Hast du auch manchmal das Gefühl, dass dein Leben irgendwie eine endlose Ansammlung von Problemen und Krisen ist? Dass du machst und tust, an dir arbeitest, dich mit deiner Neurodivergenz und dem ADHS auseinandersetzt, du vielleicht auch schon ADHS-Coaching gemacht hast oder Psychotherapie und dass trotz dieser ganzen Bemühungen, die du anstellst, das Leben immer noch permanent mühsam ist?
Du funktionierst zwar besser, du hast deinen Alltag besser im Griff, du hast dich selbst besser verstanden, aber trotzdem ist es nach wie vor so, dass du emotional ständig aus den Fugen gerätst, dass Kleinigkeiten dich triggern und auf die Palme bringen, oder dich dermaßen aus dem Lot bringen, dass du innerlich zusammenfällst.
Du funktionierst nach außen einigermaßen, obwohl du innerlich erschöpft bist.
Du spürst oft sehr genau, was andere brauchen, aber kaum, was du selbst brauchst.
Du passt dich an, maskierst oder verbiegst dich, damit Beziehungen funktionieren.
Du fühlst dich anders, falsch oder nicht wirklich zugehörig, und das macht dich einsam.
Du gehst permanent über deine Grenzen, weil du sie nicht wahrnimmst, oder weil du sie wahrnimmst, sie dir aber nicht zugestehst?
Geht es dir auch so, dass du trotz dieser ganzen Arbeit an dir selbst feststellst, dass die gleichen Baustellen entweder immer wieder zurückkommen, oder sich zwar bessern, aber dafür neue Baustellen aufploppen, oder dass sich zwar irgendwie alles bessert, aber es trotzdem weiterhin ein ständiger Kampf ist und es einfach nicht leichter werden will im Leben?
Wann kommt der Durchbruch?
Viele Menschen mit ADHS haben das Gefühl, gar nicht zu wissen, wer sie wirklich sind. Sie leiden unter chronischer Erschöpfung und Überforderung. Sie wollen zwar einerseits sie selbst sein, mit ihrem ADHS, aber andererseits merken sie, dass sie sich doch wieder an zu vielen Stellen anpassen. Sie haben Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen. Sie schämen sich und zweifeln an sich selbst. Sie haben, obwohl sie versuchen, zu ihrem ADHS zu stehen, nach wie vor das Gefühl, falsch zu sein.
Sie stecken, obwohl sie ihren Alltag schon besser im Griff haben und ADHS-kompatibel gestalten, trotzdem noch in Jobs, die nicht zu ihnen passen, oder in Beziehungen, die nicht zu ihnen passen. Sie stecken trotzdem nach wie vor irgendwie in einem Leben, das sich nicht wie ihr eigenes anfühlt. Sie haben viel gelesen, verstanden, analysiert, und bei sich selbst auch verändert, aber so einen richtigen Durchbruch gab es bisher nicht.
Trotz Fortschritten sinkt die Problemlast nicht wirklich
Irgendwie sind manche Probleme immer noch da. Es gibt immer noch Muster von Maskieren, Verstecken, Verbiegen, Anpassen. Es gibt immer noch irgendwie eine dauerhafte Erschöpfung, es gibt nach wie vor depressive Einbrüche.
Es gibt trotz der vielen Auseinandersetzung mit sich selbst immer noch die Frage:
"Wo bin ich eigentlich in meinem Leben?"
"Ist das wirklich das, was ich in meinem Leben will? Oder halte ich hier etwas aus, stecke ich hier in etwas drin, weil ich denke, ich muss damit zufrieden sein, was ich bisher erreicht habe, und besser geht es eben nicht?"
Ist das Ende der Fahnenstange erreicht und besser geht es eben nicht?
Schauen wir uns diese Frage einmal an: wie gut kann und darf es uns neurodivergenten Menschen im Leben eigentlich gehen?
Müssen wir neurodivergente Menschen uns damit zufrieden geben, dass wir "einigermaßen zurechtkommen"? Dass wir uns und unser Leben "gut im Griff" haben?
Ist das das Ziel? Ist das die Endstation?
Müssen wir zufrieden sein und uns glücklich schätzen, wenn wir den Gesamthaufen an Problemen und Krisen um so und so viel Prozent reduziert haben, und der Rest: "Na gut, im Leben gibt es eben immer Probleme."?
Klar gibt es im Leben immer Probleme, aber bedeutet das, dass wir mit einer chronischen Schwere, chronischer Überforderung, Energieverlusten, dem Gefühl, ständig kämpfen zu müssen, zufrieden sein müssen?
Muss das Leben, nur weil wir eben anders sind oder überhaupt, ein ständiges Minusgeschäft sein? Ist "einigermaßen zurechtkommen" das höchste der Gefühle? Müssen wir damit leben, dass wenn wir "einigermaßen funktionieren", unser Endziel erreicht ist? Besser wird es nicht? Besser geht es nicht?
Ich glaube, das ist nicht das Ende der Fahnenstange
Ich kenne all diese Fragen, aus meinem eigenen Leben. Ich bin aufgewachsen in einer Familie, die keine Ahnung hatte, von meinem Autismus, meiner Hochsensibilität und meiner Hochbegabung. Sie kannten das nicht, sie wussten nicht, was ich als Kind gebraucht hätte, sie konnten mir nicht geben, was ich gebraucht hätte.
Mein Nervensystem war aufgrund meiner hohen Sensibilität ständig im Stress, ständig reizüberflutet, übererregt. Und als Kind braucht man Co-Regulation, man braucht Eltern, die einen regulieren und dem kindlichen Nervensystem ein Gefühl von Schutz und Sicherheit vermitteln. Dazu waren meine Eltern nicht in der Lage. Einerseits weil sie mein Sein und mein Verhalten und meine Reaktionen nicht verstanden haben und es damals auch niemanden gegeben hätte, der ihnen das hätte erklären können.
Zum anderen hatten sie aber auch nicht die Sensibilität dafür, mich wirklich wahrzunehmen. Und sie waren und sind auch einfach allgemein Menschen, die keine guten Zugang und Umgang mit Gefühlen haben. Ich will hier nicht ins Detail gehen, mehr zu meiner Geschichte, erzähle ich auf meiner anderen Plattform Endlich Ich Selbst.
Aber was ich sagen will: Ich hatte als sehr sensibles Wesen einen extrem rauen Start ins Leben, was dazu geführt hat, dass ich schon im Kindesalter Depressionen entwickelt habe, und dazu haben sich dann im Laufe meiner Kinder- und Jugend- und jungen Erwachsenenjahre unzählige Probleme dazugesellt. Depressionen (bis hin zur Suizidalität), Ängste, Sozialphobie, Co-Abhängigkeit, Essstörungen und mehr.
Und da ich gespürt habe, dass meine Eltern mit mir nicht zurechtkommen und sie mir auch immer wieder gesagt und vermittelt haben, wie ich bin, wäre ich nicht in Ordnung, habe ich auch schon als Kind angefangen, mich selbst zu verstecken. Und mich zurückzuziehen, Masken aufzusetzen, mich anzupassen. Das habe ich dann auch in der Schule gemacht, in meiner Ausbildung gemacht und das hatte alles zur Folge, dass ich ein "Hüllenleben" gelebt habe. Ich habe äußerlich gut funktioniert, eine intelligente, kompetente Birgit dargestellt, aber im Inneren war ich zerrieben, verwelkt, im Prinzip gar nicht da. Einsam, unglücklich.
Aber dennoch gab es in mir immer einen Teil, der sagte "das kann es nicht gewesen sein! Es muss möglich sein, dass es mir gut geht, und ich glücklich bin!"
Und dieser Teil hat mich immer angetrieben, mir Hilfe zu suchen. Psychologische Berater, Psychotherapeuten, Coaches. Und jedes Mal bin ich ein Stück weitergekommen. Aber trotzdem war die Gesamtlast mir immer noch zu groß und dieser Teil in mir hat trotz aller Fortschritte immer wieder gesagt:
Das kann es noch nicht gewesen sein, es geht dir besser, aber es geht dir nicht gut.
Es ist leichter, aber es ist nicht leicht.
Du bist mehr du selbst, aber du bist nicht ganz du selbst.
Es gibt noch mehr und wir sollten nicht vorher aufhören
Und dann habe ich weitergegraben, und mich weiter beschäftigt. Das alles hat ungefähr 30 Jahre gedauert und neun Psychotherapien beinhaltet, diverse Coachings, Workshops, Selbsthilfegruppen, Selbsthilfebücher, Podcasts etc. etc. Und ich habe es geschafft, an diesen Punkt in meinem Leben zu kommen, den ich immer angepeilt habe, und den ein Teil in mir mir immer als Ziel vor Augen gehalten hat:
Es muss möglich sein für mich, trotz meiner Neurodivergenz und auch trotz meiner schwierigen Kindheit und meiner Traumatisierung, die ich dort erlebt habe, dass es mir gut geht, dass ich glücklich bin.
Diesen Punkt habe ich erreicht.
Es ist möglich, sich frei zu fühlen, sich leicht zu fühlen. Es ist möglich, an den Punkt zu kommen, wo man sagen kann: "es geht mir gut. Ich bin glücklich."
Ist dann alles in Butter und alle Probleme weg?
Natürlich ist auch an diesem Punkt nicht alles in Butter, das Leben ist nicht problemfrei und Rosaeinhornpferdchen auf Schloss Wolkenkuckucksheim. Natürlich gibt es immer Probleme im Leben.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen
"ich lebe und ich habe 'normale Lebensprobleme' "
und einem
"ich stecke permanent im Krisen- und Überlebensmodus."
Wir müssen uns nicht damit zufrieden geben, "einigermaßen zurechtzukommen". Wir müssen uns nicht damit zufrieden geben, als neurodivergente Menschen eben einfach ein schwereres Leben zu führen als die anderen vielleicht. Wir müssen uns nicht damit zufrieden geben, dass wir "einigermaßen funktionieren".
Nein, auch wir haben das Recht und die Möglichkeit, an einen Punkt zu kommen, wo wir sagen können: ich lebe.
Ich überlebe nicht nur, sondern ich lebe.
Ich funktioniere nicht nur, sondern ich blühe auf.
Ich habe diesen Punkt für mich genannt: Leben 2.0. Und ich habe einen Ort geschaffen, an dem ich andere Menschen darin unterstütze und sie begleite, auch endlich sie selbst zu werden und ihr Leben 2.0 zu finden.
Der Ort, an dem du vom Überleben zum Leben kommen darfst
Raus aus den bedrückenden, einengenden, schweren Schichten von Schutz, Anpassung, Maskieren, Verbiegen. Raus aus dem falschen Leben, in dem man steckt, den falschen Beziehungen, in denen man steckt, dem falschen Ich, in dem man steckt. Raus aus dem permanenten Alarmmodus der inneren Alarmanlage. Raus aus dem permanent zwischen verschiedenen Überlebensstrategien hin und her taumelnden Nervensystem.
Dieser Ort heißt Endlich Ich Selbst.
Und dort geht es zwar auch um Neurodivergenz, aber nicht schwerpunktmäßig um ADHS.
Und auf dieser anderen Plattform habe ich eine Online-Community gegründet für Menschen, die nicht nur einigermaßen zurechtkommen wollen, sondern die endlich sie selbst sein wollen und zu dem Mensch werden wollen, der sie immer schon waren, aber nie sein durften. Und die aus ihren Schutz- und Anpassungsschichten und dem permanenten Alarmmodus herauskommen wollen, in ein Leben 2.0.
Was ist dein "höchstes Ziel"? Bist du auf der Seite "ich muss froh sein, wie viel ich schon erreicht habe" oder hast du auch diesen Teil in dir, der sagt "das kann es nicht gewesen sein! Es muss möglich sein, dass es mir gut geht!"?
Herzliche Grüße
Birgit
