Wohnung aufräumen in 10 Minuten – Der Streunerrundgang

Der Streunerrundgang ist eine Aufräummethode, mit der man innerhalb weniger Minuten strukturiert und effektiv herumliegende Dinge aufräumen und an ihren Platz bringen kann.

Wir Menschen haben unterschiedliche Maßstäbe an Ordnung und auch ein sehr unterschiedliches Maß an Ordnung in unserer Wohnung oder am Arbeitsplatz. Der eine ist sehr ordentlich und aufgeräumt, die andere eher chaotisch und durcheinander. Ich spreche hier nicht von Sauberkeit, sondern erst einmal wirklich nur von Ordnung.

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ADHS bringt oft Unordnung mit sich

ADHS bringt oft Unordnung mit sich

Bei meinen Klienten im ADHS-Coaching erlebe ich häufig eine große Diskrepanz zwischen dem Anspruch an Ordnung und dem tatsächlich vorhandenen Maß an Ordnung. Auch ADHS-Menschen sind ja sehr unterschiedlich und nicht alle gleich. Dennoch ist im Coaching ein häufiges Thema: wie bekomme ich eine bessere Grundordnung in meine Wohnung?

Über die zwei grundlegenden Komponenten von Ordnung habe ich hier schon geschrieben.

In diesem Artikel stelle ich Ihnen den Streunerrundgang vor.

Das ist eine Aufräum-Methode, mit der Sie kontinuierlich innerhalb weniger Minuten täglich Ihre bestehende Grundordnung in der Wohnung wieder herstellen und vermeiden können, dass wieder neue Berge an Dingen anwachsen oder das Chaos sich erneut wie Schimmel in der Wohnung ausbreitet.

ACHTUNG: Sollten Sie noch keine Grundordnung in Ihrer Wohnung haben, dann ist der Streunerrundgang evtl. (noch) nicht für Sie geeignet. Dann heißt es für Sie evtl. erst einmal grundlegend ausmisten, sortieren, feste Plätze für die Dinge schaffen, etc.

Der Streunerrundgang – Ordnung schaffen in 10 Minuten

Für den Streunerrundgang brauchen Sie folgendes:

  • einen Wäschekorb oder eine Kiste
  • einen Timer, Wecker, Eieruhr
Timer
Wäschekorb

Der Streunerrundgang läuft in 2 Phasen ab:

  1. Streuner einsammeln
  2. Streuner nach Hause bringen

So gehen Sie vor:

Phase 1 – Streuner einsammeln

  1. Sie stellen sich den Timer auf 5 Minuten.
    Je nach Anzahl Ihrer Zimmer dürfen es auch 10 oder 15 min sein. Aber machen Sie die erste Runde nicht zu lang, denn Sie brauchen noch Motivation für die zweite Runde, und die ist anstrengender!
  2. Sie gehen in ein Zimmer Ihrer Wohnung und sammeln alles ein, was nicht in dieses Zimmer gehört.
  3. Wenn Sie in diesem Zimmer keinen Streuner mehr finden, dann gehen Sie ins nächste Zimmer und sammeln dort weiter. Alles rein in den Wäschekorb.
  4. Wenn der Timer klingelt, ist die Sammelzeit zu Ende.

Phase 2 – Streuner nach Hause bringen

  1. Jetzt beginnen Sie in dem Zimmer, wo Sie gerade stehen und bringen die Streuner nach Hause: Sie räumen aus dem Streunerkorb alles an seinen Platz, was in dieses Zimmer gehört.
  2. Wenn im Streunerkorb für dieses Zimmer nichts mehr ist, dann gehen Sie ins nächste Zimmer. Dort wird wieder alles an seinen Platz geräumt, was in dieses Zimmer gehört.
  3. Das machen Sie solange, bis der Streunerkorb leer ist.
  4. Jetzt freuen Sie sich über Ihr Ergebnis und machen Sie etwas Schönes ;-)
Ordnung schaffen mit dem Streunerrundgang

Alles kommt an seinen Platz.

Sollten Sie in der 2. Phase feststellen, dass Sie für viele Dinge noch gar keinen Platz haben und dass Sie sie vielleicht deshalb auch nicht wegräumen, dann nutzen Sie jetzt die Chance und treffen Sie diese Entscheidung, wo die Dinge hingehören sollen. Denn Chaos ist häufig die Folgevon aufgeschobenen Entscheidungen.

Noch ein Tipp zur Umsetzung:

Suchen Sie sich in Ihrem Tagesverlauf einen geeigneten Zeitpunkt aus, an dem Sie immer den Streunerrundgang machen. Eine Klientin von mir verbindet den Streunerrundgang z.B. mit einer bestimmten TV-Sendung. Oder Sie bauen ihn nach dem Abendessen ein (kann man auch mit Kindern gemeinsam machen) oder wenn die Kinder im Bett sind.

Eine Klientin sagt zum Streunerrundgang folgendes:

„Der „Streunerkorb“ wird nur noch selten gebraucht, weil es zur lieben Gewohnheit geworden ist, Dinge zurück an ihren Platz zu bringen. Das heißt nicht, dass das immer sofort passiert, aber es fällt mir inzwischen wesentlich leichter, weil es durch die Regelmäßigkeit weniger wird.“
Yvonne G.

Übrigens: Yvonne G. hat mir in einem Interview berichtet, was sich durch unser Coaching alles zum Positiven für Sie verändert hat. Der Streunerrundgang ist nur ein ganz kleiner Teil dessen, was ihr geholfen hat und was jetzt besser läuft. Sie beschreibt, wie sie von Scham, Überforderung und Verzweiflung hin zu neuer Lebensqualität gekommen ist. Lesen Sie die komplette Erfolgsgeschichte hier.

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Wofür sich der Streunerrundgang nicht eignet

Wie vorhin schon gesagt: Der Streunerrundgang ist eine Aufräummethode für alle, die schon ein Grundmaß an Ordnung in ihrer Wohnung haben, wo die meisten Dinge eigentlich einen festen Platz haben und wo tagsüber aber doch immer wieder Dinge liegen bleiben. Diese täglich liegen gebliebenen Dinge kann man mit dem Streunerrundgang abends z.B. in wenigen Minuten einsammeln und an ihren Platz bringen. 

Ein großes Maß an Chaos und Unordnung bekommen Sie mit dem Streunerrundgang nicht in den Griff – dafür braucht es andere Methoden.

Jetzt sind Sie dran.

Schreiben Sie mir gern einen Kommentar, welche Erfahrungen Sie mit dem Streunerkorb machen. Ich freue mich, von Ihnen zu lesen.

Herzliche Grüße
Birgit Boekhoff

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  1. „Denn Chaos ist häufig die Folge von aufgeschobenen Entscheidungen.“

    Ein sehr hilfreicher Satz, da ist etwas dran! Seit ich Familie habe, ist es um das Aufräumen schlimm bestellt. Mein Mann lässt nie etwas liegen, aber die Kinder und ich sind das Chaos pur.
    Die Streunerrunde machte ich früher schon, aber die Grenze von 5 Minuten ist wichtig, um nicht frustriert und völlig erschöpft zu werden. Meine Familie lacht mich schon aus, dass Aufräumen mich total erschöpft, weil das für andere Erwachsene „nebenbei“ geht 😞

    1. Hallo Vicky,
      freut mich, dass dieser Beitrag hilfreich für Sie ist! Und ja, für Menschen mit ADHS sind viele scheinbar banale Alltagsdinge, wie z.B. Aufräumen, mentale Schwerarbeit.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekhoff

  2. Damit bist du ins Schwarze getroffen. Ordnung in deiner Umgebung ist auch Ordnung in deinem Kopf. Du freust dich über deine Wohnung und bist gut gelaunt. Wichtig ist aber auch, dass du dich ab und zu an der Ordnung erfreust und dir selbst ein Kompliment machst. Dann macht es auch mehr Spass, das nächste Mal aufzuräumen.

  3. Danke für den tollen Tipp mit der Streuner-Runde!
    Ich werde auch versuchen, sie zur täglichen Routine zu machen! :-)

    In dem Zusammenhang möchte ich auch gerne einen Tipp teilen, den ich von Freunden aus der Gastronomie kenne:

    „Nie mit leeren Händen laufen.“

    Ich hab mir angewöhnt, wann immer ich in ein anderes Zimmer gehe, mind. eine Sache mitzunehmen, die dort hingehört.
    Z.B.
    vom Wohnzimmer in die Küche: Leeres Glas mitnehmen
    vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer: Ein Buch zurück ins Regal stellen
    vom Wohnzimmer ins Bad: Nagelfeile zurücklegen
    von der Küche in den Flur: Einkaufstasche an die Garderobe hängen.

    Das funktioniert natürlich auch innerhalb der Räume; vom Küchentisch zum Schrank, usw.

    Es gibt natürlich immer mal Tage, in denen ich es etwas vernachlässige (hey, ich hab schließlich ADHS! :-P), aber grundsätzlich habe ich mich mittlerweile so konditioniert, dass ich manchmal regelrecht suche, was ich mitnehmen kann.

    Ich kann nicht behaupten, dass es dadurch bei mir viel ordentlicher ist, Chaos entsteht ja nicht nur durch das Vermischen der Räume, auch innerhalb der Zimmer kann es chaotisch sein; daher bin ich auch über deine Tipps sehr dankbar.
    Aber diese „Immer eine Sache“-Regel hat mir vor allem, als ich Depressionen hatte und nicht fähig war, auch nur kurz etwas aufzuräumen, das Gefühl gegeben, nicht `gar nichts´ zu tun und wenigstens irgendetwas etwas erledigen zu können.

    Und in Kombination mit der Streuner-Runde verkürzt es diese dann ja sogar. :-)

  4. Ich habe im Internet nach Aufräumtipps gesucht. Man könnte ja fast meinen, alle mit Unordnung haben ADHS? Zumindest finde ich, man wird hier behandelt wie ein Kranker mit ADHS, die einen Streunerkorb braucht. Unordnung – ADHS?
    Wer soviel Ordnung hat, dass er nur einen 10 Min Rundgang benötigt, der hat kein Problem finde ich. Und vermutlich weder Küche noch Wäsche zu bedienen…!?

  5. Danke für den Tipp mit dem Streunerkorb! Ich habe es sofort umgesetzt und bin begeistert!!! Deshalb werde ich diese Methode versuchen täglich anzuwenden und es mir zu einem Ritual zu machen. Dinge direkt an ihren Platz zu räumen nach Gebrauch funktioniert bei mir „meistens“ aber nicht immer – von daher ist nun der Streunerkorb angesagt!
    Liebe Grüße, Lisa

  6. Hallo Birgit, das mit dem Streunerkorb finde ich schon mal sehr gut gedacht und kann vielleicht auch funktionieren, wenn man es immer macht. Aber was mache ich, wenn ich täglich immer dieselben Sachen gebrauche und sich das wegräumen nicht lohnt? Z. Bsp. koche ich jeden Tag 2 mal und benutze dafür Kochbücher und dann habe ich neuerdings einen Garten. Dafür benötige ich täglich Anleitungen, also ein Gartenbuch oder auch zwei und schon liegen um meinen Sitzplatz mindestens 3 Bücher herum in die ich immer wieder schaue, wenn ich mich mal hinsetze. Dazu kommen dann noch Ausdrucke von Kochrezepten oder Gartentipps, die ich im Internet gefunden habe und die verteile ich dann auch noch da, wo Platz dafür ist. Es sieht also immer verkramt aus, jedenfalls für andere. Haben Sie eine Idee, wie man das handhaben könnte, damit es ordentlich aussieht? Lg Paula

    1. Hallo Paula,
      das mit den Dingen, die man täglich in die Hand nimmt, ist im Prinzip nichts anderes. Auch diese Dinge sollten eine „Heimat“ haben, wo sie sich aufhalten, bis man sie wieder zur Hand nimmt. Allerdings ist bei den täglich (mehrfach) benutzen Dingen wichtig, dass sie wirklich super schnell griffbereit und auch wieder zu verstauen sind. Also die Kochbücher z.B. im Regal neben dem Essplatz oder über der Küchenzeile. Die Gartentipps auch im Regal neben dem Essplatz oder im Regal neben der Terrassentür. Auch wenn man diese Dinge täglich zur Hand nimmt, kann man sie nach Gebrauch wieder verstauen. Eben aus dem Grund, damit sie nicht immer herumliegen und es damit ramschig aussieht oder sie Tische und Stühle besetzen. Aufräumen hat nicht nur den Zweck, Dinge weg zu tun, die wir nicht brauchen, sondern auch den Zweck, Ordnung zu schaffen und zu halten, auch wenn wir die Dinge in absehbarer Zeit wieder benutzen.
      Herzliche Grüße
      Birgit Boekoff

      1. Hallo Birgit,
        vielen Dank für Ihre Antwort und ich glaube, ich sehe jetzt auch ein, dass es Sinn macht, alles immer wieder wegzuräumen. Ich will es ja schließlich ordentlich haben und nun muss ich nur noch ordentliche Ablagen schaffen und mich umgewöhnen. Also nochmal vielen Dank!
        Freundlicher Gruß
        Paula

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