Warum Aufräum-Aktionen alleine Sie nicht weiterbringen, wenn Sie es ordentlicher haben wollen

Das Thema Ordnung ist ein Thema, das sehr viele (oder sogar alle?) ADHS-Menschen beschäftigt. Sie mögen Ordnung und Struktur, profitieren davon, wenn es diese gibt, schaffen es aber irgendwie nicht, die gewünschte Ordnung für sich selbst herzustellen und beizubehalten.

Wenn ich mit Coaching-Klienten am Thema Ordnung arbeite, dann frage ich häufig, was denn unternommen wird, um es ordentlicher zu haben. Die Antwort ist dann fast ebenso häufig: „Ich muss eben einfach mal wieder aufräumen.“

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Und dann werden in Abständen immer mal wieder Aufräumaktionen gestartet, mit dem festen Glauben, dass Aufräumen das Problem lösen würde.

Das tut es aber nicht.

Warum wiederholte Aufräumaktionen alleine das Problem nicht lösen und was Ihnen wirklich weiter hilft, das zeige ich Ihnen in diesem Artikel.

Das Problem an der Sache mit den Aufräumaktionen

Vielleicht ist Ihnen das folgende Szenario vertraut (so erlebe ich es jedenfalls sehr häufig im Coaching):

Die Wohnung, der Arbeitsplatz, die Garage, der Keller, das Treppenhaus – irgendwie stehen und liegen überall Sachen herum. Papiere und Zeitungen stapeln sich, Kleidung liegt auf dem Boden oder hängt über Stühlen, Taschen fliegen im Flur herum, Wäschekörbe mit getrockneter Wäsche stehen auf der Treppe, Bücher und CDs verstopfen die Regale, Post liegt herum und wartet auf Bearbeitung, Gläser und Tassen stehen auf dem Wohnzimmertisch, die Brotkrümel verteilen sich in der Küche, etc.

Chaos bei ADHS

​Chaos ist bei ADHS nicht selten

Sie versuchen, den Alltag mit all seinen Anforderungen zu bewältigen und Arbeit, Familienleben, Freizeit und Haushalt zeitlich unter einen Hut zu bringen. Da häufen sich eben die Dinge an. Irgendwann wird es Ihnen zu viel, Sie kriegen einen Rappel und starten eine (kleine bis mammutartige) Aufräumaktion. „Jetzt mache ich tabula rasa und schaffe Ordnung auf meinem Schreibtisch…“.

Wenn Sie so wie die meisten ADHSler sind, dann klappt das im „Rappel-Modus“ (man nennt das auch „Hyperfokus“) relativ gut, wirklich den kompletten Kleiderschrank auszumisten und umzusortieren oder den dicken Stapel an Papieren endlich mal zu sichten und wegzusortieren oder gar die ganze Garage auszuräumen.

Danach fühlen Sie sich erleichtert und es ist wieder „Luft zum Atmen“. Man kann den Schreibtisch wieder erkennen, der Kleiderschrank geht wieder zu, das Auto passt wieder in die Garage. Puh. Geschafft. Jetzt habe ich es ordentlich.

Einen halben Tag (diese Zeitspanne kann etwas variieren ;-) ) später sieht es jedoch schon wieder aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte.

Warum hilft denn das Aufräumen nicht, um es ordentlicher zu haben?

Für Ordnung brauchen Sie Fliesen und Fugen

Die Antwort ist: Weil Aufräumaktionen nur die Fliesen in einem Mosaik sind. Ohne den Fugenkitt halten sie aber nicht lange zusammen und fallen auseinander.

Ihnen fehlen die Fugen.

Fugen?

Ja, die Fugen.

Es fehlt das „Dazwischen“. Zwischen den Aufräumaktionen.

buntes Mosaik mit Fliesen und Fugen

​Ordnung ist wie ein Mosaik: man braucht Fliesen und Fugen

Aufräumaktionen SCHAFFEN Ordnung. Temporär, punktuell, kurzfristig.

Viel wichtiger, um Ordnung wirklich langfristig zu verbessern, sind die Fugen. Es fehlen die Strategien und Verhaltensgewohnheiten, die dazu beitragen, dass die GESCHAFFENE Ordnung auch BEIBEHALTEN werden kann.

Ordnung besteht aus zwei Grundkomponenten:

Ordnung schaffen (= Aufräumen) und Ordnung halten (= Ordnungsgewohnheiten).

Wenn Sie Ordnung geschaffen haben durch das Aufräumen, dann kann diese Ordnung nur erhalten bleiben, wenn Sie entsprechende Ordnungsgewohnheiten haben, die das Ordnungslevel stabilisieren. Fehlen die Ordnungsgewohnheiten, dann bricht früher oder später das Chaos wieder aus und es muss wieder eine Aufräumaktion eingerichtet werden.

Welche Verhaltensgewohnheiten könnten das sein, die als Fugen helfen, die Mosaik-Fliesen zusammen zu halten?

Die fehlende zweite Komponente: Die Fugen

Entscheidend ist, wie wir mit den Dingen in unserem Leben umgehen, die wir in die Hand nehmen und benutzen. Wo und wie legen wir sie ab? Wann räumen wir sie tatsächlich an ihren Bestimmungsort? Wie zügig entscheiden wir, was wir mit den Dingen tun, die uns in die Hände fallen?

Es gibt viele sehr hilfreiche Ordnungsgewohnheiten. Die wichtigsten, mit denen Sie auch gleich konkret anfangen können, sind:

  • Benutztes sofort nach Gebrauch an den Stamm-Platz zurück
  • KEINE ZWISCHENABLAGE!!! (leg ich mal eben hier hin, räume ich später weg…)
  • Müll sofort in den Mülleimer (nicht erst die Bananenschale aus Unachtsamkeit auf der Fensterbank zwischenlagern…)
  • Den Arbeitsplatz immer aufgeräumt verlassen
  • Die 20-Sekunden-Handgriffe (im Vorbeigehen immer mal etwas mitnehmen oder aufräumen, wenn es weniger als 20 sek dauert)
  • Der Streunerrundgang (strukturiert Aufräumen in 10 Minuten, wie es geht, lesen Sie hier)
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Jetzt sind Sie dran. Lassen Sie mich wissen, was Sie darüber denken.

Und viel Erfolg beim auffüllen Ihrer Fugen :-)

Herzliche Grüße
Birgit Boekhoff

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