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ADHS Und Partnerschaft – Was ADHS’ler Sich Von Ihren Partnern Wünschen

ADHS und Partnerschaft – was ADHS’ler sich von ihren Partnern wünschen

Vor einigen Tagen war ich auf einer sehr interessanten Veranstaltung, von der ich die heutigen Gedanken zum Thema ADHS und Partnerschaft mitgebracht habe.

Die Schön Klinik in Bad Bramstedt hat einen ADHS-Schwerpunkt für Erwachsene und veranstaltet mehrmals im Jahr eine offene Austauschrunde ADHS-Trialog zu Themen rund um ADHS, zu der sich ADHS’ler, Angehörige und Facheute treffen. Das Thema des letzten Trialogs hieß „Leitfaden für Angehörige/Partner zum Umgang mit ADHS’lern“. Schwerpunkt des Abends war das Thema ADHS und Partnerschaft. Es war eine sehr interessante und große Runde mit ca. 60 Teilnehmern und regen Diskussionen.

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Der leitende Psychologe der Klinik, Roy Murphy, leitete und moderierte die Gesprächsrunde und eine seiner Fragen war: „Welche Erwartungen haben ADHS’ler an ihre Partner?“

Die gesammelten Erwartungen habe ich Ihnen hier mitgebracht.

Das wünschen sich ADHS’ler von ihren Partnern

  • Toleranz und Akzeptanz für die eigene (andere) Art
  • so sein dürfen, wie man gestrickt ist, ohne die Erwartung des Partners „normal“ zu werden
  • dass die eigenen Gefühle stehen gelassen werden, ohne sie zu bewerten und ohne zu verlangen, dass man anders fühlen sollte
  • Bereitschaft, sich über ADHS zu informieren
  • trotz der Schwächen wie Vergesslichkeit oder Unstrukturiertheit nicht wie ein Kind behandelt zu werden
  • mehr zugetraut zu bekommen („ich mache es zwar anders und vielleicht auf Umwegen, aber ich kann es und ich schaffe es“)
  • Unterstützung bei der Strukturierung – aber ohne Bevormundung
  • emotionale Spannungszustände aushalten (Angst, Wut, Verzweifung, Frust, etc.) und sie nicht sofort wegmachen wollen
  • liebevoll aber bestimmt ausgebremst zu werden
  • die ADHS-Schwächen, wie Vergesslichkeit, Schusseligkeit, etc. nicht persönlich nehmen und nicht als mangelndes Interesse oder mangelnde Liebe fehlinterpretieren

Ist das alles nicht selbstverständlich?

Es scheint in vielen Partnerschaften zwischen ADHS’lern und ihren PartnerInnen nicht selbstverständlich zu sein. Denn sonst wäre die Übereinstimmung nicht so groß gewesen, dass sich die anwesenden ADHS’ler mehr davon wünschen. Und aus meiner Erfahrung als ADHS-Coach kann ich diese genannten Aspekte als häufige Knackpunkte in Beziehungen bestätigen.

Aber warum müssen sich ADHS-Menschen von ihren Partnern eigentlich wünschen, mit ihren Gefühle und mit ihrer Art, an Dinge heranzugehen akzeptiert zu werden? Eigentlich ist das ja etwas, was jeder sich von seinem Partner wünscht und was in einer Beziehung selbstverständlich sein sollte.

Ist es aber häufig nicht. In vielen Beziehungen nicht. Und eben auch in vielen Beziehungen, wo ein Partner ADHS hat, nicht.

Chaos

ADHS bringt Unruhe mit sich

ADHS bringt ganz typische Persönlichkeitseigenschaften, Stärken und Schwächen mit sich, wie z.B eine hohe Emotionalität und Empfindsamkeit, Unruhe, Vergesslichkeit. ADHS-Menschen sind schneller begeistert, mitfühlend, wütend, ängstlich als viele Menschen in ihrem Umfeld. Sie sind oft vergesslich, verbreiten Unordnung und Unruhe.

Das kann in einer Partnerschaft anstrengend sein. Ständig gibt es emotionale Wellen, Dramen, Krisen, Diskussionen, Missverständnisse, Streit. Eine Partnerschaft mit einem ADHS-Menschen ist eben meist nicht stetig, ruhig, harmonisch. Sie ist häufig bewegt, aufgewühlt und emotionsgeladen.

Das Verstehen in einer ADHS-Partnerschaft ist wichtig

Viele PartnerInnen, die kein ADHS haben, können das nicht nachvollziehen und wünschen sich mehr Stetigkeit. Sie lieben zwar oft die positive Emotionalität, den Einfallsreichtum, die Spontanität des ADHS-Partners, aber nicht die negativen Seiten. Die sollen gerne abflachen.

Häufig ist es der damit einhergehende Stress, der dazu führt, dass die Nicht-ADHS-Partner sich wünschen, dass der ADHS-Partner weniger Unruhe, Durcheinander und Hektik in den Alltag bringt. Häufig ist es aber auch pure Hilflosigkeit der Partner, weil sie z.B. selbst nicht so emotional sind und einfach gar nicht wissen, wie man mit hoher Emotionalität umgeht. Sie empfinden die starken Gefühle als Bedrohung und sind von ihnen verunsichert. Dabei sind es erstmal „nur Gefühle“, mehr nicht. Und Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit sind erstmal „nur Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit“ – bei ADHS tatsächlich sogar neurobiologisch bedingt! – und es ist eben nicht gleich ein Zeichen mangelnder Liebe oder Wertschätzung.

explodierende Bombe

​hohe Emotionalität kann bedrohlich wirken

ADHS und Partnerschaft

ADHS verstehen und ins Leben integrieren ist der Schlüssel

Hier müssen wir Angehörigen/Partner – und das gleiche gilt auch für alle Eltern, Großeltern, Lehrer, Betreuer, etc. – umdenken und umwerten. Es ist unfair, von einem ADHS’ler zu erwarten, er solle bitte aufhören, vergesslich und emotional zu sein. Genauso gut könnte man ihm sagen, er solle bitte aufhören, ein Mensch mit einer ADHS-Konstitution zu sein.

Dieser Beitrag hat 37 Kommentare
  1. Ich habe mich entschieden, die Kommentare für diesen Artikel zu schließen.

    Mein Anliegen mit diesem Artikel ist es, für Verständnis für ADHS-Partner zu werben. Und zwar für diejenigen, die „normale“ Mitbürger unserer Gesellschaft sind, in einer Beziehungen leben, durch ihre ADHS-Konstitution jedoch einfach in ihrer Selbstregulation und Selbststeuerung Probleme haben.

    Sicherlich gibt es auch ADHS-Menschen, die weit über das zu vertretende Maß hinaus ihre Partner belasten oder gar schädigen, aggressiv sind, eine Suchterkrankung haben oder ausgesprochen egozentrisch sind – und dies vielleicht mit der „Ausrede ADHS“ entschuldigen.
    Dafür werbe ich selbstverständlich NICHT um Verständnis. Das alles ist mit diesem Artikel NICHT gemeint.

    Leider häufen sich hier jedoch solche Kommentare, in denen sich Nicht-ADHS-Partner über ganz eindeutig nicht zu vertretendes Verhalten der ADHS-Partner beklagen. Ja, es gibt solches Verhalten. Und das ist nicht hinzunehmen. Und ich möchte so auch nicht verstanden werden. Zu solch schwierigen Beziehungen gehören immer zwei – und nicht nur die ADHSler. Jeder muss hier für sich selbst überlegen, wie er mit sich umgehen lässt als Partner oder Partnerin.

    Da ich nicht möchte, dass mein Blog und dieser Artikel hier zur Klagemauer umgwandelt wird für alle, deren Angehörige ganz eindeutig aggressiv, krank oder narzistisch sind, schließe ich die Kommentare.

    Ich empfehle Ihnen, sich Rat bei einem Therapeuten zu suchen.

    Alle, die mir gerne ihr Feedback zu diesem Artikel geben möchten und die ich mit dieser Maßnahme ausschließe, lade ich ein, mir ihr Feedback per Email zu schreiben und freue mich, von Ihnen zu lesen.

    Herzliche Grüße
    Birgit Boekhoff

  2. Hallo,

    der Beitrag gefällt mir sehr gut.
    Ich selbst bin seid knapp 3 Jahren mit einem ADSler zusammen und muss sagen jeder Tag ist ein neues Abenteur, es wird nie Langweilig.
    Mein Partner hat auch seine Schübe und ich nehme Ihn so wie er ist.
    Habe mich selbst sehr viel zum Thema ADS belesen und Verfolge Neuerungen mit viel Interesse.
    Er ist das beste und Größte Geschenk das dass Leben mir Geschenkt hat.

  3. Hallo,
    ich finde es sehr schade, dass hier der Fokus so – wie ich es empfinde – auf den Partner mit ADHS gelegt wird. Er hat Wünsche an die Beziehung, klar die haben die Partner ohne ADHS aber auch! Mein Mann hat auch ADHS uns ich leide sehr darunter! Und auch wenn man sein Verhalten immer mit der Krankheit entschuldigt, so ist und bleibt es demütigend, von ihm verbal attackiert und beschimpft zu werden und seine Ausraster andauernd hinnehmen zu müssen und seit zwei Jahren keine Fortschritte im Verhalten zu erkennen. Meiner Meinung nach machen es sich die Betroffenen und auch Sie, liebe Frau Boekhoff, etwas zu einfach, wenn Sie die oben beschriebene Erwartungshaltung vertreten.
    Viele Grüße

    1. Hallo JustMe,
      ja, dieser Artikel beschreibt nur die eine Seite des Paares und die Wünsche dieser einen Seite, nämlich der Partner mit ADHS. Das ist das Ziel dieses Artikels. Die oben beschriebene Erwartungshaltung gibt es – und sie ist oft berechtigt. Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch, die komplette Thematik ADHS und Partnerschft darzustellen, die natürlich viel umfangreicher ist, als nur dieser Ausschnitt, den ich hier darstelle. Natürlich gibt es auch Wünsche der Nicht-ADHS-Partner und auch berechtigte Kritik an manchen Verhaltensweisen und Einstellungen mancher ADHS-Partner. Das ist unbestritten und die Tatsache, dass ich diese Seite hier nicht darstelle, bedeutet nicht, dass es sie nicht gibt. Sie ist nur ausdrücklich nicht Gegenstand dieses Beitrags.
      Verbal attackiert und beschimpft zu werden, ist prinzipiell ein No-Go und in einer Partnerschaft inakzeptabel. Der obige Beitrag bedeutet keine Rechtfertigung für jedes impulsive Verhalten und ist keine Aufforderung an die Partner, alles unter dem Namen „ADHS“ hinzunehmen. Ich hoffe, Sie verstehen das richtig.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

    2. Da kann ich dir nur zustimmen ich habe dir gleiche Probleme mit meinem Mann bin mit ihm etwas über ein Jahr zsm .er selber hat sich ein Kind gewünscht ich natürlich auch den noch ist er jetzt da er war nicht mal zu seine Geburt. Danach mehre Male ins Kranken Haus er erfindet immer ausreden wen es darum geht. Ich und er haben oft Streit wegen sein Verhalten will sich nicht trennen sagt nicht das er keine Gefühle für uns hat.sondern das er uns beide liebt hat hä??? Aus Kleinigkeit Macht Stress hat nicht Interesse an das was wir besprechen hält nicht bei ihm lange aus.erfindet mehr mal lügen provoziert mich persönlich mehr mals .dabei meinte es das er das nicht bewusst Macht.wir essen nur zsm wen es essen muss ist der oft wütend obwohl es da vor alles in Ordnung war.das Therese nimmt er auch nicht.ich bitte jemanden um schnelle professionelle Hilfe sonst zerstört sich unsre kleine Familie. Danke

  4. Partner mit ADS / ADHS fordern Akzeptanz / Toleranz, zurecht.

    Leider musste ich die Feststellung machen, dass diese nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit gelebt wird. Und da wird es sehr einseitg, bzw. schwierig und belastend für den Partner ohne ADS / ADHS.

    1. Hallo Marketender,

      da hast Du leider recht. Mein Partner hat auch ADHS und es ist wirklich für den nicht ADHS – Partner eine harte Aufgabe. Ich kann nur bestätigen, dass die Fürsorge sehr einseitig statt findet. Es wird einem viel abverlangt und man bekommt recht wenig zurück. Manchmal ist es sehr schwierig für alles Verständnis aufzubringen. Aber was ist die Alternative??

    2. Huhu, mein Partner hat auch ADHS, aber irgendwie scheinen die Rollen vertauscht. Er hat eine verhaltenstherapie hinter sich und ist Medikamentiert. Dementsprechend (tut er zumindest so) als wäre er extrem strukturiert. Ich bin dagegen wirklich extrem vergesslich und finde langfristige Pläne ganz furchtbar. Weil er ADHS hat macht ihn das natürlich wahnsinnig weil ich seine Strategien mit seiner Krankheit umzugehen, durcheinanderbringe. Er ist daher eher verständnislos und ich finde ihn oft abweisend – und ziehe die Beziehung wirklich sehr in Zweifel. das scheint ja nicht dem üblichen verhaltensprofil bzw. Probleme in der partnerschaft bei ADHS zu entsprechen, gibt es hier trotzdem nützliche Ratschläge?

      1. Ja. Sich selbst auf AD(H)S testen lassen (Merke: nicht alle ADSler leiden unter H= Hyperaktivität-Viele Frauen mit ADS sind im Gegenteil hypoaktiv) und gegebenenfalls sich auch behandeln lassen.
        Eine Ehetherapie, um die Probleme zu klären und Strategien zu finden, wäre aber auch ein Versuch wert, egal ob Sie auch ADS haben oder nicht.
        Meine Vermutung: es gibt vermutlich mehr Partnerschaften mit 2 AD(H)Slern als man glaubt! Nachdem ADHS bei unserem Sohn diagnostiziert worden ist, habe ich ADS bei meinem Mann vermutet und mittlerweile vermute ich ADS bei mir. Ich vermute ADS ebenfalls bei der Schwester meines Mannes und ihrem Mann (ihr Sohn hat ebenfalls die Diagnose bekommen).

        Ich habe das Gefühl, dass sich ADSler sich gegenseitig anziehen, vielleicht weil sie „normale“ Partner zu langweilig finden. Daher die häufigen Spannungen in solchen Familien (zum Glück ist unsere Tochter normal, sie wurde wegen Verdacht auf Hochbegabung auf ADS getestet-bei Kindern wird im SPZ immer Konzentrations-und Intelligenztests gemacht- sie hat definitiv keine ADS, was ich ja schon vorher wusste).

        Merke: ich sehe ADS nicht überall! Ich sehe ADS bei den meisten Bekannten, Freunden, Verwandten nicht. Aber mittlerweile erkenne ich viele ADS Merkmale bei manchen von ihnen. Vor 30-40 Jahren war ADS ja eine unbekannte Hirnstoffwechselstörung, die Kinder wurden als „faul“, „dumm“, „böse“ katalogisiert und nicht behandelt. Deswegen gibt es sicher viele Erwachsene, die ADS (laut Studien ca 3% der Bevölkerung) haben, ohne es zu wissen.

        Gott sei Dank werden nicht alle suchtkrank oder kriminell und einige wie mein Mann, sein Vater, mein Cousin sind sozial und beruflich recht erfolgreich (allerdings erst über Umwege).

        Bei anderen ADSler wie bei meinem Sohn und seinem Cousin ist der Verlauf dagegen voller Stolpersteine, Tränen und Ärger.

        Leider ist das Wissen unter Ärzten/Kinderärzten/Assistenzärzten und sogar Kinderärzten in SPZ weiterhin sehr dürftig bzw. nicht vorhanden (ADS wird NICHT in der medizinischen Fakultät unterrichtet!!!!!) und Vorurteile verbreitet (bei Kinderpsychologen und Schulpsychologen leider auch). Dann leiden ADS Kinder, ihre Mütter bzw. Eltern weiter und viele Partnerschaften (laut Studien 50% der Eltern von ADS Kindern) zerbrechen an den häufigen Konflikten…

  5. Liebe Frau Boekhoff,

    ich bin mit meinem Partner seit knapp 15 Jahren zusammen. Leider Gottes ist es mir erst kürzlich „wie Schuppen von den Augen“ gefallen…. mein Partner war zwei Wochen alleine verreist. Ich habe die Ruhe genossen und mich informiert. Alles Mögliche habe ich in Erwägung gezogen, bis ich darauf gestoßen bin, dass er ADS haben muss. Alles Tests, Defintionen weisen darauf hin. Ebenso ist mir schon immer die Ähnlichkeit zu seiner Mutter und deren Verhalten aufgefallen. Die ältere Dame ist ebenso ruhelos hat noch mit weit über achtzig Jahren ganze Treppenhäuser geputzt – bis zum Umfallen bzw. bis sie Belastungsrheuma bekam. Ich bin immer noch völlig entsetzt, dass ich es nicht viel früher erkannt – wenn auch irgendwie bemerkt – habe. Nun zu meinem Hauptanliegen. Wie bringe ich dem ADS-ler bei, dass ich vermute, dass er an dieser „Besonderheit“ leidet?? Wenn ich versuche wie es auch immer wieder vorgschlagen wird – ganz vorsichtig, darauf hinzuweisen, dass ich eine „Idee“ habe, warum er so ist, wie er ist, führt das im Umkehrschluss nur zu einem neuen Zerwürfnis. Er rastet wegen kleinster Bemerkungen aus, sieht alles als Angriff, putzt mich als Abwehr herunter mit starken Beleidigungen, um dann noch hinter her zu schieben, dass ich ihn permanent beleidige. Nein, ich beleidige ihn nicht, dass weiß ich, vermutlich habe ich ein zu breites Kreuz, dass ich das schon so lange ertrage. Ich halte mich für eine einigermaßen stabile – aber sensible Person – bin eher der Kontrolltyp, habe selber vor sehr vielen Jahren eine Psychotherapie gemacht. Das heißt, ich weiß schon um viele verschiedene Probleme, die mit der Psyche einhergehen könne. Aber nun bin ich sehr ratlos. Ich habe bereits öfter in Erwägung gezogen auszuziehen. Selbst der charakterfesteste Mensch ist irgend wann mit seinem Latein am Ende. Haben Sie einen Tipp, wie man einen „ADS-ler“ ein wenig motivieren könnte, sich ein wenig seinem Problem (das er natürlich überhaupt nicht hat – aus seiner Warte!!) zu stellen?? Wenn Sie nicht so weit weg wären, würde ich sofort einen Termin bei Ihnen machen. Ich wohne in Ratingen bei Düsseldorf. Herzliche Grüße aus dem Rheinland Birgit Schulz

    1. Liebe Frau Schulz,
      für Ihre Situation und Ihre Frage bitte ich Sie, einen Coaching-Termin mit mir zu vereinbaren, da ich hier auf dem Blog keine individuelle Beratung anbiete. Einen pauschalen Tipp gibt es für Ihre Frage nicht, daher müssten wir persönlich sprechen. Coaching-Termine sind immer auch telefonisch möglich. Melden Sie sich für einen Termin einfach per Email bei mir.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

    2. Hallo Frau Schulz,

      „Wenn ich versuche wie es auch immer wieder vorgeschlagen wird – ganz vorsichtig, darauf hinzuweisen, dass ich eine „Idee“ habe, warum er so ist, wie er ist, führt das im Umkehrschluss nur zu einem neuen Zerwürfnis. Er rastet wegen kleinster Bemerkungen aus, sieht alles als Angriff, putzt mich als Abwehr herunter mit starken Beleidigungen, um dann noch hinter her zu schieben, dass ich ihn permanent beleidige.“

      Genauso erlebe ich meinen Mann seit 20 Jahren. Bei unserem Sohn wurde ADHS diagnostiziert als er 7 war (typische ADS „Karriere“: Schreibaby mit schlimmen Schlafstörungen, fröhliche aber hyperaktives Kleinkind, oppositionelles Trotzverhalten, große Konzentrationsprobleme in der Schule und bei Hausaufgaben, starke Vergesslichkeit, Chaos im Zimmer, Schulranzen, Hefte, starke Stimmungsschwankungen innerhalb eines Tages, niedrige Frustrationstoleranz, usw).

      Nachdem ich einige Fachbücher und Ratgeber über AD(H)S gelesen habe, habe ich viele ADS Merkmale bei meinem Mann erkannt und bin ziemlich sicher, dass er selber an ADS seit der Kindheit leidet (war als Kind ein „Träumer“, Außenseiter/Einzelgänger, hat mir öfter gesagt, er habe öfter in der Schule aus dem Fenster geschaut und geträumt).

      Leider weigert er sich weiterhin, die Diagnose unseres Sohnes anzuerkennen bzw. meine Vermutung, er könne selbst daran leiden (ich vermute, dass sein Vater daran leidet- der mir selbst nach der Diagnose unseres Sohnes gesagt hat, er konnte sich in der Schule nicht konzentrieren) wird weiterhin abgelehnt.

      Ich fürchte mittlerweile, ich kann gar nichts machen. Er hat sich bis jetzt geweigert, alle Fachartikel und Bücher über ADS zu lesen, die ich zu Hause habe.

  6. Hallo!

    wenn man „ADHS und Partnerschaft“ googelt, stößt man sehr schnell auf alle mögliche, teilweise ja durchaus sehr seriöse, Ratgeber zu diesem Thema. Allerdings empfinde ich diese oft als sehr stigmatisierend. Ich habe ADHS und ich habe nicht den Eindruck, ein Monster zu sein.

    In meiner Ehe spielt das allerdings immer wieder eine große Rolle. Meine Frau ist sehr ordnungsliebend, ich natürlich eher weniger. Zumindest schaffe ich es kaum, ihre Erwartungen zu treffen. Allerdings schaffen wir es auch nicht, uns auf gemeinsame Regeln festzulegen. Ich habe oft das Gefühl, sie wirft mir die Diagnose an den Kopf und sagt, was sie stört. Und dann stehe ich alleine da und muss sehen, wie ich das hinbekomme. Das empfinde ich als große Überforderung. Denn wenn ich es endlich hinbekomme, meine Hemden aufgeknöpft in den Wäschekorb zu legen, fällt mir Kleingeld aus der Hose. Und wenn ich das alles in einen Geldbeutel stecke, verbummel ich die Fernbedienung.

    Ich kann verstehen, dass das alles nervig ist. Und dass meine Frau, die in ihrer Struktur auch ganz anders ist, darauf keinen Bock hat. Aber oft habe ich auch den Eindruck, dass diese Diagnose für viel mehr als die Fernbedienung und so weiter herhalten muss.

    Und dann kommen diese Ratgeber, die sagen „man muss geduldig sein“ oder „man muss Grenzen setzen“. Das ist zwar sicher richtig. Aber gilt das nicht in jeder Form von Partnerschaft? Auch wenn sich zwei Nicht-ADHSler zusammentun, brauchen sie Regeln und Geduld mit dem anderen Partner. Und muss ich nicht auch bei meiner Frau Dinge „erdulden“, die ihre Struktur mit sich bringt? Wer sagt denn, dass die Ordnung auf dem Wäscheständer, wo die Hemden allesamt mit der Schulternaht entlang des Kleiderbügels hängen, die einzig wahre Überlebensstrategie sind? Ich finde es reichlich unfair, wenn ADHSler auf ihre Krankheit, aber Normalos auf nichts reduziert werden können.

    Und was hilft denn, um den Alltag mit so einem Monster wie mir erträglich zu machen? Klare, offene Regeln. Du bist zuständig für XYZ. Und wenn Du das nicht machst, dann hast Du die Regel gebrochen. Und dann bin ich sauer auf Dich. Das sind doch normale Dinge, die für jede Form der Partnerschaft gelten. Denn auch meine Frau macht Dinge falsch. Aber ich kann es nicht mit so einer schönen Buchstabenfolge beschreiben.

    Ich wünsche mir auch viel von dem da oben. Ich will nicht wie jemand behandelt werden, der lebensunfähig ist oder wie ein Kind. Ich will auch den Respekt, den ich verdiene, für die vielen tollen Eigenschaften, die Normalos nicht haben. Ich will nicht auf meine Ordnung reduziert werden oder auf den Mangel daran. Ich will ein klares Wertesystem, an dem ich mich, aber auch meine Frau sich orientieren kann. Im Wohnzimmer kein Kaffee. Hemden bitte aufknöpfen. Kleingeld als erstes am Abend in eine Schale. Das ist ja alles nicht so kompliziert. Aber wenn es eben mal akzeptiert und belächelt und mal sanktioniert wird, ist es nicht konsistent und für mich nicht zu befolgen.

    Naja, jetzt trennen wir uns halt. Aber auch dazu gehören zwei.

    1. Hallo M,
      „Ich finde es reichlich unfair, wenn ADHSler auf ihre Krankheit, aber Normalos auf nichts reduziert werden können.“ Damit haben Sie vollkommen recht. Und Schulternaht entlang des Kleiderbügels hat auch nichts mehr mit Ordnung zu tun sondern mit Perfektionismus, Pedanterie oder Zwanghaftigkeit.
      Im Grunde genommen ist so vieles so viel weniger wichtig, als wir das immer so meinen (und mit „wir“ meine ich uns „ordentlichen Nicht-ADHSler“, von denen ich auch eine bin). Es ist gut, den Blick zu weiten und zu sehen, dass es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Dinge zu tun und sein Leben zu leben. Und man sollte sich in der Beziehung auf wichtigeres konzentrieren, als korrekt aufgehängte Hemden oder korrekt befüllte Geschirrspülmaschinen (auch ein beliebtes Thema ;-) ). Und wer hat eigentlich das Recht, zu entscheiden, wie die Dinge „korrekt“ sind?
      Ich wünsche Ihnen alles Gute!
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

      1. Haha, sehr richtig. Wer entscheidet das? Niemand. Aber dennoch ist es so, dass ADHSler halt den argumentativen Nachteil haben, dass sie ADHS in sich tragen. Und daher a priori Dinge falsch machen. Das mit der Schulternaht ist tatsächlich so passiert und tatsächlich zwanghaft. Aber wehe, ich spreche das an. Denn ich habe kein Recht dazu. Ich Monster ;)

  7. Guten Tag,

    ich leide auch wie die anderen, die die Kommentare geschrieben haben. Bei mir ist das Problem, dass sowohl mein Mann als auch mein 3 jähriger Sohn ADHS haben. Die meisten Problemen habe ich aber momentan mit den kleinen. Er hat eine eigene wille und rasret bei jeder Kleinigkeit aus. Ich war sehr oft in verschiedenen Beratungszentern aber nichts hat mir geholfen. Sie haben mir nur Tipps gegeben. Als sie aber den kleinen sahen,haben sie gesagt , dass er normal sei und nur Beschäftigung braucht. Er kann nicht mal ne halbe Minute sitzen bleiben. Auf der Straße rennt er ständig weg und hört nie auf mich zu. Egal was ich ihm sage macht er das Gegenteil. Er weiß was falsch ist und macht es trotzdem.

    Ich bin am Ende meiner Kraft und weiß nicht was ich mit ihm machen soll.

    Ich würde mich freuen,wenn Sie mir weiter helfen können.

    Vielen Dank

    1. Liebe Maha,
      gern will ich Sie unterstützen, neue Möglichkeiten für sich und Ihre Familie zu finden. Melden Sie sich dazu gern für ein Coaching bei mir. Dieser Blog und der Kommentarbereich ist nicht der passende Ort für eine ausführliche persönliche Beratung, da es hier um sehr individuelle Fragen und eine komplexe Situation geht, bei der mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Ein einfacher Tipps hilft Ihnen hier nicht weiter.
      Melden Sie sich am besten per Email an info @ adhs-trainerin.de
      Viele Grüße, Birgit Boekhoff

  8. Ich habe mich viele Jahre gefragt was mir meinem Mann los ist.Nun weiß ich das er Adhs hat. Leider bin ich aufgrund einer eigenen Besonderheit, hypersensibel.Seine emotionalen Dramen lösen bei mir Druck und Beklemmungen aus.Ich schaffe es nicht mich abzugrenzen..Diese Problematik haben wir täglich im Alltag… Selten in Urlaub oder in der Freizeit. Nun scherbt mir eine nur räumliche Trennung vor um es für mich händelbar zu machen.ich war zwischendurccj an einen Burnout mit Depression erkrankt und halte das jetzt für mich für den den einzig gehbaren Weg.Oder irre ich mich
    Gruß K.

    1. Liebe Kornelia,
      ich kann nachvollziehen, was Sie beschreiben. Eine Empfehlung kann und möchte ich Ihnen jedoch nicht geben, da ich dazu viel zu wenig von Ihnen und Ihrer Situation weiß. Ob eine räumliche Trennung die einzige Alternative für Sie ist, kann ich nicht beurteilen. Überlegen Sie aber gern einmal für sich, ob Sie sich in dieser Situation und zu dieser Frage nicht von einem Berater oder Therapeuten beraten lassen wollen.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

    2. Liebe Kornelia,
      ich bin auch eine HSP (Hochsensible) und ich vermute, daß mein Partner ADHS hat. Hinzu kommt noch sein 4-jähriger Sohn, der nach meiner Einschätzung auch ADHS haben könnte. In 2015 kam noch eine Krebserkrankung bei mir hinzu mit Chemo, Op, das volle Programm. Als HSP möchte ich mich manchmal einfach in ein Erdloch verkriechen. Die Unruhe von Vater und kind und die Aggressivität des Kindes machen mir schwer zu schaffen. Da kommen dann Äußerungen von dem kind wie….ich schneid euch mit der Kettensäge die Haare ab.
      Ich hatte bisher immer meine eigene Wohnung um auszuweichen. Jetzt bin ich auch aus finanziellen Gründen in das Haus meines Partners gezogen. In der Umgebung wimmelt es nur so von Reizüberflutung.
      Ich wünsche mir so oft einen kleinen, eigenen Rückzugsort. Wo keine Menschen sind. Einfach Ruhe. Ich glaube dann könnte ich es besser mit meinem ADHS‘ ler aushalten, den ich trotz allem nicht missen möchte, weil er auch eine Fürsorgliche, liebe Art an sich hat.
      Ich habe nun eine Psychotherapeuten kontaktiert, um hier etwas Unterstützung zu bekommen.

  9. Hallo!
    Ich bin seid 4 Jahren mit einem Mann zusammen der ADS hat. Unser Problem ist, das ich zu 90 % ignoriert oder abgeblockt werde wenn ich jegliche Art von Zärtlichkeiten möchte. Wenn ich ihn drauf anspreche warum es so ist, hör ich nur, ich weiß nicht warum ich das mache. Er meint immer, es würde nicht an mir liegen, sondern an ihm. Ich würde gerne wissen, ob das auch ADS typisch ist? Vielleicht haben sie ja einen Tipp für mich. Danke schon mal im voraus für die Antwort.
    LG Tanja

    1. Hallo Tanja,
      eine Abwehr von Nähe, Berührung oder Zärtlichkeiten kann bei ADHS-Menschen vorkommen, aber genauso bei anderen Menschen. Es ist nicht unbedingt „ADHS-typisch“. Das, was Sie beschreiben, kann viele Gründe haben und es wäre gut, gemeinsam darüber zu sprechen. Selbst wenn es etwas mit ADHS zu tun hat, weil Ihr Mann reizüberflutet ist, unter Anspannung steht oder auch einfach berührungsempfindlich ist – so könnte er trotzdem etwas genauer mit Ihnen darüber sprechen, sodass beide sich verständlich machen und den anderen verstehen. Überlegen Sie sich, ob Sie sich mit seiner Antwort zufrieden geben wollen, die Sie bisher erhalten haben. Auch ADHS-Menschen haben Verantwortung in einer Beziehung und haben die Verantwortung, über Ihre Grenzen und Schwächen zu sprechen. Sie müssen sich nicht abspeisen lassen.

    2. In Fachbücher über ADS bei Kindern liest man sehr oft, dass Kinder mit ADS körperliche Berührungen wie Umarmungen, Kuscheln, Bussis nicht mögen (so ist es auch bei meinem Sohn, der ADS hat- Meine Tochter dagegen-ohne ADS-ist geradezu „süchtig“ nach Zärtlichkeit).

      Ich vermute, dass manche ADSler als Erwachsene weiterhin solche Berührungen (außer beim Sex) nicht mögen.

      Ich muss auch regelrecht um Zärtlichkeit bei meinem Mann „betteln“. Wenn ich ihn umarme, merke ich, dass er sich dabei nicht wohl fühlt und das schnell hinter sich haben möchte. Von selbst macht er das nicht.

      Das finde ich auch sehr frustrierend, denn Zärtlichkeit ist für mich genauso wichtig wie Respekt und leidenschaftlichen Sex.

      Meine Eltern haben sich immer wieder vor uns Kindern umarmt und geküsst, so dass ich das Verhalten meines Mannes nicht verstehen kann. Aber jetzt fällt mir auf, dass ich nie seine Eltern beim Umarmen beobachtet haben.

  10. Hallo!

    Ich bin seit bald 2 Jahren in einer Beziehung mit meinem Freund, der ADHS hat. Bei ihm äußert sich das hauptsächlich darin, dass er sehr oft überreagiert und direkt sehr böse, laut und aggressiv wird. Es kommt dauernd zu Missverständnissen, die dann zum Streit führen. Dabei habe ich keinerlei Chance dieses Missverständnis aufzuklären. Er lässt mich nicht reden oder glaubt mir einfach kein Wort. Bei jedem Streit habe ich in seinen Augen die alleinige Schuld und er selbst hat alles richtig gemacht. Ich habe schon viel versucht, um ihn zu beruhigen und um besser damit ungehen zu können, aber es hilft nichts. Er selbst will auch garnicht hören, dass er ADHS hat. Das Schlimmste ist, dass er sehr oft verweigert seine Tabletten einzunehmen. Dabei läuft es mit Tabletten so viel besser. Aber an Tagen, an denen er es verweigert, herrscht den ganzen Tag Streit und das pure Chaos.

    Vielleicht haben sie einenTipp für mich. Denn so wie es im Moment läuft, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Beziehung noch lange hält. Denn leider ist jetzt schon sehr viel kaputt gegangen.

    Ich möchte ihm bzw. auch uns unbedingt helfen. Ich akzeptiere, dass er ADHS hat und ich verstehe auch alles. Aber unsere Beziehung leidet leider zu viel darunter.

    Lg

    1. Hallo Ramona,
      das, was Sie beschreiben findet sich leider in sehr vielen ADHS-Beziehungen wieder.
      Letztlich kann eine Beziehung nur gelingen, wenn BEIDE ihren Teil dazu beitragen. Dazu gehört für den einen, die Verantwortung für seine eigenen Schwächen zu übernehmen und zuzusehen, dass man sich darum kümmert, dass die eigenen Schwächen die Beziehung nicht zu sehr belasten. Und dazu gehört für den anderen, aufzuhören, zu viel Beziehungs-Verantwortung auf sich zu nehmen. ADHS-Menschen können viele Dinge nicht aufgrund Ihrer Konstitution. Aber was Sie können und was man auch auf jeden Fall als Partner erwarten sollte: die Verantwortung für sich und die Schwächen übernehmen.
      Mein Tipp für Sie und alle anderen ParterInnen, denen es so geht, wie Ihnen: geben Sie Ihrem Parter/Ihrer Partner die Verantwortung zurück für das Regulieren eigener Gefühle, für Vergesslichkeit, etc. Wenn Sie mit reden nicht weiter kommen, dann hilft nur, dass SIE selbst sich ANDERS VERHALTEN. Wie würden Sie sich verhalten, wenn Sie aufhören würden, sich das gefallen zu lassen, dass Ihr Partner sich wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt ohne Rücksicht auf Sie und die Beziehung? Tun Sie das, dann wird er merken, dass es so nicht weiter geht. Solange sie immer „nur reden“ wird sich nichts ändern.
      Alles Gute!

    1. Hallo Sonja,
      ja, das meiste trifft auch auf ADS’ler zu. Menschen ohne das „H“, also ohne die motorische und nach aussen gerichtete Unruhe, sind genauso unaufmerksam, vergesslich und emotional. Die Emotionalität und Unruhe richten sie aber viel mehr nach innen. Sie neigen oft nicht so sehr dazu, Ärger, Aufregung und Stress nach aussen zu verbreiten, aber sie neigen doch häufig zu depressiven Rückzügen und emotionalen Abstürzen in Verzweiflung/Selbstzweifel/Resignation, die für Partner auch nicht ganz einfach handzuhaben sind. Und die anderen Punkte in der Erwartungs-Aufzählung gelten für Menschen mit ADHS und ADS gleichermaßen.

    2. Guten Tag, ich kam zufällig auf Ihre Seite, nachdem meine Frau mir sagte ich solle mich mal im Internet schlau machen, ich wäre nehmlich ein ADHS Kandidat . Sie sei dieser Meinung , nachdem Sie eine TV Sendung zu dem Thema sah.
      Nun gut, es scheint so zu sein, das ich dazu gehöre. Unser Problem ist aber das meine Frau selbst schwerbehindert (80%) und schwer krank ist und ich versuche alles für Sie zu tun. Dabei gehe ich noch Arbeiten in einen nicht weniger stressigen Job und muss viele Arzttermine und Behandlungen unter einen Hut bekommen . So kommt es öfters mal zu Streitgesprächen in welchen ich laut werde und in der Folge (zunahme des Streites) auch androhe zu gehen. Meist beruhige ich mich dann wieder aber meine Frau leidet länger drunter bzw. kann auch dann länger auf diesen Situationen rum reiten. Das wiederum macht mich wieder „verrückt“ Ich bekomme schon vom Psychiater Beruhigungstabletten und finde mich ansonsten (auch auf Arbeit)relativ ruhig. Aber immer zu Hause kommt es dann zu Streit wegen „Nichtigkeiten“. Nun steht die Frage sollten wir uns trennen oder sollte ich meinem Psychiater auf die ADHS Krankheit hinweisen und andere Medikamente fordern?
      Haben andere ähnliche oder gleiche Erlebnisse? Wie wird damit umgegangen?
      Würde mich freuen eine Antwort zu bekommen.

      1. Hallo Alexander,
        Sie sind in einer besonderen Situation, in der einige Belastungen zusammenkommen. In so einer Situation ist es immer eine besondere Herausforderung, mit all den Emotionalitäten, Druck, Stress und Sorgen umzugehen. Dass Sie dann als Mensch mit hoher Emotionalität und Impulsivität das Ruhigbleiben schwer fällt, das ist verständlich.
        Man muss allerdings nicht gleich über eine Trennung nachdenken, sondern kann vorher versuchen, andere Wege zu gehen.
        Die Idee, Ihre Situation mit dem Arzt zu besprechen, ist sicherlich gut, allerdings weiß ich nicht, ob Medikamente alleine eine Lösung sind. Vielleicht wäre es gut, sich mit Ihrer Frau und einem Berater gemeinsam Ihre Situation anzuschauen und zu überlegen, wie Sie die Auseinandersetzungen reduzieren oder entschärfen können. Meistens tragen beide Parteien zu Konflikten bei und beide können auch zur Lösung beitragen. Als erste „Notfallhilfe“ helfen Ihnen vielleicht meine Tipps in diesem Artikel: http://adhs-trainerin.de/ausraster-wutanfaelle-vermeiden-der-3-schritte-notfall-plan/.
        Alles Gute für Sie!
        Birgit Boekhoff

  11. Als Partnerin eines Mannes mit ADHS fühle ich mich oft mit einer Widersprüchlichkeit herausgefordert: da gibt es auf der einen Seite diese Liste mit Wünschen, für mich absolut nachvollziehbar und berechtigt. Aber auf der anderen Seite fehlt mir so oft die eigene Akzeptanz für das „so sein, wie man ist“. Wenn etwas nicht gut gelaufen ist, wird sehr emotional jede Vergesslichkeit, Unaufmerksamkeit, Unstrukturiertheit geleugnet. So hat mich das Lesen der Liste etwas frustiert (liegt die ganze Verantwortung einer guten Beziehung bei mir?) und die Zeilen von „Fuchs“ sehr berührt.
    In den Momenten, wo mein Partner mit „seinem“ ADHS im Reinen ist, wo er diese kraftvolle Energie mit viel Charme und Leichtigkeit lebt UND Verantwortung für seine Schwachpunkte übernimmt, ist es wundervoll.

    1. Hallo Rosa,
      diese Liste mit den Erwartungen von ADHS-Partnern in einer Beziehung ist natürlich nur die eine Seite der ganzen Geschichte. Nur darum ging es erst einmal in diesem Artikel. Sie haben natürlich vollkommen recht, dass die Verantwortung für das Gelingen einer Partnerschaft zu gleichen Teilen bei beiden Partnern liegt. Man könnte also genauso gut eine Liste erstellen, die genau anders herum ist: was Partner sich von einem ADHS’ler wünschen. Und zur Verantwortung beider Partner gehört auch dazu, dass beide die Verantwortung für Ihre Schwächen übernehmen, mit denen Sie die Partnerschaft belasten. Es reicht natürlich nicht, wenn der ADHS-Partner sich Verständnis vom anderen erwartet, ohne erst einmal die Verantwortung für seine Ecken und Kanten zu übernehmen und an sich selbst zu arbeiten. Das wäre ziemlich selbstbezogen und unfair. Ich werde mit Sicherheit zu diesem Thema noch weitere Beiträge schreiben, denn da gehört noch eine Menge mit dazu.
      Der Kommentar von „Fuchs“ trifft den Nagel genau auf den Kopf. Und nur so kann es gelingen.
      Alles Gute
      Birgit Boekhoff

  12. Vielen Dank für diese umfangreiche Auflistung, die mir „blau auf weiß“ nach dem Ausdrucken immer wieder vor Augen halten kann, was ich mir in meiner Partnerschaft ADHS-bezogen wünsche. Ich werde sie meinem langjährig mitleidenden aber auch immer wieder verständnisvollen Ehemann beim Frühstück in die „geliebte“ Tageszeitung legen. Vielleicht haben wir dann mal wieder eine „konzentrierte“ Gesprächsgrundlage über meine ADHS!?!
    Herzlichen Dank auch für Ihr unermüdliches „Dranbleiben am Thema“ liebe Frau Boekhoff.

    1. Liebe Sonja, nachdem ich mich selbst mit meiner ADHS im Erw.Alter „angefreundet“ habe und auch meine Familie darüber informiert habe, erfuhr ich so nach und nach Verständnis und auch Unterstützung bei den vielen alltäglichen Widerlichkeiten.
      Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und auch therapeutische und medikamentöse Hilfe in Anspruch genommen, u.a. auch Ergo-Therapie bei Therapeuten mit entsprechender Ausbildung. Dadurch konnte ich mich selbst besser verstehen und vor allen Dingen „zu mir selbst stehen“ und auch die Dinge einfordern, die gerade notwendig waren. Weiterhin konnte ich erkennen, was mein „Anderssein“ bei meinen Mitmenschen auslöst und auch von meiner Seite Verständnis für sie aufbringen.
      Ich wünsche Dir viel Glück und auch viel Freude an dem „Soseinwie Du bist“, denn wir haben ja auch viele wunderbare Seiten, die unsere Partner und Mitmenschen an uns schätzen und lieben und auf die sie manchmal mal wieder aufmerksam gemacht werden „dürfen“!!!
      Herzliche Grüße „Fuchs“

  13. Das würde ich genau so unterschreiben wollen. Vor allem das man nicht ständig das Gefühl vermittelt bekommen sollte das unser „Anders sein“ falsch ist.

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