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Das Positive An ADHS

Das Positive an ADHS

„Was soll denn an ADHS positiv sein!“ Kennen Sie solche Äußerungen von anderen oder vielleicht auch aus Ihren eigenen Gedanken? Ich möchte Sie einladen, heute einmal eine „andere Brille“ aufzusetzen und aus einer anderen Sicht auf ADHS und ADHS-Menschen zu schauen.

„Was ist ADHS? Was fällt Ihnen ein, wenn Sie den Begriff ADHS hören?“

Diese Frage stelle ich immer wieder zu Beginn meiner Seminare und Fortbildungen, um herauszufinden, was meine Teilnehmer schon über ADHS wissen.

Typischerweise höre ich dann folgende Antworten:
Konzentrationsstörung, hibbelig, anstrengend, schwierig, schusselig, Unruhe, Chaos, vergesslich, impulsiv, etc.

Ich denke, diese Aufzählung könnte man beliebig fortführen. Fällt Ihnen etwas auf? Richtig.

Die spontanen Assoziationen zu ADHS sind überwiegend (sogar fast ALLE) negativ. wir denken kaum positiv an Menschen mit ADHS.

Und genau so sieht nicht nur die Wahrnehmung von ADHS bei meinen Seminarteilnehmern aus, sondern auch insgesamt in der Öffentlichkeit. „ADHS – die Störung“. Traurig, aber wahr. Natürlich bringt eine ADHS-Konstitution bestimmte Schwächen und Probleme mit sich. Genauso, wie jede andere Persönlichkeits-Konstitution und jeder andere Mensch auch.

ADHS – die andere Sicht

Mir persönlich ist es wichtig, in meinen Fortbildungen immer eine andere Sicht auf ADHS zu vermitteln, weil ich ADHS eben nicht als „Störung“ oder „Krankheit“ sehe. Mehr dazu lesen Sie hier: Warum ADHS für mich keine Krankheit ist.

Es ist ein „Strickmuster“, einfach eine „Art zu sein“, wie so viele andere Arten eben auch. Und jedes persönliche Strickmuster ist einerseits negativ, andererseits positiv. ADHS-Menschen nehmen anders wahr, sie denken anders, fühlen anders, handeln anders. Und richtig verstanden, angenommen, und genutzt ist ADHS eine Bereicherung. Ich persönlich finde es sehr gut, dass es ADHS-Menschen gibt.

Und by the way: auch wenn ich meine Klienten selbst frage, bezeichnen die wenigsten sich tatsächlich selbst als krank, weil sie ADHS haben. Als anders, vielleicht auch als schwierig, ja, aber nicht als krank oder gestört. ADHS kann aber krank machen, wenn man es nicht versteht, nicht annimmt und nicht zu managen weiß. Mehr dazu finden Sie auch hier.

ADHS positiv durch die „Stärken-Brille“ betrachtet

Ich möchte Ihnen gerne eine andere Sicht auf ADHS vorstellen. Wie wäre es denn, wenn wir nicht durch die Schwächen-Brille schauen würden, sondern durch die Stärken-Brille? Wenn wir nicht von der Störungsseite schauen würden, sondern von der Fähigkeiten-Seite? Und wenn wir positiv statt negativ auf ADHS-Menschen schauen?

Das könnte folgendermassen aussehen:

  • ADHS ist die Fähigkeit, vieles wahrzunehmen, was andere nicht wahrnehmen.
  • ADHS ist die Fähigkeit, blitzschnell Verbindungen zu ziehen, Verknüpfungen herzustellen und Neues zu kreieren.
  • Es ist die Fähigkeit, spontan und flexibel zu reagieren – v.a. wenn Not am Mann ist.
  • ADHS-Menschen bereichern ihr Umfeld mit Kreativität, Innovationen und Einsatzbereitschaft.
  • Sie bringen Farbe in das Leben ihrer Angehörigen, sind unkonventionell, finden Lösungen, die andere oft nicht sehen.
  • ADHS-Menschen sind sehr gute Berater, weil sie blitzschnell und intuitiv spüren, an welcher Stelle was als nächstes nötig ist.
  • Ohne ADHS’ler gäbe es viele technische Erfindungen und Entwicklungen nicht.
  • Ohne ADHS’ler wären viele Unternehmen und unsere Gesellschaft insgesamt nicht dort, wo sie jetzt ist.
  • ADHS’ler sind Visionäre, Antriebsfedern und Zugpferde, wenn sie an einem Platz sind, wo sie ihre Stärken und Fähigkeiten einsetzen können – und wo man sie so sein lässt und schätzt, wie sie sind.

Dies ist nur ein erster, spontaner Auszug. Hier lohnt es sich, die Positiv-Aufzählung noch zu ergänzen.

In einer Fortbildung für Fachleute haben wir eine Stärken-Sammlung zu ADHS gemacht. Schauen Sie selbst, welches schöne Ergebnis dabei heraus gekommen ist :-)

  • klicken Sie auf die Grafik, um Sie groß anzuzeigen
Das Positive an ADHS

Typische Stärken von ADHS-Menschen (gesammelt mit VoxR.org)

Hier können Sie sich das Bild herunterladen, wenn Sie es für sich selbst oder jemand anderen zur Ermutigung verwenden möchten: DOWNLOAD Typische Stärken von ADHS-Menschen

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Und wenn Sie nichts Positives bei sich selbst entdecken können?

Wenn Sie jetzt diesen Artikel lesen und denken „die hat gut reden, so einfach ist das nicht!“, dann will ich Ihnen sagen: ja, so einfach ist es nicht. Vor allem dann nicht, wenn man mit sich und seiner eigenen Konstitution noch keinen Frieden geschlossen hat. Wenn man vor lauter Problemen nicht positiv auf sich selbst schauen und das Positive gar nicht mehr wahrnehmen kann.

Aber ich will Sie ermutigen: auch Sie haben viele dieser positiven ADHS-typischen Eigenschaften, auch wenn Sie sie momentan vielleicht nicht sehen. Es gibt keinen Menschen ohne Stärken und Fähigkeiten. Schauen Sie einmal mit der Lupe genau hin, ob Sie welche entdecken. Sollte Ihnen das nicht gelingen, helfe ich Ihnen gern dabei.

Welche Stärken und Fähigkeiten erleben Sie bei sich oder den ADHS-Menschen in Ihrem Umfeld? Schreiben Sie gern unten in das Kommentarfeld hinein, ich freue mich, Ihre Meinung dazu zu lesen!

Herzliche Grüße
Birgit Boekhoff

Dieser Beitrag hat 25 Kommentare
  1. Wo ich das gelesen habe ,hat mich so verändert .ich wusste es das ich nicht krank bin :)ich habe sowas wie eine selbstfindung hinter mir danach und weiß jetzt wer wir sind gut das ich mich selbstsehen konnte dank dieser arbeit ich werde viel machen hier ich kann nicht die welt retten aber die in meiner heimat die armen kinder …was ich nicht durch machen mustte. 10 jahre haft mrvz usw

  2. Hi,

    ich setze mich erst seit kurzem mit dem Thema ADHS auseinander, da ich (36) wahrscheinlich selbst davon „betroffen“ bin. Allerdings ist es gefühlt schwer, jemanden in Berlin zu finden, der ein freien Termin hat, um die Diagnose zu stellen. Und mit dem jetzigen Wissen, dass ich ggf ADHS habe, habe ich den Drang, möglichst schnell Hilfe / Unterstützung zu bekommen, um das Bestmögliche aus mir rauszuholen zu können und alle negativen Eigenschaften zu reduzieren.

    Seit ich denken kann, habe ich das Gefühl „anders“ zu sein und mir selbst im Weg zu stehen. Ich möchte endlich verstehen, wer ich bin, weshalb ich so bin und was ich damit anfange.

    Vllt haben Sie ein paar Tipps!?
    Vielen dank

    1. Hallo Patrick,
      wenn Sie ganz am Anfang des Weges stehen, dann empfehle ich Ihnen zum Einstieg mein kostenfreies ebook „Die wichtigsten 10 Fragen, wenn Sie ADHS bei sich vermuten“ und mein kostenfreies Webinar „ADHS im Erwachsenenalter – Wie sieht es aus? Was kann man tun?“. Wenn Sie gleich auch schon einen Schwung ADHS-Handwerkszeug haben möchten, dann könnte mein Videokurs „ADHS-StarterKIT“ etwas für Sie sein.
      Darüber hinaus finden Sie auf diesem Blog auch einige Artikel, die Sie durchsuchen können nach den Themen, die Sie am meisten interessieren.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  3. Hey,
    Gibt es auch adhs Menschen die eine leichte minderbegabung haben? Oder können es nur Menschen bekommen die intelligent Bis hochbegabt sind. Würde mich freuen wenn Sie mir die Frage beantworten können ich denke nicht das es geht weil die minderbegabten nicht Blitz schnell sind die sind ja eher sehr verlangsamt. Ach so weil adhs das Gegenteil von minderbegabten ist oder?

  4. Hallo Birgit, ich bin zum ersten Mal auf Ihrer Seite und danke Ihnen für Ihre Arbeit!
    Sehen Sie Parallelen zwischen ADHS und einer bipolaren Störung? Ich bin seit vielen Jahren in psychotherapeutischer/ medikamentöser Behandlung, und werde gerne als bipolar „eingestuft“. Zur Zeit will man mir einen Phasenstabilisator geben, was ich ablehne.
    Ich befinde mich gerade in einer depressiven Angstphase, weil ich denke und vor allen Dingen fühle, ich werde es nie schaffen meine Ziele zu verwirklichen.
    Chaos, Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Instabilität, innere Getriebenheit lassen mich verzweifeln.
    Eine befreundete Psychiaterin hat mir den Rat gegeben eine ADHS Diagnostik zu machen, weil sie mich als ADHSlerin und nicht als bipolar wahrnimmt. Eine Diagnostik hat 98% ADS ergeben. Daraufhin bekam ich Concerta, von dem ich sehr müde wurde.
    Dann haben wir Attentin probiert, was mich sehr ruhig macht.
    Da ich mich zur Zeit wegen der Angstdepression in einer guten Trauma-Klinik befinde möchte ich mit den Ärzten über mein ADHS sprechen. Bisher haben sie mich als bipolar gesehen. Und ich habe ich nicht viel Ahnung über ADHS.
    Da Sie so viel Erfahrung haben komme ich auf meine Anfangsfrage zurück:
    Wie kann ich ADHS und bipolar „auseinanderhalten“?
    Ich freue mich über Ihre Nachricht.
    Lieben herzlichen Dank für ihren Einsatz!!!
    Anna

    1. Hallo Anna,
      ADHS und Bipolare Störeung werden häufig verwechselt. Bzw wird oft bipolar diagnostiziert, wo eigentlich ein ADHS ist. Aber ADHS wird ein Arzt nur diagnostizieren, wenn er an ADHS „glaubt“, es erkennt und diagnostizieren KANN.
      Grundsätzlich kann man ADHS und Bibolare Störungen aufgrund der Anamnese, Symptomatik und Krankheitsgeschichte auseinanderhalten.
      Bei Bipolaren Störungen sind „nur“ die Emotionen betroffen. Es ist eine sog. „affektive Störung“.
      Bei ADHS sind neben den Emotionen, die sehr stark schwanken können auch noch die Selbstorganisation, die Aufmerksamkeitssteuerung, die Handlungsplanung und die Impulskontrolle beeinträchtigt.
      Ausserdem entsteht eine bipolare Störung erst später im Laben, ADHS hat man von der Kindheit an.
      Das alles sind nur kurze Hinweise.
      Letztlich können Sie selbst das wahrscheinlich gar nicht auseinander halten, da Sie keine Medizinerin sind. Das müssen Ärzte tun, die sowohl Bipolare Störungen als auch ADHS diagnostizieren können.
      Ich wünsche Ihnen, dass Sie an die richtigen Ärzte geraten und für sich Klarheit gewinnen.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  5. Hallo,
    ich bin das erste Mal auf einer Seite für ADHS und bin bereits 45 Jahre alt. In meiner Kindheit hieß die Diagnose „Minimale Celebrale Dysfunktion“ und NIEMAND wäre auf den Gedanken gekommen, dass es dafür Medikamente gibt. Ein befreundeter Arzt hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich „ADHS“ haben könnte. Und es hat so unendlich gut getan all´die positiven Seiten, die ich alle auch habe, mal so aufgelistet zu sehen. Ich habe mir die Grafik jetzt als Bildschirmhintergrund runtergeladen.
    Ich hatte und habe mein Leben lang Probleme mit Mobbing und Ausgrenzung gehabt und es hat viele Narben hinterlassen in dem Versuch sich anzupassen und so zu sein wie die Anderen. Ich denke, rede, erfasse, tue, fühle schneller als alle Menschen, die ich kenne. Ich habe da große Glück, dass ich in ganz vielen Bereichen „sehr gut“ bin, so dass man mir inhaltlich als Erwachsener im Beruf nichts anhaben kann. Aber ich bin „der Exot, der Paradiesvogel“ im Lehrerzimmer und bekomme täglich mit, wie „anders“ ich unterrichte, begleite, fördere, mich engagiere. Da ich die Welt im Guten wie im Schlechten in jeder Zelle spüre, sprühe ich vor Energie, Enthusiamus, Neugierde und Wissensdurst. Die andere Seite davon ist aber, den Becher des Schmerzes bis zum letzten Tropfen zu trinken und oftmals keinen Schritt weitergehen zu wollen. Schon oft fand ich die Vorstellung, für den Rest meines Lebens mit mir zusammenleben zu müssen, eher beängstigend als schön, da ich ja merke, wie anstrengend ich für meine Umwelt bin. Schüler lieben mich und Kollegen eher weniger. Ich kann mich nur sehr schwer an Regeln halten, deren Sinn ich nicht befürworte. Ich drücke meine Gefühle unmittelbar aus – egal ob vor Schülern oder dem Elternbeirat. Diplomatie ist leider total an mir vorbeigegangen, aber dafür kann ich Schüler begeistern und mitreissen. Mein ganzes Erwachsenenleben komme ich mit Kindern und Jugendlichen, gerade auch mit den „Problemfällen“ , besser zurecht als mit Erwachsenen. Ich passe nicht rein in ein System, in welchem man konform sein muß. Ich habe es immer wieder mit Meditation etc. versucht, aber dafür bin ich einfach zu ungeduldig. Ich habe durch viel Selbstreflexion herausgefunden, dass es mir am Besten geht, wenn ich alleine bin. Ich suche und finde die Ruhe in mir. Außerdem muß ich dann keine Angst haben, etwas „falsch“ zu machen“. Da meine Kanäle ständig geöffnet sind und ich alle Stimmungen, Gefühle, Zwischenmenschlichkeiten in einem Raum wahrnehme – mal abgesehen davon, dass ich auch bis auf den letzten Platz im Klassenzimmer Geflüster höre, brauche ich diese Zeiten mit mir ganz alleine. Ich spüre es körperlich, wenn die Reizüberflutung zu viel wird. Mittlerweile kann ich sogar den Moment spüren, wenn ich den Kontakt zu mir selber verliere und nur noch im Außen bin. Aufgrund meiner hohen Sensibilität bin ich eine hervorragende Pädagogin und habe großes Verständnis für alle größeren und kleineren Tiefs, die meine Schüler so haben. Meine erste Therapie mußte ich mit fünf Jahren bereits machen und seitdem habe ich unzählige hinter mir, bis ich endlich mit Ende Dreißig beschlossen habe, das Therapien nicht das Richtige für mich sind. Ich habe begriffen, dass ich so bin wie ich bin und mich auch nicht mehr ändern werde. Ich werde nie wie andere Erwachsenen sein, die ich kenne. Ich finde es sehr schade, dass es immer noch von mir verlangt wird, dass ich mich „ändere“. Doch mittlerweile – durch meinen Erfolg und meine Unterstützung durch meine Schüler – halte ich meinen Kopf höher und stehe dazu, wie ich bin. Nach fast dreißig Jahren Depression, Selbstverachtung und Unsicherheit sehe ich heute meine Stärken. An einigen Tagen nehme ich Ritalin – an anderen nicht. Das entscheide ich spontan. Aber ich nehme lieber Ritalin als Antidepressiva, die ich eigentlich gar nicht brauche, denn ich bin von Grund auf ein fröhlicher, energiegeladener Mensch – wenn man mich nur so läßt, wie ich bin. Ich wünschte mir, dass ich meine Impulse besser unter Kontrolle hätte; auch erst denken und dann reden oder handeln wäre wünschenswert, aber das steht offenbar nicht in meiner Macht das zu kontrollieren. Es war ein langer, schmerzhafter, steiniger Weg bis hier – doch ich habe überlebt, meine Nischen gefunden und leide nicht mehr so stark darunter wie früher, dass ich „anders“ bin. Das passiert nur, wenn ich wieder mal ausgegrenzt oder diffamiert werde – und das passiert leider immer wieder in der Zusammenarbeit mit „Erwachsenen“. Durch meinen eigenen Weg habe ich keine Vorurteile gegenüber anderen Menschen oder vorgefasste Meinungen, bei mir darf jeder so sein, wie er ist, mein Horizont ist weit geöffnet und ich neugierig auf Alles, was ich noch nicht kenne oder kann. Und ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass mein Leben in Allem intensiver ist, als das meiner Mitmenschen. Ich fühle mich reich. Ich habe einen Vergleich gefunden, der gut zu mir und meinem „ADHS“ passt. Ich bin wie eine Kerze, die an beiden Seiten brennt. Dadurch verbrenne ich zwar schneller, aber mein Licht leuchtet umso heller.

    1. Hey du tolle Lehrerin,
      Danke für diesen Wirklich tollen Text…genau SO und nicht anders, empfinde ich auch…
      Bleib wie du bist und lass dich nicht in irgendeine Form pressen nur, weil Kollegen und Mitmenschen nicht in der Lage sind, die Welt mit deinen Augen zu sehen und weil sie nicht mit deinen Farben malen können. Du malst wunderschön!!!!!!!und so einzigartig!!!!

      Ganz, ganz liebe Grüße
      Maria

    2. Hey du tolle Lehrerin,
      Danke für diesen Wirklich tollen Text…genau SO und nicht anders, empfinde ich auch…
      Bleib wie du bist und lass dich nicht in irgendeine Form pressen nur, weil Kollegen und Mitmenschen nicht in der Lage sind, die Welt mit deinen Augen zu sehen und weil sie nicht mit deinen Farben malen können. Du malst wunderschön!!!!!!!und so einzigartig!!!!

      Ganz, ganz liebe Grüße
      Maria

  6. Hallo Birgit,

    als ADHS-Betroffener stimme ich Ihrem Artikel trotz all der negativen Auswirkungen zu: ADHS ist keine Krankheit. Vielmehr betrachte ich es als wertvolle Gabe. Eine Gabe, die im alltäglichen Standard-Leben allerdings eher hinderlich ist.

    Obwohl ich Schwierigkeiten habe, mich zu konzentrieren, gehören zu meinen Hobbys tatsächlich eher Tätigkeiten, die höhere Konzentration erfordern. So zeichne ich gerne, wenn es mir absolut überhaupt nicht liegt. Weiterhin schreibe ich gerne Geschichten nur für mich selbst. Ein weiteres Hobby, bei dem Konzentration gefragt ist, habe ich zum Beruf gemacht bzw. mache ich derzeit zum Beruf – ich bin Fachinformatiker! Diese Tätigkeiten sind Beispiele, bei denen ich bevorzugt bemerke, dass ich phasenweise sehr wohl hohe Konzentration auf einem rauschartigen Level erreichen kann. Bloß leider klappt dies nicht bewusst.

    Ich bin bei meinen Recherchen auf den Begriff „Hyperfokus“ gestoßen, der meinen eben genannten Rauschzustand absolut treffend beschreibt. Ich denke, dass ist keine Fähigkeit exklusiv für uns ADHS’ler – viel mehr sticht es bei uns hervor, weil unser Überschuss an Energie im Normalzustand als überflüssige Reizüberflutung verpufft.

    Damit wäre ich auch bei dem für mich größten Nachteil an ADHS in der heutigen Welt: Die ständige Reizüberflutung. Früher, als der Mensch noch jagte, wahr diese Anfälligkeit ein wichtiges Gut für unser Überleben. Doch der heutige Mensch kann diese ungefilterte Wahrnehmung gar nicht nutzen, sie ist eher hinderlich für viele Aufgaben. Ich persönlich kann oft nicht die Leistung vollbringen, die ich mir erhofft habe. Weil ich etwas anfange, mich ablenken lasse und es dann nicht richtig zu ende bringe, weil die Zeit nun fehlt. Dies wiederum führt zum Perfektionismus, ich versuche durch das Ausschöpfen meiner Energiereserven eine Leistung zu vollbringen, die stark hervorsticht, bemerkt und bestenfalls gelobt wird.
    Dies mag oft klappen, doch dann macht sich die Erschöpfung bemerkbar und es ist kein Platz mehr für den erhofften Stolz. Stolz auf mich, stolz auf das, was ich erreicht habe. In einer solchen Situation falle ich in ein Tief, das mir sowohl geistige als auch körperliche Kräfte raubt. Nun stelle man sich vor, ich hätte mein Ziel trotz dieses Aufwandes nicht erreicht: Das Tief fällt noch sehr viel gravierender aus, sodass ich mich nicht mehr aufrappeln kann, um im Nachhinein stolz zu sein. Es entsteht ein Teufelskreis und ich brauche Ruhe, erholsamen Schlaf. Doch diesen Schlaf kriege ich nicht: Denn es kreisen dutzende Gedanken gleichzeitig vor meinem inneren Auge und jede Kleinigkeit, die ich trotz Ohrophax höre, schreckt mich erneut auf. Stunden vergehen, bis ich mit viel zu wenig Schlaf in den nächsten Tag starte und dasselbe Spiel mit weniger Energie aufs Neue beginne.

    Ich weiß nicht, wie ich mir die Reizüberflutung zu Nutze machen kann. Die Welt hat mir das Ausleben meiner Gabe abtrainiert. In Verbindung mit einer für mich verlorenen Jugend durch Mobbing fehlen mir zusätzlich wichtige Erfahrungen und Fähigkeiten, die andere Menschen machen konnten. Diese Einflüsse haben mich – so denke ich – in schwere Depressionen getrieben, für die meine Familie ohnehin schon sehr anfällig ist. Sie rauben mir die restlichen Kräfte, den Antrieb, aus den entstandenden Teufelskreis von Unzufriedenheit und Selbstkritik auszubruchen. Meine überflutete Wahrnehmung für die Welt ist farblos und der emotionale Kontakt zu mir selbst ist gedämpft. Aufgrund meiner Depressionen habe ich mich in psychiatrische Behandlung begeben; doch selbst wenn ich gelernt habe, mit diesen umzugehen, muss ich auch den Umgang mit meinem ADHS erlernen.

    Dies sind meine Gedankengänge, die mir soeben beim und nach dem Lesen des Artikels durch den Kopf gegangen sind. Ich wünsche mir, dass es mir gelingt, meine Probleme zu überwinden und endlich nutzen zu können, womit ich gesegnet wurde. Ob mir das gelingen wird?

    Liebe Grüße ~

    1. Lieber Azuryu,
      ja, die permanente Reizüberflutung und Informationsüberflutung unserer Zeit ist ein massiver Stressfaktor – nicht nur für ADHSler, aber ganz besonders für diese. Es gibt Möglichkeiten, sich zu schützen, Ablenkungen abzustellen, Überreizung zu vermeiden und immer wieder rechtzeitig für sich zu sorgen. Das ist ein Lernprozess, der etwas Zeit und KnowHow braucht. Prinzipiell gibt es hier Mittel und Wege, was davon speziell für Sie möglich ist, kann ich nicht sagen, da ich Sie nicht kenne. Wenn Sie Unterstützung auf Ihrem weg möchten und sich auch mit anderen austauschen wollen, die auch mit Reizüberflutung kämpfen und Lösungen für sich suchen, dann kommen Sie gern zu uns in den Schmetterling-Club. Dort gibt es ADHS-Handwerkszeug und persönliche Unterstützung durch mich und andere ADHSler.
      Alles Gute!

  7. Schon witzig das zu lesen..
    ich fühle mich nicht gut in meiner Rolle.
    habe sehr große Probleme mich zu konzentrieren. Meine ich nenne es einmal Wellenbewegungen – Gefühlstechnich, Konzentration, Zuverlässigkeit betreffend sind riesig. Ständig schwirren mir neue Aufgaben und Ideen ein, und während ich alleine dastand denke fange ich mit etwas neues an, und das alte bleibt liegen bis ich wieder zurück komme (mich selber ausbremse). Seit ich vor knapp 10 Jahren angefangen habe mehr auf mich zu achten, bekomme ich zumindestens hier eine gute Basis hin. Seit jetzt mehr als 2 Jahren habe ich einen Festen Job, wo ich mich profiliert habe. Jedoch fällt meine Wellenbewegung massiv auf – bin z.b. Morgens kein aktiver Mensch. Erst ab 10:00 Uhr ist mir es überhaupt irgendwie möglich mich zu Konzentrieren und „klar“ meiner Arbeit nachzugehen.

    Methylphenidat (Ritalin??) was mir eine Ärztin verschrieben hat, hat mir mehr gerschafet wie geholfen. Ich denke daher wirklich sehr negativ an diese Zeit. Ich würde gebremst, so stark das ich mich komplett veränderte.. und soweit in die Bredulie mit meinem Leben gekommen bin – das ich sogar eine Betreuung bekommen habe.

    Dieser Mensch hat der viel Zeit mit mir verbracht, mir Mut gemacht, meine Vergangenheit objektiv aufzurollen und zu analysieren, was mir sehr Start geholfen hat bestimmte Dinge an mir zu erkennen. Nur so könnte ich Stück für Stück „fehler“ mit viel selbst Beobachtung/Analyse ausmerzen.

    Nun aber mal zurück.. ich suche irgendeine Möglichkeit meine Konzentration zu trainieren, gerade was meine Gedanken angehen – um eine Balance zu finden, mich weiterentwickeln zu können.

    Ich denke nicht wie früher das ich Stroh dumm bin. Ich merke das gerade in Mathematik, Informatik, komplexe Sachverhalte, Logik, Soziales.. da sind meine Stärken.
    Theoretisches wiederum was unheimlich viel Disziplin kostet – sei es wie hier die Rechtschreibung, Stupides Auswendiglernen ohne den Sinn zu verstehen – funktioniert überhaupt nicht. Das führt dazu das ich für viele Dinge beim lernen , noch mehr lerne um es zu verstehen. Dann vergesse ich es net nie..

    Hört sich irgendwie lächerlich an, da es sich auch widerspricht. Aber mir fehlen die Worte es zu beschreiben.

    Das ist alles so der Grund, wieso ich auf meine Freunde, Kollegen neidisch bin.. sie haben diese Probleme nicht. Sie sind alle so dermaßen Diszipliniert, Geradlinig und kommen viel besser mit allem klar im Leben wie ich. Und Sie helfen mir in dem Sie mich ab und zu ausbremsen. Nur das wir uns verstehen, ich bin seit einem Jahr in Leitender Position – und muss vieles Organisieren.
    Irgendwie wollte ich das immer, nun wo ich es bin, stelle ich fest das gerade alles was mit der linearen Organistion zu tun hat – eine ganz massive fast nicht zu bewältigende Aufgabe ist. Die Konzentration eben – ist mein absoluter Feind.

    Ich stimme Ihnen hier zu.. es ist keine Krankheit. Es ist – ein Schlag von Mensch,
    Der nicht Gesellschaftskonform ist, und aus der Reihe fällt. Und ich denke das wenn alles etwas lockerer und offener wäre, es vieles für mich einfacher machen würde. Aber Mann muss sich ja fügen – und da gehe ich ein.

    Wenn Sie oder jemand hier evtl Ideen hat, oder hilfe kennen würde, wäre ich wirklich unheimlich dankbar. Den ich stecke mit meiner „selbstüberwachung“ fest, und komme nichtmehr weiter.

    1. Hallo Chris,
      vielen Dank für Ihre offenen Worte! Es ist immer schwierig, pauschale Tipps zu einer individuellen Situation zu geben. Aber vielleicht hilft Ihnen dieser Blogbeitrag etwas weiter: http://adhs-trainerin.de/adhs-7-tipps-fuer-eine-bessere-konzentration/. Gute Erfahrungen berichten mir meine Klienten auch von Achtsamkeitstraining (MBSR). Probieren Sie diese Tipps gerne aus und suchen Sie vielleicht in einer Selbsthilfegruppe oder in einem Forum Kontakt zu anderen ADHSlern. Der Austausch mit anderen kann auch sehr fruchtbar sein. Ich starte demnächst ein neues Online-Gruppen-Coaching. Wenn das für Sie interessant ist, dann tragen Sie sich gern in meinen Newsletter ein und Sie werden informiert, sobald es losgeht.
      Alles Gute!
      Birgit Boekhoff

  8. Erlauben Sie mir hier meine Erfahrungen niederzuschrieben.

    In unserer Gesellschaft angeblich ist Perfektionsismus besonders gross geschrieben. Nach genauer Betrachtung stelle ich folgendes fest. Auch nicht ADHS betroffene machen am Arbeitsplatz teilweise gravierende Fehler, nur können die sie besser verstecken.

    ADHS sind mehr offen und ehrlich und es ist ihnen wichtig, dass ihre Arbeit die sie leisten geschätzt wird. Sie nehmen die Arbeit am Arbeitsplatz besonders ernst. Ernster wahrscheinlich als die meisten nicht ADHS Betroffenen. Schon alleine deswegen, sind sie die besten Mitarbeiter, wenn sie dort eingesetzt werden, wo ihre stärken liegen.

    Aber natürlich weil sie so offen sind und ihre Fehler nicht wie andere verstecken, sind sie von ihren Arbeitskollegen und auch von ihrem Chef mehr angreifbar. Das führt dazu, dass die Leistungen stark nach unten gehen.

    Natürlich rede ich hier nicht von Berufen bei denen besonders schnell gearbeitet werden muss und die Qualität stimmen muss. Sondern wo genug Zeit bleibt um seine Arbeit zu verrichten.

    Wir dürfen auch nicht vergessen, dass vor rund 40 Jahren das Arbeitstempo viel langsamer gewesen ist. Personaleinsparungen haben geführt, dass ADHS Betroffene auch mehr eine IV bekommen haben.
    Sie sind dann die ersten die nicht mehr in die Norm dieser Leistungsgesellschaft hineinpassen.

    Es gibt aber so vieles das ADHS Betroffene tun können. Ein Musikinstrument spielen, zeichnen, schreiben usw. Ein Hobby finde ich wichtig für jeden ADHS betroffenen.

    ADHS Menschen haben mehr Verständnis für andere Arten von Behinderung von Menschen und können diese besser verstehen. Sie haben gute Antennen was Zwischenmenschliche Beziehungen betrifft. Sie merken sehr schnell wenn es eine aufgeladene Stimmung gibt oder wenn nächstens ein Streit losbricht.

    Wenn ein Betrieb genau diese Stärken zu nutze macht, sind ADHS Menschen besonders nützlich. Sie sind ausserdem sehr kreativ. Was können wir für das Neujahrsfest planen. Wenn man ADHS Menschen die Möglichkeit gibt, so bringen diese viele Kreative Ideen zusammen, wo anderen Mitarbeitenden nicht in den Sinn gekommen sind. Bei der Umsetzung braucht es dann andere. Aber alleine schon die Ideen sind doch wichtig um ans Ziel zu kommen.

    Deshalb sind ADHS Menschen unverzichtbar für solche Aufgaben. Ich denke was es derzeit braucht ist eine grössere Aufklärung in der allgemeinen Gesellschaft und besonders in der Schule. Es braucht eine genügend grosse Sensibilisierung und Selbstverständnis in unserer Gesellschaft.

    So wie es beim Alkohol, Drogen, kulturellen Unterschieden usw. heute ja schon der Fall ist.

  9. Hallo Anna,
    all diese positiven Eigenschaften kann man in der Tat bei vielen ADHSlern entdecken. Man muss aber verstehen, dass sich diese Fähigkeiten bei diesen Menschen eben als Kompensationen entwickelt haben, als eine Reaktion auf ernste angeborene Defizite im Erfassen, emotionalen Etikettieren und Wiederabrufen von komplexen räumlich-zeitlichen Abläufen und auf das quälende Empfinden irgendwie „schwer von Begriff“ und deswegen per se nicht gut genug zu sein für diese Welt. Der sich aufstauende Leidensdruck kann hier zweifellos zur Ausformung von besonderen Talenten führen, aber auch nur dann, wenn die nicht gestörten Teile des Gehirns auch das Potenzial dazu bereitstellen. Dann lässt sich die nicht selten komplett fehlende Intuition durch blitzschnelle adhoc Analysen in Grenzen emulieren. Ähnlich wie ein Blinder sein Gehör schärft um nicht ständig in irgendwelche Dinge reinzurennen. Aber nicht aus jedem Blinden wird deswegen ein Stevie Wonder. Wenn es Medikamente gäbe, die Stevie das erste Mal im Leben sehen lassen würden. Meinen Sie er würde darauf verzichten, weil er glaubte seiner Blindheit „alles“ zu verdanken? Wenn sie den Krankheitscharakter in Abrede stellen und gleichzeitig meinen Training und die richtige Umgebung würden genügen, um das volle Potenzial zu entfalten, dann irren Sie sich meiner Meinung nach. Als erfahrene Therapeutin kennen Sie sicher auch Erlebnisberichte von betroffenenen Erwachsenen, wie es sich anfühlte, das erste Mal nach einem halben Leben eine korrekte Medikation zu erhalten. Bei mir war es so, als hätte ich mit 45 Jahren zum ersten Mal meine verlorene Hälfte getroffen, nach der ich ein Leben lang am falschen Ort oder in anderen Personen vergeblich gesucht hatte. Ich möchte den Wert Ihres Engagements keinesfalls in Abrede stellen aber über diese Tatsachen zu schweigen ist aus den vorgenannten Gründen eher weniger hilfreich.
    Viele Grüße
    Luciano

    1. Hallo Luciano,
      Sie schreiben zwar „hallo Anna“, aber ich gehe davon aus, Sie wollten mich ansprechen mit Ihrem Kommentar?
      Es freut mich, dass die Medikation für Sie so ein großer Segen ist – und das ist sie tatsächlich für viele ADHS-Menschen. Nicht jeder braucht sie allerdings, das ist individuell sehr unterschiedlich. Mindestens 50% meiner Coaching-Klienten nehmen kein Methylphenidat und es geht ihnen dennoch gut. Sie wollen es nicht und sie brauchen es auch nicht. Hier kann man nicht verallgemeinern.
      Bzgl. Ihrer Anmerkung, dass sich die im Artikel genannten Stärken kompensatorisch entwickelt haben, möchte ich Ihnen gern widersprechen. Man findet diese typischen Stärken wie hoher Ideenreichtum, Spontanität, Hilfsbereitschaft etc. auch schon bei ADHS-Kindern von jungen Jahren an. Das Stärken-Profil von ADHS-Menschen ist bei Kindern und Erwachsenen relativ stabil gleich. Dies spricht eher für eine grundlegende Veranlagung als für eine kompensatorische Ausbildung.

  10. Es fühlt sich so gut an, endlich einmal lesen zu können, dass AD(H)Sler auch positive Eigenschaften haben, quasi eine Art „Gegengewicht“ zu den vielen „problematischen“ Eigenschaften.
    Leider werde ich im Alltag hauptsächlich mit den „negativen“ Eigenschaften konfrontiert, wodurch sie permanent im Fokus stehen. Diese ganzen positiven Eigenschaften fallen völlig „hinten runter“. Das ist schade und macht mich sehr traurig. Manchmal habe ich den Eindruck, alles was mich ausmacht, sind einzig die Probleme. Überall wird von Inklusion, Integration und Toleranz gesprochen, außer wenn es sich dabei um AD(H)S-Betroffene handelt: die sollen sich gefälligst ändern und anpassen oder sie sind raus. Ich habe so viele Fähigkeiten, so viel Potential und Einsatzwillen – aber weil ich Schwierigkeiten mit von außen vorgegebenen Strukturen habe, ist niemand daran interessiert. Was ist das bloß für eine Gesellschaft? Und: macht es die Situation denn besser, wenn man immer auf den Schwächen herumreitet? Wäre es nicht gescheiter, Potentiale zu nutzenund ressourcenorientiert zu handeln, nach dem Motto: Qualität statt Quantität?

  11. Diese positiven Eigenschaften haben m.M. nach nicht speziell etwas mit einer AD(H)S- Konstitution zu tun. Diese Charakterzüge finden sich wahrscheinlich in der gleichen Häufigkeit bei Nicht-AD(H)S-lern…..
    Ich denke, dass sich die meisten Menschen mit dieser „Störung“ ihrer positiven Eigenschaften sehr bewusst sind….. Leider kommen wir in unserer Gesellschaft lediglich mit „Einfühlsamkeit, Lachen, Spontanität, Begeisterungsfähigkeit“ etc. nicht weit, wenn wir unseren Lebensunterhalt bestreiten, unsere Kinder erziehen und unseren Alltag organisieren müssen. Da hilft es uns auch nicht, uns auf unsere Kreativität zu verlassen.
    VG, Sabine

    1. Hallo Sabine,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht damit, dass in unserer Gesellschaft ein sehr großer Fokus auf Effizienz, Eigenverantwortung, Leistung, Selbstorganisation und Fehlerlosigkeit liegt. Und wir sind im allgemeinen oft nicht gut in der Lage, davon wegzusehen und auch solche Eigenschaften wie Spontanität, Assoziationsvermögen, Kreativität zu schätzen und sie als Bereicherung zu nehmen. Genau aus diesem Grund ist es aber umso wichtiger, hier immer wieder vom Defizit- und Problemfokus wegzukommen und wirklich zu schauen, wo welche Stärken vorhanden sind und wie man diese im Alltag nutzen kann, in der Arbeit, in der Kindererziehung, im Haushalt, etc. Es ist wichtig, zu schauen, auf welche EIGENE Art und Weise man als ADHS’ler seine Arbeit, das Familienleben und den Alltag leben kann. Wenn man hier versucht, es so zu machen, wie die anderen Nicht-ADHS’ler, dann ist es problematisch. Das erfordert ein Sich-Einlassen und ein Umdenken, bei jedem Einzelnen und auch in unserer Gesellschaft. Und aus meiner Arbeit mit vielen Erwachsenen, Eltern, Lehrern etc. weiß ich, es lohnt sich, diese Stärken-Brille aufzusetzen und aktiv zu schauen, wo man seinen Alltag an die ADHS-Konstitution anpassen kann. Es ist nicht einfach, aber machbar, das zeigen ganz viele Beispiele von Menschen, denen dieser Spagat gelungen ist.

    1. Hallo Anna,
      ich lese aus Ihrem Kommentar einen großen Frust heraus, ist das richtig? Ich nehme an, Sie sind ein ADHS-Mensch und Ihr ADHS macht Ihnen in Ihrem Leben große Schwierigkeiten? Das kann ich gut nachvollziehen. In diesem Artikel geht es um die positive Seite von ADHS – und ich bin mir sicher, die haben Sie auch. Aber natürlich ist damit die Problematik, die ADHS ins Leben bringen kann, nicht „weggemacht“ oder bagatellisiert. In meinen Coachings mache ich immer wieder die Erfahrung, dass der Blick auf die Stärken sehr zu mehr innerem Frieden beiträgt. Und dazu kommt natürlich dann auch das Management der Schwächen und die Lösungsfindung für die Alltagsprobleme. Beides ist notwendig, um mit sich selbst zufrieden zu sein und das Leben erfolgreich zu bewältigen.
      Wenn Sie mögen, dann melden Sich sich gern für ein Beratungsgespräch bei mir, ich schaue gern mit Ihnen gemeinsam, wo und wie es Lösungen für das geben kann, was Sie beschäftigt und frustriert.

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