend.

    Gleichzeitig fühle ich mich ständig so, als ob ich einen Witz sezieren muss, um ihn rüberzubringen. Deshalb ist Kommunikation so schwierig für den ADS-ler ( und für mich darin als HS-lerin). Sehr viel hat (noch) keine Worte, ist aber trotzdem wie Ausgesprochenes da, die Zeit reicht nicht, um für alle Bestandteile, die eine Aussage ausmachen, Worte zu finden. Also kann ich mich nicht mitteilen und werde, wenn ich es tue, entweder nicht verstanden, oder was ich herausbringe wird durch Unvollständigkeit gar falsch oder führt zu große Missverständnissen in der Rezeption. Und das alles ist peinlich, entmutigend, einsam…

    B. Ideenführung 04.12.2016
    I.
    Ich bin nicht übermäßig kreativ oder phantasievoll geboren, auch das Denken in Bildern ist möglicherweise nicht angeboren, sondern
    Im Laufe des Weges entwickelt, weil immer wieder das Unfassbare zu fassen ist
    Das Unmögliche möglich sein muss, die Lebensgefahr bezwungen werden muss
    Anfangs schaffen die Intelligenz, die Kräfte des Körpers, scheinbar unendlich viel, sie fangen auf und tricksen
    +
    und auch das Interesse an Dingen und die Begeisterung, die mitbedingt wird durch das besonders intensive Erleben, schafft einen Superfokus, der Geniestreiche vollbringt

    Je länger man das Gewicht tragen kann mit seinen Talenten, weil ich das solange konnte (z.B. die Tatsache, dass Wissen für mich nicht abrufbar ist dadurch ausgleichen zu können, alles immer im Kopf haben), desto schlimmer wird es. wenn es zusammenbricht.

    In all der Zeit, wo ich es tragen konnte, habe ich es versäumt, an den Unzulänglichkeiten zu arbeiten, zu üben mit „normalen“ Mitteln Ordnung zu halten und für mich sehr schwer zu koordinierende alltägliche Handlungsabläufe zu trainieren.
    Was ich dagegen mit der stetigen Erhöhung des Schwierigkeitsgrades lernen musste ( und das trifft mehr oder weniger auf alle ADS-ler zu), ist kreativ zu sein, Dinge von allen Seiten zu betrachten, immer neue Lösungswege suchen, Abkürzungen zu finden, Löcher stopfen zu können, improvisieren lernen, nach außen präsentierbar zu machen, was voller Katsche und geflickter Stellen ist. Nach innen musste ich lernen noch ausgeglichener zu werden, noch mehr Ruhe zu suchen, Bilder zu finden, um die Denk- und Fühl-(HS) Dimensionen aufzufangen. Begeistert zu bleiben, bzw. noch begeisterter zu werden. Immer noch offener, noch unvoreingenommener zu werden, noch toleranter mit mir und anderen zu werden.

    Zur Krux wird hier, wenn man wie ich zu vielseitig interessiert, begabt, begeisterungsfähig und geduldig ist.
    Ich habe dadurch viel Zeit gewonnen/verloren, dass ich sehr vielseitig interessiert bin, eine gute innere Balance habe, bescheiden bin, menschenlieb bin, einen starken Willen und Führungspotential habe , andererseits aber auch häuslich und treu bin und dadurch dass ich ein gutes Selbstbewusstsein besitze ( ich kann mich gut sehen und einschätzen, kenne meine Stärken und Schwächen) habe sowohl Selbstwertgefühl als auch Wertschätzung für andere Menschen, die (weitgehend) unabhängig von Wertungskriterien wie Schönheit oder anderen körperlichen Attributen, Alter, Talent, finanzieller Reichtum und Statussymbolen, Geschlecht, kulturellen Zugehörigkeit ist.
    Bei den Beispielen von Menschen, die als ADS-ler Großes vollbringen konnten ( hier bin ich sehr neidisch und hadere mit mir, dass es/ich mich anders geführt habe/führen musste) ging es deshalb auf, weil sie frühzeitig trotz guter Intelligenz in Vielem gescheitert sind – die ganz bekannten Beispielsmenschen hatten allesamt große Probleme in der Schule- und aufgrund eines einzelnen hervorstechenden besonderen Interesses/Begabung, also nur in einem Bereich entstehenden und hervorragenden Fokussierung, sich die Verfolgung eines „einseitigen“ bzw. auf eine Sache beschränkten Verwirklichungsweges bei Ausklammerung der anderen aufgedrängt hat und durch die Tunnelwirkung/Laserstrahl/Überfokussierung im Zusammenspiel mit Begabung, Interesse und Begeisterung der Erfolg gesichert war.

    Und es ist noch nicht einmal so, dass ich (und andere ADS-ler?) das alles schaffe(n), weil es eben geschafft werden muss.

    Kennen Sie die Geschichte des Vogels, den ein Kaiser sehr liebte, der nicht fliegen konnte und deprimiert war. Der König ließ Künstler, Zauberer, Ärzte, Heiler kommen, niemand konnte helfen. Das versprach der K eine Belohnung für denjenigen der es schaffen würde, den Vogel zum Fliegen zu bringen und glücklich zu machen. Aber niemand schaffte es. Eines Tages kam jemand, ( ein Kind, ein Bettler, natürlich jemand, dem man es am wenigsten zugetraut hätte) ist mit dem Vogel kurz allein, worauf der Vogel glücklich herumflattert. Auf die Frage, wie er das geschafft habe, sagt sie, ganz einfach, ich habe dem Vogel den Ast auf dem er saß abgeschnitten.
    Hierin steckt natürlich ein ganz schlichte Weisheit, eine Methode und Gedankenschritt, der nicht selten hilfreich sein kann.

    So ähnlich wie der Rat „lehne dich an Deine Grenzen und sie werden sich weiten“
    Oder „versuchen kostet nichts“ besonders wenn man „nichts mehr zu verlieren hat“ „learning by doing“ usw. usf.

    Was aber bei dem ADS-lern passieren kann und bei mir im Kleinen immer wieder passiert ist, eben das Unmögliche, das aber möglich sein muss, nicht zu schaffen und immer wieder nicht zu schaffen
    Immer wieder in einer lebensbedrohlichen Situation zu sein, die zu meistern ist.
    Und das „Eigen-Artige“ (Andersartige) ist, dass es sehr oft „zu viel“ ist, man überlebt nicht.

    „Game out“ Immer wieder im Großen und im Kleinen, sehr oft von sich selbst und anderen gar nicht wahrgenommen.
    Wo der Mensch in einem System ist, in dem es keine Entwürfe gibt: man kann das Leben nur einmal leben, da bin ich gezwungen, Entwürfe und Konzepte parallel zu fühlen und zu denken, immer wieder zu sterben, und immer wieder neue Leben zu beginnen.

    Der Mensch lebt in der einen Welt, die mir verschlossen ist, ich komme nicht rein, meine Welt ist ein Computerspiel, bei dem ich nicht weiß, vieviele Leben ich noch habe, bei dem ich nicht ausruhen darf, wenn ich sterbe, und bei dem ich nicht auf Überleben hoffen kann durch Weiterleben.
    Ich darf nicht Sterben, aber ich kann auch nicht Leben.

    Natürlich entwickelt man unter solchen Umständen Phantasie, erwirbt durch Übung (für andere) übernatürlich (scheinende) Fertigkeiten, Ideen, versucht noch konzentrierter, noch besser zu werden. Natürlich träume ich von der Freiheit, von dem Eingang in eine Welt, in der das anders ist, von der Welt in der es nur das eine Leben gibt, in dem die Probleme eindimensional oder vierdimensional ( aber eben nicht millionen-dimensional) in der Wahrnehmung sind, in der ich mich „auf die Reihe“ bringen kann, in der ich auf eine rettende Linie finde.


    3

    ADS verstehen heißt, seine Dimension zu begreifen.
    ADS erkennen bedeutet, sein Labyrinth zu durchschreiten.
    ADS behandeln heißt, Mensch und Umwelt als Einheit sehen.
    Helga Simchen

    „Es gibt kein Trauma, das zu meinem ADS geführt hat, ADS ist mein Trauma!“

    Um diese Erkenntnis haben sich die Gedanken in der vergangenen Nacht gerankt
    Die Intensität und Vielfalt war dergestalt, dass der zwangsläufige Verlust, die Unfähigkeit sie abrufbar zu haben, mich verrückt gemacht hat.
    Aus dem Verstehen haben sich in einer Kaskade von Anwendungen auf die verschiedensten Erlebnisse und Aspekte meines Lebens diese erklärt. Um dann in Worten wieder weg zu sein. Das folgende ist ein Zipfel des Ganzen:

    1) AUSGANGSFESTSTELLUNG:

    ADS ist nicht die Folge einer Beziehungsstörung zwischen den betroffenen Kindern und ihren Eltern, sondern ihre URSACHE, schreibt Frau Simchen.

    2) Ich würde diese Grundgefahr um Folgendes ergänzen wollen.
    Die Beziehung zu den Eltern prägt das ADS Kind, hier spreche ich insbesondere von mir, und als Tendenz kann man es glaube ich verallgemeinern: Das hs-Kind trägt die „Problematiken“ der Eltern aufgrund der HS wie „eigene“ in sich.

    3) Ich würde die Ausgangsaussage um ein weiteres ergänzen wollen:
    Die Talente, Verhaltensregeln und Bewältigungsstrategien, die ADS-Eltern ihren ADS-Kindern durch ihre Erziehung mit auf den Weg geben, sind einerseits eine enorme Hilfestellung, weil die „Andersartigkeit“ in dem Familienverbund eine „Normalität“ ist, (und diese Normalität ist schon eine Mischandersartigkeit), die sich in einer andersartigen Welt bewegt und sich darin integriert. Das gibt Kraft und Ruhe, Identität und ein Gefühl von besonderer Lebendigkeit, einer sehr interessanten und außergewöhnlichen Dynamik, die mir in anderen Familien nicht begegnet ist und von der ich auch immer wieder spüre, dass in der Öffentlichkeit Menschen mit Neugier, Freude, Erstaunen und ein bißchen Neid ob der offensichtlichen Intensität, Inhalt und Liebe schauen, insbesondere wenn wir zu viert sind, aber auch in Zweierkombinationen.
    ….

    4) der Ergänzung der Ausgangsaussage durch Punkt 3 folgt als Kehrseite eine weitere Ergänzung:

    Meine Eltern konnten mir durch ihre Erziehung nicht vermitteln und schon gar nicht vorleben, wie sich „normale“ Kommunikation anfühlt und auch in keinster Weise helfen, diese zu erlernen. Sie haben mir folgende Gefühle in der Kommunikation und für das Zusammenleben in einer Gesellschaft vermittelt:
    Höflichkeit, große (insbesondere bei Besuchen oder Besuchtwerden) Aufregung, Schüchternheit, Rücksichtnahme, Bescheidenheit/Überlegenheit/Minderwertigkeit ( diese Dreiergruppe gehört zwingend zusammen: ersteres folgt aus der Kombination und der Diskrepanz der anderen beiden Aspekte ) …

    5) Die Grundaussage in der etwas extremeren Form besagt: Das ADS, wenn es zu Totalüberforderung führt, ist nicht die Folge eines Traumas, sondern das ADS IST das TRAUMA, dass aus einer langen Serie von unsichtbaren Traumata erwächst.
    Es ist ein fast täglicher Burnout ( wenn man es denn bewusst fühlt), oder ein täglicher Umgang mit ständigen winzigen Burnout-Elementen, die man wahrnimmt und die eine verunsichern, die man aber nicht benennen kann außer durch: ich bin langsam, ich war abgelenkt, mein Gefühl ist plötzlich geschwankt, ich habe Tics, ich finde die Worte nicht, ich wollte etwas sagen, aber jetzt ist der Moment längst vorbei, ich verpasse Termine, ich vergesse so viel, ich bin durcheinander, ich habe Angst, ich fühle mich aggressiv, ich werde depressiv, mein Körper bewegt sich nicht wie er soll, mit meiner Motorik stimmt etwas nicht, ich vertausche Buchstaben, ich kann Dinge nicht sagen, die ich sicher weiß, ich habe solche Sehnsucht, ich fühle mich gefangen, ich bekomme Allergie, wenn ich verliebt bin, ich möchte mir gegen den Kopf schlagen, ich möchte um Hilfe schreien, aber wenn ich es tue, weil ich es nicht mehr aushalte, wird es nicht verstanden. Ich zucke und zittere nach einem echten intensiven Gespräch. Ich falle in Ohnmacht, wenn es zu aufregend wird. Ich fühle mich auch ohne in Ohnmacht zu fallen, oft in kleinen Alltagssituationen ohnmächtig, ich kann mich nicht wehren, ich kann mich nicht erklären, ich muss oft weggehen, um mich zu schützen, ich muss oft allein sein, um aus der Starre zu kommen, ich spüre viele Ebenen, die mich verwirren, wenn ich zu viel unternehme.

    Ein Bild für alle Unternehmungen: der Weg zur Tür, der sichtbar zehn Schritte weit ist, ist für mich hundert Schritte weit, weil sich vor jedem Schritt für mich zehn Hürden befinden, über die ich drüber muss.

    Ich bin jeden Tag auf vielen Ebenen gezwungen, das Langwierige anzugehen, oft, das Unmögliche möglich zu machen. Die Grundfähigkeit, die man als aus dieser Konstitution herauslebender lernen muss von Anfang an wie andere Menschen das Laufen, wie Fische das Schwimmen, ist es, zu Jonglieren, Phantasie zu entwickeln, einen siebten Sinn zu entwickeln, sich blind fortzubewegen phasenweise, sein Bewusstsein zu entwickeln und immer wieder wie ein Phönix aus der Asche aufzustehen, Löcher stopfen, Feuer löschen.

    6) Deshalb ist es eigentlich grundfalsch von dem ADS als von einem “Konzentrationsdefizit“ zu sprechen, oder auch von einer Schwäche „Emotionen zu steuern“ ( Deshalb habe ich mich nie darin erkannt, ich bin in meiner Wahrnehmung sehr viel konzentrierter als andere Menschen, muss und kann Emotionen viel stärker steuern) oder von einer Unfähigkeit „Gefühle“ aufzufangen, und sogar davon, dass ADS-ler nicht spontan sein können, wenn sie es sind, wird von starker Impulsivität gesprochen.
    Dies alles stimmt von einer bestimmten Wahrnehmungsposition ( der Sicht der sichtbaren Ergebnisse?) aus, der des „normal“-denkenden +-fühlenden Menschen, die den Großteil der Gesellschaft und somit des kollektiven Bewusstseins/Wertesystems/Wahrnehmung ausmachen, die natürlich auch in mir stecken. (Und sie stecken nicht nur deshalb in mir, weil das Kollektiv dies vorgibt, sondern, weil der menschliche Verstand, auch meiner, Phänomene nur innerhalb seiner begrenzten Fähigkeiten erfassen kann. Erst wenn ich sie auf diese Linie bringen kann, spreche ich von logischem Verstehen, außerhalb dessen bleibt es bei dem Wissen, dass man nicht mit Worten ausdrücken kann…der ADS-ler weiß Sachen, die er nicht abrufen kann, manchmal sind es Informationen, die man im ganz alltäglichen Leben praktisch benötigt und manchmal sind es Informationen, die anderen Menschen ihr Leben lang verborgen bleiben werden, auch diese sind nur begrenzt abrufbar, für den viel-Wahrnehmenden ist alles erst einmal gleichwertig und schwer voneinander zu trennen, s.u., im Idealfall ist man deshalb viel weniger unvoreingenommen, so fühle ich es bei mir, bei den meisten ADS-lern, die ich kenne, und ich meine, viele zu kennen, ist es im Ergebnis aber häufig umgekehrt, ich kann noch nicht sagen, woran das liegt, obwohl ich eine Ahnung habe.

    In Wirklichkeit, logisch betrachtet, ist gerade das GEGENTEIL der Fall. Ich bin Meisterin in der Steuerung meiner Gefühle. Ich muss es sein, weil ich mich in vielschichtigen Wahrnehmungsebenen bewege: Ich muss Gefühle steuern, die in Sphären, die mir unsichtbar sind, ausgelöst worden, aus Erlebnissen meines (Unter)bewusstseins, an die ich manchmal keine oder je nachdem, wie nah die Wahrnehmungsebene an der Oberfläche des Bewusstseins ist, eine mehr oder weniger verschwommene Erinnerung habe, oder ich habe die gedanklichen Erlebnisse bei vollem Bewusstsein erfahren, kann die Gedanken aber nicht mehr oder erst verzögert abrufen. Für mich ist das Grundgefühl, mit dem ich morgens aufwache, häufig überraschend. Wenn ich einkalkulieren will, dass es mir auf jeden Fall so oder so gehen soll, dann muss ich sehr vorausschauend, untersuchend und steuernd rechtzeitig Vorsorge treffen. Und ich muss improvisieren können für den Fall, dass das Gefühl mir einen Strich durch meinen Tagesplan macht, muss abschätzen, wie ich schnell damit umgehe, damit es sich nicht außerhalb meines Einflussbereichs weiter verselbständigen kann. Natürlich geht das im Großen und Kleinen auch immer wieder schief, aber aus der Vogelperspektive betrachtet, muss die Kraft immer größer sein, wenn man in der Lage bleiben will, einen einfachen Alltag zu meistern.

    Ich muss entscheiden, auf welche Gefühle ich in welcher Weise Einfluss nehmen muss: ich muss in einem komplexen Gebilde aus sich überschneidenden und über überlagernden Schichten, die sich in immer neuen Formen auch verschieben ( wie in dem Lied und dem dazugehörenden Video-Clip von Björk „Emotional Landscapes“) blitzschnell einschätzen, ich muss die Zukunft vorhersagen lernen, ich muss spüren, wie sich aufgrund des bestehenden Kaleidoskopes die Situation entwickeln wird, um zu entscheiden, an welchem Zipfel ich ziehen soll, um die Zukunft mitzubestimmen, um meine Entwicklung mitzubestimmen.

    Alles spielt sich mit viel mehr Variablen und viel schneller ab als in der Wahrnehmung der Menschen, bei denen im Gehirn einige dicke Wahrnehmungsbahnen in dem Bewusstsein automatisch Priorität vor den dünneren Wahrnehmungsmomenten haben, welche sich im Hintergrund halten, ohne die Notwendigkeit einer weiteren Beeinflussung.

    Vielleicht habe ich mich deshalb so lange in den Beschreibungen des ADS, wenn sie mir denn begegnet sind, einfach nicht erkannt. Weil sie eigentlich falsch sind.

    Es ist auch die Rede von „Überfokussierung“, von einem „Laserstrahl“ des Intellektes, wenn das Interesse und die Motivation an einer Sache groß sind. JA, weil es nur dann möglich wird, alles andere „auszublenden“ in der Wahrnehmung. Es ist keine „Über“Fokussierung , es sind die extreme Zuwendung, die besondere Konzentrationsgabe und die teils angeborenen/teils antrainierten Fähigkeiten: komplexes Denken, schnelle Auffassungsgabe, hohes Abstraktionsvermögen usw. (all dies findet sich in meinen Schulzeugnissen aus meiner Kindheit auch genau so formuliert) Es sind Fähigkeiten, die unter „Normalbedingungen“ , also dem Wegfall aller inneren und äußeren ExtremAblenkung (= Normalbedingungen für den normalen Menschen) zutage treten.

    Es ist immer wieder die Rede davon, durch die Reizüberflutung könnten ADS-ler so schwer Unwichtiges von Wichtigem unterscheiden. Auch hier liegt es anders: Wer entscheidet, was wichtig ist? Ich halte mich von Natur aus vorsichtig und so weit es geht unvoreingenommen in meinen Urteilen. Nur, weil die meisten Menschen „weniger“ wahrnehmen, heißt das nicht, dass unter den „unsichtbaren“ Dingen, nicht auch sehr viel „Wichtiges“ ist, dessen Wahrnehmung in der praktischen Evolution des Menschen verkümmert ist, weil es vielleicht in früheren Lebenskontexten nicht gebraucht wurde, oder weil die durchdringenden Aspekte vor Jahrtausenden zum praktischen Überleben wichtig waren, die heute aber zugunsten anderer entbehrlich wären.

    Das alles ist der Verstand des differenziert und viel Wahrnehmenden in der Lage, zu scannen, er muss dabei vielmehr in einem großen Arbeitsprozess „Wichtiges“ von „Unwichtigen“ nach ganz anderen und viel komplexeren Maßstäben selbstverantwortlich trennen.

    Vielleicht liegt an dieser Schnittstelle der Schlüssel für das Auseinandergehen von hypoaktivem ADS ( ich bin alles schuld! Ich muss die Probleme der Welt (=meine) lösen!, ich würde die Welt gern retten und fühle mich schuldig, weil es nicht gelingt!) und hyperaktivem ADS ( die anderen sind an allem schuld, wenn sie einsichtig würden, wären die Probleme der Welt (=meine) gelöst, ich muss sie –ihre Anschauungen- angreifen, ich muss die Welt retten!)

    7) Aufgrund der Ausgangsfeststellung kommt die Autorin (Frau Simchen) in dem Buch „die vielen Gesichter des ADS“ zu der These: die analytische Therapie ist ungünstig bei der Behandlung/Untersuchung des ADS. Ich sage dazu JEIN!
    Folgendes ist richtig: es ist wenig hilfreich, die Ursachen des ADS in bestimmten belastenden Erlebnissen zu suchen, da das ADS die Belastung selbst ist.

    Diese These muss aber beträchtlich modifiziert werden.
    Meiner Ansicht nach ist die logische Folge des ADS-Traumas:
    Die Notwendigkeit bzw. die Hilfe einer Analyse ist nicht aufgehoben, eine solche ist hier nicht ungünstiger, sie wird nur um ein Vielfaches komplizierter und vielschichtiger. Denn: Auch die Person, die vielschichtiger wahrnimmt, steht in Beziehung zu anderen Menschen. Gerade aufgrund des ADS ist die Störung von Beziehungen oder die Verirrungen darin geradezu vorprogrammiert und diese Beziehungsstörungen können sehr wohl psychologische Folgen haben, also zu Störungen führen, deren Ursache dann nicht mehr unmittelbar das ADS selbst ist, sondern der durch das ADS begünstigte Eintritt eines traumatischen weiteren sichtbaren Erlebnisses, das den ADS´ler in gleicher Weise trifft wie einen weniger vielschichtig Wahrnehmenden, bzw. diese Tatsache wird auch wieder verschoben durch die intensivere und vielschichtigere Wahrnehmung der Problematik.

    Der ADS-ler hat einerseits, glaube ich, eine viel größere Fähigkeit, sich selbst zu therapieren ( das Fehlen an einer Stelle ausgleichen durch Zugeben/Ersetzen einer Zutat aus einem anderen Bereich), ist aber andererseits, wenn die Fähigkeit nicht mehr reicht, in einer viel verzweifelteren Situation als der „Normal-Wahrnehmende“.

    Einmal, weil er die Dimension/das Ausmaß seines Problems ganz anders erfasst.

    Hinzu kommt, dass der therapie-hilfs-bedürftige Viel-Wahrnehmer grundsätzlich in der Erfassung seiner Problematik viel weiter ist als der Therapeut und ohne eine übermächtige unmenschliche Anstrengung, durch die er dem T die Parameter der speziell bei ihm vorliegenden ADS und der daraus resultierende Problematik nahebringen muss, die Therapie relativ aussichtslos ist.

    Theoretisch und idealerweise müsste der Hilfesuchende eine Psycho-Analyse schon präsentieren, um den Ausgangspunkt für die Frage-/Hilfestellung zu schaffen.

    8) Das bedeutet aber umgekehrt: Die Analyse erübrigt sich nicht, sie ist nahezu gerade die Vorstufe einer jeden Art der Therapie, also auch der systemischen Therapie.

    Gerade in der systemischen Therapie liegt eine gewisse Chance auf richtige Heilung, an die andere Therapieformen nicht heranreichen können. Denn sie betrachtet jedes System als Ganzes und will es in eine harmonische, ausgeglichene Beziehung zu seiner Umwelt setzen (ist das richtig?).

    Aber auch hier gibt es bedeutende Verschiebungen bei der Herangehensweise, denn mein System besteht faktisch aus vielen Systemen. Dies ist bei allen Menschen der Fall, aber hier sind wir wieder beim Thema Wahrnehmung. Im Regelfall gibt es eine Person mit einer Hauptwahrnehmung, die nebenbei auch durch die dünneren, aber vielfachen, Ströme des Unterbewusstseins beeinflusst wird. Bei mir ist es fast so, als ob es mehrere gleichberechtigte Personen in meiner Person gibt, die miteinander auskommen müssen.
    Ich muss schon deshalb verstärkt verschiedene Systeme in einem System berücksichtigen, weil ich diese wahrnehme und auch wahrnehme, wie sie sich gegenseitig beeinflussen, sie beeinflussen sich unter negativen Umständen schon deshalb anders, weil die Wahrnehmung in der Überforderung blockiert, Angst macht, und wenn ich die Kontrolle verliere, bin ich ausgeliefert, weil die Dimension so groß ist und zusätzlich weil ich es „nicht gewohnt“ bin, die Kontrolle nicht zu haben – denn, unter günstigen Umständen habe ich ja eine Wahnsinnsintuition und bin in einem magischen Fluss/Gleichgewicht.

    Ich bin also verzweifelt, muss aber, damit mir überhaupt geholfen werden kann, eine große Kontrolle haben, um mich vorstellen zu können und um mein Problem überhaupt greifbar zu machen.

    Da sind wir wieder bei der weitsichtigen und vorsorgenden Gefühlssteuerung.

    Man sucht ja gerade Hilfe, weil man die Kontrolle verloren hat und nicht steuern kann. Ich muss in dem Moment aber noch steuern können, weil sonst Hilfe nicht kommen kann.

    22. November 2016
    Wie sich die Angst anfühlt
    Das Gefühl, dass mir die Angelegenheiten – z.B. Arbeit, Liebesgeschichte, Therapie, Organisatorisches, Privates- und mit den dazugehörigen Gedankenketten und Entwicklungen und Gefühlen und Begegnungsansätzen – entgleiten. Dass ich es nicht zusammenhalten kann. (Die Angst berührt nicht meine Beziehung zu meiner Tochter, zum Glück, hier habe ich keine Angst, außer die, sie zeitweise zu vergessen, bzw., dass sich unser Tagesrhythmus verschiebt, dann entgleitet mir auch die Ruhe).
    Tiefe Erschöpfung.
    In meinem Bauch zieht es, ein seltsames Schwächegefühl darin, mich schwindelt, ich lasse Dinge fallen, manchmal beuge ich mich schief zur Seite, um nicht anzustoßen oder umzufallen.
    Kontrolllosigkeit verbunden mit Traurigkeit und depressiver Desorientiertheit, Sehnsucht nach Schlafen, nach Wind, nach Wasser, das sich über mich ergießt, manchmal ist es fast ein Durstgefühl, und nach Zärtlichkeit. Nach einem liebendem Blick. Nach Zuwendung ohne Redenmüssen, ohne Erklärenmüssen.
    Die Angst führt zu geistiger (manchmal auch körperlicher) Lähmung oder Verzögerung, was wiederum die Umstände potenziert, die Angst produzieren, es schaukelt sich hoch, bzw. ist wie ein Sog.
    Angst vor der Angst.
    Weil ich keinen Einfluss auf sie habe. Sie kommt und sie geht. Und wenn die Depression da ist, dann fühlt es sich so an, als wäre sie da, um zu bleiben, was mir auch logisch scheint, weil ich weiß, woher es kommt, Zeitmangel, und ich die Ursachen nicht beseitigen kann, da alles schon so günstig ist, wie es nur sein kann. Ich will auch nicht zurück, kann es auch gar nicht mehr, z.B. weg von der Arbeit, weil diese mir in der derzeitigen Situation mehr Ruhe gibt, ( an den Tagen, an denen ich so viel schaffe, dass ich gemessen an meinen Maßstäben zufrieden bin) und weil es gut ist, zu wissen, wo ich jeden Tag hingehen muss, und was zu tun ist. Das eigene immer wieder neu Programmieren eines Tages ist demgegenüber viel schwerer, und gerade dann nicht zu empfehlen, wenn ich emotional schon labil bin.
    Die Angst ist unterschwellig immer da, wenn ich mich im normalen Zeitkontinuum befinde, sprich in einem Alltag, in dem ich zeitlich das bewältigen muss, was alle tun. Das liegt in der Natur meiner Konstitution, weil meine Fähigkeiten nie so ganz reichen, bzw. oft zu weit gehen, und ich manchmal wegfliege. An den Tagen, an denen die Angst nicht depressiv ist, kann ich mich mit ihr arrangieren, da ist gleichzeitig eine Art Zuversicht, dass ich das tun möchte, was ich kann, und das es irgendwie reichen muss, einen Schritt nach dem anderen zu tun, wie Beppo der Straßenfeger.
    Aber ich kann diese Zuversicht ( meinen Sie so etwas, wenn Sie von „Vertrauen“ sprechen? Wem soll ich vertrauen? Ihnen? Mir? Oder worein? In meine Fähigkeiten? Die kenne ich. In Wunder? In mein transpersonales Ich? In andere Kräfte von außen?) nicht suchen, es gibt keinen Trick, sie zu finden.
    Der einzige Trick ist, das, was mein Inneres macht, anzunehmen.

    05.12.2016
    LEBEN – LACHEN – LIEBEN
    Leben ist Lachen. Es gibt kein Leben ohne Lachen. Und selbst in die traurigsten Momente schleicht es sich, möchte es sickern.
    Rir pra nao chorar
    Lachen um nicht zu weinen
    Auch das gehört dazu, obwohl es das Gegenteil zu sein scheint.
    Auf die Frage, wie ein hypothetischer Partner sein sollte, sagen viele Menschen, und das ist gar nicht dumm: er muss mich zum Lachen bringen können.
    Es erscheint unwahrscheinlich, dass sich eine Person in eine andere Person verliebt, bevor er sie hat lachen sehen.
    Nicht zu verwechseln: Es heißt nicht, dass man fröhlich sein muss, immer alles heiter sehen muss, und schon gar nicht, wenn man sich nicht danach fühlt. Und es heißt auch nicht, dass man zum Clown werden muss, der einen Witz nach dem anderen reißt.
    Witze sind in aller Regel gar nicht lustig! Und meistens geradezu geschmacklos.
    Aber die Situationskomik, die man in Witzen -für meinen Geschmack meist vergeblich- einzufangen versucht, ist lustig.
    Das Leben ist lustig, wir selbst sind lustig. Das Leben ist lustig sogar oder manchmal gerade dann, wenn es traurig ist, und es ist traurig auch wenn es wunderbar energiegeladen fröhlich ist.
    Wenn ich also mit jemandem über mich selbst, das Leben und über uns lachen kann, ist das etwas sehr Großes.
    Auch wenn ich alleine über mich lache und über andere lachen kann, ist es gut.
    Ein echtes Lachen kann alle Peinlichkeit, alle Kommunikationslosigkeit, alle Ausweglosigkeit aufheben.

    22.11.2016
    Fortsetzung des Textes Angst
    „Der einzige Trick ist, das, was mein Inneres macht, anzunehmen….“

    …Annehmen, was Inneres macht.
    Aufhören zu Kämpfen
    Aufgeben

    Befreiung
    Ja
    Aber im Fallenlassen ist Leicht-Sinn keine Option
    Kein Raum für Leichtsinn oder Resignation
    Fallen ist SCHWER
    Fallen ist Verantwortung

    Das Loslassen ist kein Ausruhen
    Es ist ein Annehmen in dem Bewusstsein der Gefahr
    Es ist ins Feuer gehen
    Mit Wachsamkeit
    Konzentration
    Und Kampfgeist

    Der Monsterhaftigkeit und dem Licht entgegen
    Der Weg ist unsichtbar und kompliziert
    „De noche iremos de noche, que para encontrar la fuente
    Solo la Sed nos alumbra, solo la Sed nos alumbra.“
    (Wir werden im Dunkeln wandern
    Um die Quelle zu finden
    Nur der Durst leuchtet uns, nur der Durst leuchtet uns. Taizé-Gesang)

    Manchmal große Angst
    Manchmal unüberwindbare Grenzen
    Kontrollverlust im Fallen
    Um es zu schaffen, um zu überleben
    Um aus dem Kampf lebend hervorzugehen
    Um dem zu begegnen, was mich befreien und leben lassen kann

    Ist ein WUNDER nötig

    Aber ich bin es, die das Wunder möglich machen muss
    Sonst wird es kommen, aber es wird mir nichts nützen

    Bisher habe ich schon viele Wunder erlebt, und zwei absolute Wunder
    Und jedes hat mir immer genützt, ein Stück weit.
    Und die absoluten haben alles gebracht, und immer den Tod und in dem Überleben das Grauen, eine lange Konvaleszenz und dann war ich auch ein Stückchen weiter.
    So viel Zeit habe ich nicht mehr, und, noch wichtiger, so viel Kraft habe ich nicht mehr.
    Ich brauche es, dass es als Ganzes kommt und dass ich es ganz zu nehmen in der Lage sein werde!

    Ich muss das Wunder möglich machen
    1 durch Bewusstseinserweiterung
    mein Bewusstsein ist schon sehr weit und so weit wie es kann, es ist an seinen Grenzen und ich muss eher aufpassen, dass ich nicht immer zu weit darin gehe

    ich muss es schaffen, eine Bewusstseinserweiterung auch bei anderen in meine Richtung anzustoßen

    2 ein Netz bauen
    durch Kontinuität und Training
    a) Menschen, zu denen ich gehen kann, wo Wärme ist auch ohne Verstehen, stattdessen Nachsicht und Geduld und Wohlwollen
    b) Äußere Hilfsmittel hinzunehmen
    – Ernährung ( ausprobieren, z.B kinesiologisch austesten)
    – Medikamente
    Ritalin, weiter ausprobieren, Dosis erhöhen oder regulieren
    Antidepressivum, das Serotonin-Mangel(Ungleichgewicht) ausgleicht, ausprobieren
    Oder vielleicht zuerst Einsatz von Adaptogenen, Bezugsmöglichkeit der pflanzlichen Heilmittel eroieren
    – Machbare Aufgaben gleichmäßig beibehalten
    Regelmäßigkeit darin, die Weitermachen zur Not auch ohne Nachdenken auch auf Autopilot ermöglichen, ohne dass die Erfolge des Arbeitskonstruktes einstürzen können.
    c) Brauche einen Menschen, in den ich tauchen kann, wenn ich nicht bin, weil ich falle, seinen Rhythmus spüren, durch seine Augen sehen, seinen Körper spüren, zeitweise getragen werden

    Hierin liegt Rettung,

    aber leider ACHTUNG!
    hierin kann sich eine noch größere Gefahr realisieren: Mich darin für immer verlieren
    immer darin verbleiben zu wollen
    = Sterben wollen

    Erst, wenn ich so stark bin
    Und so KLAR
    Mich nicht in der Liebe zu verlieren
    Und mir so klare Konturen geben kann
    Dass die geliebte Person mich sehen kann
    Wenn ich meine Unterschiede so vermitteln kann,
    dass ich mit dem anderen eine weitgehend unmissverständliche „Sprache“ finden kann
    dann wird der Raum für das Wunder offen sein
    vorher kann das Wunder nicht greifen. Es ist dann Himmel und gleichzeitig Tod.

    Ich brauche, ich muss mich dazu befähigen, dass ich aus dem Wunder L E B E N machen kann.

    Und um dahin zu gelangen, den Raum für dieses Wunder zu öffnen, braucht es auch ein
    W U N D E R.

    Immer weiter Suchen. Immer weiter Finden.
    Immer weiter den Weg der eigenen Ent-Wicklung gehen.


    Das Einfügen der Bilder klappt leider nicht.

    Alles Gute und liebe Grüße allen Lesern
    von Jenny

    1. Jenni, DU bist wirklich der Hammer!!!! Du Schreibst mir so aus der Seele…… Ein wirklich gaaaaaanz toller bewegender Text!!! Werde ihn sicher noch vielen Menschen zum lesen geben um mich zu verstehen… Ich bekomm das einfach nicht so kompakt :) hin.. Vielen Dank für diese Mühe!!!!! Danke!!!! Von HERZEN!!!!! NINA

  68. Hallo Frau Boekhoff,
    grade eben habe ich den Eingangsartikel gelesen und ich muss heulen, wie schon seid, weiß gar nicht wie lang. Ich kämpfe gerade mit Depression die ich mir „angearbeitet“ habe (und meiner Umgebung), aber ich komme nicht wirklich auf die Beine. In irgendeiner meiner Therapie-Sitzungen ist ein mal das Schlagwort „ADS im Erwachsenenalter“ gefallen und wurde nie mehr erwähnt. Ich bin jetzt in einer Arbeitserprobungmaßnahme und mit ADHS Mitschülern zusammengekommen. Ich erinnere mich an „die“ Therapiestunde, kurze Recherche, Ihr Artikel und booom.
    Auf ein mal scheint es Gründe dafür zu geben was ich fühle und was meine Alltagsprobleme sind. Mir ist immer noch nach heulen zumute, bin ganz schön aufgelöst, was nun?…

    1. Hallo Thommy,
      Sie fragen „was nun?“. Wenn Sie sich in dem Thema ADHS so wiederfinden, dann machen Sie sich auf den Weg, sich damit zu beschäftigen. Lesen Sie auf meinem Blog, holen Sie sich meine Videokurse, kommen Sie in den Schmetterling-Club. Es gibt Unterstützung und Aussicht auf Veränderung.
      Und bei vielen meiner Klienten verringert sich oder verschwindet die Depressivität, wenn sie anfangen, zu verstehen, wer sie sind, sich selbst anzunehmen und das Leben so zu gestalten, wie es zu ihnen passt.
      Herzliche Grüße,
      Birgit Boekhoff

  69. Das ist wirklich erstaunlich, der Beitrag (und viele andere Beiträge auch) trifft mich genau ins Mark! Auch ich bin Mitte 40, beschäftige mich aber erst seit kurzem mit dem Thema, gehöre allerdings zu den Langsamen. Ich erkenne erst jetzt, was mich die ganze Zeit so anstrengt, habe das immer auf äußere Umstände oder Ereignisse geschoben. Ich habe mich immer extrem angepasst. Privat und bei der Arbeit. Jobs habe ich gewechselt, wenn ich nicht mehr konnte. Freunde kann bzw. will ich nicht wechseln, aber ich merke immer öfter, wenn ich mich nicht anpasse funktioniert es nicht. Das macht mich sehr traurig, weil ich habe keine Kraft mehr. Ich hätte gerne einen Schalter zum umlegen, weil ich nerve mich oft selbst. Aber vielleicht lerne ich hier mich anzunehmen wie ich bin… Leider habe ich jetzt keine aufmunternden Sätze für euch. Hoffe das kommt noch!

  70. Als ich ein Kind war, hat mir die Botschaft „Streng dich mehr an“ wirklich sehr weh getan. In dem Blog habe ich mich wiedergefunden und mir wurde das nicht nur eingeredet, sondern ich wurde auch mit Strafen und Schläge dahingehend erzogen.

    Nach meinem mehrjährigen „Komplettausfall“ nach dem Abi (ich habe keinen blassen Schimmer wie ich das Abi geschafft habe) habe ich trotzdem angefangen mich noch mehr anzustrengen, professionelle Hilfe anzunehmen und an bzw. mit mir zu arbeiten.

    Heute trifft mich am Schmerzhaftesten der Vorwurf „Du bist zu sensibel“ – obwohl ich diese Sensibilität inzwischen „eigentlich“ als Geschenk empfinde. Vielleicht deswegen, weil es sehr schwer ist damit zu leben extrem sensibel zu sein. Oder sagen wir so, für die anderen Menschen ist es ein Problem wenn sie mit Gefühlen konfrontiert werden. Und manche reagieren scheinbar aus Hilflosigkeit mit Vorwurf und Aggressivität. Die Beherrschung von Gefühlen kostet Unmengen an Kraft und selbst dann ist man für andere Menschen schon untragbar.

    Mir ist gerade beim Schreiben ein interessanter Gedanke gekommen. Schön wäre, wenn man dem Vorwurf so begegnen könnte:
    „Ja, das ist wunderbar!! Kannst DU damit etwa nicht umgehen?“
    Oder so ähnlich =)

    Lieben Gruß, Carina

    1. Hallo Carina,
      ja, das ist ein guter Gedanke. Was wäre, wenn Sie (und alle anderen, die dieser Satz betrifft) den Satz „du bist zu sensibel“ nicht als Vorwurf auffassen, sondern als Tatsache, dazu stehen und dann antworten „Ja, das stimmt, ich bin sehr sensibel.“ Ohne eine Wertung oder Verteidigung.
      Wenn wir unser Sein für uns selbst annehmen, dann können wir auch dazu stehen. Ja, ich bin sensbiler als andere Menschen. Na und?
      :-)
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  71. Ein wunderbarer Artikel! Der erste Arzt, der mir gegenueber anerkannt hatte, wie sehr man sich mit ADHS anstrengt, war ein wunderbarer Psychoanalytiker aus Frankfurt…Wahrlich kathartische Gefuehle löste das aus…Heilsam…

    1. Ach seufz…… so geht es doch wohl fast allen Betroffenen. Ich muss mir dauernd von meiner Chefin anhören, ich sollte zusehen wie ich mich „noch besser organisieren“ kann“ und noch besser und noch besser….- ich organisiere mich noch eines Tages zu Tode! :-/ Und egal wie sehr ich mich anstrenge, irgendwas vergesse ich immer, und dann kommt sie mit ihrer doofen To-do-Liste, die ich täglich führen soll und kriegt einen Fön, weil ich einfach ab und zu in Zeitfalten falle und bis zu 15 Minuten zu spät da bin (was gar keinem schadet, denn ich bleibe dafür ja auch länger und verpasse nix) oder weil ich mal vergesse den Aktenschrank abzuschließen oder den Rechner runter zu fahren…. – keiner sieht wie sehr man sich den ganzen Tag anstrengen muss, damit das NICHT passiert! Die Kolleginnen verstehen das auch nicht, obwohl alle Sozialarbeiterinnen sind…
      Sie haben mir Checklisten geschrieben und keine begreift, dass es Tage gibt an denen man als ADSler einfach vergißt auf die Checkliste zu gucken :-/
      Was ich mir deshalb wünsche ist ein weniger langer Text, sondern eine Professionelle Kurz-Information in gut lesbarer Schrift auf maximal einem (!) DIA-4 -Blatt, die den Kollegen (und vor allem Vorrgesetzten!) erklärt, dass Menschen mit ADHS sich so sehr sie sich auch anstrengen einfach IMMER irgendwas vergessen, liegen lassen und sich das nie ändern wird und das eben nicht so ist, weil ihnen alles egal ist! Im Gegenzug dafür mögen sie doch bemerkt haben, dass Betroffene meist fachlich versierter sind als die Kollegen, weil sie schon früh gelernt haben, dass sie in ihren Leistungen und ihrem Wissen einfach besser sein müssen als andere, damit sie ob Ihrer Schwächen am Arbeitsmarkt überhaupt bestehen können. Von einem Einbeinigen würden sie nie einen Hindernislauf verlangen :-/ aber es mangelt ihnen einfach an Vorstellungskraft dafür dass ein intelligenter Schnelldenker gleichzeitig soooo vergesslich und flüchtig sein kann.

  72. Ihr lieben Menschen!!!
    Es tut so gut, von euch zu lesen. Gleichgesinnte. Ähnliche Erfahrungen. Danke!!!
    Mir hilft bei dem Gefühl von Überforderung seit langem folgender Satz:

    „Ich gebe mein Bestes, und das genügt.“

    Oft arbeite ich auch mit dem Satzanfang: „Es ist okay, dass…“ (z.B. Es ist okay, dass ich mich heute überhaupt nicht aufraffen kann und nur im Bett liege. Ich brauche eben eine Pause. oder: Es ist okay, dass das Geschirr in der Küche seit 5 Tagen nicht gespült ist. Ich hatte andere, wichtigere Dinge im Kopf. usw.).

    Wenn ich eine Routineaufgabe erledigen möchte, wie Aufräumen, Spülen, Ausmisten, Putzen usw. oder größere Projekte, wo kein Ende in Sicht ist, hilft mir der Gedanke: „Mit kleinen Schritten gehe ich voran. Stück für Stück.“ oder auch „Schritt – Atemzug – Besenstrich“. Das erdet mich.

    Am Schlimmsten ist doch die Selbstüberforderung durch unrealistische Ansprüche. Es ist unrealistisch wenn wir denken, wir könnten das Leben der Anderen leben. Das Leben der Nachbarn, der Freunde und Bekannten ohne ADHS. Jeder lebt eben sein eigenes Leben. Wir können täglich üben uns selbst zu lieben so wie wir sind. Wir dürfen uns lieben und gut zu uns sein. Auch dann wenn andere uns nicht verstehen können. Wir sind nicht faul. Wir strengen uns an. Mit kleinen Schritten Tag für Tag.
    Wir geben unser Bestes, so wie wir sind, und das genügt.

  73. MIr (46 Jahre alt) ging’s und geht’s auch wie den Betroffenen, die hier geschrieben haben.

    Bei mir hieß der Satz, den ich als Kind immer zu hörne bekam: Jetzt mach doch mal. Jetzt setz‘ dich doch mal hin und fang endlich an.
    Seit zehn Jahren habe ich eine feste Stelle bei einer Forschungseinrichtung. Of tbin ich mit meine Aufgaben deutlich in Verzug oder schaffe sie nicht. Seither höre ich ständig: Mach doch einfach. (Das ist der schlimmste Satz. Als ob es so einfach wär.)
    Streng dich mehr an.
    Setzt dich einfach hin und fang an.

    Aber mein Gehirn hat da so seine eigenen Vorstellungen.

  74. Es gab Zeiten, in denen wollte ich tot sein, weil ich so bin wie ich bin.
    DISIPLIN – wurde auch mir ständig vorgehalten, ist, was mir angeblich fehlt. Dabei strenge ich mich auch so an – ständig – den ganzen Tag, viel zu viel, und bräuchte dabei mehr bewußte Pausen, doch ich habe nicht gelernt, wie das geht, Pausen machen.
    „Aus Dir wird sowieso mal nichts“ habe ich als Kind von meinem Vater oft gehört, er meinte es vielleicht nicht so, doch es traf mich gewaltig – bis heute.
    Ich bin jetzt 51 Jahre alt und habe letztes Jahr in Bremen die ADHS Diagnose bekommen – wußte es schon lange. Viele können damit immer noch wenig anfangen, weil gerne viele Schwierigkeiten – besonders mit Kindern – in diese noch für die meisten wenig greifbare Schublade gesteckt werden, um eine Erklärung zu finden.
    Dabei brauchen Kinder mit AD(H)S einfach nur ganz viel Liebe, Aufmerksamkeit und Angenommen sein, so wie sie sind….und die Aufgaben, die zu Ihnen passen – und Zeit für sich! Und ab da könnten meiner Meinung nach viele Medikamente weg bleiben.
    Aber das ist eben unbequem – und anstrengend für Eltern, die vielleicht ihren Alltag und den der Kinder anders haben wollen.

    DANKE für diese tolle Plattform, liebe Birgit Boekhoff, für mich sind Sie ein Engel!

    Ich möchte allen „ADHS“lern von ganzem Herzen Mut machen, uns so zu lieben und anzunehmen, wie wir sind, unsere Schwierigkeiten mit Humor an die Hand zu nehmen und das Glück zu sehen, dass wir immer wieder intensiv spüren und verbreiten dürfen. Wo viel Schatten, da auch viel Licht! Diese schönen Kontraste, die wir in´s Leben auch der „anderen“ bringen, sind schöne und wichtige Bereicherung zu all dem vielen Grau!

    Lasst Euer Licht scheinen! ; ))

    1. Hallo Kara,
      vielen Dank für die Blumen :-)
      Es freut mich, wenn ich mit meiner Arbeit dazu beitragen kann, dass Sie sich annehmen und Ihr Licht scheinen lassen können!
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  75. So weit ich zurückdenken kann, war mein Vater stets der Perfektionist, was er mir auch täglich „eintrichterte“ und massiv einprügelte…..ich mußte immer ein Vorzeige-Kind sein (Konservatorium ab dem ca. 5ten Lebensjahr u.s.w. ….riesen Talent…..Privat-Klavier-Lehrer…weiterer Drill…). Ich wurde, fällt mir grad so nebenbei ein, auf dem Weg zur Schule (in Begleitung meines Vaters), mal fast von nem VW-Bus überfahren (Hampelei an der Straße)….mein Vater war stink-sauer….redete keinen Ton, Zornesröte, Rückkehr nach hause….auf dem Weg dort hin, bettelte ich ihn heulend an, mir nichts zu tun….aber, wie immer, ich wurde so heftig und so lange verprügelt, bis ich am Boden lag und nicht mehr „kriechen“ konnte…inmitten meiner „Angst-Pippie“….bis zu meinem 16ten Lebensjahr ging das so….dann entlud sich meine Wut und ICH ging auf IHN los!!! Damit war das Thema dann durch….!!!! Bis vor ca. 3 Jahren war ich das „ober-kontrollierte Wesen“, das z.B. ALLE Tics „deckelte“ und es haßte, wenn diese oder jene Merkmale bei meinen 3 Jungs (alle ADHS….allerdings Waisenknaben, im Vergleich zu mir :-) ) zu erkennen/zu sehen waren. Mein jetziger Freund (seit 4 Jahren), hat mich dann, Stück für Stück, in monatelanger „Mörder-Arbeit“, auf MEINEN eigentlichen „Normal-Zustand“ gebracht!! Er hat sich IMMER auf meine Tics eingestellt…. (meine Kumpel „ziehen“ übrigens alle mit :-)!…die Ärmsten…) Durch meinen Freund habe ich Dinge/Vorgänge endlich verstanden (z.B. das „Lesen“ des Kompasses), was mein Vater immer versuchte, mir x Male einzuprügeln! Mit 45 Jahren löste ich meine ERSTE Minus-Aufgabe RICHTIG (Mathe-Legastheniker)! Mein Freund freut sich, mit mir zusammen, über jeden kleinen Schritt vorwärts….wir haben mindestens schon 1000 Liter Freuden-Tränen vergossen….Mein Freund ist ein Engel, der zu mir geschickt wurde, sage ich immer…ich glaub, das kann sich niemand vorstellen, wie „FREI“ ich JETZT bin!!!! Diese Freiheit hat meinen Freund nicht nur 30 kg an Gewicht gekostet, auch unzählige Nerven….und ich hab, noch längst nicht, ALLES im Griff……deshalb und weil ich mich ganz oft selber total annerve (Dauer-Sucherei nach ALLEM irgendwie….verbale, mir völlig unbewußte, Entgleisungen („Seelen-Hackeklotz“) gegenüber meinem Freund z.B. …..er ist 10 Jahre jünger, aber ich werde ihn, ganz locker-flockig, überleben, wenn ich mein Verhalten teilweise, nicht ENDLICH „auf Reihe“ bekomme! Es nervt mich! Ich nerve mich selber!!!! Ich hatte erst gedacht, weil ich so viele Dinge, mit ganz viel Hilfe, Zeit und Liebe meines Freundes, zum Positiven „gedreht“ habe, daß ich quasi den „Rest“ auch noch „wuppe“, aber…..ne…..deshalb: Coaching!!!! Jetzt oder nie!!!! Also: JETZT!!!! LG

  76. Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen.

    Ich konnte, mal wieder, einen neuen Aspekt im Zusammenhang mit ADS entdecken. Die Wißbegierigkeit, die Neugierde, das Interesse an Allem und Jeden und das Hinterfragen aller Dinge, um alles zu verstehen, das Betrachten von allen Seiten . Jetzt verstehe ich, dass viele das nicht nachvollziehen können. Oft höre ich: „hinterfrag doch nicht immer alles, nimm doch einfach mal was hin“. Ich habe mich oft gefragt, was falsch daran ist – und warum nicht jeder das Bedürfnis hat alles verstehen zu wollen.

    Bezüglich der unermeßlichen Anstrengung den Alltag zu bewältigen habe ich den Versuch gemacht mich bei meinem Chef zu outen mit dem Ziel, dass er versteht, dass vieles für mich dadurch einfach anstrengender ist. Die Frage ist, KANN das überhaupt jemand verstehen, der nicht selbst betroffen ist???? Mehr Verständis in Streßsituationen hat es mir auf jeden Fall nicht gebracht.

    Je älter ich werde (oder je mehr Erfahrungen ich mache?/oder je mehr unverarbeitete Emotionen sich ansammeln? ), umso schneller machen meine Nerven schlapp. Ich kann nicht mehr so gut kompensieren, ich kann eigentlich gar nicht mehr. Der Arzt schreibt einen sofort krank (anstatt einfach nur mit dem Finger zu schnippen und alles ist wieder gut). Krank will ich nicht sein. Ich muss doch arbeiten. So werde ich meinem Leistungsanspruch nicht gerecht. Und je länger ich krank geschrieben bin, desto schwerer fällt der Weg wieder zur Arbeit hin. Unendlich schwer. Da braucht es wohl mal wieder einen neuen Job ;) ….

    Danke für den Raum sich mal ein bißchen frei zu schreiben. Ich wünsche allen ein locker-leichtes Leben in Gelassenheit. LG

  77. Hallo Ihr Lieben !
    Ich habe meine Diagnose (vor ca.20 Jahren) im Rahmen der Testungen meiner Söhne bekommen.
    An dieser Stelle habe ich nur einen Tipp: Je älter man bei der Diagnose bzw. dem Verdacht auf ADHS ist, um so intensiver sollte man überlegen, ob man wirklich in einer Therapie alte Wunden aufreissen sollte.
    Ich persönlich halte Selbsthilfegruppen und eventuell auch ein Coaching, für viel sinnvoller. Es geht doch -wie heute überall angepriesen- ums HIER und JETZT !
    Wir sind doch erwachsen und haben uns schon jahrelang mit unseren „Problemen“ arangiert.Jetzt brauchen wir doch „nur noch“ praktischhe Tipps“.

    Ich wünsch Euch Allen viel Erfolg!
    Marlene

    1. Hallo Marlene,
      danke für Ihren ermutigenden Kommentar. Das Hier und Jetzt ist wichtig. Denn im Hier und Jetzt entscheidet sich unsere Zukunft. Wir können jeden Tag etwas anders machen als am Tag zuvor, sodass dann unsere Zukunft anders wird als unsere Vergangenheit.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  78. Ich bin sehr intelligent und sehr lernfreudig und begeisterungsfreudig und besitze eine gute Auffassungsgabe und das war während meiner Schulzeit mein Glück: Entweder ich war in der Lage zu hyperfokussieren oder aber ich bekam trotz allem rundum immer noch genügend mit um locker mitzuhalten. Natürlich war auswendig lernen völlig unmöglich, bis heute kann ich mir hauptsächlich die unnötigen Informationen merken, z.B. wie meine Lernkärtchen aussehen (Papierbeschaffenheit, wo ich stärker mit dem Stift aufgekommen bin, Kleckse, Farbe, wie viel Text). Aber mit abgespeicherten Zusammenhängen und viel Phantasie habe ich es ausser in den Fremdsprachen überall geschafft mich durchzumogeln.
    Und trotzdem habe ich diesen Satz vonwegen Anstrengen häufig gehört und er hat mich fast noch mehr verletzt, weil er oft nicht meine Leistung sondern meine Persönlichkeit betraf. Dass ich anders bin ist mir schon früh aufgefallen und den Pädagogen vielleicht noch etwas früher, schon im Kindergarten musste ich feststellen, dass ich mit meinem Verhalten nicht genüge. Immer wieder hiess es, dass mein Verhalten nicht altersentsprechend ist und spätestens ab meiner Teeniezeit hörte ich oft, dass ich mich halt anstrengen muss, dass ich erwachsen werden muss, dass ich mich anpassen muss. Das zog sich durch bis ins junge Erwachsenenalter und wurde eigentlich immer schlimmer, weil immer mehr auffiel, wie anders ich tatsächlich bin (ich hüpfe statt zu gehen, ich spiele den Clown, ich bin chaotisch, ich kann nicht stundenlang stillsitzen, ich träume herum, ich tue was mir gerade einfällt und das sofort). Das grösste Problem ist wohl meine Emotionalität bzw. dass ich meine Emotionen nicht besonders gut regulieren kann und wenn ich erschöpft oder unter Hochspannung bin erst recht nicht.
    Als die Diagnose ADHS kam, waren meine Eltern und ich doch ziemlich erleichtert, weil es einfach total viel erklärt hat. Wie es dazu kam? Ausserhalb des geschützen Rahmens der Schule war ich mit dem Leben und den Anforderungen an eine erwachsene Person völlig überfordert und der Arbeitsalltag hat mich so gelangweilt (total eintönig) und gleichzeitig überfordert (ich war so abgelenkt und unkonzentriert und machte ständig Flüchtigkeitsfehler und wurde ständig gescholten), dass ich fast permanent unter Hochspannung litt und eigentlich am liebsten davon gelaufen oder gestorben wäre.
    Inzwischen habe ich einen anderen Job, an dem ich meine Kreativität ausleben kann und den Tagesablauf weitgehend selbstständig und spontan gestalten kann (ich muss nur selten etwas, dass ich nicht will) – jetzt macht mir Arbeiten auch oft Spass und ich bin echt gut darin. Trotzdem genüge ich auch jetzt noch oft den Anforderungen der Welt an junge Erwachsene nicht (Gleichaltrige, Arbeit, Alltag), gerade wenn es um meine Persönlichkeit und mein Verhalten geht, dabei gebe ich bereits mein Bestes, mehr kann ich nicht.
    Dabei finde ich mich eigentlich ganz liebenswert, gerade durch mein Anderssein habe ich auch viele echt tolle Eigenschaften an denen ich Freude habe. Und zum Glück habe ich einige echt coole Freunde gefunden, die finden, dass ich es wert bin über meine Schwächen hinwegzusehen und mich so gern zu haben, wie ich bin. Auch wenn es für sie echt nicht immer einfach ist und ich sie (und damit umso mehr auch mich) oft zu Verzweiflung bringe. Weil ich weiss, wie schwer es manchmal ist, mich zu ertragen, bin ich nur umso glücklicher über die Beziehungen, die sogar ich nicht kaputt kriege.

    1. Liebe Lili,
      das hat sich genauso wie meine Geschichte gelesen.
      Was für einen Job hast du gefunden in dem du quasi so sein kannst wie du es brauchst?
      Ich suche noch und bin schon völlig am Verzweifeln…
      Liebe Grüße Sandra

      P.S.: ich bin 48 Jahre alt und habe meine endgültige Diagnose leider erst seit letztem Jahr. Klar war mir das schon länger, aber es hatte eben noch keinen Namen.

      1. Ich habe den wohl ungewöhnlichsten Job abgekriegt, den ein ADHSler bekommen kann und es ist allen inklusive mir immer wieder ein Rätsel weshalb ich ihn dennoch so gut hinbekomme. Ich arbeite nach einem Praktikum, in dem ich alle überzeugt habe, als Sozialpädagogin i.A. in einem Kinderheim. Und ich liebe diesen Job, weil ich jedes einzelne meiner Kids von Herzen lieben kann. Dass ich weiss, wie es ist anders zu sein, hilft mir hier enorm die Kinder zu verstehen und ihnen das Gefühl zu geben trotz oder gerade wegen dem wertvoll und liebenswert zu sein. Dass ich nicht ganz so erwachsen bin, wie ich sein sollte, hilft mir gerade das Vertrauen derer zu gewinnen, die Erwachsenen nicht vertrauen. Meine Kreativität hilft mir in schwierigen Situationen Auswege zu finden, auf die andere nie kommen würden. Ich habe immer irgendeine Idee um die Kinder zu beschäftigen und kann die tollsten Geschichten oder Lieder erfinden. Mein Gerechtigkeitssinn hält meine Impulsivität den Kindern gegenüber völlig in Schach. Ich bin mit Kindern der geduldigste Mensch auf Erden und ich habe keine Ahnung weshalb. Schon als Kind habe ich nie einem Schwächeren Leid zugefügt, im Gegenteil, ich habe mich hingestellt und die Schwächeren verteidigt. Das mache ich heute noch, ich bekämpfe das Leid, das Kindern angetan wird und ich verteidige sie und stehe für sie ein. Ich weiss, dass das nicht für jeden etwas ist und dass vermutlich viele ADHSler in meinem Job mehr Verwirrung stiften würden als den Kindern Sicherheit zu geben. Aber bei mir funktioniert es einfach irgendwie, keine Ahnung.

    2. Ich habe das gerade gelesen, musste schön schmunzeln…fühle mich davon so angesprochen. Auch ich konnte und kann mir beim Lernen hauptsächlich die „unwichtigen“ Dinge merken. Die Länge eines Textes, auf welcher Seite der steht, welches Papier, die Schriftart…etc. Es fällt mir so schwer zu telefonieren. Ich habe immer das Gefühl die Hälfte zu verpassen. Schreiben ist so viel besser oder Face to Face. Ich brauche das Gesicht dazu, die Mimik, die ich lesen kann wie andere ein Buch. Ich spüre feine Nuancen in Stimmungen, nehme das alles wahr und bin deshalb bei mehr als vier Menschen an einem Tisch nicht mehr in der Lage einem Gespräch zu folgen. Ich schaffe es nicht alle Reize unter einen Hut zu bekommen und muss mich wahnsinnig anstrengen um einer Person unter den vielen mein Ohr zu leihen. Andererseits kann ich mich aber unter tausenden von Menschen „wegbeamen“. Ich höre nur noch Musik und tanze, auf Festivals zum Beispiel. Da schaffe ich es mich mit der Musik zu vereinigen und bin ganz bei mir, höre die anderen nicht mehr. Ich bin recht intelligent und habe wohl deshalb Abi und Studium ohne großen Lernaufwand geschafft. Meine Eltern sagen noch heute „jetzt überleg mal du hättest dich angestrengt, wie gut du gewesen wärst“. Ich habe das Abi gerade so geschafft. Es war mir aber egal. Ich bin nicht wirklich zukunftsorientiert. Mir ist es wichtiger jetzt im Moment glücklich zu sein…was später sein wird kann ich mir kaum vorstellen. Das verstehen die meisten nicht. Für sie sieht es wohl aus als sei ich gleichgültig und unmotiviert.
      Ich schaffe es auch nicht den Haushalt zu erledigen. Das ist für mich so unwichtig…ich bemerke erst dass ich wieder waschen sollte, wenn ich keine Unterwäsche mehr habe. So in der Art ;)
      Statt dessen gehen mir tausend Gedanken im Kopf herum. Ich hinterfrage alles…ich will alles was mich interessiert genau wissen, ganz genau. Ich recherchiere stundenlang, tauche tief in die Materie ein. Ich kann mich locker mit meiner Freundin (Medizinerin) über Fachthemen aus der Medizin unterhalten, weil ich so interessiert daran bin, auch als nicht-Ärztin. Nur als ein Beispiel… Andererseits schaffe ich es nicht, den Müll raus zu bringen bevor er zu stinken beginnt. Ich denke ich bin auch ungeeignet mit jemandem zusammen zu leben. Ich bin verheiratet, habe zwei tolle Kinder…und werde jetzt in eine eigene Wohnung ziehen, weil ich so viel Ruhe brauche und weil ich mit meinen Eigenheiten immer Unordnung fabriziere. Mein Mann legt so viel Wert auf Sicherheit, auf das Durchdenken aller Eventualitäten. ..und ich bin impulsiv, mache sofort, aus dem Bauch heraus.
      Ich bin 38, habe keine Diagnose. Aber fühle mich so dermaßen angesprochen :)

  79. oh Gott! Hier bin ich wohl unter meines gleichen! Bin heut 43. Vor etwa 20 Jahren stellte mein Hausartzt ADHS und eine IQ von 136 bei mir fest. Von da an wusste ich was mit mir mein ganzes Leben lang nicht gestimmt hat. Warum ich anderes Denke, Fühle und aggiere als andere menschen. Nun ja. ich musste schon als Kindergartenkind mit meinen Andersartigkeit umgehen lernen. Schon damals ist es mir aufgefallen dass irgendwas nicht so ist wie bei den anderen. sei es drumm! Das Leben ist für uns leicht bekloppten, lebensfrohen, für jeden Späßchen zu habenden hyperaktiven kann sooo schön sein wenn man drauf pfeipft was den anderen, also den normalos nicht passt an meinen Verhalten. Wenn die nicht in meine Tempo Denken und arbeiten können, ist doch nicht mein Problem! Ich habe gelernt ein dickes Fell anzulegen. mann besser gesagt, frau ist do so allein in der Welt. Also gilt, friss oder stirb.. Freunde zu finden ist nachezu unmöglich. denn gleichgesinnte gesellen sih gern… Doch woher nehmen? Heute bin ich in der glückliche Lage echte Freunde zu haben, mit denen ich auf der gleiche geistige Ebenene kommunizieren kann. Es sind nur eine Handvoll Meschen, doch sie sind alle meine echte Freunde, mein Lieblingsmenschen ;) . Und meine ADHS kommt mir auch zu gute bei der Erziehung meine beiden Kinder. Beide sind Hochbegabt, ihren intrinsische Motivation ist unersättlich, sind lebensfroh und volle Tatendrang. Ich weiss, wie sie denken und fühlen, was sie beschäftigt und kann sie in ihren Entwicklung gut unterstützen. Auch bei meine Erkrankung mit der Arthrose in der Wirbelsäule ist meine ADHS von nutzen. Aufgrund der vermehrten Adrenalinproduktion kann ich die Schmerzen relativ gut – ohne ständig zugedröhnt zu sein von medikamenten – aushalten. Das was mich aber wirklich stört ist das Schubladendenken, Unwissenheit und Arroganz der Normalos. Deren Neid, wenn die mir sagen, bin zu schnell in allem was ich tue, ich solle langamer machen, lass ich gelten als absolute Anerkennung meine Überlegenheit denen gegenüber. Na! Das klingt jetzt sicherlich arrogant! Nicht doch! Selbstbewusst! ;) Was mir am meistens an mir nicht gefällt ist diese bekloppte Legasthenie! Muss das denn wirklich sein? Reicht nicht dass ich der deutsche Sprache nicht als Muttersprache habe und mit der Grammatik kämpfen muss? Aber Legasthenie kann auch mal lustig sein wenn man sich verspricht oder verliest. Na, wie dem auch sei, ich möchte eigentlich doch ein wenig Mut machen! ADHS zu haben ist nicht zwingend eine Strafe!! Wir sind so gut wie wir sind! Denn wir wissen was wir können! Ich kann nur noch sagen, Menschen, die mir nicht gut tun, haben in mein Leben auch nichts verloren….
    Alles gute wünsche euch .
    MFG
    Eva

    1. Hallo Eva,
      vielen Dank für deine Worte.
      Nicht nur der Ursprungstext trifft auf mich zu, sondern alles was auch du beschrieben hast. Bin jetzt 40, ADHS Diagnose seit 3 Wochen und ein IQ von >130. Das Rätsel hat endlich eine Lösung, zumindest erklärt es vieles in meinem Leben.
      Dennoch ist mir nun klar … ich such meinesgleichen um endlich Austausch auf Augenhöhe zu bekommen, sich auszutauschen, nicht zu erklären, sich zuhören und nicht zu verurteilen… sich nicht verstecken zu müssen, keine Ausreden oder Entschuldigungen zu erfinden …
      Leider habe ich noch nicht den Mut so zu denken wie du. Viel ist im Elternhaus auch schief gegangen, daher arbeite ich erst jetzt daran.
      Es freut mich, dass du auf Freunde zurückgreifen kannst. Ich bin noch auf der Suche.
      Also, danke nochmal.
      LG
      Ina

  80. Ich finde mich und meine Kinder zu 100% wieder!
    Hätte ich immer auf andere gehört, wäre ich nie so mutig gewesen, mit 38 Jahren endlich das erträumte Studium zu beginnen. Und ich habe es geschafft, trotz großer Anstrengung und vielen Selbstzweifeln!
    Und ich sage meine Kindern, dass nur sie alleine entscheiden, was für sie gut ist und was nicht! Und wenn man einen Traum hat, dann muss man dafür kämpfen, sonst wird man sich sein Leben lang fragen: „Was wäre gewesen wenn…?“

  81. um nicht hemmungslos zu weinen versuche ich aufzuschreiben, was mich bewegt. Der Beitrag der unbekannten-aber im Prinzip so bekannten Frau trifft ins Schwarze. Diese Anstrengungen, dieser Stress um dann zu hören…….mit ein bisschen mehr Wille deinerseits, ein bisschen mehr Anstrengung!!!
    Ich bin 60 geworden und weiss es seit ungefähr 4 Jahren, dass ich ADS mit weniger H haben könnte, denn um eine komplette Diagnose zu bekommen fehlen verschiedene Tests z.B. die Einschätzung des/der Lebensgefährten/in, ich lebe seit über 25 Jahren allein. Oder wie ich als Kind war……Mutter schon 1/4 Jahrhundert tot, der Vater erinnert sich nur an siehe oben: ein bisschen mehr von dem oder das.
    Und jetzt heisst es , wenn ich versuche bei Therapeuten Hilfe zu bekommen, denn der lange Leidensweg hat seine Spuren hinterlassen, jetzt heisst es …ja dann sind sie mal wie sie sind so als ob ich nicht 60 Jahre lang das Gegenteil gehört und einstudiert hätte. Dabei spielt es schon eine grosse Rolle ob man überhaupt mit seinem „Leid“ gesehen wird. Nein , jetzt muss ich auch noch um die Anerkennung einer ungewissen Diagnose kämpfen um an die Hilfen zu kommen, die ich eventuel brauchen könnte. Mit ein bisschen mehr Anstrengung meinerseits…????

    1. Liebe Frau Doerschel,
      ja, das ist frustrierend, was Sie beschreiben. Eine Hilfe gibt es tatsächlich nur nach der ADHS-Diagnose: eine Medikation mit Methylphenidat. Andere Hilfen, wie z.B. eine Psychotherapie oder ein ADHS-Coaching, bekommen Sie auch ohne ADHS-Diagnose. Für eine Psychotherapie würde ggf. auch die Diagnose „Depression“ gestellt werden können – mit dem Wissen, dass man sich dann in der Therapie um ADhS-relevantes kümmert. Für das Coaching ist eine Diagnose generell nicht notwendig.
      Ich wünsche Ihnen alles Gute und wenn ich etwas für Sie tun kann, wissen Sie ja, wo Sie mich finden ;-)
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

      1. Hallo ihr,
        mein Partner hat ADS, was ich am Schmerzhaftesten durch sehr impulsive Wutausbrüche, eine für mich nicht nachvollziehbare Logik in Verhaltenserklärungen, wenig Empathie und zum Teil Machtausübung im Sinne von mich festhalten auch wenn ich weg will oder nicht locker lassen, wenn ich gerade nicht reden möchte zu spüren bekomme. Da wir nicht zusammen leben kann ich mich innerlich sehr gut von seinem Chaos und seinem schlechten Umgang mit Geld distanzieren. Und auch so übe ich mich sehr in Gelassenheit und merke, dass ich dieses „uns“ möglichst nicht allzu nahe an mich heranlasse um nicht verletzt zu werden. Auf die ADS Diagnose bin ich durch seine Ex-Freundin gekommen, die auch sehr unter der Partnerschaft gelitten hat.
        So liest man auch auf vielen Internetseiten, dass man sich als Partner lieber schnell trennen sollte, weil der Weg nicht einfach wird. Und das ist im Moment auch das Gefühl, das ich habe. Deswegen tut es gut hier ein bisschen von der ADS Seite zu lesen und Verständnis und eventuell Hoffnung zu entwickeln.
        So, nun das eigentliche Problem. Er sieht nicht, dass er ADS hat. Bei ihm wurde als Kind ADHS diagnostiziert. Er hat die letzten Jahre allerdings eine Therapie auf Grund einer Depression gemacht in der ADHS keine Thema war. Das reicht ihm völlig, trotz privater und beruflicher Probleme nicht weiter mit der Thematik auseinander zu setzen. Nun ist er mir wichtig und ich würde das gerne hinbekommen. Aber ich glaube ohne gemeinsam daran zu arbeiten ist das schwierig. Mittlerweile macht er direkt zu. Auch wenn ich nur Symptome ohne das ADHS Krankheitsbild kommuniziere und alles schön in Botschaften verpacke die kommunizieren was das mit mir macht. Er fühlt sich direkt in eine Schublade gesteckt. Gibt auf Grund unlogischer Kausalketten irgendwie dann immer mir die Schuld. Von Erleichterung auf seiner Seite, einer Vorhandenen Problematik einen Namen zu geben keine Spur. Problematisch sind eben die anderen. Wie ist es möglich das Thema anzugehen ohne das Thema anzugehen. Im Moment weiß ich ehrlich nicht weiter. Vielen Dank!

        1. Hallo Carolin,
          ich habe das Gefühl, Sie vermischen hier verschiedene Dinge, die vielleicht nicht in den gleichen Topf gehören. Das, was Sie beschreiben (Machtausübung, Schuld immer nur bei anderen suchen, wenig Empathie, Festhalten, etc.) gehört nicht zu ADHS. Das ist keine „Symptomatik“ von ADHS. Es kann sein, dass Ihr Partner eine ADHS-Konstitution hat UND dass er diese Verhaltensweisen zeigt – das bedeutet aber nicht, dass das Verhalten ADHS-bedingt ist. Es findet sich nur gleichzeitig mit ADHS bei der selben Person wieder. Das, was Sie beschreiben, klingt nach anderweitigen persönlichen emotionalen Problemen, es hört sich etwas an wie Narzissmus.
          Bitte werfen Sie nicht alles, was Sie an Ihrem Partner erleben, in den ADHS-Topf, das tut Ihnen nicht gut, weil Sie dann denken, Sie müssten das alles hinnehmen, es tut Ihrem Partner nicht gut, weil er dann nicht darüber nachdenken muss, dass er vielleicht auch noch andere Dinge zu bearbeiten hätte – und es tut auch allen anderen hier lesenden ADHS-Menschen nicht gut, denn damit dichtet man allen ADHS-Menschen etwas an, was gar nicht zu ADHS gehört.
          Das ist kein Vorwurf an Sie, denn woher sollten Sie das differenzieren können, Sie sind keine ADHS-Fachperson. Aber vielleicht hilft es Ihnen, die Problemlage Ihrer Partnerschaft etwas differenzierter zu sehen.
          Herzliche Grüße
          Birgit Boekhoff

        2. Hallo Frau Boekhoff,
          ich bin im Moment noch mehr „durch den Wind“ seit dem mir seit ein par Wochen klar wird, dass mein unerkanntes „ADHS-dasein“ mein bisheriges Leben zu einem einzigen Kampf gemacht hat.
          Wahrscheinlich ergibt diese kurze Reaktion auf ihre Reaktion von vor über 3 Jahren jetzt für Sie keinen Sinn, und ist sogar Nervig und Unwichtig. Aber irgendwie hat mich diese Textstelle von Ihnen angesprochen:
          (Machtausübung, Schuld immer nur bei anderen suchen, wenig Empathie, Festhalten, etc.).
          Diese Persönlichkeitsmerkmale auf einen ADHSler zu beziehen hätte mich verunsichert. (Denn ich bin das alles nicht!) Aber Sie haben es ja richtig gestellt, und mich weiter bestätigt, dass viele ADHS- Symptome leider zu mir passen wie Ar… auf Eimer. :-)
          Ich wünsche ein schönes WE
          lg
          Erwin

    2. Pfeif auf die Diagnose. Wenn du unbequem wirst zweifelt man die einfach mal an und gut. Was du brauchst ist einen Arzt der auch auf Dauer mit nem ADSler klar kommt und helfen will.

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